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Aktuelle Detaildaten: Und da behaupte noch mal jemand die „Kerninflation“ steige nicht so richtig…

Aber wo ist denn nun die Kernrate? Ohne Berücksichtigung des gesamten Energiesektors hätte die Inflationsrate im April 2017 bei +1,7% statt 2,0% gelegen. Also wäre man auch da noch auf...

FMW-Redaktion

Die Argumentation warum die EZB die Zinsen nicht erhöht, ist seit dieser Woche auch in den zu niedrigen Löhnen in der Eurozone zu finden. Aber der bisherige Hauptgrund ist die „Kerninflation“, die nicht so richtig steigen will wie die Headline-Inflation, die in der Eurozone bei 1,9% und in Deutschland bei 2,0% liegt. Heute früh sind die Detaildaten für Deutschland veröffentlicht worden. Sie bestätigen die 2,0% in der Headline für April.

Aber wo ist denn nun die Kernrate? Ohne Berücksichtigung des gesamten Energiesektors hätte die Inflationsrate im April 2017 bei +1,7% statt 2,0% gelegen. Also wäre man auch da noch auf dem Inflationsziel der EZB, nämlich knapp unter 2,0%. Laut EZB und Eurostat besteht die Kernrate aus der Inflation abzüglich den Bereichen Energie und Nahrungsmitteln, da ihre Preise zu stark schwanken (eine lächerliche Argumentation). Nahrungsmittel steigen übrigens um 1,8%, also auch genau im EZB-Zielkorridor!

Also alles andere außer diesen beiden bildet die Kerninflation. Die muss laut EZB auf knapp unter 2,0% steigen, damit die Zinswende angedacht werden kann. Und was sieht man da? Die folgende aktuelle Grafik des Statistischen Bundesamtes zeigt es. Verkehr +3,9%, Freizeit +3,3%, Alkohol und Tabak +2,2%, Gesundheit +2,0%, Wohnen +1,9%, Hotels +1,8%. Alles liegt genau auf dem EZB-Ziel oder sogar massiv darüber. Was bleibt da eigentlich noch an Preisfaktoren, die unter dem EZB-Ziel sind? Bekleidung liegt bei +1,4%, Bildung +1,0%, Nachrichtenübermittlung -0,9%. Ach ja… die Pauschalreisen, die steigen übrigens um 10,5% binnen eines Jahres!

Und da behaupte bitte noch mal jemand von der EZB die „Kerninflation“ würde nicht steigen…

Hier weitere Aussagen auszugsweise vom Statistischen Bundesamt:

Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich von April 2016 bis April 2017 um 2,2 %, maßgeblich bestimmt durch den Preisanstieg bei der Energie. Auch andere Waren verteuerten sich binnen Jahresfrist deutlich, zum Beispiel Schmuck und Uhren (+ 4,8 %), Spiele, Spielzeug und Hobbywaren (+ 4,5 %), Tabakwaren (+ 4,0 %) sowie pharmazeutische Erzeugnisse (+ 3,3 %). Billiger wurden unter anderem Geräte der Unterhaltungselektronik (− 4,9 %). Im Vergleich zu den Waren erhöhten sich die Preise für Dienstleistungen insgesamt gegenüber dem Vorjahr mit + 1,7 % schwächer. Diese Teuerung ist neben dem Preisanstieg bei den Pauschalreisen im Wesentlichen durch die Erhöhung bei der Nettokaltmiete bestimmt (+ 1,7 % gegenüber April 2016), für die private Haushalte einen großen Teil ihrer Konsumausgaben aufwenden. Daneben verteuerten sich zum Beispiel Dienstleistungen für Versicherungen (+ 2,3 %) sowie für Verpflegung (+ 1,8 %) etwas stärker. Deutliche Preisrückgänge gab es bei Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (− 6,6 %) in Folge der Umsetzung des Pflegestärkungsgesetzes II im Januar 2017. Hier verringerten sich insbesondere in der ambulanten Pflege für gesetzlich Versicherte die zu zahlenden Eigenanteile bei Inanspruchnahme einzelner Pflegeleistungen.

Bruttoinlandsprodukt

Ach ja, das BIP läuft nach Plan. Zitat von heute vom Statistischen Bundesamt:

Im Vorjahresvergleich hat sich das Wirtschaftswachstum ebenfalls erhöht: Das preis­bereinigte BIP war im ersten Quartal 2017 um 2,9 % höher als im ersten Quartal 2016. Korrigiert um den außergewöhn­lich starken Kalendereinfluss aufgrund der Lage der Feiertage ergibt sich ein Anstieg des BIP um 1,7 %, was in etwa den kalenderbereinigten Wachstumsraten des Vorjahres entspricht (+ 1,7 % im dritten Quartal und + 1,8 % im vierten Quartal 2016). Die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2017 wurde von 43,7 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 638 000 Personen oder 1,5 % mehr als ein Jahr zuvor.



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1 Kommentar

  1. Und selbst bei dem Punkt „Nachrichtenübermittlung“ kann etwas nicht stimmen. Die Post hatte die Preise zum Jahreswechsel so deutlich angehoben wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Beim Massenprodukt Standardbrief stieg das Porto von 62 auf 70 Cent.

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