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Umschichtung in China-Aktien An Chinas Aktienmärkten spielt jetzt die Musik – dank DeepSeek

An Chinas Aktienmärkten spielt jetzt die Musik - dank DeepSeek
DeepSeek erschüttert Aktien, da Händler die Bewertung von US-Tech in Frage stellen. Foto: Bloomberg

In den letzten zwei Jahren haben die US-Aktien die globalen Märkte übertroffen, aber diese Dominanz schwindet. In diesem Jahr geben bisher die europäischen und chinesischen Aktienmärkte den Ton an. Die wichtigsten chinesischen Indizes haben ihre amerikanischen Pendants abgehängt – vor allem dank des DeepSeek-Weckrufs vor einigen Wochen. Der chinesische Leitindex Hang Seng hat seit Jahresbeginn bereits knapp 14 Prozent zugelegt, während der S&P 500 nicht einmal auf magere 4 Prozent kommt. Auch der jüngste Aktienboom in Indien kann mit China nicht mithalten. Im Gegenteil, die Anleger schichten jetzt in chinesische Aktien um.

China: Aktienrally dank DeepSeek

Wie Bloomberg berichtet, trägt der Durchbruch von DeepSeek im Bereich der künstlichen Intelligenz dazu bei, dass globale Anleger nach einer mehrjährigen Durststrecke wieder an die chinesischen Aktienmärkte zurückkehren. Auffällig ist auch die Umschichtung von Aktienfonds von Indien nach China.

Hedgefonds investieren so schnell wie seit Monaten nicht mehr in chinesische Aktien, da die durch DeepSeek ausgelöste Technologierallye die Hoffnungen auf weitere wirtschaftliche Impulse verstärkt. Im Gegensatz dazu verzeichnet der zuletzt boomende indische Aktienmarkt einen Rekordabfluss von Kapital, was auf Befürchtungen über eine Abschwächung des Wachstums, sinkende Unternehmensgewinne und hohe Aktienbewertungen zurückzuführen ist.

Allein im letzten Monat haben die chinesischen Onshore- und Offshore-Aktienmärkte aufgrund dieser Umschichtungen um insgesamt mehr als 1,3 Billionen USD zugelegt, während der indische Markt um mehr als 720 Milliarden USD geschrumpft ist. Der MSCI China Index ist auf dem besten Weg, seinen indischen Pendant den dritten Monat in Folge zu übertreffen – die längste Serie seit zwei Jahren. Ein Indiz dafür, dass die globalen Anleger eine große Chance in China wittern.

DeepSeek hat gezeigt, dass es in China tatsächlich Unternehmen gibt, die einen wichtigen Teil des gesamten KI-Ökosystems ausmachen“, sagt Ken Wong, ein Spezialist für asiatische Aktienportfolios bei Eastspring Investments. Seine Firma hat in den letzten Monaten chinesische Internetunternehmen in ihr Portfolio aufgenommen und gleichzeitig kleinere indische Aktien reduziert, die „weit über ihre Bewertungsmultiplikatoren hinausgeschossen sind“.

China: Aktienmärkte von DeepSeek beflügelt - Umschichtung aus Indien
Chinesische Aktien im dritten Monat in Folge vor indischen Aktien

Aktienmärkte: Rotation nach China

Diese Rotation stellt eine Umkehrung des in den letzten Jahren beobachteten Trends dar, Fonds von China nach Indien zu verlagern. Diese Entwicklung basierte auf Indiens hohen Infrastrukturausgaben und seinem Potenzial als alternatives Produktionszentrum zu China. Das binnenmarktorientierte Indien wurde auch als relativer Zufluchtsort vor Donald Trumps Zollplänen gesehen.

China scheint seine frühere Anziehungskraft dank einer grundlegenden Neubewertung seiner Investitionsfähigkeit, insbesondere im Technologiesektor, wiederzuerlangen. Nachdem Peking vor nicht allzu langer Zeit Investoren verschreckte, indem es hart gegen Unternehmen vorging, könnte es nun tatsächlich das neue KI-Thema vorantreiben, wie die Nachricht zeigt, dass Unternehmer wie der Mitbegründer der Alibaba Group Holding, Jack Ma, zu einem Treffen mit Xi Jinping und führenden Politikern des Landes eingeladen wurden.

Nach Ansicht von Vivek Dhawan, Fondsmanager bei Candriam, dürften die Entwicklungen im Zusammenhang mit DeepSeek dazu beitragen, die chinesische Wirtschaft und die Aktienmärkte anzukurbeln, was zu einem anhaltenden Aufschwung führen wird: „Alles in allem ist China in der aktuellen Situation unter Risiko- und Renditegesichtspunkten attraktiver als Indien und andere globale Aktienmärkte“.

Zur Attraktivität Chinas tragen auch die Bewertungsunterschiede bei. Der MSCI China Index wird mit dem 11-fachen der geschätzten zukünftigen Gewinne gehandelt, während der MSCI India Index mit dem 21-fachen bewertet wird.

Eine Analyse von Bloomberg-Daten zu den regionalen Allokationen einiger der größten aktiven asiatischen Aktienfonds zeigt, dass die meisten in den letzten Monaten ihr Engagement in indischen Aktien reduziert und in chinesische Aktien aufgestockt haben.

Aktien-Hausse: China gewinnt auf Kosten von Indien
China gewinnt auf Kosten von Indien | Verschiebungen in der geografischen Allokation

DeepSeek sorgt für Weckruf

Während US-Unternehmen Milliarden in die Entwicklung künstlicher Intelligenz investieren, scheint ein kaum bekanntes chinesisches Start-up das Unmögliche möglich gemacht zu haben. DeepSeek hat eine Chatbot-Anwendung auf den Markt gebracht, die genauso gut, wenn nicht sogar besser ist als die der Giganten aus dem Silicon Valley – und das zu einem Bruchteil der Kosten.

Während DeepSeek dazu beigetragen hat, die Zuflüsse nach China zu beschleunigen, bleiben auch mögliche bevorstehende Ankündigungen weiterer chinesischer Stimulierungsmaßnahmen wichtig, so Andrew Swan, Head of Asia ex-Japan equities bei der Man Group.

„Wir gehen davon aus, dass sich die Politik nun auf den Konsum verlagern und gezielt versuchen wird, die derzeit hohen Ersparnisse zu nutzen“, so Swan. Der von ihm verwaltete Man Asia Ex-Japan Equity Fund hat im vergangenen Jahr sein Engagement in China von 30 % auf 40 % erhöht und sein Engagement in Indien von 21 % auf 18 % reduziert.

Eine vollständige Umkehr der Fondsströme ist unwahrscheinlich, da die Bullen unter den indischen Aktienanlegern, zu denen auch Morgan Stanley gehört, glauben, dass die jüngste Korrektur übertrieben sein könnte und die langfristigen Wachstumsaussichten des Landes intakt sind.

Unterdessen haben die von Trump gegen China verhängten zusätzlichen Zölle in Höhe von 10% die neutrale Haltung von Amundi SA gegenüber chinesischen Aktien bestätigt, so Aidan Yao, Senior Investment Strategist für Asien. „Während ein Waffenstillstand möglich ist, da sich beide Seiten in den Handelsgesprächen annähern, wird die externe Dynamik für China auf absehbare Zeit unberechenbar und herausfordernd bleiben.

China-Skepsis bleibt

Skepsis herrscht auch bei Händlern, die in der Vergangenheit von fehlgeschlagenen China-Rallys gezeichnet waren. Einige verweisen auf die zuletzt überfüllten Aktienmärkte und die steigenden Bewertungen als Gründe für ihre Vorsicht.

Helen Zhu, Chief Investment Officer bei Nan Fung Trinity HK Ltd, ist sich nicht sicher, ob sich der KI-Erfolg von DeepSeek wiederholen lässt. „Letzten Endes wissen wir nicht wirklich, wie die potenziellen Monetarisierungsmöglichkeiten mittel- bis langfristig aussehen werden“, sagte sie.

Nichtsdestotrotz ist der Ruf „China ist zurück“ in letzter Zeit auf den Märkten zu hören. Die positiven Nachrichten häufen sich: Alibaba hat in den letzten fünf Wochen einen Marktwert von 100 Milliarden Dollar hinzugewonnen und der Hang Seng Tech Index befindet sich wieder in einem Bullenmarkt. Infolgedessen haben viele renommierte Analysten China-Aktien zum Kauf empfohlen.

„Die DeepSeek-Nachrichten waren ein gut getimter und wirksamer Katalysator, der den Marktteilnehmern ein Argument für den Wiedereinstieg in die chinesischen Aktienmärkte lieferte“, sagt Nicole Wong, Portfoliomanagerin bei Manulife Investment Management. „Aus taktischer Sicht halten wir es für sinnvoll, dieses Momentum zu nutzen.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. …death cat bounce…wenn auch ein hoher und damit lukrativer…

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