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Alitalia: Mehr als 10 Kaufinteressenten für die Pleite-Airline – in Kürze beginnt die heiße Phase

Nachdem die Angestellten von Alitalia zu hoch pokerten und sich Sanierungsplänen verweigerten, erklärte die Fluggesellschaft am 2. Mai die Pleite. Doch der italienische Staat half umgehend mit einem...

FMW-Redaktion

Nachdem die Angestellten von Alitalia zu hoch pokerten und sich Sanierungsplänen verweigerten, erklärte die Fluggesellschaft am 2. Mai die Pleite. Doch der italienische Staat half umgehend mit einem Notkredit aus. Dabei betonte man ausdrücklich, dass es nicht um Staatshilfen oder Ähnliches ginge (nein, sicher nicht). Es gehe nur darum Alitalia solange zu stützen, bis man einen Käufer gefunden habe.


Ein Alitalia-Flieger. Foto: Eric Salard/Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Seitdem steht die Airline unter einer gesonderten Verwaltung, was man bei uns wohl mit einem Insolvenzverwalter vergleichen kann. Nur dass der italienische Staat frisches Geld dazu gibt, damit der Laden weiter laufen kann. Das ist für Italien in der Tat von großer Bedeutung, denn was bei uns Lufthansa, ist in Italien die Alitalia. Der Ausfall der Airline würde durchaus eine erhebliche Beeinträchtigung im Streckennetz des Landes bedeuten.

Bis letzten Freitag lief eine Frist für kaufwillige Interessenten, die ein unverbindliches Kaufangebot für Alitalia abgeben konnten. Dabei geht es darum die Airline als Solches zu erhalten, und nicht stumpf auszuschlachten. Laut „Il Sole 24 Ore“ habe es bis Freitag mehr als 10 solcher unverbindlicher Kaufangebote gegenüber dem Sonderverwalter von Alitalia gegeben.

Richtig bestätigt ist bisher nur das Angebot vom Billigflieger Ryanair, nach Passagierzahlen der größte Airline in Europa. Darüber hinaus gibt es wilde Spekulationen und Gerüchte. Angeblich bieten Lufthansa und easyjet auch mit, dann aber wieder nicht – das ist alles noch unklar. Der Notkredit der italienischen Regierung soll noch bis Oktober den Laden am Laufen halten. Gut, wenn bis dann kein neuer Eigentümer gefunden ist, wird man wohl den Notkredit nochmal verlängern?

Wie auch immer. Es dürfte wohl darauf hinauslaufen, dass der neue Eigentümer mit eisernem Besen auskehren wird. Entlassungen, Gehaltskürzungen, das volle Programm. Alitalia fliegt pro Tag einen Verlust von gut 1 Million Euro ein. Zum Vergleich: Ryanair gab zufällig heute seine Zahlen nur für das zweite Quartal bekannt mit einem Gewinn von 397 Millionen Euro. Dazu gab man ebenfalls bekannt, dass man weiter aggressiv die Preise reduziere mit durchschnittlichen Preissenkungen von 8%.

Wenn man sich unter diesem Gesichtspunkt vorstellt, dass Alitalia Teil der „großen glücklichen“ Ryanair-Familie wird: Werden die Verluste der Italiener dann noch toleriert werden? Nein, auch von keinem anderen Konkurrenten. Der Sonververwalter wird Alitalia nur losschlagen können, wenn es keine richtigen Schutzklauseln für den Erhalt von Arbeitsplätzen etc gibt.

Alitalia gab am Freitag offiziell bekannt, dass der Sonderverwalter der Airline basierend auf den erhaltenen Angeboten sein Konzept erstellen und an die Regierung in Rom weiterleiten werde, was wohl noch diese Woche geschehen solle. Dieses Konzept soll auch die weitere Vorgehensweise enthalten bis zum Ende des Verkaufsprozesses. Nun, es ist klar: Dieser Sonderverwalter hat eigentlich nichts anzubieten, und daher auch kein Druckmittel um auf die Kaufwilligen einzuwirken. Denn Alitalia verkörpert keine Wertgegenstände und auch keine laufenden Gewinne. Also muss der Verwalter hoffen, dass es genug ernsthafte Kaufwillige gibt, die sich im Bieterverfahren gegenseitig übertreffen um zum Zug zu kommen.



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