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Aktuell: Wirecard schockt mit Eingeständnis zu den 1,9 Milliarden Euro

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Tja, sind sie nun da oder nicht, die 1,9 Milliarden Euro von Wirecard auf Treuhandkonten bei Banken in Asien? Letzte Woche verweigerte der Wirtschaftsprüfer sein Testat für den Jahresabschluss, und zwei Banken auf den Philippinen, bei denen angeblich 1,9 Milliarden Euro von Wirecard auf Konten liegen sollen, verkündeten, dass man keinerlei Geschäftsbeziehung zu Wirecard habe. Wirecard-CEO Markus Braun trat ja auch schon zurück.

Wirecard mit aktueller Erklärung

Und heute Nacht kommt nun das de facto Eingeständnis von Wirecard, dass diese 1,9 Milliarden Euro offenbar nicht existieren. In einer offiziellen Mitteilung schreibt das Unternehmen, dass man davon ausgehe, dass Zitat „die bisher zugunsten von Wirecard ausgewiesenen Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von insg. 1,9 Mrd. Euro mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen“. Rummmms! Das Geld ist also offenbar weg. Oder war es niemals vorhanden? Müssen vielleicht auch vorherige Jahresabschlüsse korrigiert werden? Die Ratlosigkeit geht weiter. Denn Wirecard tut so, als wüsste man selber nicht wo hinten und vorne ist. Hier ein weiteres Zitat aus der aktuellen Mitteilung:

Die Gesellschaft ging bisher davon aus, dass diese Treuhandkonten im Zusammenhang mit dem sog. Drittpartnergeschäft (Third Party Acquiring) zugunsten der Gesellschaft bestehen und hatte sie entsprechend in der Rechnungslegung als Aktivposten ausgewiesen. Vorstehendes führt auch dazu, dass die Gesellschaft die Annahmen über die Verlässlichkeit der Treuhandbeziehungen in Frage stellen muss. Der Vorstand geht außerdem davon aus, dass die bisherigen Beschreibungen des sog. Drittpartnergeschäfts (Third Party Aquiring) durch die Gesellschaft unzutreffend sind. Die Gesellschaft untersucht weiter, ob, in welcher Art und Weise und in welchem Umfang dieses Geschäft tatsächlich zugunsten der Gesellschaft geführt wurde.

Schockierende Aussagen

Das jüngst präsentierte vorläufige Ergebnis für 2019 zieht Wirecard daher aktuell zurück. Und man sagt auch, dass mögliche Auswirkungen auf die Jahresabschlüsse vorangegangener Geschäftsjahre nicht ausgeschlossen werden können. Man stehe weiterhin in konstruktiven Gesprächen mit seinen kreditgebenden Banken hinsichtlich der Fortführung der Kreditlinien und der weiteren Geschäftsbeziehung, inklusive hinsichtlich einer Ende Juni bevorstehenden Verlängerung der bestehenden Ziehung, so das Unternehmen. Gemeinsam mit der renommierten und international tätigen Investmentbank Houlihan Lokey prüft man Möglichkeiten für eine nachhaltige Finanzierungsstrategie des Unternehmens. Darüber hinaus prüfe man eine Reihe weiterer Maßnahmen um eine Fortsetzung des Geschäftsbetriebs zu gewährleisten, einschließlich Kostensenkungen sowie Umstrukturierungen, Veräußerung oder Einstellungen von Unternehmensteilen und Produktsegmenten. Puhhhhh, das sind mal Aussagen. Ist tatsächlich die Existenz von Wirecard in Gefahr, wenn man vor allem die hier fett markierte Aussage liest? Die Lage ist dramatisch. Die Aktie notiert aktuell vorbörslich mit 11,72 Euro, ein Minus von 51 Prozent gegenüber Freitag Abend!

Die Wirecard-Zentrale in München
Die Wirecard-Zentrale in München. Foto: Kaethe17 CC BY-SA 4.0

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    frank

    22. Juni 2020 08:40 at 08:40

    „Auswirkungen auf die Jahresabschlüsse vorangegangener Geschäftsjahre“ – also stimmen die Zahlen aus der Vergangenheit gar nicht? Umsätze, Gewinne alles getürkt?

  2. Avatar

    thinkSelf

    22. Juni 2020 09:15 at 09:15

    „Die Gesellschaft ging bisher davon aus, dass diese Treuhandkonten im Zusammenhang mit dem sog. Drittpartnergeschäft zugunsten der Gesellschaft bestehen“
    Das ist ja Realsatire vom Feinsten.

    „Fortsetzung des Geschäftsbetriebs“ auch schön. Wobei allerdings erst mal zu klären wäre, ob der Laden denn je über einen relevanten Geschäftsbetrieb verfügt hat. Also außer der Kernkompetenz „kreative Buchführung“.

  3. Avatar

    Hesterbär

    22. Juni 2020 14:54 at 14:54

    So ist das eben mit den Lügnern. Werden Sie ertappt, lügen Sie weiter, schieben die Schuld auf andere, tun ganz überrascht und leugnen, etwas gewusst zu haben. Lügner können nicht anders, sie sind auf das Lügen programmiert. Natürlich wussten die Verantwortlichen, dass es die 1,9 Millionen gar nicht gibt. Von wegen „Die Gesellschaft ging bisher davon aus…! bla, bla. Und wieder lügen sie. Ab ins Gefängnis mit diesem Gesindel! Wofür haben wir eigentlich Gesetze? Die gelten aber wohl nur für das Fußvolk; solche Leute kommen so gut wie nie hinter Gitter. Da gibt es also nicht einmal ein ausreichendes Abschreckungspotential für solche Machenschaften.

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