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US-Börsenaufsicht nennt Ausmaß von 100 Millionen Dollar Anklage gegen 8 Social Media-Influencer – massiver Aktienbetrug

In den USA hat die Börsenaufsicht 8 Social Media-Influencer wegen Wertpapierbetrug über 100 Millionen Dollar angeklagt.

Influencer auf Social Media

Influencer (Beeinflusser) auf Social Media sind bei ihren Followern so beliebt und so gut angesehen, dass sie ihnen Produkte zum Kaufen empfehlen können. Damit verdienen einzelne Personen sogar Millionenbeträge, und eine große Anzahl von Influencern zehntausende Euros und Dollars pro Monat. Auch viele Finanz-Influencer tummeln sich auf Social Media. Alles wird angepriesen – das „Schnell reich werden“, wofür man dann teure Seminare buchen soll, gut verpackte Schneeballsysteme und vieles mehr. Dass es hier auch äußerst kriminelle Auswüchse gibt, konnte man leicht erahnen. Nun aber hat die US-Börsenaufsicht SEC diese Ahnung zu Papier gebracht. Sie hat nämlich Anklage gegen acht Social Media-Influencer erhoben. Es geht um ein 100 Millionen Dollar-Aktienmanipulationsprogramm, das laut SEC über die Portale Discord und Twitter verbreitet wurde.

Nach Angaben der SEC haben sich sieben der Angeklagten seit mindestens Januar 2020 als erfolgreiche Händler ausgegeben und hunderttausende von Anhängern auf Twitter und in Aktienhandels-Chatrooms auf der Social Media-Plattform Discord „kultiviert“. Diese sieben angeklagten Influencer kauften angeblich bestimmte Aktien, und ermutigten dann ihre große Fangemeinde in den sozialen Medien, diese ausgewählten Aktien zu kaufen, indem sie Kursziele veröffentlichten oder angaben, dass sie ihre Aktienpositionen kaufen, halten oder aufstocken würden. Wie in der Klage der SEC behauptet wird, verkauften die Personen jedoch regelmäßig ihre Aktien, wenn die Aktienkurse und/oder das Handelsvolumen der beworbenen Wertpapiere stiegen, ohne jemals ihre Pläne offenzulegen, die Wertpapiere zu veräußern, während sie sie bewarben.

„Wie in unserer Klage dargelegt, nutzten die Angeklagten Social Media, um eine große Zahl von Anfängern zu gewinnen, und nutzten dann ihre Anhänger aus, indem sie sie wiederholt mit Fehlinformationen fütterten, was zu betrügerischen Gewinnen in Höhe von etwa 100 Millionen Dollar führte“, sagte Joseph Sansone, Leiter der „Market Abuse Unit“ der SEC Enforcement Division. „Die heutige Aktion entlarvt die wahre Motivation dieser mutmaßlichen Betrüger und dient als weitere Warnung, dass Anleger bei unaufgeforderten Ratschlägen, die sie online erhalten, vorsichtig sein sollten“, so die SEC weiter über diese mutmaßlichen Machenschaften dieser Influencer. Hier die Namensliste von 7 der 8 wegen Wertpapierbetrugs angeklagten Personen.

Perry Matlock aus Texas / @PJ_Matlock

Edward Constantin aus Texas / @MrZackMorris

Thomas Cooperman aus Kalifornien / @ohheytommy

Gary Deel aus Kalifornien / @notoriousalerts

Mitchell Hennessey aus New Jersey / @Hugh_Henne

Stefan Hrvatin aus Florida / @LadeBackk

John Rybarcyzk aus Texas / @Ultra_Calls

In der Klageschrift der US-Börsenaufsicht SEC wird außerdem der Influencer Daniel Knight (Twitter-Handle @DipDeity) aus Texas beschuldigt, Beihilfe zu dem mutmaßlichen Betrug geleistet zu haben, indem er unter anderem einen Podcast mit moderierte, in dem er viele der anderen Personen als Expertenhändler anpries, und ihnen ein Forum für ihre manipulativen Aussagen bot. Knight handelte auch in Absprache mit den anderen Angeklagten, und erzielte regelmäßig Gewinne aus den Manipulationen.

In der Klage der SEC, die beim US-Bezirksgericht für den südlichen Bezirk von Texas eingereicht wurde, werden dauerhafte Unterlassungsverfügungen, Rückerstattungen, Vorfälligkeitszinsen und zivilrechtliche Strafen gegen jeden der angeklagten Influencer sowie ein Verbot von Penny Stocks gegen Stefan Hrvatin gefordert. In einer parallelen Klage der Betrugsabteilung des Justizministeriums und der US-Staatsanwaltschaft für den südlichen Bezirk von Texas wurden ebenfalls Strafanzeigen gegen alle acht Personen eingereicht.

FMW: Abgesehen von dieser Klage: Der „Graue Markt“ auf Portalen wie Instagram, YouTube und vor allem auf TikTok dürfte gigantisch sein. Alleine wie viele Finanz-Influencer und „Möchtegern Vermögens-Coaches“ sich dort tummeln… man kann kaum einen Überblick erhalten. Bei diesem Thema scheint die deutsche Finanzaufsicht BaFin noch meilenweit hinterher zu hinken. Nach dem Wirecard-Skandal, der die gesamte deutsche Finanzaufsicht de facto blamiert und bloßgestellt hat, ist man unter dem neuen Behördenchef derzeit dabei Banken und Finanzdienstleister umzukrempeln, und nach Verfehlungen zu suchen.

So sah man alleine in den letzten Tagen Meldungen, dass die BaFin bei MM Warburg, Baader Bank und fletexDEGIRO die Sicherstellung der ordnungsgemäßen Geschäftsorganisation anordnete. Das war schon mal ein Paukenschlag. Auch wurde jüngst bekannt, dass die BaFin laut finanz-szene.de in den „Alarmmodus“ schaltete, und 1.500 Banken in Deutschland zu Zinsrisiken befragt hat. Bis die BaFin sich mal die deutschsprachigen Influencer auf Social Media auf mögliche Verfehlungen hin genauer anschaut, wie lange wird das noch dauern?



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3 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Ende der Zwanziger, also kurz vorm Jahrhundert- Crash, gab’s in den USA sogar Wahrsagerinnen und Orakel die den“ Idioten“ das Geld aus der Tasche zogen….

  2. Wird doch langsam mit den Lehrstellen;-)
    Ich empfehle z.B. aut YT die Recherche zu FXCM, ehemals an der NASDAQ gelistet,
    dann aber in Ungnade gefallen, Entzug der Lizenz für Die USA, den Rest der Welt
    scheint das aber nicht zu interessieren….es geht einfach immer weiter.

  3. Haben sie das vom grossen Vorbild Elon gelernt ? Wie lange kann der noch manipulieren bis man eingreift? Oder ist dieser Fisch zu gross und man packt lieber die kleineren, oder ist bei Tesla auch wieder die Politprominenz involviert? Leider kommen diese Gaunereien immer erst bei grossen Korrekturen zum Vorschein. Solange die Kurse steigen schauen alle zu und machen das schöne Spiel mit.
    Genau darum müssten die Börsen nochmals 30% fallen, damit der Markt von den NACKTBADERNund den Gaunern gesäubert würde.
    Schon erstaunlich,dass die gesamte FINANZ- INTELLIGENZ so alle 10 Jahre auf die gleichen Muster hereinfällt.Sogar der erfahrene Bernecker meinte einmal die einigen Tausend Robin Hooders könnten den Markt beherrschen.

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