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Amazon-Angriff auf Paketkonzerne – den Preis zahlen wohl die Zusteller

Kein Unternehmen drückt in Sachen Automatisierung und Wandel derart aufs Tempo wie Amazon. Unlängst hat man erste eigene Supermärkte in Betrieb genommen, ganz ohne Kassen – auch keine SB-Kassen mehr. Hier kann enorm Personal eingespart werden. Auch sind Paketzusteller größtenteils überflüssig, wenn gar nicht mehr an die Haustür geliefert wird, sondern zunehmend an Amazon-eigene Paketstationen (Foto). Und bereits bekannt ist, dass Amazon zunehmend versucht sich unabhängig zu machen von UPS, DHL, Fedex und Hermes.

Unlängst musste schon die Deutsche Post eine Warnung an ihre Aktionäre aussprechen. Und bald dürfte noch deutlich mehr Amazon-Geschäft verloren gehen. Denn was man stets zuerst in den USA testet, wird bei Erfolg dann zügig auch in Europa umgesetzt. Heute verkündet Amazon offiziell, dass man in den USA kleine Unternehmer dazu animieren wolle mit bis zu 40 Auslieferungsfahrzeugen quasi Subunternehmer von Amazon für die Paketauslieferung zu werden.

Man stelle diesen Unternehmen Fahrzeuge und Kleidung für die Mitarbeiter zur Verfügung. Man werde auf Schulungen anbieten, wie man sich selbstständig mache (wofür eigentlich bei so einer klaren Form der Scheinselbständigkeit?). Man biete seinen neuen Partnern eine aktive Starthilfe. Und man stellt sogar einen operativen Jahresgewinn für die Subunternehmer von bis zu 300.000 Dollar in Aussicht, wenn man 40 Fahrzeuge betreibe (Betonung auf „bis zu“?).

Die etablierten Konzerne seien dem massiven Zuwachs an Paketen nicht mehr gewachsen, so Amazon. Daher sei man gezwungen zu handeln. So wie es sich anhört, haben diese kleinen und regionalen Paketfirmen wohl kaum etwas mit Selbständigkeit zu tun, wenn man derart eindeutig in die Logistik und in das Umfeld von Amazon integriert wird. Die Zustellwagen will man beispielsweise an die „Unternehmer“ verpachten. Schon dadurch entsteht ja eine Art Abhängigkeit.

Frage: Was passiert, wenn Amazon den großen Etablierten mehr und mehr Geschäft wegnimmt, und man in Zukunft selbst über eigene „Subunternehmer“ ausliefern lässt? Vor allem die Deutsche Post mit ihrer Pakettochter DHL dürfte dann mehr als nur auf dem Zahnfleisch gehen. Die Folge dürfte doch klar sein. Man wird versuchen seinen größten Kunden zu halten beziehungsweise zurückzugewinnen. Und dies geht natürlich nur mit besseren Angeboten, also sinkenden Kosten pro Paket.

Und wer zahlt das? Na klar, der Paketzusteller, mit noch schlechteren Arbeitsbedingungen und Gehältern. Da kann man sicher noch einiges rausholen aus einem 14stündigen Arbeitstag? Amazon kann zukünftig Giganten wie DHL ausspielen gegen vielleicht hunderte oder tausende kleine „Selbstständige“, die leicht ersetzbar sind. Wer ist billiger, wer liefert mehr aus? Das Kostenproblem kann wunderbar immer weitergereicht werden, bis ganz nach unten. Denn der kleine Subunternehmer hat ja immer noch Fahrer – die sind dann vielleicht auch selbständig und können deshalb unter Mindestlohn fahren? Man darf gespannt sein.

Amazon Paketstation
Amazon-Paketstation in Großbritannien. Foto: Philafrenzy / Wikipedia (CC BY-SA 4.0)



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3 Kommentare

  1. Die grossen haben jetzt schon Probleme hinterher zu kommen .
    Jede Entlastung ist gut.
    Von Zahnfleisch keine Spur.
    Kleine Dienste haben auch kein Zwischenlager für Pakete die nicht zugestellt werden konnten.

    Natürlich nicht für den Einzelhandel

  2. Das wäre ein ganz klarer Fall von Scheinselbständigkeit und der Staat müsste eigentlich sofort bereit stehen und das unterbinden. Die Frage wäre nur, ob man dass bei einem derartigen Global Player wie Amazon auch machen würde. Amazon würde dann ja der fiktive Arbeitgeber mit allen Pflichten und auch Kosten werden.

  3. Gibts in den usa dad verbot von Scheinselbstständigkeit ? Da will ich mal zweifeln.

    Zusteller sond jetzt schon knapp.
    Glaub ich noch nicht das die die Leidtragenden sein werden.
    Besonders die LKWfahrer sind knapp.

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