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Am Freitag ist die Deadline: was passiert an den Märkten nach einem government shutdown?

FMW-Redaktion

Die Chancen sind nicht gering, dass es ab Samstag 00:01Uhr zu einem „government shutdown“ kommt – wie so oft in der amerikanischen Geschichte. Die Stimmung zwischen den US-Demokraten und US-Präsident Donald Trump ist nach dessen Äusserungen über die „shithole“-Länder mehr als angespannt, und die Demokraten haben wenig Lust, Trump noch mehr Auftrieb zu verleihen, nachdem dieser die US-Steuerreform durchgebracht hat – aus Sicht der Demokraten eine weitere Umverteilung des Wohlstands, weil erwiesenermaßen die Top-Verdiener in den USA nicht nur nominal, sondern auch prozentual davon deutlich stärker profitieren. Und: faktisch wird den US-Unternehmen Geld geschenkt, auf Kosten der US-Steuerzahler, die dafür deutlich höhere Schulden schultern müssen.

Zwischen Demokraten und Trump/Republikanern gibt es einige Konfliktpunkte: Militärausgaben, die DACA-Frage (Menschen, die als Kinder von ihren Eltern illegal in die USA gebracht wurden) etc. – das zeigt schon der gestrige Tweet von Donald Trump

https://twitter.com/realDonaldTrump/status/953267506004754432

Es gab bislang mehr als 80 government shutdowns in den letzten Jahrzehnten – also gibt es empirische Daten darüber, wie sich die Märkte entwickelt haben in Zeiträumen unmittelbar nach der Schließung von US-Behörden, die ihren Dienst einstellen, wenn die US-Schuldenobergrenze erreicht worden ist und damit keine Gelder mehr ausgezahlt werden können an viele Staatsbedienstete.

In einigen Marktberichten wurde das gestrige reversal an der Wall Street nach starker Eröffnung mit Sorgen um den government shutdown begründet – und wenn man sich die Vergangenheit ansieht, dann wären diese Verkäufe durchaus „rational“, denn der S&P 500 entwickelte sich in der Vergangenheit in der Woche nach der Schließung deutlich schlechter als im historischen Durchschnitt unter „normalen“ Bedingungen: so verlor der S&P 500 durchschnittlich immerhin -0,3% in der Woche, die auf einen government shutdown folgt – und war dabei nur in 40% der bisherigen Fälle im Plus.

Danach wird es jedoch dann schnell besser – vermutlich weil es in der Vergangenheit stets so war, dass die Schließung nicht lange dauerte. Durchschnittlich gewann der S&P 500 daher nach einem Monat nach dem Beginn des government shutdowns +2,1% und dwar dabei in 80% der bisherigen Fälle positiv!

Besonders gut aber ist die Entwicklung beim Volatilitätsbarometer VIX, das die in den Optionspreisen getaxte Volatilitätserwartung der nächsten 30 Tage bemißt: so stieg der VIX in der Woche nach der Schließung um durchschnittlich +9,7% und war dabei in 75% der bisherigen Fälle positiv. Mit anderen Worten: es steigt die Nervosität an den Aktienmärkten und damit auch die Schwankungsbreite der US-Indizes. Und das ist eine schlechte Nachricht für diejenigen, die laut der Umfrage der Bank of America Merrill Lynch derzeit im „most crowded trade“ inverstiert sind: in Shortpositionen auf den VIX!


Das Kapitol, Schauplatz der Auseinandersetzungen zwischen Demokraten und den Republikanern
Von Diliff – Uploaded by Diliff, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=517895



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4 Kommentare

  1. Diese kindische kurzfristige Maßnahme erinnert an das „Eckestehen“ im Kindergarten. 5 Minuten erzieherische Maßnahme sorgen wie lange für Besserung? Bis zur Mittagspause oder gar den ganzen Tag? Und was ist morgen, nächste Woche, nächsten Monat?
    Ach ja, gigantische Infrastrukturmaßnahmen im zig-stelligen Milliardenbereich sollen verkündet werden. Wie finanziert? Typische und hinterhältige Lügen-Lücken-Presse-Frage, die finanzieren sich doch von selbst durch die positiven Effekte. Man muss nur bis dahin noch ein wenig mehr Schulden aufnehmen. Falls nicht bis dahin ohnehin schon die positiven Effekte der großartigsten Steuerreform aller Zeiten Billionen in die Staatskassen gespült haben werden.
    Vielleicht springt dann sogar im 1. Halbjahr auch noch die große Südmauer mit raus, wie auch immer, wir lassen uns die Feier nicht vermiesen :)

  2. Warum braucht Trump überhaupt die Demokraten dafür. Die Republikaner haben doch die Mehrheit im Kongress.

    1. @Christoph, für eine längerfristige Anhebung der Schuldengrenze braucht es im US-Senat 60 Stimmen, also mehr als die Republikaner im Senat haben..

  3. Ich befürchte dennoch, dass ein paar Luschis im letzten Moment wieder einbrechen. Ein paar Anrufe, ein paar Gratifikationen, ein paar Drohungen, Überzeugungsarbeit halt.

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