Anleihemärkte in Aufruhr – Obacht! Man denke zurück an das Jahr 2022: Im September stürzte die britische Kurzzeit-Premierministerin Liz Truss über zu hohe Anleiherenditen. Am 20. Oktober 2022 musste sie letztendlich zurücktreten. Damals lagen die Renditen für 30 Jahre laufende britische Staatsanleihen noch unter 5 %. Heute sehen wir 5,76 % Rendite, Tendenz vermutlich weiter ansteigend. Dies ist der höchste Stand seit 28 Jahren.
Anleihemärkte in Großbritannien signalisieren große Probleme
Was auf den ersten Blick nur ein Thema für die Finanzmärkte zu sein scheint, kommt letztlich doch beim Normalverbraucher an. Wenn die Anleihemärkte derart stark steigende Renditen liefern (fallende Anleihekurse), bedeutet dies letztlich für Kreditkunden, Häuslebauer, Dispo-Zinsen, gewerbliche Immobilienprojekte, Industrie-Kredite etc steigende Zinsen! Eine Belastung für die jeweilige Volkswirtschaft.
Was ist in Großbritannien los? Einerseits wird man wie auch Festland-Europa und Asien von der Inflation getroffen, die der Iran-Krieg mit sich bringt. Deutlich steigende Brennstoffpreise fressen sich durch den Wirtschaftskreislauf, die Inflation zieht an. Und damit steigen offenkundig die Zinserhöhungs-Erwartungen der Märkte an die Bank of England, was die Zinsen (Anleiherenditen) am freien Markt aktuell hochtreibt. Aber da ist noch mehr: Der Anleihemarkt auf der Insel blickt auf in dieser Woche anstehende Regionalwahlen, bei der Premier Keir Starmer durch die neuen Rechten arg in Bedrängnis geraten könnte.
Regierungskrise?
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Steht eine neue Regierungskrise in Großbritannien an, zumal die Staatsfinanzen eh angeschlagen sind? Sollte Starmer´s Partei kräftig verlieren, könnte man in Versuchung sein, auf Pump die Staatsausgaben anzufachen, um Wählergruppen glücklicher zu machen. Aber genau das – höhere Staatsausgaben ohne Gegenfinanzierung – führte 2022 ins Desaster, und die Anleihemärkte straften die britische Regierung mit höheren Renditen ab. Und jetzt sind wir bereits auf einem viel höheren Renditeniveau. Die Lage ist also dramatisch. Nicht nur, dass die höheren Anleiherenditen letztlich die Kreditkosten für Verbraucher und Unternehmen ansteigen lassen – natürlich verteuert sich dadurch auch die Zinslast bei neu aufzunehmenden Schulden der Regierung in London.
Anleiherenditen auch in Deutschland im Anstieg
Auch in Deutschland zeigen die Anleihemärkte neben der steigenden Verschuldung der Bundesregierung (Aufrüstung + Sondervermögen) die Tendenz zu mehr Inflation dank Iran-Krieg, und folglich zu höheren EZB-Zinsen. Christine Lagarde deutete letzte Woche eine Tendenz hin zu höheren Zinsen an. Aber abgesehen von diesem Faktoren: Auch hierzulande ist die Regierung angeschlagen. CDU und SPD sind quasi nur am Streiten. Große, tiefgreifende Strukturreformen sind nicht in Sicht. Je mehr die Bundesregierung ins Wanken kommt, desto stärker könnten die Anleihemärkte auch die Renditen für deutsche Anleihen ansteigen lassen.
Im folgenden Chart sehen wir seit März 2025, als das Sondervermögen verkündet wurde: Deutsche Anleiherenditen stiegen an. Sondervermögen + Aufrüstung und ab März 2026 der Iran-Krieg mit der nachfolgenden Inflation (steigende EZB-Zinsen in Aussicht) verursachen unterm Strich, dass die zehnjährige deutsche Anleiherendite seit März 2025 von 2,40 % bis jetzt auf 3,08 % gestiegen ist. Die 30jährige Laufzeit steigt von 2,70 % auf 3,59 %.
Langfristige US-Anleiherenditen über 5 %
Die US-Anleiherenditen mit 30 Jahren Laufzeit sind in dieser Woche zum ersten Mal seit Juli 2025 wieder über 5 % gestiegen. Obwohl die USA durch Energie-Unabhängigkeit weit weniger vom Iran-Krieg betroffen sind, steigen auch dort die Brennstoffpreise. Und auch dort sind die Auswirkungen auf die Zentralbank-Politik erkennbar. Statt Zinserhöhungsdruck sinkt in den USA erst einmal die Aussicht auf Zinssenkungen. Auch das kann die Anleihemärkte zu höheren Renditen treiben.
Eine Rendite von 5 % oder mehr ist von Bedeutung, da sie laut Bloomberg News die Sorgen um den Haushalt und die steigenden Schuldendienstkosten der US-Regierung verschärft. Sie hat zudem erhebliche Auswirkungen auf andere Finanzmärkte und die Realwirtschaft, da sie möglicherweise zu steigenden Hypothekenzinsen führt und die Verbraucher belastet.
„Wir haben eine Neubewertung von Anleihen beobachtet, da sich die Erwartung, dass die Zinsen länger auf einem höheren Niveau bleiben oder es nicht so viele Senkungen geben wird, geändert hat, und ich halte das für rational“, sagte Vivek Paul, Global Head of Portfolio Research und UK Chief Investment Strategist beim BlackRock Investment Institute, in einem Interview mit Bloomberg TV.
Das BlackRock Investment Institute hält eine Untergewichtung bei langfristigen US-Staatsanleihen, da der Energieschock und die bestehenden Gegenwinde die Laufzeitprämien in die Höhe treiben dürften. Damit ist die zusätzliche Rendite gemeint, die Anleger verlangen, um eine längerfristige Anleihe zu halten, anstatt eine Reihe von kurzfristigen Schuldverschreibungen im gleichen Zeitraum zu verlängern.
Der Ausblick trübt die Aussichten auf Zinssenkungen, die mit Blick auf das Jahr 2026 und die Übernahme des Vorsitzes der Federal Reserve durch Kevin Warsh weithin erwartet worden waren. Die Märkte haben ihre Einschätzung geändert und preisen nun eine weitere Straffung durch die Zentralbank ein; Swaps implizieren eine Wahrscheinlichkeit von 50 % für eine Anhebung um einen Viertelpunkt Anfang 2027.
Henrietta Pacquement, Senior-Portfoliomanagerin für festverzinsliche Wertpapiere bei Allspring, sagte, die Renditen erreichten für Anleger „interessante“ Niveaus, doch sie bevorzuge mittelfristige US-Staatsanleihen. „Im langfristigen Bereich sind wir eigentlich recht vorsichtig, da wir dort aufgrund der Duration mit Volatilität rechnen“, sagte sie. Die Renditen könnten bei weiteren Störungen der Energieversorgung über die jüngsten Bandbreiten hinausschießen, beispielsweise wenn die Ölinfrastruktur im Nahen Osten weitere Schäden erleidet, fügte Pacquement hinzu. Ein stärkeres KI-getriebenes Wachstum in den USA könnte ebenfalls eine Reaktion der Zentralbank hervorrufen und möglicherweise ebenfalls die Renditen nach oben treiben.
FMW/Bloomberg
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5% ist die kritische Marke oder?
Solche Werte sind nicht betoniert. Es kommt immer darauf an, wie sich die Wirtschaft gerade entwickelt, wie groß der Abstand zur realen Inflation ist und wie sich die leitenden Figuren verschiedener Institutionen verhalten.
Das UK befindet sich momentan auf der Überholspur bei der Errichtung einer globalistischen Diktatur und die politische Szene ist sehr gespalten. Man muss sich klar machen, dass Labour nur wegen des Mehrheitswahrrechts so einen Sieg erringen konnte. Rechnet man die Stimmen für konservative und wirtschaftsfreundliche Parteien zusammen, hatten die die Mehrheit, aber aufgrund der Schwäche der Konservativen errang Labour die meisten Mandate.
Reform hatte die Chance, Labour abzulösen, hat nun aber Konkurrenz durch Restore, eine Partei deren Programm vielen deutschen Medienvertretern unmittelbar einen Herzinfarkt bescheren würde.
Ich habe mich finanziell weitgehend aus dem UK zurückgezogen und warte ab.
Angesichts der Inflation ist das mehr als berechtigt…!
Im Übrigen lag die britische Umlaufrendite 2006/07 und 1999/00 höher als heute ,bei einer damals vorhandenen,aber noch sehr überschaubaren Inflation…
Der FTSE liegt aktuell beim Dreifachen der Finanzkrise und immer noch gut 50 Prozent über dem Niveau der Jahrtausendwende…also so schlecht läuft es nicht…
Wäre Panik im Markt hätten wir Griechische Verhältnisse…( April 2010 )…