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Amazon, Google, Facebook: Ein gemeinsames Erfolgsgeheimnis!

Amazon, Google und Facebook sind in ihren Bereichen „die“ Weltkonzerne und Marktführer schlechthin. Warum sind sie so erfolgreich, und wachsen selbst bei ihrer jetzigen Größe dennoch immer weiter? Was ist ihr Erfolgsgeheimnis…

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Von Claudio Kummerfeld

Amazon, Google und Facebook sind in ihren Bereichen „die“ Weltkonzerne und Marktführer schlechthin. Warum sind sie so erfolgreich, und wachsen selbst bei ihrer jetzigen Größe dennoch immer weiter? Was ist ihr Erfolgsgeheimnis? Gibt es bei allein drei Unternehmen vielleicht Gemeinsamkeiten? Ich meine JA. Da gibt es nämlich eine entscheidende Gemeinsamkeit. Hierzu erst einmal ein kurzer Ausflug ins Fernsehen.


Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Foto: Presidência do México/Wikipedia (CC BY 2.0)

Haben Sie schon mal die Sendung „Die Höhle des Löwen“ gesehen, wo mehrere Investoren Geschäftsmodelle von Gründern bewerten und entscheiden, ob sie in deren Unternehmen investieren? Da gab es nämlich mal Gründer, die eine Webseite aufgebaut hatten, über die sie Nachhilfestunden anboten. Der Kommentar eines des potenziellen Investoren hierzu war letztes Jahr sinngemäß: Er investiere bei Internetprojekten nicht in Inhalte, sondern nur in Marktplätze.

Und genau das ist meiner Meinung nach das Erfolgsgeheimnis der großen drei, Amazon, Google und Facebook. Alle drei produzieren selbst nichts. Sie forschen nicht nach neuen Produkten, sie entwickeln nichts, die vermarkten nichts. Auch wenn beispielsweise Amazon eigene Lager hat, so stellt die Firma selbst nichts her. Auch nimmt man immer mehr externe Onlinehändler in sein Angebot auf, von daher ist Amazon ein echter Marktplatz.

Man kann es gut vergleichen mit dem Betreiber eines Flohmarkts oder Wochenmarkts. Der Veranstalter kassiert von jedem Standbetreiber eine Gebühr. Ob die einzelnen Standbetreiber mit ihren Produkten auf dem Markt Gewinn machen, ist dem Veranstalter herzlich egal. Er muss nur dafür sorgen, dass der Marktplatz selbst möglichst groß ist, dass viele Anbieter da sind, dass die Kunden einfach dorthin finden, immer wieder kommen und ihn weiter empfehlen.

Der Veranstalter des Marktplatzes muss also eine einfache, gut erreichbare und benutzbare Infrastruktur zur Verfügung stellen. Amazon bietet einen Marktplatz für Waren. Google bietet einen Marktplatz für Informationen. Facebook bietet einen Marktplatz für Menschen. Auch wenn es komisch klingen mag, aber so ist es eben. Alle drei produzieren aber letztlich nichts! Die Angebote und Produkte auf diesen Marktplätzen kommen von externen „Produzenten“. Blendet man bei Google mal die aus heutiger Sicht erfolglosen Vorgänger wie Yahoo und Webcrawler aus, dann waren alle drei Giganten (Amazon, Facebook, Google) die ersten Anbieter in ihrer Branche, und sind möglichst rasch und kräftig gewachsen.

Ob sie die besten Anbieter sind, spielt keine Rolle. Denn wer der erste ist, schnell wächst, stetig besser wird und die Konkurrenz platt macht (oder einfach aufkauft), hat seinen Platz an der Sonne sicher. Ob das ewig so bleibt, weiß im Augenblick niemand. Aber beispielsweise Facebook entwickelt seine Oberfläche stetig weiter, wird immer besser und interaktiver nutzbar. Auch die Vernetzung der Mitglieder wird immer größer, und immer mehr Menschen und Firmen sind dort mit ihren Inhalten präsent. Das macht es zukünftigen Konkurrenten immer schwieriger mit eigenen Plattformen überhaupt noch gegen Facebook antreten zu können.

Der Betreiber eine Flohmarkts hat in der Theorie gar keine Fixkosten, außer der eintägigen Miete für die Fläche, auf der der Flohmarkt stattfindet. Wenn er die Miete kennt und dann die Standgebühren dagegen rechnet, kann er sich seinen Gewinn gut kalkulieren. Natürlich ist es bei den drei großen Konzernen etwas komplizierter. Aber vom Grundprinzip her ist es ähnlich. Man muss keine Fabriken mit zehntausenden Mitarbeitern bezahlen, keine teuren Industrieprodukte entwickeln, keine Rohstoffe einkaufen, die dann erst weiter verarbeitet werden müssen.

Man muss lediglich seine Kosten für IT (Server-Farmen) und Personal im Blick behalten. Wächst der Marktplatz auf der Einnahmenseite aber ständig weiter, kommen am Ende tolle Gewinne heraus. Und genau das scheint hier der Grund zu sein, warum die drei Großen so gute Gewinne machen, und diese auch stetig ausbauen können. Man muss eben nur am Ball bleiben, den „Marktplatz“ stetig weiter entwickeln und Käufer/Anbieter des Marktplatzes immer bei Laune halten. Wie gesagt: Ob die drei die besten sind, weiß niemand. Sie waren aber die ersten, und haben mit Kraft und Geschwindigkeit ihre Nische besetzt.

Das Marktplatzmodell kann man auf andere Branchen übertragen. So zum Beispiel auf eBay. Was könnte für eBay oder Amazon eine Gefahr sein? Dass sich das Konsumentenverhalten ändert, und die Kunden auf den Online-Portalen der einzelnen Produktanbieter shoppen. Die Gefahr besteht, aber momentan hat Amazon beispielsweise in den USA schon einen Marktanteil von mehr als 50%. Es ist zu vermuten, dass die Bequemlichkeit des Online-Käufers Amazon weiter in die Hände spielen wird. Weil man wie gesagt als erster da war, profitiert man von der Bequemlichkeit der Kunden. Wer hat schon Lust sich bei jeden neuen Klamotten-Kauf jedes Mal in einem einzelnen Onlineshop neu zu registrieren? Man hat doch seinen Amazon-Account. Da kriegt man doch eh alles, werden sich viele Konsumenten sagen.

Das Prinzip „Marktplatz“ ist zumindest ein Erfolgsgeheimnis. Das haben alle drei gemeinsam!

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Trigo

    28. April 2017 17:44 at 17:44

    „Die“ Weltkonzerne und Marktführer in Steuervermeidung! …. Das Prinzip“ Steuervermeidung“ ist zumindest ein Erfolgsgeheimnis. Das haben alle drei gemeinsam! ?

  2. Avatar

    klempner

    28. April 2017 18:02 at 18:02

    fugi, was sagt uns das für deinen laden? du musst marktplatz sein anstatt uns jeden tag deine bärensicht vorzukauen. hol noch mehr borns, rißes, losslesses etc auf deine seite und knall uns die birne zu a la godmodetrader. irgendein huhn findet immer ein korn.

    • Avatar

      Lars

      28. April 2017 18:40 at 18:40

      Wie höflich, respektvoll und sachlich. Hört sich an wie ein Klempner mit Vierkantschlüssel-Kopf (frei nach Konstantin Wecker) ;)

  3. Avatar

    jori

    28. April 2017 18:09 at 18:09

    <>

    Nein.
    In aller Kürze:
    Beispiel Amamzon:
    <>

    Beispiel google:
    <>

    Facebook ist ebenfalls auf dieser Schiene:
    https://www.forbes.com/sites/bernardmarr/2016/12/29/4-amazing-ways-facebook-uses-deep-learning-to-learn-everything-about-you/3/#29fc8d5a23c2

    Genau diese genannten Drei sitzen auf den Resourcen der Zukunft und entwicken das Know-How, dieses wirklich zu nutzen…
    Oder wie es Andrew Ng, einer der angesehenen Experten für artificial intelligence ausdrückt: „AI is the new electricity…“

    • Avatar

      jori

      28. April 2017 19:26 at 19:26

      Tja, da wurden einige Zitate ausgefiltert:

      „Alle drei produzieren selbst nichts. Sie forschen nicht nach neuen Produkten, sie entwickeln nichts, die vermarkten nichts“

      Amazon ist einer der weltgrössten Cloudservice-Anbieter:
      „Amazon Web Services (AWS) ist ein US-amerikanischer Cloud-Computing-Anbieter, der 2006 als Tochterunternehmen des Online-Versandhändlers Amazon.com gegründet wurde. Zahlreiche populäre Dienste wie beispielsweise Dropbox, Netflix, Foursquare oder Reddit greifen auf die Dienste von Amazon Web Services zurück. AWS ist Stand 2017 der führende internationale Anbieter im Cloud Computing“

      Google hat neben vielen anderen Projekten Tensorflow, ein hervorragende Bibliothek für AI:
      „TensorFlow ist eine plattformunabhängige Open-Source-Programmbibliothek für künstliche Intelligenz bzw. maschinelles Lernen im Umfeld von Sprache und Bildverarbeitungsaufgaben. In der Forschung und im Produktivbetrieb wird sie derzeit von verschiedenen Teams in kommerziellen Google-Produkten wie Spracherkennung, Gmail, Google Fotos und der Google Suche verwendet[1]. Viele dieser Produkte benutzten früher die Vorgängersoftware DistBelief. TensorFlow wurde ursprünglich vom Google-Brain-Team für den Google-internen Bedarf entwickelt und später unter der Apache-2.0-Open-Source-Lizenz veröffentlicht.“

      Tatsächlich gehen viele der besten Leute in diese Firmen, weil sie führend in der Entwicklung sind…

      • Avatar

        Lars

        28. April 2017 19:58 at 19:58

        Und wer genau benötigt eigentlich essentiell Cloud-Computing, außer Datenschnüffler, Datensammler als Konsequenz Spam-Werbemail-Schleudern?
        Was und wem nutzt AI zur Spracherkennung, wenn es perfektes Hochdeutsch voraussetzt und bei kleinsten Dialekten komplett versagt?

        Welchen prozentualen Anteil an den Konzernumsätzen haben die genannten Randsparten AWS und TensorFlow?

  4. Avatar

    Mr. Jones

    28. April 2017 18:29 at 18:29

    Amazon, Google und Facebook sind Unternehmen. Das war’s. Keine Beziehung zur Wirtschaft, reine Statistik, nichts lebendiges, alle tote Unternehmen. Amazon nie einen Gewinn, Google ? fraglich, Facebook User 1:10. Alles Fake.

    • Avatar

      Dieter G.

      30. April 2017 00:45 at 00:45

      Keine Beziehung zur Wirtschaft??? Schau mal nach mit welchem CMS FMW betrieben wird. Schau Dir die enge Verflechtung von Google und Webentwicklern an. Noch mehr Leben geht da nicht mehr.

      • Avatar

        Michael

        1. Mai 2017 17:40 at 17:40

        @Dieter G.
        Ich bin Webentwickler und kann Ihnen daher (noch) lebhaft versichern, dass man bei der Verflechtung von Google zu uns nicht wirklich von Leben sprechen kann.
        Das CMS, von dem Sie sprechen, wurde vom bunten Hai kurzerhand geschluckt und dafür missbraucht, „neue, tolle, unwiderstehliche“ Standards beim Webdesign zu schaffen.
        Google bindet und verflechtet Kunden von uns Webentwicklern und -designern, indem Websites nicht mehr gefunden werden, sofern diese dem „Leben“ nicht mehr entsprechen, wie es sich Google vorstellt.
        Kunden setzen uns Webdesigner und -entwickler unter Druck, die Seiten für Goooooooooooooogle, und sonst keine andere Suchmaschine umzusetzen.

        Als das Internet noch frei und voller Leben war, hat man nach Themen und verschiedenen Meinungen in zahlreichen Suchmaschinen geforscht. Heute googelt man…
        Googeln Sie mal danach, ob Google ein angehobener Monopolist ist ;)

        Das ist keine freie Marktwirtschaft, das ist keine Chance für andere! Das ist dichtester Filz im Beziehung zur Wirtschaft.

        Aber: Noch mehr Leben geht da nicht mehr?????????????

  5. Avatar

    klempner

    28. April 2017 18:37 at 18:37

    markus, problematisch ist deine vermischung von nachricht und meinung. deine nachrichten sind gut, deine meinung schlecht. die mischung ist für trader tötlich. bitte trenn beides sauber.

    • Avatar

      Lars

      28. April 2017 18:53 at 18:53

      Trader sollten schon soweit erwachsene Menschen sein, dass sie
      – Meinungen von Nachrichten unterscheiden können
      – sich auf mehreren Portalen ihre Informationen holen

      Außerdem wurde dieser Artikel von Claudio Kummerfeld, und nicht von „Fugi“ verfasst und ist Meinung nach ein Marktkommentar und keine Nachricht. Hier werden ja ganz eindeutig keine Zahlen, Daten, Fakten gelistet.

    • Avatar

      m.d

      28. April 2017 23:13 at 23:13

      mensch klempner ich liege auch falsch mit meinen trades. suche aber keinen schuldigen.

  6. Avatar

    PK

    29. April 2017 08:54 at 08:54

    ich weiss noch, wie falsch ich damals beim GOOGLE IPO deren Marktentwicklung eingeschätzt hab und den Aktienkurs für überteuert gehalten hab nach dem Motto, eine Suchmaschine ist doch völlig austauschbar…

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Ernst Wolff über das globale Finanzsystem – Geld und Demokratie

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Spätestens die Wirtschaftskrise 2007/2008 ließ an der Seriosität des globalen Finanzsystems zweifeln. Wer seine Zweifel allerdings durch Sachkenntnis untermauern möchte, bekommt schnell ein Problem: Er trifft auf ein Dickicht aus komplizierten und oft widersprüchlichen Informationen, die noch dazu in einer für Laien unverständlichen Fachsprache gehalten sind. Kein Wunder also, dass der Versuch, das Finanzsystem zu verstehen, häufig schon in der Anfangsphase scheitert. Genau hier setzt Ernst Wolff an. Im Folgenden ein Ausschnitt auf der Einleitung meines neuen Buches (hier zu kaufen).

Die zwei großen Fehleinschätzungen unserer Zeit

Es gibt in unserer Gesellschaft zwei Ansichten, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschen geteilt und von fast niemandem angezweifelt werden. Sie betreffen zum einen die politischen Strukturen, unter denen wir leben, und zum anderen die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität, auf der diese politischen Strukturen basieren. Zusammen bilden beide so etwas wie eine von der breiten Allgemeinheit stillschweigend akzeptierte Übereinkunft. Ansicht Nr. 1 lautet: Bei uns regiert das Volk. Ansicht Nr. 2 lautet: Das Finanzsystem ist nur ein Teilbereich unserer Gesellschaft, den man nicht unbedingt verstehen muss.

Geht man diesen Ansichten auf den Grund, dann stellt man allerdings fest, dass sie nicht etwa auf intellektueller Einsicht oder auf Erfahrungswerten basieren, sondern den Menschen zunächst von Elternhaus, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Universitäten mit auf den Weg gegeben und später ein Leben lang von Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingetrichtert werden – mit dem Ergebnis, dass ihr Wahrheitsgehalt kaum jemals in Frage gestellt wird.

Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass sich hinter diesen Ansichten ganz handfeste Interessen verbergen, deren Durchsetzung nur einem kleinen Teil der Bevölkerung nützt. Im Grunde handelt es sich also um zwei vorsätzlich herbeigeführte Fehleinschätzungen, die weitreichende Konsequenzen haben. Sie tragen nämlich entscheidend dazu bei, die bestehende Ordnung und ihre Machtstrukturen zu festigen und verhindern so, dass die Menschen diese Strukturen durchschauen – mit der Folge, dass sie dadurch unfähig werden, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern.

Sehen wir uns beide Fehleinschätzungen deshalb etwas genauer an:

Fehleinschätzung Nr. 1: „Bei uns regiert das Volk“. In einem Obergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs hängt ein Schild mit der Aufschrift „400 Meter von hier regiert das Volk“. Der Hinweis gilt dem südlich vom Bahnhof gelegenen Reichstagsgebäude, Sitz des deutschen Parlaments, und soll dem Betrachter ganz offensichtlich eine uns allen bekannte Botschaft vermitteln:

Wir leben in einem Gesellschaftssystem, in dem wir als Volk das Sagen haben. Und da das Volk zu groß ist, um als Ganzes regieren zu können, übergeben wir diese Aufgabe an sogenannte Volksvertreter. Die bestimmen wir, indem wir sie alle vier Jahre wählen. Sollten sie nicht so handeln, wie wir das von ihnen erwarten, dann können wir sie nach dem Ablauf ihrer Amtszeit wieder abwählen und durch andere ersetzen.

Diese Grundsätze der parlamentarischen Demokratie werden uns von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben und im Verlaufe unseres Lebens durch eine Reihe weiterer Informationen ergänzt und untermauert. So erfahren wir unter anderem: Unsere Wahlen sind frei, gleich, geheim, allgemein und unmittelbar und werden auf der Grundlage einer Verfassung abgehalten, die unsere Würde für unantastbar erklärt und uns körperliche Unversehrtheit garantiert. Wir sind vor dem Gesetz alle gleich und haben das Recht, unsere
Meinung zu äußern und uns mit anderen zum Zwecke gemeinsamer Meinungsäußerung zu versammeln.

Die Formulierungen erwecken in uns den Eindruck, dass es sich bei der parlamentarischen Demokratie um ein zu unser aller Gunsten entwickeltes System handelt, das den Einzelnen schützt, dem Gemeinwohl dient und dessen oberstes Ziel darin besteht, den Willen
der Mehrheit der Bevölkerung in die Tat umzusetzen. Doch ist das tatsächlich so? Wollen wir alle, dass immer weniger Menschen immer größere Vermögen anhäufen, während der Lebensstandard der Masse bestenfalls stagniert, in vielen Fällen sogar sinkt? Dass der Niedriglohnsektor explodiert, dass Arbeits- und Obdachlosigkeit um sich greifen? Dass von Jahr zu Jahr mehr Geld für Rüstung und den Ausbau von Sicherheitsapparaten ausgegeben wird, während am Bildungs- und Gesundheitswesen immer drastischer gespart wird? Sind wir dafür, dass die Umwelt zunehmend zerstört wird? Dass in unserem Namen Kriegseinsätze unterstützt werden? Dass Persönlichkeitsrechte abgebaut und wir alle immer stärker überwacht werden?

Wendet man sich direkt an die Menschen und fragt sie, was sie von dieser Entwicklung halten, dann fällt die Antwort eindeutig aus: Die meisten sind damit nicht einverstanden, viele lehnen sie sogar rundheraus ab. Wie aber kann das sein? Wie kommt es, dass zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was in ihrem Namen und auf Grund ihrer offensichtlich frei getroffenen Wahlentscheidung umgesetzt wird, ein solch krasses Missverhältnis besteht – in einer Gesellschaft, deren Verfassung doch besagt, dass alle Macht vom Volk ausgeht?

Wir lassen uns täuschen

Die Antwort auf diese Frage lautet: Wir lassen uns täuschen. Wir akzeptieren die wohlklingenden Formulierungen unserer Verfassung, die auf dem Gleichheitsgrundsatz basieren, und schließen daraus, dass wir alle nicht nur gleiche Rechte genießen und gleich behandelt werden, sondern dass wir alle gleich sind. Das aber stimmt nicht. In einer vom Geld beherrschten Gesellschaft wie der unseren können die Menschen auf Grund ihrer Vermögensverhältnisse gar nicht gleich sein. Wer über viel Geld und großen Besitz verfügt, ist nämlich nicht nur wohlhabender, sondern kann sich auf Grund seiner wirtschaftlichen Überlegenheit über diejenigen, die weniger besitzen, erheben, sie von sich abhängig machen und sie im Extremfall sogar vollends beherrschen. Die Vermögensverhältnisse entscheiden also nicht nur darüber, wer reich und wer arm ist, sondern vor allem darüber, wer in welchem Ausmaß Macht ausüben kann und welche gesellschaftlichen Hierarchien sich im Lauf der Zeit bilden.

Diese Aufspaltung der Gesellschaft hat schon lange vor der Einführung des Parlamentarismus und sogar schon lange vor der Einführung des Geldes begonnen. Ihre Anfänge gehen auf die Tauschwirtschaft zurück. Sie ist die Grundlage, auf der sich ein Zustand entwickeln konnte, der die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit prägt: die soziale Ungleichheit. Sie hat es den Menschen, die mehr Besitz angehäuft und damit mehr Macht erlangt haben als andere, ermöglicht, Strukturen zu schaffen, die ihren privilegierten Status festigen, die sie einmal erworbene Privilegien auf Dauer beibehalten und diese sogar auf nachfolgende Generationen übertragen lassen.

Im ausgehenden Mittelalter sind die Besitzer großer Vermögen noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich das Geldsystem und damit den Blutkreislauf der Gesellschaft unterworfen, indem sie Banken gegründet und sich so das Recht der Geldschöpfung angeeignet haben. Später, nach der Gründung der Nationalstaaten, haben die von ihnen beherrschten Banken sich dieses Recht auf der Grundlage nationaler Währungen mit den Zentralbanken geteilt und damit als „Finanzwesen“ einen ganz eigenen Wirtschaftszweig geschaffen, der mit der Zeit immer einflussreicher wurde. Da dem Rest der Bevölkerung nicht entging, dass auf diese Weise einige Wenige zusehends reicher und mächtiger wurden, hat sich immer stärkerer Widerstand gegen diese Entwicklung gebildet. Als mit der Industrialisierung dann Schulen eingeführt, der Analphabetismus nach und nach überwunden und das allgemeine Bildungsniveau immer weiter angehoben wurde, nahm dieser Widerstand für die Privilegierten zunehmend bedrohlichere Formen an, sodass sie sich gezwungen sahen, Zugeständnisse zu machen.

Ein historisches Zugeständnis

Das historisch wichtigste Zugeständnis – und die zugleich geschickteste Täuschung der Öffentlichkeit – war die Einführung des Parlamentarismus. Indem die Gleichheit der Menschen in einer von Ungleichheit geprägten Welt zum Verfassungsgrundsatz erhoben wurde, entstand mit der parlamentarischen Demokratie eine Fassade, hinter der sich die tatsächlichen Machtstrukturen nicht nur hervorragend verbergen, sondern ungehindert weiter ausbauen ließen. Das Prinzip dieser Täuschung ist im Grunde recht einfach: Man unterschlägt einen fundamental bedeutsamen Mechanismus, der die gesellschaftliche Realität seit Jahrhunderten prägt, und übertüncht ihn mit hochtrabenden Worten. So gibt es bis heute weltweit keine einzige parlamentarische Demokratie, in deren Verfassung die Bedeutung des Geldes für die Entstehung von Machtstrukturen erwähnt oder in der das Prinzip der Geldschöpfung auch nur angesprochen wird. Dafür aber wird in den meisten Verfassungen, verbrämt mit blumigen Formulierungen über die soziale Verpflichtung von Eigentum, der Schutz desselben garantiert – und zwar ohne jede Begrenzung nach oben.

Auf diese Weise ist eine Herrschaftsform entstanden, die sich vordergründig auf den Willen der Mehrheit des Volkes stützt, die aber tatsächlich einer Minderheit nützt und die es darüber hinaus geschafft hat, die soziale Ungleichheit in krassem Widerspruch zum offiziell beteuerten Gleichheitsgrundsatz zu einem akzeptierten und gesetzlich geschützten Dauerzustand werden zu lassen.

Ernst Wolff über das Finanzsystem und die Politik
Der Buchautor Ernst Wolff

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Das sind die Informationsquellen der Profis – Werbung

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Lieber Börsianer,

gelegentlich werde ich als Börsenanalyst oder Vermögensberater gefragt, woher ich meine Informationen beziehe? Oder anders gefragt: Wie recherchiert ein Profi eine Aktie? Zunächst möchte ich mein Berufsbild etwas entmystifizieren. Auch Profis kochen nur mit Wasser und stützen ihre Entscheidungen wesentlich auf öffentlich zugängliche Informationen. Am Anfang steht also immer die Lektüre des Geschäftsberichts und die harte Analyse der Geschäftszahlen.

Dann beginnt die Arbeit des Analysten erst richtig. Aktienanalyse ist People´s Business. Zu Deutsch: Wir müssen mit den handelnden und verantwortlichen Personen des Unternehmens in Kontakt kommen. Als Vermögensverwalter lässt man durchblicken, dass man umfassende Investitionen im Unternehmen beabsichtigt. Damit haben Sie schon einmal das Ohr Ihres Gesprächspartners.

Zunächst werden Sie abgespeist mit professionellem Werbeversprechen. Etwa so: Wir setzen voll auf die Elektro-Mobilität und expandieren derzeit proaktiv im chinesischen Wachstumsmarkt.

Das ist eine absolute Null-Information. Als Analyst haken Sie jetzt konkret nach. Zum Beispiel: Mit welchen Produkten geht das Unternehmen nach China? Wer sind die Konkurrenten? Was ist der Wettbewerbsvorteil des Unternehmens? Warum soll der Kunde ausgerechnet ihre Zylinderdichtung (beispielhaft) kaufen? Wie funktioniert der Vertrieb?

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Ihr Gesprächspartner bleibt hartnäckig im Ungefähren. Dann sind die Expansionspläne wohl noch nicht weit gediehen. Die Aktie ist also eher kein Kauf. Oder aber: Ihr Gegenüber packt…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

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Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



Ist die US Wahl egal by Andre_Stagge on TradingView.com

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