Das Thema künstliche Intelligenz (KI) steht weiterhin im Rampenlicht und treibt weltweit Aktien an – doch nach Einschätzung von Richard Bernstein Advisors (RBA) ist die Lage deutlich größer: Wir erleben derzeit eine „Everything Bubble“ (Alles-Blase). Nicht nur KI treibt die Bewertungen, sondern ein breites Spektrum an Anlageklassen. Genau das macht die Situation aus Sicht vieler Marktbeobachter so gefährlich: Wenn fast alles gleichzeitig teuer ist, fehlt der „sichere Hafen“, sobald die Stimmung kippt.
Alles-Blase: Warum nicht nur KI überhitzt
Wie Bloomberg berichtet, hat die überschüssige Liquidität die Preise an den Märkten nach Einschätzung von Richard Bernstein Advisors weit über das Thema künstliche Intelligenz hinaus aufgebläht. Die daraus resultierende Bewertungsexpansion betrifft nicht nur Aktien, sondern auch Kreditmärkte – und sie speist sich vor allem aus den Bedingungen der letzten Jahre: günstiges Geld, fiskalische Impulse und anhaltende Risikobereitschaft.
„Wir sind im Moment so etwas wie in einer Alles-Blase“, sagt Mike Contopoulos, stellvertretender Chief Investment Officer des Unternehmens. Es gehe „nicht nur um KI – es geht um Krypto, Meme-Aktien, SPACs, Investment-Grade-Kredite, High-Yield-Kredite“. Das erklärte er im aktuellen Bloomberg-Intelligence-Podcast Credit Edge.
Contopoulos, seit 25 Jahren an den Märkten aktiv und früher Leiter der High-Yield-Strategie bei der Bank of America, macht vor allem die lockere Geld- und Fiskalpolitik verantwortlich. Diese habe Bewertungen in Bereiche getrieben, die fundamental kaum noch zu rechtfertigen seien. Besonders kritisch sieht er dabei KI aus Sicht von Kreditinvestoren: Sollte der Boom erfolgreich sein, profitieren sie nur begrenzt – scheitert er, bleiben sie auf den Risiken sitzen.
Big Tech setzt auf Milliarden
Der Druck steigt, weil große Technologiekonzerne inzwischen Hunderte Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur eingeplant haben – ein erheblicher Teil davon soll über den US-Schuldenmarkt finanziert werden. Die Investitionsausgaben (Capex) von Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta sollen laut von Bloomberg zusammengestellten Daten im kommenden Jahr um 34 % auf rund 440 Milliarden US-Dollar steigen.
„Tech wird dieses Jahr vermutlich wieder ein Stück weit auf den Boden der Tatsachen zurückkommen“, sagt Contopoulos. Entscheidend sei die Frage, was Investoren bei Technologie-Anleihen eigentlich kaufen: „Warum sind Anleger bereit, 40-jährige Schulden zu finanzieren für etwas, das in fünf oder zehn Jahren bereits obsolet sein könnte?“
RBA investiert über verschiedene Anlageklassen hinweg primär mit börsengehandelten Fonds (ETFs) – und hält aktuell keinerlei Engagement in Unternehmensanleihen. Noch vor einem Jahr war die Positionierung deutlich anders: Damals war das Haus in diesem Markt übergewichtet.
„Als die Spreads deutlich unter 90 Basispunkte gefallen sind, ergab das relative Wertversprechen für uns einfach keinen Sinn mehr“, so Contopoulos. Die Risikoprämien für US-Investment-Grade-Kredite stiegen am Mittwoch auf 78 Basispunkte und lagen seit Mai durchgehend unter der 90-Basispunkte-Marke.

Fed-Risiko und Chancen in Europa
Die Kreditspreads könnten sich in diesem Jahr ausweiten, wenn die US-Notenbank Fed die Zinsen nicht so schnell oder nicht so stark senkt, wie es der Markt derzeit einpreist, erklärt Contopoulos. Ein weiteres Risiko sei eine deutlichere Wachstumsabkühlung, als viele Anleger aktuell erwarten.
Angesichts der mageren Spreads im Unternehmensanleihebereich sieht RBA attraktivere Chancen in anderen Segmenten: Collateralized Loan Obligations (CLOs), Mortgage-Backed Securities (MBS), hochwertigen Floating-Rate-Anleihen – sowie Aktien in Europa.
„Nichts ist derzeit besser als europäische Qualitätsaktien“, sagt Contopoulos. Die Argumentation: fiskalische Impulse, eine insgesamt unterstützende Geldpolitik der EZB und ein anziehendes Gewinnwachstum bilden derzeit einen vergleichsweise robusten Mix. Während sich in den USA die Risiken einer zunehmenden Alles-Blase verdichten, könnten sich in Europa für Anleger gerade deshalb attraktive Chancen eröffnen.
FMW/Bloomberg
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken













Ja warum sollten Anleger mit 4,2% Zinsen für US – Bonds in hochriskante KI- Projekte anlegen wenn handfeste Immokredite in den USA ca. 6,3% kosten. Der Vorteil von Europa sehe ich nicht so gewaltig,
wenn die Allesblase platzt wird auch Europa Haare lassen wie üblich. Ich sehe eher Umschichtungen in die schon korrigierten Märkte von Asien/ China.