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Anlagestrategie: Entscheidend ist, was hinten rauskommt

In der Investmentwelt tobt gerade ein Kampf zwischen aktiven Vermögens-Managern, Trading-Algorithmen und Robo-Advisern, die auf passive Indexprodukte setzen. Letztendlich ist es für den nachhaltigen Erfolg einer Anlagestrategie jedoch entscheidend, alle relevanten Einflussfaktoren auf die Märkte zu identifizieren und richtig zu gewichten, um auch in ungewöhnlichen Zeiten mit außerordentlich komplexen Einflüssen adäquate Renditen zu erzielen. Egal, ob man ein Mensch oder eine Maschine ist.

Anlagestrategie muss alle wichtigen Faktoren berücksichtigen

Auch auf die Gefahr hin, heftigen Widerspruch zu ernten, ist es meine feste Überzeugung aus 15 Jahren Berufserfahrung als Anlagestratege und Asset-Manager, dass eine Analysedisziplin allein zu kurz greift, um einen Markt zu beurteilen oder gar Prognosen darüber abgeben zu können. Vor allem technische Analysten sehen das häufig anders, da ihrer Meinung nach alles schon in den Charts „drin steht“. Aber Charts zeigen lediglich die Kursentwicklung der Vergangenheit und an Hand des letzten abgebildeten Kurses die Mehrheitserwartung für die Zukunft. Doch könnte die Mehrheit den Aktienmarkt vorhersehen, gebe es keinen Handel mehr. Wäre auch nur ein Marktteilnehmer bekanntermaßen in der Lage, die Zukunft vorherzusehen, fände er keinen Handelskontrahenten mehr. Der Irrtum bezüglich der Zukunft ist Grundvoraussetzung für die Spekulation. Käufer und Verkäufer müssen stets entgegengesetzter Meinung sein. Ein Kurschart ist immer nur die grafisch dargestellte Preishistorie eines Anlagegutes mit einer Zukunftserwartung als letzten Datenpunkt. Dennoch ist die Charttechnik als massenpsychologisches Phänomen ein wichtiger Baustein einer Investmententscheidung, vor allem als Timing-Instrument.

Gleichwohl muss es gerade in der heutigen komplexen Welt um weitere Analyseinstrumente ergänzt werden. Vor allem in Zeiten desperater Geldpolitik, Handelskrieg, Brexit und Nahost-Konflikt gehört auch die politische Analyse als wichtiger Bestandteil zur Ausarbeitung einer Anlagestrategie dazu. Ebenso wie die Fundamentalanalyse, basierend auf makro- und mikroökonomischen Daten und betriebswirtschaftlichen Kennziffern.

Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist der sogenannte Money-Flow, der Aufschluss darüber gibt, über welches Mühlrad der Märkte die Liquidität gerade fließt und vor allem in welche Richtung und mit welcher Intensität. Da an den Märkten nach wie vor Millionen von menschlichen Individuen investieren und spekulieren, gehört auch die Sentiment-Analyse mit zur ganzheitlichen Bewertung eines Marktes oder eines Vermögenswertes. Abschließend zwingt die Dominanz der Terminmärkte den Analysten auch zur Beachtung der dort aktuell vorherrschenden Bedingungen. Vor allem bei Rohstoffen wie Gold, Öl oder Kupfer spielt die Struktur der Terminkontrakte für das kurzfristige Timing eine wichtige Rolle.

Mensch vs. Maschine in einer komplexen Welt

Ob diese ganzheitliche Analyse nun von einem Menschen durchgeführt wird und in eine Anlagestrategie mündet oder ein Handels-Algorithmus diesen Job übernimmt, sagt zunächst einmal nichts über die Erfolgschancen aus. Viel wichtiger ist die Qualität der Analyse. Auch Algorithmen sind lernfähig und können Erfahrungswerte abrufen. Allein beim Abstraktionsvermögen und der Kenntnis der menschlichen Natur sind wir Humanoide noch überlegen. Dafür arbeiten die Handelsmaschinen, schneller, präziser und effizienter. Das ermöglicht ihnen oft einen Informationsvorsprung und den schnelleren Trade zum günstigeren Preis. Außerdem brauchen Computer keinen Schlaf.

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Die Gründe, warum Fondsmanager mehrheitlich schlechter abschneiden als Passivprodukte oder die sogenannten Quant-Modelle, gehen aber noch weiter: Erstens ist es für die eigene Karriere als Manager sicherer, sich mit der Masse zu irren, als autonom zu handeln (was Computer nicht interessiert) und zweitens fokussieren sich viele Manager lediglich auf ihre Vergleichsgruppe (Peer-Group) und ihre Benchmark. Aber grundsätzlich können Menschen den Computer in Sachen Rendite schlagen. So wie es unterdurchschnittlich gute Manager gibt, gibt es auch schlechte Handelssoftware, deren ursprüngliche Programmierung von guten oder schlechten Programmierern durchgeführt wurde.

Die wichtigste Voraussetzung für die langfristige Überlegenheit einer Anlagestrategie, gerade in Zeiten von ökonomischen und politischen Paradigmenwechseln, ist die Berücksichtigung der Komplexität und der Dynamik der Einflussfaktoren. Ein Modell, das alle wichtigen Marktimpulse berücksichtigt und nach deren Bedeutung gewichtet, ist eine Grundvoraussetzung, um eine zyklusübergreifend funktionierende Anlagestrategie für alle Wetter zu erarbeiten.

Die Börsen-Ampel hat mehr als drei Lichter

In der folgenden Matrix relevanter Faktoren für eine Investmententscheidung starten wir heute exemplarisch mit dem Asset Gold als ersten Baustein der Gesamtstrategie. Die Gewichtung der Faktoren pro und contra Gold erfolgt absteigend von links nach rechts. Die Farbe Rot steht für negativ, Gelb für ausgeglichen und Grün für positiv. Das Gesamtergebnis kann sowohl in eine Kauf- als auch in eine Verkaufs-Position münden (oder eine Glattstellung).

Anlagestrategie Ampel

*Der Moneyflow wird bei Gold an Hand der Zu- und Abflüsse in physisch hinterlegte ETF weltweit gemessen.
**Die Terminmarktanalyse erfolgt an Hand der COT-Daten der CFTC
***Das Sentiment orientiert sich am animusX Investors Sentiment

Fazit

Gemäß dem Ergebnis einer Gesamtanalyse steht die Ampel für ein Investment in Gold im Rahmen einer Gesamtstrategie aktuell auf Grün, da die übergeordneten Einflussfaktoren ganz klar positiv sind. Für einen kurzfristigen spekulativen Trade müsste noch das charttechnisch positive Signal abgewartet werden. Hier würde die Ampel für den Goldpreis in US-Dollar erst auf Grün springen, wenn das letzte Hoch von 1.557,24 US-Dollar überwunden wurde. Ich werde die Börsen-Ampel in weiteren Artikeln noch erweitern und näher auf die einzelnen Einflussfaktoren eingehen, so dass am Ende eine exemplarische Gesamtstrategie aus Aktien, Rohstoffen, Währungen, CAT-Bonds und Vola-Instrumenten entsteht.



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4 Kommentare

  1. Cool freue mich!

  2. Das klingt für mich sehr interessant und ist genau das, worauf ich seit Jahren warte. Eine Analyse und Übersicht unter Einbeziehung fundamentaler, politischer, charttechnischer und weiterer Faktoren. Das Ganze aus sechs Blickwinkeln farblich auf einen Blick zu erfassen, bewerte ich extrem hilfreich und erleichternd als hoch differenzierten Anhaltspunkt und Ergänzung zu meinen eigenen Überlegungen.

    Prinzipiell hatte uns Ähnliches der unvergessliche Segler vor einigen Jahren schon in sogar dynamischen Excel-Kalkulationen versprochen, bevor er nach einem letzten Besuch der letzten Korallenriffe auf den Malediven auf mysteriöse Weise untergetaucht ist ;)

    Ich freue mich ebenfalls sehr darauf und spreche @Herrn Hannes Zipfel hiermit erneut explizit meine Anerkennung für seine bisherigen Artikel auf der FMW aus. Sie sind eine absolute Bereicherung, gerade in der derzeitigen Stimmungstendenz präapokalyptischer, dunkelbraunblauschwarzer Armageddonmalereien.

  3. Was für ein Angebot von Hannes Zipfel, der hier überaus interessante und sehr aufschlussreiche Aufsätze abliefert! Ein Glücksfall für viele Leser von FMW. Sein Angebot hier so eine umfangreiche Analysen mit den relevanten großen Einflussfaktoren in Form einer Ampel zu präsentieren, wirft aber ein paar Fragen auf. Wie kann jemand, der in der Investmentbranche in hohen Funktionen tätig ist, so etwas nebenher stemmen. Täglich zu schreiben, rund um die Woche. Ohne einen erkennbaren finanziellen Hintergrund, Abo, Werbung, eigener Fonds?
    Nach seiner Ankündigung wäre das ein wahnsinnig aufwendiger Ansatz, den man so mir-nichts-dir-nichts anbietet. Das kann die eigene Firma eigentlich nicht gestatten. „Entscheidend ist, was hinten rauskommt“, also besser zu sein als der billige Kauf von Mischfonds oder ETFs, ist das Ziel von vielen Managern, was aber nicht erreicht wird. Freuen wir uns auf die Analysen von Hannes Zipfel, aber am Ende wird ein Produkt (Fonds) stehen, in das man investieren soll. Was aber auch legitim ist.

    1. @Nico, Sie schrieben: „aber am Ende wird ein Produkt (Fonds) stehen, in das man investieren soll. Was aber auch legitim ist.“

      Nein, am Ende steht kein Produkt..

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