Anleihen

Alphabet macht KI-Schulden – 100 Jahre Laufzeit in britischen Pfund findet reißenden Absatz

Vertrauen am Anleihemarkt: Anleger wollen sieben Mal mehr Anleihen von Alphabet mit 100 Jahren Laufzeit kaufen, als angeboten werden.

Google-Zentrale in Hamburg
Google-Zentrale in Hamburg. Foto: Claudio Kummerfeld

Erst letzte Woche verkündete die Google-Mutter Alphabet, dass man in diesem Jahr 175 bis 185 Milliarden Dollar in Investitionsausgaben pumpen will, gut 60 Milliarden Dollar mehr als erwartet. Gigantische Dimensionen im KI-Wettlauf! In ähnlich dramatischen Dimensionen steigert auch Amazon seine Ausgaben. Mit Meta und Microsoft zusammen werden die vier in diesem Jahr 650 Milliarden Dollar ausgeben. Und der allergrößte Teil davon fließt in die KI-Infrastruktur. Zwar generieren diese Konzerne glänzende Umsätze und Gewinne, aus denen man Investitionen bezahlen kann. Aber man geht auch zunehmend dazu über, sich über die Emission von Anleihen Geld für diese Expansion zu besorgen.

Aktuell sieht man, dass Alphabet sich am internationalen Anleihemarkt breit gestreut Geld besorgt. So emittierte man heute auch Anleihen in Schweizer Franken. Beachtlich ist aktuell auch, dass man in britischen Pfund notierende Anleihen mit 100 Jahren Laufzeit ausgibt. Und siehe da, der Andrang der Investoren, die sich um diese Laufzeit reißen, ist enorm groß! Das kann man als Vertrauensbeweis in die finanzielle Kraft von Alphabet und in das Wachstumspotenzial von KI werten.

Alphabet hat mehr als das Siebenfache an Orders für den erwarteten Verkauf einer extrem seltenen 100-jährigen Anleihe im Wert von 750 Millionen Pfund erhalten – eine wegweisende Transaktion im schuldenfinanzierten Wettlauf um die Vorherrschaft im Bereich der künstlichen Intelligenz, so meldet es Bloomberg News. Die Muttergesellschaft von Google erhielt laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen, die anonym bleiben wollten, Gebote in Höhe von 5,75 Milliarden Pfund für die Jahrhundertanleihe. Die 100-jährige Anleihe erhielt die meisten Bestellungen unter den fünf Sterling-Tranchen, die Alphabet heute auflegen will, so fügten sie hinzu.

Die 100-jährige Anleihe ist Teil einer umfassenderen Finanzierungsoffensive von Alphabet, das bereits Mittel in US-Dollar aufgenommen hat und nun den Schweizer Franken- und den Sterling-Markt mit unterschiedlichen Laufzeiten erschließt. Die 100-jährige Anleihe wird die erste mit einer so extremen Laufzeit sein, die seit der Dotcom-Ära von einem Technologieunternehmen verkauft wird. Ihre Aufnahme in die Schuldenverkaufsorgie des Unternehmens zeigt, wie weit Tech-Giganten gehen müssen, um die enormen Summen aufzubringen, die sie zur Finanzierung ihrer Ausgaben für KI-Fähigkeiten benötigen.

Für einen Unternehmensemittenten ist dies eine seltene Leistung, da 100 Jahre eine lange Zeit sind, in der kein Geschäftsmodell, keine Bilanz und keine Unternehmensstruktur überleben kann. Aus diesem Grund sind Regierungen und Institutionen wie Universitäten, von denen einige seit Hunderten von Jahren bestehen, die Hauptemittenten dieser Wertpapiere.

„Es ist ziemlich schwierig, vorherzusagen, wie das KI-Ökosystem in fünf Jahren aussehen wird, geschweige denn in hundert Jahren”, sagte Song Jin Lee, Kreditstratege für Europa und die USA bei der HSBC Bank. „Der Sektor als Ganzes wird es geben. Aber die relative Hackordnung ist ziemlich unvorhersehbar”, sagte er und räumte ein, dass es Investoren mit langfristigen Verbindlichkeiten gibt, die diese mit Anleihen wie diesen abgleichen müssen.

Seit der Gründung von Google Inc vor rund 28 Jahren haben sich die Dinge rasant entwickelt. Die Mitbegründer Larry Page und Sergey Brin gründeten das Suchmaschinenunternehmen offiziell, nachdem sie 1998 eine Investition in Höhe von 100.000 US-Dollar erhalten hatten. In den Anfangsjahren arbeitete das Start-up in einer Garage im Vorort Menlo Park in Kalifornien mit Desktop-Computern.

Eine extrem lange Laufzeit hat einen großen Einfluss auf die Anleiheberechnung. Es gibt ein aktuelles Beispiel dafür, wie sich eine so lange Laufzeit auf den Preis einer Anleihe auswirken kann. Eine 100-jährige Anleihe, die 2020 von Österreich mit einem Kupon von unter 1 % ausgegeben wurde – dank der damals niedrigen Zinsen – wird laut Daten von Bloomberg derzeit mit weniger als 30 % ihres Nennwerts gehandelt.

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

3 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Hier sind die Renditen entscheidend…wie hoch ist der Kupon…der Ausgabepreis etc….über 100 oder unter 100..

    Ich würde das unter 7 Prozent Kupon jedenfalls nicht machen….aber bitte…jeder wie er will…

    Offenbar rechnet der Markt mit einer schnellen Rückkehr der Niedrigzinspolitik….

    Im 81er Umfeld eines Paul Volcker…. wäre das jedenfalls nicht möglich gewesen …nur wenn man mit bald sinkenden Zinsen rechnet…lohnt sich das….

  2. Die Leute, die die 100y Anleihe von Österreich im Depot haben, werden sich massiv in den Po beißen! Ich hab mir 30y spanische Anleihen mit 4.067% ins Depot gelegt.

  3. Der Schuldner ist der Bettler

    Solch lange Anleihen machen für den Emittenten wohl nur Sinn weil Kursgewinne steuerfrei sind und Zinserträge versteuert werden müssen. Im allgemeinen gilt immer noch, Schulden aufnehmen bei Tiefstzinsen und Kredite vergeben bei Höchstzinsen. Sich auf hundert Jahre festzulegen ist wohl sehr riskant. Bei Notlagen diktiert halt der Kreditgeber die Konditionen, kann man bei Warren Buffet lernen, er hat schon grosse Banken in Notlage gerettet zu seinen vorzüglichen Bedingungen. Das können aber nur Anleger die vor dem Crash ausgestiegen sind und genügend Reserven

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage