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Amazon ist auf dem Weg zum größten Logistikkonzern!

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Amazon zählt zweifelsohne zu den Profiteuren der Coronakrise. Während Einzelhändler wochenlang schließen mussten, liefen die Versandzentren des US-amerikanischen Onlinehändlers rund um die Uhr weiter. Nun sichert sich das Unternehmen in der Krise auch noch kostengünstige Luftfrachtkapazitäten und macht damit traditionelle Logistikkonzerne mehr und mehr überflüssig. Am Ende dürfte Amazon nicht nur günstiger als viele Einzelhändler sein, sondern mit seiner Marktmacht auch viele Online-Konkurrenten verdrängen.

Schon seit Jahren mischt Amazon im Logistikgeschäft mit. Die eigenen Fulfilment-Dienstleistungen werden von zehntausenden Unternehmen genutzt, die Waren in Amazons Warenhäusern einlagern und von Amazon verpacken und verschicken lassen. Seit einiger Zeit kommt Amazons eigener Lieferdienst hinzu, der unter Umgehung von Paketdiensten wie DHL oder Hermes die Waren direkt von Amazons Logistikzentren zum Kunden bringt. Zudem gibt es ein weltweites Netz von eigenen Paketstationen, an die sich Kunden Waren von Amazon schicken lassen können, wenn sie nicht zuhause sind. Das funktioniert sogar global. Ich selbst habe mit meinem deutschen Amazon-Account an eine New Yorker Paketstation bestellen und die Waren dort abholen können. Versuchen Sie das mal mit Ihrem deutschen DHL Packstation-Account!

2021 soll die Flugzeugflotte von Amazon mit DHL gleichziehen

Nun nutzt Amazon die Gunst der Stunde und baut die eigenen Luftfrachtkapazitäten aus. Zwölf zusätzliche Flugzeuge wurden, zu mutmaßlich in der Krise besonders günstigen Konditionen, geleast. Genutzt werden dabei zu Frachtflugzeugen umgebaute Passagierflugzeuge des Typs Boeing 767-300. Damit kommt das Unternehmen auf inzwischen 54 Frachtflugzeuge. Gestartet ist Amazon Air erst im Jahr 2016. Zum Vergleich: FedEx kommt auf knapp 463 Flugzeuge, UPS auf 275 und DHL auf 77 Flugzeuge. Erwartet wird, dass Amazon im kommenden Jahr mit DHL und in sieben bis acht Jahren fast mit UPS aktueller Flottengröße gleichziehen wird. Auf dem Boden operiert das Unternehmen bereits mit mehr als 20.000 Lieferwagen. Die eigene Flugzeugflotte wird vor allem in Nordamerika genutzt, um Lieferungen binnen 24 oder 48 Stunden anbieten zu können.

Amazon macht’s erst selbst, und bietet es dann als Dienstleistung an

Die Ausdehnung des eigenen Wirkungskreises auf die Logistik folgt einem Schema, das wir bei Amazon schon seit 20 Jahren beobachten können. Statt KnowHow und Dienstleistungen einzukaufen, macht man es lieber selbst und entwickelt daraus über kurz oder lang eigene, teils hoch profitable Geschäftsbereiche. So ist die Amazon Web Services Sparte inzwischen Hauptgewinnbringer des Konzerns. Dabei vermietet man Rechenkapazitäten in den eigenen Rechenzentren an andere Unternehmen. Das gleiche ist mit den Warenhäusern möglich. Die Dienstleistungen, Lagerung, Verpackung, Versand, Retourenbearbeitung, können Konkurrenten nutzen, wenn die Waren auf Amazons Marktplatz verkauft werden. Amazons Marktplatz wiederrum entwickelte sich aus dem eigenen Onlineshop, auf dem schon seit mehr als einem Jahrzehnt jedermann seine Waren anbieten kann. Das Unternehmen verdient bei jedem Verkauf eine üppige Provision und deckt gleichzeitig ein größeres Produktuniversum ab, als sie es allein könnten.

2012 kaufte Amazon den Roboter-Spezialisten Kiva Systems, das seitdem daran arbeitet, die Warenhäuser des Unternehmens der Vollautomatisierung näher zu bringen. Vor dem Aufkauf verkaufte Kiva Systems die eigenen Systeme auch an diverse Wettbewerber von Amazon. Dieses Geschäft wurde zwar eingestellt. Doch die nun Amazon Robotics genannte Sparte ist intern sehr aktiv und betreibt in Amazons Warenhäusern bereits mehr als 200.000 Roboter. Selbst wenn man diese Systeme niemals an externe verkaufen sollte, so könnten diese trotzdem von Amazons Fulfillment-Dienstleistungen profitieren, die dank Robotik vielleicht günstiger angeboten werden können als bei der Konkurrenz.

Paketdienste, lokaler Handel, Onlineshops – alle müssen Amazons Marktmacht fürchten

Ich bin mir sicher, die Paketdienste werden Amazons Wachstum genau beobachten und versuchen, es durch Sonderkonditionen einzudämmen. Letztendlich könnte sich für Amazon der Unterhalt des eigenen Zustell- und Logistikdienstes also selbst dann lohnen, wenn der Dienst selbst teurer wäre als DHL und Co. Solange die mit dem Druckmittel „Eigenzustellung“ erlangten Rabatte bei den Paketdiensten größer sind als eventuelle Verluste in der eigenen Zustellung, ist der Betrieb lohnenswert.

Letztendlich ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis Amazons Paketvolumen so groß ist, dass man die Zustellung komplett in die eigene Hand nehmen und damit Geld verdienen kann. So wie mit allen anderen Dingen auch, die Amazon bislang anfasste. Wenn man jedoch die IT günstiger betreiben kann als Konkurrenten, die Logistik in die eigene Hand nimmt, die Warenhäuser mit eigener Roboter-Technik ausstatten und bei Zulieferer dank schierer Marktmacht große Rabatte aushandeln kann, welche Wettbewerbsvorteile könnten dann noch Konkurrenten ausbilden? Nicht nur der lokale Handel hat Amazon zu fürchten, sondern auch diverse online operierende Händler. Viele Aktien notieren trotz Coronakrise nahe oder auf Allzeithochs. In der Regel halte ich das für eine massive Fehlbewertung. Bei Amazon jedoch sehe ich viele Gründe, die Bewertung für gerechtfertigt zu halten.

Amazon Warenzentrum Beispielfoto
Ein Amazon-Warenzentrum. Foto: blu-news.org CC BY-SA 2.0

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Technologie-Blase: Sehen wir gerade die Dotcom-Blase 2.0?

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Seit Ausbruch der Corona-Pandemie erleben wir eine regelrechte Flucht in Technologie-Aktien. Insbesondere die Nasdaq eilt seit Wochen von einem Allzeithoch zum nächsten. Zwar profitieren einige Technologie-Werte von der aktuellen Situation während der Pandemie, aber was zurzeit abläuft, grenzt an absurder Euphorie. Man muss sich nur den Chart von Tesla anschauen, hier fehlt nur das Fähnchen, dass man an die Fahnenstange hängen kann. Tesla ist nur eins von vielen Beispielen. Auch Apple hat seit dem März-Tief einen Anstieg von über 80 Prozent hingelegt. Als Info an alle Börsenanfänger – solche Steigerungsraten sind NICHT normal.

Diesmal ist alles anders

Diesmal ist es aber anders als in der Zeit des „Neuen Markt“. Damals wurde alles gekauft, dass nicht bei drei auf den Bäumen war. Dazu gehörten auch Unternehmen, die übertrieben gesagt, irgendwo in einer Garage an unnützer Software gearbeitet haben. Im Gegensatz dazu, ist es diesmal so, dass sich die Euphorie nicht auf eine große Anzahl von Techwerten konzentriert, sondern nur auf wenige Unternehmen. Hier sind die großen Technologie-Unternehmen zu nennen – Apple, Amazon, Microsoft, Alphabet, Facebook, Netflix und Nvidia. Diese sieben Unternehmen machen mittlerweile 50 Prozent des gesamten Index aus.

Klumpenbildung der Technologie-Werte

Die Situation ist auch den ETFs geschuldet. Um gute Wachstumsraten für ihre Kunden zu gewährleisten, müssen sie die großen Technologie-Werte übergewichten. Dadurch verstärkt sich der Effekt. Steigen die Kurse der großen Technologie-Unternehmen, dann zieht das mehr und mehr Käufer aus allen Bereichen an – Private, Institutionelle und Fonds. Entsprechend erhöht sich das Risiko einer Klumpenbildung. Kommt es zu einer erneuten Korrektur, wäre das ein Problem, da alle gleichzeitig durch eine kleine Tür rauswollen.

Weltweite Rezession

Es scheint auch fast so, als ob die Investoren vergessen, dass wir uns in einer weltweiten Rezession befinden. Diese Rezession ausgelöst durch die Corona-Pandemie hat nämlich einen Faktor, der derzeit ignoriert wird – Unsicherheit. Damit ist gemeint, dass aktuell niemand voraussagen kann was die tatsächlichen Auswirkungen auf die Realwirtschaft sind und wie sich die Pandemie weiterentwickelt. Auch die Technologie-Unternehmen sind davon betroffen. Apple setzt zum Beispiel weniger Handys ab, Facebook hat weniger Werbeeinnahmen und Teslas Absatz an Automobilen ist alles andere als beeindruckend. Die ab nächste Woche beginnende Berichtssaison wird mehr Aufschluss darüber geben, wie sich die Pandemie tatsächlich auf die Unternehmensgewinne auswirkt.

Aktuelle Entwicklung der Technologie-Unternehmen

In den nachfolgenden Grafiken kann man einerseits die Kursentwicklung der großen fünf Technologie-Unternehmen in dem letzten Monat erkennen sowie die Relation vom Nasdaq zum S&P500. Insbesondere der Chart des Nasdaq in Relation zum S&P zeigt deutlich, dass die Entwicklung der Technologie-Werte auf dem Weg ist eine neue Blase zu bilden. Demnach brauchen wir nicht mehr über Bewertungen zu sprechen. Es wurde mehrfach in anderen Artikeln darauf hingewiesen, dass diese fernab von Gut und Böse sind. Geschuldet ist diese Situation natürlich auch den Geldflutungen und Stimuli von Notenbanken und Staaten. FED-Chef Powell hat zwar vor kurzem betont, dass man durch die Maßnahmen keine Blasenbildung erzeugen möchte, aber genau das ist was gerade passiert. Die Corona-Pandemie wird noch länger Einfluss auf die Märkte haben und Unsicherheit verbreiten. Früher oder später muss Luft aus der Blase abgelassen werden, sonst droht das Platzen.


Technologie-Blase: Sehen wir gerade die Dotcom-Blase 2.0? Corona

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Aktienmärkte aktuell: Der nächste Corona-Hype durch Remdesivir

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Und die nächste Jubelmeldung über ein Medikament, welches das Coronavirus bekämpfen soll. Remdesivir (der schon wieder) soll laut ganz aktueller Veröffentlichung des Herstellers Gilead Sciences das Todesrisiko bei Patienten um 62 Prozent senken. Hurra, es kann endlich wieder aufwärts gehen an der Börse? Die Aktienmärkte steigen. Der Dow Jones steigt in den letzten Minuten um 150 Punkte, der Dax um 54 Punkte. Wie lange kann diese Euphorieblase dieses Mal die Kurse pushen? Wann folgt die Enttäuschung? Oder ist es dieses Mal wirklich der Durchbruch?

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Aktienmärkte: Warum sie laut “NorthmanTrader” nicht weiter steigen

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Tja, warum können die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht mehr ansteigen? Warum komplettieren sie nicht die V-förmige Erholung nach dem großen Crash im März? Derzeit sagt zum Beispiel der Experte Andre Stagge (siehe beispielsweise hier), dass wir derzeit voll in der Saisonalität angekommen sind, wo die Sommermonate grundsätzlich eine maue Nummer abliefern. Das ist nachvollziehbar. Und ja, grundsätzlich kann man derzeit vom Sommerloch sprechen?

Aktienmärkte in Angst vor der Fed?

Der im Netz inzwischen gut bekannte und anerkannte Experte Sven Henrich ist bei Twitter mit seinem dortigen Accountnamen “NorthmanTrader” zu finden. Er hat eine eigene Theorie, warum die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht weiter steigen können. Und er hat dazu auch eine gut nachvollziehbare Begründung, nämlich einen Vergleichschart. Im folgenden Tweet sieht man basierend auf Daten der St. Louis Fed (die Statistik-Grube der Fed) einmal den Verlauf der gesamten Bilanz der Federal Reserve seit Dezember 2019, als blaue Linie. Im Vergleich dazu sieht man in rot in den Verlauf des S&P 500, der dank der 500 enthaltenen Aktien die Marktbreite der Aktienmärkte in den USA besser darstellt als der Dow Jones mit seinen 30 Werten.

Und was sieht man? Die Aktienmärkte korrelieren sehr gut mit der Bilanz der Fed. Exakt am 9. Juni erreichte der S&P 500 seinen höchsten Punkt seit dem Crash im März, um seitdem seitwärts oder leicht fallend zu tendieren. Und wir haben nachgeschaut. Tatsächlich, genau am 9. Juni erreichte die Fed-Bilanz ihren Hochpunkt mit 7,168 Billionen Dollar (hier im Detail nachzuschauen). Bis jetzt fällt sie auf 6,92 Billionen Dollar. Wolfgang Müller hatte jüngst schon von einer Pause bei der Geldflut gesprochen. Und ja, die Fed legt derzeit eine Pause ein.

248,1 Milliarden Dollar Bilanzrückgang in vier Wochen

Auch Holger Zschaepitz erwähnt aktuell den Rückgang der Fed-Bilanz, nun die vierte Woche in Folge. Liquidität in Höhe von 248,1 Milliarden Dollar sei den Märkten in den letzten vier Wochen entzogen worden. Haben die großen Player mit dem “intelligenten” Geld (darf man es so sagen?) genau darauf ein Auge? Herrscht so viel Angst vor diesem Abbau an Geldflutung, dass die Aktienmärkte sich deshalb ausgebremst haben? Dieses Szenario ist jedenfalls nicht zu ignorieren.

Im folgenden Chart haben wir den S&P 500 und den Dax auf CFD-Basis in im Verlauf der letzten zwölf Monate übereinander gelegt. Wie es zu erwarten war, laufen die Aktienmärkte im Gleichschritt – natürlich läuft der Dax nach der Vorgabe der Amerikaner, da machen wir uns alle bitte nichts vor. Seit gut vier Wochen ist der Wurm drin – genau seit dem Augenblick, wo die Fed begann mit ihrer Geldflut zu pausieren.

Aktienmäkte wollen seit vier Wochen nicht mehr richtig steigen

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