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Warum die aktuelle Öl-Rally bis Donnerstag ein Hochrisiko-Trade ist

Bohrinsel für Öl

Seit letztem Donnerstag läuft nun die zweite Öl-Rally seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Bei unter 100 Dollar gestartet, ist das europäische Brent in wenigen Tagen bis heute früh auf 119 Dollar geklettert. Wie nervös der Markt ist, sieht man an den schnellen Kurssprüngen. In den letzten zwei Stunden ging es „mal eben“ um lockere 4 Dollar runter auf aktuell 115,25 Dollar. Der Chart reicht bis zum 23. Februar zurück – man sieht also den Kursverlauf im Brent-Ölpreis seit Kriegsbeginn.

Warum diese neue Öl-Rally bis Donnerstag ein Hochrisiko-Trade ist

Gab es nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs zunächst einen großen Run im Ölpreis bis auf 138 Dollar, gab es danach tagelang den Rückgang unter 100 Dollar, weil klar wurde, dass Russland von sich aus weiterhin verlässlich Öl und Gas nach Europa liefern wird, und das trotz der massiven westlichen Sanktionen. Die Angst vor der Verknappung beim schwarzen Gold verflog. Aber jetzt ist sie wieder da. WTI und Brent-Öl klettern nach oben, weil es eine neue Angst vor Verknappung gibt.

Diesmal wird diese Angst nicht von Russland ausgelöst, sondern vom Westen. Von Tag zu Tag steigt derzeit die Spannung, ob Europa es den USA gleich tut, und von sich aus Öl aus Russland boykottiert. Alleine gestern hagelte es Aussagen von EU-Mitgliedsstaaten. Einige sprachen sich dafür aus, dass die EU russisches Öl wegen dem Ukraine-Krieg boykottieren solle. Aber vor allem Deutschland zeigt sich abwehrend – noch – so möchte man sagen.

Kann Deutschland unter dem Druck vieler EU-Partner einknicken, und doch dem Importstopp für russisches Öl zustimmen? Am Donnerstag kommt US-Präsident Joe Biden zu Beratungen von NATO, G7 und EU nach Brüssel. Hier könnte womöglich zwischen EU und USA so eine Entscheidung getroffen werden, dass auch die EU mitmacht beim Öl-Boykott gegenüber Russland. Die Wahrscheinlichkeit für einen kompletten Importstopp der EU scheint gering zu sein, aber möglich ist es. Falls es so kommt, müsste Europa als gigantisch großer Abnehmer für Öl woanders auf dem Weltmarkt für Ersatz sorgen.

Preisexplosion oder Absturz?

Und diese Suche nach Ersatz für russisches Öl könnte Brent und WTI durch die Decke schießen lassen. Gestern gab es vom ehemaligen Energieminister und jetzt russischen Vize-Premier Alexander Novak warnende Worte. Würde der Westen geschlossen russisches Öl boykottieren, werde man einen Ölpreis von gut 300 Dollar sehen. Wäre ein Preis von 300 Dollar, den Alexander Novak aufgerufen hat, realistisch? Möglich ist alles – aber wer kann im Vorhinein schon einen Preis abschätzen für so ein Szenario?!

Eben wegen diesen Treffen am Donnerstag könnte es gut möglich sein, dass eine Entscheidung für oder gegen einen Importstopp für russisches Öl am Donnerstag von den EU-Staaten getroffen wird. Bis dahin könnte die Angst-Rally vor einer Öl-Verknappung weitergehen. Und wenn die EU sich gegen so einen Importstopp entscheidet, könnte vor allem das europäische Brent-Öl dann ruckartig im Preis abstürzen – weil dann nämlich klar wäre, dass russisches Öl weiter nach Europa fließt, und keine Angebotsverknappung ansteht.

Chart zeigt Kursverlauf von Brent-Öl seit dem 23. Februar Kursverlauf von Brent-Öl seit dem 23. Februar.



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