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An Chinas Märkten kracht´s – was ist da los?

Chinas Aktienmärkte verbuchten heute den größten Abverkauf seit sechs Monaten, die Anleiherenditen schiessen nach oben, und das in einem Maß, das wir zuletzt im August 2015 gesehen hatten - damals reagierte auch die westlichen Aktienmärkte geschockt. Was passiert da?

FMW-Redaktion

Chinas Aktienmärkte verbuchten den größten Abverkauf seit sechs Monaten, die Anleiherenditen schiessen nach oben, und das in einem Maß, das wir zuletzt im August 2015 gesehen hatten – damals reagierte auch die westlichen Aktienmärkte geschockt. Das starke Anziehen der Renditen hat zwei Gründe: erstens die nac oben schießenden Inflationserwartungen nach den Daten vom Freitag, die bei den Erzeugerpreisen den stärksten Anstieg seit dem Jahr 2011 zeigten. Der zweite Grund ist der starke Anstieg des Ölpreises, nachdem auch die Nicht-OPEC-Länder einer Förderkürzung zugestimmt hatten.

Die Aktienmärkte im Reich der Mitte tiefrot: der Tech-Index ChiNext verliert 5,5%, der Shenzhen Composite verliert 4,86%, in Shanghai geht es 2,47% bergab. Am Markt kursieren zwei Gründe für den Abverkauf: erstens Aussagen der chinesischen Börsenaufsicht, die gehebelte Aktienkäufe durch Investoren als „Diebstahl“ bezeichnet hat. Um Risiken zu begrenzen, will die Regulierungsbehörde die Aktienkäufe von Versicherungsunternehmen begrenzen – dem Unternehmen Evergrande Life wurden geplante Investitionen in Aktien verboten. Es waren eben diese Käufe von Versicherungsunternehmen, die die Aktienmärkte in China zuletzt beflügelt hatten. Dazu kommt, dass die Verlinkung der Börsen Shenzhen und Honkgong, die am 05.Dezember in Kraft getreten war, bislang die Erwartungen enttäuscht hat – Ausländer halten sich mit Käufen in Shenzhen zurück.

Der zweite Grund ist die Warnung des CEOs des größten chinesischen Immobilienentwicklers, China Vanke, der prognostiziert, dass die Immobilienverkäufe in 2017 „signifikant“ fallen würden. Daher Aktien von chinesischen Immobilienfirmen unter den größten Verlierern des Handelstages. Der China Vanke CEO Yu Liang hatte in einem Interview gewarnt, dass insbesondere in jenen Städten die Immobilienpreise fallen würden, in denen sie zuvor zu stark gestiegen seien. Jüngste Daten hatten gezeigt, dass die Immobilienpreise stagnierten und möglicherweise einen Hochpunkt erreicht haben.

Insbesondere eine Zinsanhebung durch die Fed am Mittwoch, der dann in 2017 weitere Zinsanhebungen folgen würden, wären für Chinas Immobilienmarkt der knock-out. Derzeit fließen viele Dollars aus China ab, der Anstieg der Renditen auch am chinesischen Anleihemarkt verteuert Immobilienkredite rasant und drosselt so die Nachfrage.

Unterdessen verschärfen sich die Spannungen zwischen China und den USA. Donald Trump hatte in einem Fernseh-Interview die Ein-China-Politik der USA in Frage gestellt. Während sich die offizielle Politik in Peking mit Kommentaren bislang zurück hält, schießt die nationalistische „Global Times“ scharf: Trump verhalte sich in Fragen der Diplomatie wie ein Kind, die „Ein-China-Politik“ sei nicht verhandelbar, China werde auf eine mögliche Abkehr der USA von der bisherigen Politik scharf reagieren.



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