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AMD bleibt Intel mindestens bis 2023 überlegen!

Beispielbild für Mikrochips - AMD vs Intel

AMD ist unerbittlich. Während Intel mit ihrem seit Jahren überfälligen 10nm-Fertigungsprozess nicht weiterkommt, hielt AMD in der Nacht zu Freitag eine Investorenkonferenz ab und gab Einblicke in die straffe Produktplanung für die kommenden Jahre. Sofern Intel nicht endlich die eigene Fertigung in den Griff bekommt (siehe hier), sind das für Intel keine guten Nachrichten.

2017 begann der Wiederaufstieg von AMD

Seit der Vorstellung der neuen Zen Mikroprozessor-Architektur im Frühjahr 2017 geht es mit AMD bergauf. Bereits die erste Zen-Generation war in Anwendungen schneller als vergleichbare Intel-Prozessoren. Bei der Spiele-Performance haperte es noch. Diese Probleme konnten bis heute restlos ausgemerzt werden. Die Prozessoren sind jetzt in Anwendungen deutlich schneller, in Spielen vergleichbar schnell, günstiger, verbrauchen weniger Energie und sind mit deutlich mehr Rechenkernen erhältlich als Intels Prozessoren. Ursächlich für AMDs Vorsprung ist auch die Tatsache, dass Intel seit 2016 mit einem eigentlich veralteten Fertigungsverfahren arbeiten muss. Schon 2016 wollte Intel auf 10nm-Technik umschwenken, die kleinere und stromsparendere Chips mit höheren Taktraten ermöglichen sollte. Daraus wurde nichts. Die 10nm-Fertigung ist für Intel ein Desaster. Die Ausbeute ist unzureichend und was am Ende von den Maschinen ausgespuckt wird, kann nicht einmal höher takten als die Chips, die mit der schon 2014 eingeführten 14nm-Technik hergestellt wurden.

Das ist für Intel gleich in dreifacher Hinsicht problematisch:

1)
Je kleiner die Strukturbreite ist, umso mehr Schaltkreise finden auf gleicher Chipfläche Platz. In 10nm-Technik fänden auf gleicher Fläche rund doppelt so viele Transistoren Platz wie in 14nm. Intel könnte also auf einen Schlag die Zahl der Kerne verdoppeln. Die Fläche ist relevant für die Zahl der täglich produzierbaren Chips. Zudem steigt die Ausbeute tendenziell, je kleiner die Chipfläche ist.

2)
Die Taktraten stagnieren, während sich die grundlegende Architektur der Chips kaum ändert. Es gibt also für Kunden keinen Grund zum Aufrüsten und damit Neukauf bei Intel.

3)
Der Energieverbrauch am oberen Ende der Leistungsskala ist höher als bei AMD, was vor allem bei Großrechnern ein relevanter Kostenfaktor ist.

AMD rechnet vor: Produktion 44% günstiger als Intels Ansatz

AMD schlug jedoch einen weiteren Pflock ein. Während Intel auf riesige Prozessoren setzt, die alle Kerne in einem Chip vereinen, teilt AMD die Prozessoren auf kleinere Chips mit je acht Kernen auf. Davon werden bis zu acht Chips zu einem Prozessor mit bis zu 64 Kernen kombiniert. Das hat den Vorteil, dass bei Defekten auf dem Chip nur ein relativ kleiner Baustein entsorgt werden muss und nicht gleich ein riesiger Chip mit teils mehr als zwei dutzend Rechenkernen. Die Ausbeute und damit die Marge steigen daher bei AMD. AMD selbst rechnete bereits vor, dass sie dadurch bis zu 44% Kosten sparen und Prozessoren mit bis zu 64 Kerne dadurch technisch überhaupt erst möglich wurden.

Dazu kommen diverse Sicherheitslücken in Intels Chips. Forscher entdecken immer neue Lücken, die vom möglichen Auslesen von Daten bis hin zur Datenmanipulation in den Zwischenspeichern der Prozessoren und Chipsätze reicht. Teilweise helfen dagegen Software-Updates, die jedoch die Leistung der Systeme reduzieren. Teilweise sind die in der Hardware steckenden Sicherheitslücken aber auch gar nicht abzudichten und bedingen den Austausch der an sich noch funktionierenden Komponenten. AMD ist zwar auch nicht frei von all diesen Lücken – dort treten sie aber nicht so gehäuft auf wie bei Intel.

Intel plant, erst 2023 wieder gleichzuziehen

Keine zwei Tage, nachdem Intel bekanntgab, das Rennen um den besten Fertigungsprozess für die kommenden zwei bis drei Jahre aufgegeben zu haben, stellte AMD die eigene Roadmap für die kommenden drei Jahre vor. Für Intel sieht es dabei schlecht aus. Erst Ende 2021 will Intel mit einem eigenen 7nm-Prozess mit dem Auftragsfertiger TSMC gleichziehen, bei dem AMD fertigen lässt. Zwar soll Intels 7nm-Prozess besser sein als der von TSMC, doch TSMC ist inzwischen bei 5nm angelangt und plant für 2022 schon mit 3nm. Erst beim eigenen 5nm-Prozess geht Intel davon aus, wieder das weltweit führende Fertigungsverfahren zu haben. Also irgendwann 2023 oder später. Auch erst dann rechnet Intel wieder mit wettbewerbsfähigen, attraktiven Server-Prozessoren. AMD hat bis dahin natürlich nicht freie Hand. Die Fertigungskapazitäten, auf die AMD zugreifen kann, reichen gar nicht aus, um die weltweite Nachfrage zu decken. Doch Intel dürfte es bis 2023 schwer fallen, die teils unanständig hohen Margen im Servergeschäft beizubehalten.

Neue Prozessoren und Grafikchips kommen bei AMD noch dieses Jahr

AMD plant derweil, noch in diesem Jahr eine verbesserte Version der eigenen Prozessoren auf den Markt zu bringen und im kommenden Jahr für die Nachfolgegeneration auf 5nm zu wechseln. Dabei werden bei gleichem Energieverbrauch 15% höhere Taktraten oder bei unveränderten Taktraten 30% Energieersparnis möglich sein. Zudem werden die Chips kleiner, womit AMD pro Siliziumscheibe mehr Chips fertigen lassen kann. Die Kosten sinken also.

Ende diesen Jahres sollen zudem neue Grafikchips von AMD erscheinen, die bei gleichem Energieverbrauch 50% mehr Performance bieten sollen als derzeit erhältliche Produkte. Ob es gelingt, Konkurrent Nvidia zu schlagen, bleibt abzuwarten, ist jedoch zweifelhaft. Denn deren neue Grafikchip-Generation wird auch dieses Jahr erscheinen und bereits die 2018 vorgestellte Vorgängergeneration war schneller als AMDs 2019er Generation. Für eine Steigerung des Marktanteils bei Grafikkarten reichte das jedoch. Der Anteil konnte 2019 von mageren 18,8% auf immerhin 31% gesteigert werden.

Bessere Grafikchips, technologisch überlegene Prozessoren bis 2023, steigende Marktanteile in allen Segmenten – AMD geht es prächtig. Abzuwarten bleibt, ob AMD auch im Wirtschaftsabschwung weiter wachsen kann. Das ist angesichts der Schwäche bei Intel zwar wahrscheinlich, aber keineswegs ausgemacht. Gelänge es, wäre AMD auch in den kommenden Jahren ein guter Kandidat für steigende Aktienkurse. AMD schätzt schon einmal, den Umsatz ab jetzt jährlich um 20% steigern und dabei profitabler werden zu können. Auch das diesjährige Wachstumsziel von 28% bis 30% wurde trotz Coronavirus nicht kassiert. Charttechnisch gesehen ist der Ausbruchversuch bei 48,50 – dem alten Allzeithoch aus der Dotcom-Ära, jedoch erst einmal gescheitert.



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