Anleihen

Anleihe-Kartell in der EU: Deutsche Bank mit Immunität – aber droht Ärger in den USA?

Ja was ist denn hier los? Ein neuer europaweiter Finanzskandal kommt an die Öffentlichkeit, und die Deutsche Bank ist involviert? Wir sind vor lauter Überraschung total entsetzt! (Scherz) Aber von Anfang an. Die EU hat bekannt gegeben, dass sich offenbar unter großen europäischen Banken von 2009-2015 eine Art Händler-Kartell bildete, welches in privaten Chat-Rooms Preise im Handel mit Anleihen festlegte. Zu einem wichtigen Detail kommen wir gleich noch. Aber erstmal hier der Wortlaut von der EU-Kommission:

Die Europäische Kommission hat vier Banken darüber in Kenntnis gesetzt, dass diese ihrer Auffassung nach im Zeitraum 2009 bis 2015 durch gewollt wettbewerbsverzerrende Absprachen am EWR-Sekundärmarkt für supranationale, staatliche sowie halbstaatliche Anleihen (SSA-Anleihen) in US-Dollar gegen die EU-Kartellvorschriften verstoßen haben. Die Kommission verdächtigt die vier Banken, im Zeitraum 2009 bis 2015 mehrfach sensible Geschäftsinformationen ausgetauscht und sich in Bezug auf die Preise für auf US-Dollar lautende supranationale, staatliche sowie halbstaatliche Anleihen, sogenannte SSA-Anleihen, abgesprochen zu haben. Die entsprechenden Kontakte sollen hauptsächlich über Online-Chatrooms erfolgt sein. Sollte sich die vorläufige Auffassung der Kommission bestätigen, würde dieses Verhalten einen Verstoß gegen die EU-Vorschriften darstellen, die wettbewerbswidrige Geschäftspraktiken wie Preisabsprachen untersagen (Artikel 101 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union und Artikel 53 des EWR-Abkommens). Die Untersuchung der Kommission beschränkt sich auf das Verhalten bestimmter Händler dieser vier Banken und impliziert nicht, dass das mutmaßliche wettbewerbswidrige Verhalten eine geschäftsübliche Praxis unter SSA-Anleihehändlern darstellt. Eine Mitteilung der Beschwerdepunkte greift dem Ergebnis einer solchen Untersuchung nicht vor.

Was lesen wir da? Es ging also um Anleihegeschäfte in Europa. Aber die betroffenen Anleihen waren in US-Dollar begebene Anleihen. Das heißt: Die USA könnten hier mal wieder ins Spiel kommen. Wer die letzten zehn Jahre intensiv verfolgt hat, der weiß: Die USA nutzen jede, wirklich jede Gelegenheit, um all zu gerne ausländische Banken mit möglichst hohen Strafen zu überziehen. Dazu finden die USA auch noch so abenteuerliche Zusammenhänge, um sich für zuständig zu erklären.

Und wenn man hier sieht, dass der US-Dollar als Währung betroffen war, könnten US-Behörden ihre Zuständigkeit erklären? Wir formulieren das ganz bewusst als Frage. Der gigantische Danske-Skandal kommt gerade erst ins Rollen, und könnte für die Deutsche Bank in den USA verdammt teuer werden (das ist auch noch völlig unklar). Und jetzt der nächste Knaller. Werden die USA hier auch zuschlagen? Woher wir überhaupt wissen, dass die Deutsche Bank eine der am Skandal beteiligten Banken war? Die EU-Kommission hat ja keine Banknamen erwähnt. Nun, ganz einfach. Die Deutsche Bank geht hier vermeintlich in die Offensive, und gab folgende Erklärung raus. Man habe proaktiv gehandelt. Es erwarte die Bank (in der EU!) keine Strafe. War die Deutsche also der Kronzeuge? Wie gesagt, in Europa hat man also nichts zu befürchten. Man vergesse aber bitte niemals die US-Behörden. Zitat Deutsche Bank:

Stellungnahme zur Kartelluntersuchung der EU-Kommission

Die Deutsche Bank hat in dieser Angelegenheit proaktiv mit der Europäischen Kommission zusammengearbeitet und ihr wurde daher Immunität gewährt. In Übereinstimmung mit den Richtlinien der Kommission erwartet die Deutsche Bank keine Geldstrafe.

Und die Deutsche Bank-Aktie? Die zerlegt sich immer mehr, und rauschte gestern runter auf  7 Euro. Ein neues Tief. Einige Experten sagen schon seit Wochen das seien Kaufkurse… aber man denke bitte an andere Aktien, die mal ganz weit oben waren, und sich nie wieder erholt haben.

Deutsche Bank
Foto: Deutsche Bank AG



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5 Kommentare

  1. Die Deutsche Bank hatte mindestens bis ins Jahr 2015 hinein nahezu jede Gelegenheit genutzt Geld zu verdienen, „Whatever it takes“ in anderer Umsetzung. (Am meisten regt mich da Josef Ackermann auf, der heute noch behauptet ein gut bestelltes Haus übergeben zu haben!) So weitergeht so schlecht.
    Aber kann man die Bank weiter abstürzen lassen – bis zum Pennystock? Kann hier der Staat und die EZB zusehen?
    Zum Vergleich. Lehmann hatte vor seinem Zusammenbruch 26800 Mitarbeiter und 19,2 Mrd.$ Umsatz.
    Die Deutsche Bank immerhin derzeit 97500 Mitarbeiter, eine Bilanzsumme von ca. 1,4 Bio.€, ein billionenschweres Derivateportfolio und dazu Anleihen aller Herren Länder. Bei einem Zusammenbruch entstünde ein Sturm, gegen den Lehmanns Insolvenz nur ein Lüftchen gewesen wäre. Da wären auch die Gelder bei den öffentlichen Sparkassen und Volksbanken in Gefahr. Wo wir wieder bei den Themen Systemrelevanz und Trennung von Risiko und Haftung wären. Bin gespannt, welche hektische Manöver bei weiteren Kursverlusten folgen werden.

  2. Wolfang M. hat recht, dafür hat aber unser größtes deutsche Finanzinstitut auch schon vor 5 Jahren den hochrangigen „Black Planet AWARD 2013“ der Stiftung Ethik und Ökonomie erhalten, das quasi als Negativ-Nobelpreis für das menschfeindlichste, umweltschädlichste und gemeinste Geschäftsmodel nur jährlich verliehen wird. Vielleicht sollte und muss die Deutsche Bank wieder wie bisher neue Billigaktien in Milliardenhöhe für scheinbar wahnsinnige Aktionäre, die diese kaufen, emittieren, um das Durchschnittsgehalt von 100.000 Euro eines der ca 97.000 Deutschbanker und der 571 Einkommensmillionäre der DB zu bezahlen (wären somit allein für das Gehalt ohne Boni alleine 10 Mrd. Euro jedes Jahr erforderlich). Als Kunde habe ich auf jeden Fall bei diese Bank schleunigst erst mal mein Geld in 5-stelliger Höhe komplett sukzessive abgehoben, das ist ja nicht so einfach, wie Sie sehen werden, solange dies noch möglich ist und kann dies nur jedem halbwegs klar denkend Kunden nur empfehlen, weil hier ist, ähnlich auch bei der Commerzbank der Mega-Crash absolut sicher.

    1. @Prof. Dr. Paolo B. Ja, da haben Sie ein paar weitere Argumente zum Problemfall Deutsche Bank eingebracht, einem Geldinstitut, welches im Falle einer Rezession in Deutschland noch weitere skurrile Folgeerscheinungen zeitigen könnte. Das Institut besitzt durch seine Bilanzgröße nicht nur absolute Systemrelevanz, so dass man es wegen der weltweiten Verwerfungen auf den Kapitalmörkten vor einem Zusammenbruch schützen muss (Whatever it takes – mit Steuergeldern), das exklusive Gehaltsgebaren der Bank wird sogar auch noch durch unser Arbeits- und Vertragsrecht geschützt. Es ist hier eine Parallelwelt in der Wirtschaft entstanden, die für mich ohne Beispiel ist, zumindest in den letzten Jahrzehnten. Nur noch ein paar Zahlen zu der Luxuswelt bei diesem Institut.
      Seit 1995 hat die DB, die derzeit nicht einmal mehr 15 Mrd.€ an Marktkapitalisierung aufweist, über 70 Mrd.€ an Boni an Manager und Mitarbeiter ausgeschüttet. Auch in den letzten Jahren mit ständigen Verlusten und einem Aktienkursrückkgang von über 90%. Allein im Februar 2018 über 2 Mrd.€, nach einem Verlustjahr 2017. Dazu noch 5 Kapitalerhöhungen in den letzten 10 Jahren in zweistelliger Milliardenhöhe, die von Aktionären bezahlt wurden, um das Rieseninstitut mit fast 100 000 Mitarbeitern zu den aus Breuer- und Ackermann-Zeiiten stammenden finanziellen Konditionen weiter arbeiten zu lassen.
      Aber, wie gesagt, dass eigentlich Unfassbare ist, dass diese „Welt“ durch Systemrelevanz und Gesellschaftsrecht vor der Disruption der Marktwirtschaft geschützt wird.
      VG

    2. Das Geld ist in einer von Insolvenz bedrohten Whatever-it-takes-Bank womöglich sicherer, als in der kleinen Sparkasse um die Ecke. Verrückte Welt.

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