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Am Arbeitsmarkt nur Rekorde – warum jammern wir dann überhaupt?

Rekorde am Arbeitsmarkt, wohin man sieht, Rekorde, Rekorde, Rekorde. Die Bundesagentur für Arbeit verkündet heute, dass die Arbeitslosenquote im Juni auf 5,5% gesunken ist. Nur noch 2,47 Millionen Menschen waren…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Rekorde am Arbeitsmarkt, wohin man sieht, Rekorde, Rekorde, Rekorde. Die Bundesagentur für Arbeit verkündet heute, dass die Arbeitslosenquote im Juni auf 5,5% gesunken ist. Nur noch 2,47 Millionen Menschen waren arbeitslos nach 2,49 Millionen im Mai. Das ist der niedrigste Wert seit 1991. Das Statistische Bundesamt vermeldet ebenfalls heute, dass die Zahl der Erwerbstätigen im Mai auf den höchsten Stand seit 1991 gestiegen ist mit 44,07 Millionen Menschen. Das ist ein Plus von 1,5% gegenüber Mai 2016.

Erstens werden aktuell saisonbedingt mehr Arbeitskräfte gesucht. Zweitens ist der Anstieg der Beschäftigung und die niedrige Arbeitslosenquote vor allem strukturell bedingt, da grundsätzlich viele Arbeitskräfte nachgefragt werden. So steigt im Juni die Zahl der unbesetzten Stellen (von Arbeitgebern angeboten gegenüber dem Amt) auf 730.802. Noch im Mai waren es 714.398 offene Stellen. Die tatsächliche Zahl offener Stellen dürfte weit über 1 Million liegen, da nur die offenen Stellen erfasst werden, die die Arbeitgeber aktiv beim Amt melden. Schon die Umfrage der Forschungstochter der Bundesagentur für Arbeit „IAB“ ergibt einen Millionenwert an offenen Stellen.

Also, die Wirtschaft brummt, die Zahlen sind glänzend. Warum dann jammern? Gibt es überhaupt einen Grund zu jammern? Vielleicht ist es der falsche Begriff. Zunächst einmal darf man sich natürlich auf die Schulter klopfen für diese Zahlen, die andere Länder (Griechenland und Spanien) gerne vorweisen würden. Aber wir möchten an dieser Stelle nochmal drei der Kritikpunkte auflisten, die wir Monat für Monat immer wieder ansprechen.

Neue Stellen

Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht auch jeden Monat die Zahl neu geschaffener Arbeitsstellen im Vergleich zum Vorjahr. Dabei gibt es eine statistische zweimonatige Verzögerung, weshalb im heutigen Juni-Bericht die April-Daten genannt werden. Wie man in der folgenden Tabelle gut erkennt, ergibt sich ein Bild, dass sich nach und nach immer mehr dem Trend in den USA angleicht. Die große Masse der neuen Arbeitsplätze wird vor allem dort geschaffen, wo relativ „einfache Tätigkeiten“ in Dienstleistungszweigen angeboten werden. Die sind in der Regel auch schlecht oder sehr schlecht bezahlt. Zu nennen sind da unter anderem Stichworte wie Wachschutz, Zeitarbeit, Lager, Werkverträge, Pflegeberufe, Gastronomie uvm.

Die Metell, Elektro- und Stahlindustrie hat zwar insgesamt 43.000 neue Stellen geschaffen, und die Hersteller von Vorleistungsgütern 17.000 neue Stellen. Das war es dann aber auch schon. Den Rest liefern mit Ausnahme des Bausektors fast ausschließlich schlecht bezahlte Dienstleistungssektoren. Die breite Masse des Arbeitsmarkt-Rekords wird also wie in den USA getragen durch neue Jobs, von denen man sich kein Auto und keinen Urlaub leisten kann. Die Spirale geht abwärts, auch wenn die Headline-Zahlen wunderschön aussehen!

Offene Stellen

Wie wir es oben schon erwähnt haben. Es gab 730.802 offene Stellen im Monat Juni, ein Plus von 16.000 in nur einem Monat. Das zeigt, wie dringend die Unternehmen nach Mitarbeitern suchen. Gleichzeitig bleibt der Sockel der Langzeitarbeitslosen konstant bestehen. Dort tut sich nichts, gar nichts. Sie werden konstant von einer „Weiterbildungsmaßnahme“in die andere verschoben, um es mal vereinfacht auszudrücken. Bei so vielen nachgefragten Stellen, warum bleibt da gleichzeitig die Langzeitarbeitslosigkeit zu hoch? Ein Rätsel, das anscheinend niemand lösen kann!

Tatsächliche Arbeitslosigkeit

Und da wären wir auch schon nahtlos beim Thema „Tatsächliche Arbeitslosigkeit“. Denn vor allem mit ihren berühmten Maßnahmen schafft es die Bundesagentur für Arbeit eine riesige Masse an Arbeitslosen aus der Arbeitslosenstatistik zu streichen. Denn per Definition der Agentur ist ein Arbeitsloser, der eine Maßnahme besucht, gar nicht arbeitslos. Obwohl er doch keine Arbeit am freien Arbeitsmarkt hat, und sein Geld vom Amt bekommt, ist er nicht arbeitslos? Im Innenverhältnis zwischen Amt und Mensch ist der Mensch arbeitslos – in der Außenwirkung für die Öffentlichkeit aber nicht!

Dazu kommen noch kranke Arbeitslose, sowie Arbeitslose älter als 58 Jahre uvm, die ebenfalls nicht als arbeitslos gezählt werden. Die offizielle Arbeitslosenzahl von 2,47 Millionen dürfte in der Realität eher bei 3,4 Millionen liegen. Sie stimmt ziemlich genau überein mit der Zahl der „Unterbeschäftigten“, wie es die Bundesagentur offiziell bezeichnet (rot markiert in der folgenden Grafik).

So, und jetzt zum Abschluss nochmal der Hinweis: Ja, wer sich über die tollen Headline-Zahlen freuen will, darf dies ohne schlechtes Gewissen tun. Denn im Vergleich zu den allermeisten Nachbarländern um uns herum stehen wir doch recht gut da.

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    gerd

    30. Juni 2017 14:54 at 14:54

    „…- warum jammern wir dann überhaupt?“
    Wir? Wer jammert denn noch?
    (Höchstens die Bären – und vielleicht Walter und ich – und FMW).

    Zum Beispiel meinte Katamaransegler, dass w i r noch nie eine so grossartige Freiheit und Möglichkeit zu Leben hatten. Und sowas höre ich, lese ich immer wieder. Allerdings gilt auch hier: wer ist WIR?

  2. Avatar

    walter

    30. Juni 2017 15:20 at 15:20

    Dem Bericht ist nichts hinzuzufuegen…aaaber man muss sich das Wort „DIENSTLEISTUNG“mal auf der Zunge zergehen lassen!!
    Wer einen DIENST leistet,ist m.M.n.ein Lakai eines Bessergestellten(Unternehmen)!
    Frueher unter A.H.,sagte man ZWANGSARBEIT bei Wasser u.Brot u.event.eine Matraze unterm Ruecken!
    Ich sagte schon vor 20 Jahren,dass wir chin.Verhaeltnisse bekommen werden!
    FMW spricht von der USA…ist aber das Gleiche,wie bei den Chinesen(siehe damals z.b.Foxconn)
    ……………………………………………………………………………………………………………………….
    Habe es erst jetzt im TV mitbekommen,dass bei gleichgeschlechtlichen Ehen,auch Kinder adoptiert werden koennen…ist doch Sonnenklar,wenn man die Elternlosen Kinder in DE bedenkt!
    Die brauchen Obhut,um die sich das Volk(Ehe fuer Alle) kuemmern soll!
    Gerd,
    ich jammere nicht,sondern meine jahrelangen Thesen werden wahr und somit kann mir die dt.Politik nicht ans Bein pinkeln.

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      rote_pille

      30. Juni 2017 20:15 at 20:15

      Den größten Anstieg haben qualifizierte Unternehmensdienstleistungen (also Unternehmensberatungen) zu verzeichnen. Das sind die Leute, die die Digitalisierung vorantreiben und eben keine Serviertellerhalter … aber Hauptsache jammern, das Leben ist so langweilig, wenn man sich keine Krise einbilden kann.

      • Avatar

        walter

        1. Juli 2017 02:59 at 02:59

        Ok,dann muss ich leider fuer Sie konkreter werden…
        Wenn ein „Dienstleister“z.B.Ihnen, aus irgendwelchen Gruenden auch immer,verplichtet wird,Ihnen den Arch abzuwischen und dafuer einen Hungerlohn erhaelt,der nicht mal mehr zum leben reicht,wie nennt man Das,in der heutigen Zeit?
        Der Unternehmer ist eine priv.Organisation,die auf Hungerloehne ausgerichtet ist!
        Er leistet damit an Ihnen einen DIENST,damit Ihr Arch gesaeubert wird!
        (Pflegedienst,Krankenschwestern ect.)
        Ich jammere nicht,sondern ich lege den Finger in die Wunde!
        Habe die Ehre..

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      m.d

      30. Juni 2017 23:38 at 23:38

      @walter ich finde das auch nicht richtig. die gleichgeschlechtliche ehe hätte besser über eine volksabstimmung entschieden werden. nur dann wäre sie in ordnung. so muss man doch wissen das ein mikroprozentzahl entschieden hat. wer sich dagegen stämmt dem ergeht es so wie Franz-Peter Tebartz-van Elst der eine gleichgeschlechtliche eheschließung in der kirche verboten hat, also der wurde medial gejagt und geächtet. diese leute sitzen in den höchsten ebenen der gesellschaft. und das in einem land welcher exportweltmeister ist. putin wirds freuen und viele andere länder bestimmt auch.
      naja solange sie mich und meine kinder in ruhe lassen dürfen diese menschen machen was sie wollen. egal ob richtig oder falsch.

  3. Avatar

    Tino

    30. Juni 2017 23:01 at 23:01

    Zählen bei den Unternehmensnahen Dienstleistungen nicht auch Unternehmensberatungen etc. mit rein?

    • Avatar

      Peter

      1. Juli 2017 09:51 at 09:51

      Guten Tag, ich hatte mal bei Arbeitsagentur nachgefragt – Ihnen die Anwort zur Information:

      Unter „qualifizierten Unternehmensdienstleistungen“ werden nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2008) die Abschnitte
      L (Grundstücks- und Wohnungswesen) sowie
      M (Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen) zusammengefasst.

      Hier auch ein Link für weiterführende Informationen zur WZ 2008: https://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Grundlagen/Klassifikation-der-Wirtschaftszweige/Klassifikation-der-Wirtschaftszweige-Nav.html

      Beste Grüße

      • Avatar

        Tino

        1. Juli 2017 19:42 at 19:42

        Vielen Dank, ich habe lange gesucht und nichts gefunden, so richtig sicher bin ich dadurch allerdings nicht ob ich die Zunahme dieser Tätigkeiten als viel schlechter einstufen soll als die Schaffung von Industriearbeitsplätzen, da oftmals von fm von besorgniserregend Entwicklungen gesprochen wird, da ich nicht erkennen kann ob die Jobs schlechter bezahlt werden.?

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Atemmasken: Deutschland produziert sie ab Mitte 2021

Wolfgang Müller

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am

Es klingt ein bisschen wie ein Scherz, dass man jetzt den ersten Förderbescheid für die Produktion von Atemmasken seitens der Regierung erteilt hat, eine Allzweckwaffe für die Eindämmung von Covid-19. Im Frühjahr hatte man schmerzlich die Abhängigkeit von China in Sachen medizinischer Schutzausrüstung erkennen müssen. Der kleine Schönheitsfehler dabei: Die Produktion von Atemmasken beginnt erst im Sommer des neuen Jahres.

Der unvorhergesehene Mangel bei Atemmasken

Es war im Frühjahr ein kleiner Schock für das Hochtechnologieland Deutschland: Wir haben hierzulande zwar einen der Weltmarktführer für Beatmungsgeräte (Drägerwerk in Lübeck – Nummer drei für Intensivstationen, Nummer eins für mobile Geräte), aber bei Atemmasken war man in großem Maße abhängig von China. Die weltweite Ausbreitung von Covid-19 sorgte rasch für Ausfuhrverbote medizinischer Schutzausrüstungen und der Bundesregierung wurde klar, dass man handeln musste. Es wurde im Frühjahr ein Förderprogramm für alle Arten von Schutzmasken aufgelegt – und jetzt wurde der erste Förderbescheid an ein deutsches Unternehmen von Wirtschaftsminister Peter Altmaier übergeben. Vorher wurden notfallmäßig Mund-Nasen-Schutzmasken produziert. Unglaublich, wer sich dabei alles an der Produktion beteiligt hat.

Die erste Firma ist Skylotec aus dem rheinland-pfälzischen Neuwied, ein Unternehmen, welches vorher hauptsächlich Absturzsicherungen für Kletterer in der Industrie und im Freizeitbereich hergestellt hat.

Der Bund gab 3,2 Millionen Euro an Fördermitteln, zur Produktion von einer halben Milliarde Masken, ab Sommer diesen Jahres. Anschließend sollen auch die effektiveren FFP2- Masken hergestellt werden, 54 Millionen Stück. Skylotec bekommt damit ein Drittel der Investitionssumme vom Staat. Insgesamt liegen dem Wirtschaftsministerium 270 Anträge für eine staatliche Unterstützung in dieser Produktion vor. Wirtschaftsminister Peter Altmaier weiß natürlich, dass es kritische Fragen geben wird, warum es so lange dauert, bis ein so einfaches Produkt in die Massenfertigung geht. Seine Antwort:

„Man kann solche Programme nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen. Wir wissen nicht, wie lange es dauert, bis wir alle, die geimpft werden wollen, auch impfen können.“ Die Atemmasken würden in jedem Fall gebraucht werden. „Ob Corona oder nicht, es wird auch künftig Pandemien geben“, so der Minister.

Aber anscheinend hätte die Firma auch ohne Fördergelder mit der Investition begonnen, so der Geschäftsführer von Skylotec, Kai Rinklake.

Ob man im Spätherbst wirklich gleich noch Millionen an Atemmasken (zusätzlich) benötigen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Fazit

Inmitten der Euphorie um die Impfstoffzulassungen, bereits mit ganz konkreten Zahlen – in Hamburg plant man anfangs mit 7000 Impfungen pro Tag, in Berlin mit 5000 -, kommt die Meldung über die ersten Subventionsbescheide der Regierung in Sachen Atemmasken. Irgendwie ein grotesker Widerspuch: Eine Impfstoffentwicklung in noch nie gesehener Geschwindigkeit und die planerische Vorbereitung eines „Hightech-Produktes“ mit Produktionsbeginn in ein paar Quartalen. Ein Gutes hat die Sache: Laut dem Countrymeter liegt die Weltbevölkerung aktuell bereits bei über 7,85 Milliarden Menschen, der Zuwachs 2020 beträgt schon fast 89 Millionen neue Erdenbürger. Da ist es nicht verkehrt, sich prophylaktisch mit Infektionsschutzgerät auszurüsten: nach dem Virus ist vor dem Virus.

Deutschland produziert Atemmasken ab Sommer 2021

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Autoindustrie: Alles Euphorie oder was? Nur Tesla boomt!

Claudio Kummerfeld

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am

Autos auf Parkplatz

Tesla boomt, aber so richtig! Aber dazu später mehr in diesem Artikel. Haben wir uns geirrt? Was ist hier los? Nein, schauen wir genauer hin. Gestern berichteten wir über die Meldung des ifo-Instituts zu den Geschäftsaussichten (!) der Autoindustrie für die nächsten Monate. Und die haben sich übelst verschlechtert dank dem zweiten Corona-Lockdown. Sie werden von ifo in einem Punkte-Index gemessen. Die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sanken demnach dramatisch von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November (hier die Details).

Verband der Autoindustrie erwähnt bei Inlandsproduktion erstes Plus in diesem Jahr

Aber die stark verfinsterten Aussichten der Autoindustrie sind ja etwas anderes als der derzeitige Zustand der Branche. Und geht man danach, dann ist die Laune gerade heute am 3. Dezember ziemlich gut. Da wäre zunächst der Automobilverband VDA mit seiner ganz frischen Meldung zu nennen. Die deutsche Autoindustrie hat im November zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Im abgelaufenen Monat liefen – unterstützt durch einen zusätzlichen Arbeitstag – 7 Prozent mehr Pkw in Deutschland vom Band (449.900 Einheiten). Damit wurde erstmals in diesem Jahr das Produktionsniveau eines Vorjahresmonats übertroffen. Zwar erwartet der VDA für das Gesamtjahr 2020 ein Volumen von rund 2,9 Millionen Neuzulassungen. Das sei ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber für den Pkw-Inlandsmarkt erwartet man im kommenden Jahr ein Wachstum von 9 Prozent auf 3,1 Millionen Neuzulassungen. Damit sei das Vor-Krisenniveau allerdings noch in weiter Ferne.

Analysten mit aktuellem Kommentar

Die Analysten der Commerzbank sehen in ihrem aktuellen Kommentar die Lage für die Autoindustrie recht optimistisch. Die deutsche Automobilindustrie habe den Einbruch aus dem Frühjahr wettgemacht. Im November wurden in Deutschland zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Dies sei ein weiterer Hinweis darauf, dass zumindest die Industrie bisher durch die gestiegenen Infektionszahlen und die neuerlichen Corona-Einschränkungen nicht spürbar beeinträchtigt wurde, so der Analyst Dr. Ralph Solveen. Er erwähnt, dass auf Basis einer Saisonbereinigung fast 19 Prozent mehr Autos produziert worden seien als im Oktober. Damit seien die saisonbereinigten Produktionszahlen sogar etwas höher ausgefallen als im Durchschnitt des Jahres 2019, also vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Weiter sagt er, hier auszugsweise im Wortlaut: Zunächst einmal zeigen die heutigen Zahlen aber einmal mehr, dass die Industrie von den deutlich gestiegenen Infektionszahlen und den neuerlichen von der Politik verhängten Corona-Einschränkungen kaum beeinträchtigt wird.

Autozulassungen

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat heute Mittag Daten für die Autozulassungen im November veröffentlicht. Die zeigen einen guten Ist-Zustand für die Autoindustrie. Im November wurden in Deutschland 290.150 Neuwagen zum Straßenverkehr zugelassen. Damit liegt man 3,0 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahresmonats. Die Anzahl privater Zulassungen nahm um +22,8 Prozent zu, ihr Anteil betrug 39,4 Prozent. Die gewerblichen Zulassungen gingen um -14,7 Prozent zurück. Die Autozulassungen bei Tesla explodieren mit +500 Prozent! Hier weitere Details des KBA, auszugsweise im Wortlaut:

Die deutschen Marken Opel (+17,1 %), Audi (+3,1 %) und Mercedes (+0,5 %) erzielten Zulassungssteigerungen. Bei den weiteren deutschen Marken zeigten sich Rückgänge, die bei Smart (-49,2 %), VW (-18,4 %) und Ford (-15,8 %) zweistellig ausfielen. Mit 17,6 Prozent erreichte VW erneut den größten Neuzulassungsanteil.

Bei den Importmarken fiel die Neuzulassungsbilanz im November überwiegend positiv aus. Zweistellige Zuwächse von mehr als 30 Prozent zeigten sich bei Tesla (+500,0 %), Fiat (+42,7 %) und Toyota (+33,1 %). Um mehr als 20 Prozent waren die Zulassungen bei Renault (+29,2 %) und Citroen (+28,6 %) gestiegen. Ein Zulassungsminus von mehr als 20 Prozent zeigte sich hingegen bei Ssangyong (-48,0 %), Jaguar (-34,8 %), Mitsubishi (-27,0 %), Alfa Romeo (-21,9 %) und Seat (-21,6 %). Den größten Neuzulassungsanteil verzeichnete hier Skoda mit 5,9 Prozent.

Neuzulassungen mit alternativen Antrieben erfuhren im November eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vergleichsmonat. Mit 28.965 Elektrofahrzeugen legte diese Antriebsart um +522,8 Prozent zu. 71.904 Hybridfahrzeuge bescherten ein Plus von +177,2 Prozent, darunter 30.621 Plug-in-Hybride, die einen Zuwachs von +383,4 Prozent erreichten. Flüssig- und Erdgasfahrzeuge erzielten zusammen ein Plus von +51,9 Prozent wobei der Anteil 0,5 Prozent betrug. Den größten Anteil bildeten dennoch mit 40,4 Prozent die Benziner, deren Neuzulassungsvolumen gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um -32,3 Prozent zurückging, gefolgt von den Diesel-Pkw, deren Anteil nach einem Minus von -25,2 Prozent 24,3 Prozent betrug.

Die folgende Grafik zeigt vor allem ganz rechts mit den roten Balken, wie alle Hersteller bei den Neuzulassungen (teils dramatisch) verlieren im Vergleich Januar-November 2020 zu Januar-November 2019. Nur Tesla boomt mit +37,2 Prozent!

Heute Statistik zeigt im Zulassungsrückgänge für die Autoindustrie

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Finanzaufseher reaktivieren den „legalen Bilanzbetrug“ bei Banken

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken in Frankfurt

Vom legalen Bilanzbetrug bei den Banken sprach schon vor Monaten Markus Krall. Ja und auch Nein, kann man dazu sagen. Wenn der Staat durch neue Gesetze oder Verordnungen eine Änderung vornimmt, wird eben aus einer Straftat oder einem Vergehen eine legale Vorgehensweise – so kann man es auch sehen. Werden Kreditforderungen bei Banken uneinbringbar, und der Kreditnehmer zahlt monatlich Tilgung und Zins nicht mehr, müssen die Banken die Forderung unter normalen Umständen eigentlich abschreiben.

Damit entsteht ein Verlust, der aus dem Eigenkapital der Bank ausgeglichen werden muss. Da die Finanzaufseher von BaFin und EBA (europäische Aufsichtsbehörde) aber richtigerweise annahmen, dass die Coronakrise massenweise Kreditausfälle und somit gigantische Verluste bei den Banken bescheren könnte, entschloss man sich im April dazu, den Banken europaweit eine kleine und unauffällige, aber extrem wichtige Erleichterung zuzugestehen. Sie waren von April bis Ende September nicht verpflichtet, bei gestundeten Krediten Abschreibungen vorzunehmen beziehungsweise Rückstellungen zu bilden.

Oder um es klarer auszudrücken: Schrottkredite mussten nicht länger als Verlust verbucht werden, womit die Bankbilanzen keine milliardenschweren Verluste ausweisen mussten. Und das, obwohl die Kreditforderungen in den Büchern Schrott waren. In welchem Umfang dies der Fall ist und war, wissen wir nicht. Denn wenn die Banken in ihren Büchern wertlose Forderungen weiter als werthaltig deklarieren, wie soll ein externer Beobachter dann wissen können, wie groß der Umfang des Schrotts ist?

„Legaler Bilanzbetrug“ bei Banken wieder erlaubt

Und nun lief diese Sonderregel bis Ende September. Von da an mussten auch diese wackligen Forderungen wieder wie früher sauber verbucht werden. Aber nun läuft ja die zweite Corona-Welle durch Europa. Viele neue Insolvenzen und damit ausgefallene Kredite drohen. Und was sehen wir da? Zack, EBA und BaFin veröffentlichten gestern die „Reaktivierung der Leitlinien zu allgemeinen Zahlungsmoratorien“. Dass es im Kern darum geht, dass Banken Schrott erneut nicht mehr als Schrott deklarieren müssen und daher auch keine Verluste ausweisen müssen, das wird so nicht direkt erwähnt. Man verweist nur auf die Reaktivierung einer alten Leitlinie (aber dort kann man es bei genauem Hinschauen nachlesen).

Zitat EBA aus April:

The aim of these Guidelines is to clarify the requirements for public and private moratoria, which if fulfilled, will help avoid the classification of exposures under the definition of forbearance or as defaulted under distressed restructuring.

Zitat BaFin im März:

So ist beispielsweise ein Schuldner nicht zwingend als ausgefallen einzustufen, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden.

Das Gute an dem Zeitpunkt könnte auch sein, dass sie über den Jahreswechsel (Stichtag 31.12.) gültig sind. Könnten Banken so die Chance haben, für das Gesamtjahr 2020 massenweise Schrottkredite als vollwertige Forderung im Jahresabschluss auszuweisen, womit gigantische Verluste vermieden werden können, obwohl sie real vorhanden sind? Denn die von nun an erfolgte Reaktivierung bedeutet, dass die Banken bis März 2021 wieder so tun können, als würden Schrottkredite vollwertige Forderungen in ihren Büchern darstellen. Ohne diese Reaktivierung müssen Banken automatisch damit beginnen Rückstellungen zu bilden für ausgefallene Kredite, bei denen die Kunden mit ihren Zahlungen mehr als 90 Tage im Verzug sind. Laut EBA können auch Kredite, die bislang nicht in den Genuss dieser „Erleichterungen“ kamen, nun auch von Zahlungsaufschüben profitieren.

Die BaFin erwähnt dazu, dass problematische Kredite auch weiterhin als solche in den Büchern ausgewiesen werden sollen. Aber hey, wenn ich Problemkredite als saubere Kredite deklarieren darf, dann nutze ich diese Gelegenheit doch? Zitat BaFin:

Die Reaktivierung werde sicherstellen, dass Darlehen, die bisher nicht in Zahlungsmoratorien einbezogen waren, nun auch einbezogen werden können. Die EBA will erreichen, dass die Institute weiter Kredite an die Realwirtschaft vergeben. Problematische Engagements sollen sie aber sauber in ihren Bilanzen abbilden. Daher darf eine neue Zahlungsentlastung – einschließlich ggf. bereits schon gewährter Zahlungsentlastungen – nur innerhalb von insgesamt neun Monaten fällige Zahlungen betreffen.

Die EBA erlaubt den Banken neue Zahlungsziele ohne genaue Prüfung jeden Kredits zu akzeptieren. Die neue Regelung soll wie gesagt bis Ende März 2021 gelten. Wohl um so zu tun, als würde man die Zügel diesmal enger anziehen und die Lage genau im Griff haben, führt man zwei verschärfende Beschränkungen ein, die aber auch für bereits bestehende Moratorien schon gelten.

So sollen die Banken ihrer jeweiligen Aufsichtsbehörde (in Deutschland der BaFin) Pläne vorlegen, aus denen hervorgehen soll, wie man sicherstellen will, dass man rechtzeitig die Zahlungsunfähigkeit eines Kreditkunden in Bezug auf die dem Moratorium unterliegenden Kredite bemerkt. Klingt doch ziemlich nach Erstellung von ein paar schönen Seiten Papier, die abgeheftet werden. Wir denken uns einen Notfallplan aus, reichen den beim Amt ein, und hoffen das Beste. Die Aufsichtsbehörde hofft auch das beste, und ist froh, dass wie vorgeschrieben ein „Plan“ eingereicht wurde?

Und noch was. Wenn im Rahmen eines allgemeinen Zahlungsmoratoriums durch Banken neue Zahlungsziele vereinbart werden, dann dürfen sie nicht länger als neun Monate dauern. Damit wird die Dauer eines Moratoriums gegenüber einem Kreditnehmer ab 30. September insgesamt gekappt. Dabei sollen auch die vor dem 30. September bestehenden Moratorien mit einbezogen werden. Auch für sie gelten die neuen Regeln, selbst wenn dann die Spanne von neun Monaten überschritten werden sollte.

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