Anleihen

Anleger stürmen deutsche Negativrendite, Scholz macht 51 Mio Euro Gewinn

Die EZB weist den Weg, mal wieder. Wie vor wenigen Minuten verkündet wurde, wird der Leitzins noch bis Ende 2019 und wohl darüber hinaus im Keller bleiben, so sagt es die EZB. Der Anleihemarkt hat sich schon längst darauf eingestellt. Weiter schwache oder noch schwächere Renditen in Aussicht? Also besser noch diese mageren Renditen oder sogar Negativrenditen nehmen als institutioneller Investor, der große Geldsummen unterbringen muss und nicht auf dem Bankkonto parken darf, weil sonst 0,4% Negativzinsen drohen.

Noch vor drei Wochen musste man als Investor in der Emission fünfjähriger deutscher Bundesobligationen eine Negativrendite von -0,32% in Kauf nehmen. Also immer noch günstiger als letztlich von seiner Bank mit -0,4% Strafzins versehen zu werden. Aber heute, da sinkt die ganz frische fünfjährige Emission von Bundesobligationen (Kupon 0,00%) auf -0,42%. Im Januar waren es noch -0,29%. Somit würde es sich für langfristige Investoren eher lohnen das Geld auf den „normalen“ Geschäftskonto bei der Hausbank zu parken zu -0,40%, als  heute die Bobls zu kaufen.

Nun kommt aber noch die mögliche Kursspekulation ins Spiel. Investoren könnten die Anleihen kaufen in der Hoffnung, dass der Anleihekurs nach der Emission im freien Handel noch weiter steigt. Das wäre bei noch weiter sinkenden Renditen ja der automatische Schritt. Sinkende Renditen bedingen ja automatisch steigende Anleihekurse, und umgekehrt.

Heute wollte der Bund Bundesobligationen im Volumen von 3 Milliarden Euro verkaufen. Das Nachfragevolumen lag bei 4,458 Milliarden Euro. Vor drei Wochen war es ein Nachfragevolumen von 4,667 Milliarden Euro bei 4 Milliarden Euro Angebot. Also ist heute die Nachfrage in Relation zum Angebot deutlich höher als vor drei Wochen!

3 Milliarden Euro bot der Bund an, verkauft hat man aber nur 2,48 Milliarden Euro. Die Differenz in Höhe von 520 Millionen Euro floss in die sogenannte Marktpflegequote. Falls nämlich alle Investoren diese Bundesobligationen bis zum Laufzeitende in fünf Jahren im Depot belassen, gäbe es am freien Markt keine Handelbarkeit für diese Anleihen – dafür sorgt dann der Emittent „Finanzagentur Deutschland GmbH“ mit diesen 520 Millionen Euro Volumen.

Bei 2,48 Milliarden Euro verkauften Schulden (der Nominalwert von 100,00%) hat man heute zu einem Preis von 102,07% verkauft (Anleihekurse notieren in Prozentpunkten). Daher man man tatsächlich heute 2,53 Milliarden Euro eingenommen. In fünf Jahren beim Auslauftermin muss der Bund aber nur den Nominalwert von 2,48 Milliarden Euro zurückzahlen. Somit macht der Bund heute per sofort einen Gewinn von 51,3 Millionen Euro.

Olaf Scholz Negativrendite
Olaf Scholz. Foto: Olaf Kosinsky CC BY-SA 3.0 de



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