Anleihen

Anleihemärkte: Niedriges Zinsniveau in EU lockt US-Firmen

Die Anleihemärkte in Europa rücken zunhemend in den Fokus von US-Firmen – in der EU kann man aus US-Sicht nämlich aufgrund der Niedrigzinsen besonders billig an frisches Geld kommen!

US-Präsident Trump hat sich schon mehrfach darüber beschwert, zuletzt beim World Economic Forum in Davos: Die US-Notenbank solle endlich die Zinsen radikal senken, es sei ein Witz, dass sich Länder wie Deutschland verschulden könnten und dabei noch Geld verdienen würden. Zahlreichen US-Firmen ist das nicht verborgen geblieben, sie wenden sich schon länger in Richtung europäische Anleihemärkte, um sich mit milliardenschweren Bondemissionen im Euroland niedrige Zinssätze zu sichern. Eine Strategie mit Risiken.

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Die EZB und die Anleihmärkte

Bereits im Mai 2010 hat die EZB mit der Rettung um Griechenland begonnen Staatsanleihen der Südländer zu kaufen – und dieses Programm seither ständig ausgeweitet mit der Folge, dass sie langsam an ihre gesetzlich erlaubte Grenze von 33 Prozent der erwerbbaren Anleihen pro Land kommt. Besonders bedeutsam ist das für Deutschland, wo der Finanzierungsbedarf aufgrund des ausgeglichenen Haushalts sinkt: insgesamt werden in Deutschland weniger neue Anleihen aus- als alte zurückgegeben.

Dazu ein Vergleich mit den USA: Zuletzt betrug das ausstehende Volumen bei US-Staatsanleihen umgerechnet 13,944 Billionen Euro. In den kommenden fünf Jahren werden davon 9,837 Billionen Euro fällig. Und Donald Trump sorgt kräftig dafür, dass das Volumen hierfür weiter steigen wird.

Unterm Strich wird es also kaum Bundesanleihen auf dem Markt geben – oder zumindest weniger als noch 2019. Die Zentralbank weicht daher mehr und mehr auf Unternehmensanleihen aus, um die 20 Milliarden Euro pro Monat im Rückkaufprogramm umzusetzen.

An den Anleihemärkten herrscht bei Unternehmensanleihen nicht gerade ein Mangel: wie eine Studie der Landesbank Baden-Württemberg feststellt, wurden bereits in den ersten Januartagen die Anleihemärkte mit (Unternehmens-)Anleihen in Höhe von 16 Milliarden Euro am Markt geflutet, vorwiegend von großen Dax-Konzernen wie Fresenius, BMW und E.on. Die beiden Letztgenannten konnten dies sogar zu einem Kupon von null Prozent bewerkstelligen, also ohne Zinsbelastung bis zur Fälligkeit.

Damit setzt sich ein Trend fort, nach 2019, bei dem es zu der Rekordsumme von 400 Milliarden Euro an Neuemissionen von Unternehmensanleihen kam. Das hat natürlich auch Firmen außerhalb Europas, vorwiegend aus den USA an die europäischen Anleihemärkte gelockt.

Europäische Anleihemärkte: US-Firmen auf dem Vormarsch

Was Donald Trump nicht bekannt sein dürfte: Bereits im letzten Jahr gab es einen Rekord für amerikanische Unternehmen, die günstige Finanzierungsbedingungen in Europa nutzen. Laut der Studie der LBBW haben 2019 US-Konzerne 90 Milliarden Euro an Unternehmensanleihen begeben, deutsche Firmen 80 Milliarden, gefolgt von Frankreich mit 78 Milliarden Euro. Für die Amerikaner bedeutet dies eine glatte Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. 2020 setzt sich dieser Trend fort. Mit IBM, Comcast und Dow Chemical kommen in diesen Tagen drei US-Konzerne, die ihren Umsatz in den Staaten machen, mit milliardenschweren Neuemissionen auf die europäischen Anleihemärkte.

Der Lockruf der niedrigen Zinsen

„Reverse Yankees“ lautet in den USA der Begriff für in ausländischer Währung aufgelegte Anleihen von US-Konzernen. Das Maß für die Renditen der in Dollar notierenden Zinspapiere ist die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe. Diese beträgt derzeit um die 1,6 Prozent, während in der Eurozone die 10-jährige Bund den Ton angibt, mit aktuell minus 0,36 Prozent. Das macht die europäischen Anleihemärkte für US-Firmen interessant, auch wenn diese Kosten haben, um sich gegen Währungsschwankungen abzusichern.

Dass es am Anleihemarkt für Unternehmen so günstige Bedingungen gibt, ist maßgeblich auch auf die Europäische Zentralbank zurückzuführen. Mario Draghi hat 2016 ein Aufkaufprogramm für Euroanleihen begonnen, parallel dazu ging es auch mit den ausländischen Neuemissionen in Europa los.

Aufgrund des Engpasses mit den Staatsanleihen kauft die EZB immer mehr Unternehmenspapiere. Durch das neue Anleihekaufprogramm von monatlich 20 Milliarden Euro fließen 4,6 Milliarden in neue Unternehmensanleihen, zudem werden fällige Firmenanleihen in Höhe von etwa 2,5 Milliarden Euro monatlich ersetzt. Schreibt man diese Entwicklung fort, so könnte die EZB in diesem Jahr bis zu 20 Prozent aller neuen Unternehmensanleihen aufkaufen. Eine starke Hilfe für die Unternehmensfinanzierung, von denen auch die außereuropäischen Firmen profitieren. Mario Draghi als Initiator für das amerikanische Programm der „Reverse Yankees“! Und die Investoren reißen sich um die US-Rapiere, für die acht- und 20-jährigen IBM-Anleihen (Zinskupons mit 0,3 bzw. 1,2 Prozent) gab es eine deutlich höhere Nachfrage, als das Angebot hergab.

Fazit: Europas Anleihemärkte sind attraktiv – aber es gibt auch Risiken

Während man im Warenaustausch so etwas wie eine De-Globalisierung registrieren kann – Zölle und Protektionismus -, so ist an den Kapitalmärkten das Gegenteil der Fall – wie die Anleihemärkte zeigen. Selbst China will sich im Anleihe- und Aktienmarkt viel stärker international aufstellen.

Meldungen über Details im Handelskrieg, Zunahme der Virusinfektionen oder ganz besonders die weltweiten synchronen Zinssenkungen der Notenbanken führen zu raschen Reaktionen, im Gleichschritt und manchmal in Minutenschnelle. Dabei hat sich der Einfluss der Amerikaner in letzter Zeit noch vergrößert, durch ihre Währung und ihren Aktienmarkt, der im MSCI World den gewaltigen Anteil von 63 Prozent einnimmt, aber speziell auch am Zinsmarkt. Die Abhängigkeit der internationalen Notenbanken voneinander konnte man schon an der globalen, sychronisierten Zinssenkungsorgie 2019 feststellen.

Das bedeutet für Investoren, dass es an den Anleihemärkten schwieriger geworden ist, ein Portfolio zu diversifizieren. Die Korrelation zwischen der Anleihemärkte diesseits und jenseits des Atlantiks hat zugenommen, die Wirksamkeit von EZB-Maßnahmen könnte abnehmen. Das BBB-US-Anleiherisiko hat sich etwas nach Europa verlagert, für die Investoren könnte sich ein Problem dadurch ergeben, da die US-Firmen lange Laufzeiten bei ihren Anleihen bevorzugen.

Erkennbar ist das an den letzten Emissionen von IBM und Comcast mit zum Teil 20-jähriger Laufzeit. Dies generiert ein Problem durch die Duration, also der erhöhten Kursschwankung langer Laufzeiten bei Zinsänderungen. Aber so etwas soll es ja in Europa nie mehr geben (zu Lebzeiten) – höhere Zinsen. Das sagen sogar manche Analysten, von denen man annehmen kann, dass sie sich in den nächsten 20 Jahren noch nicht verabschieden werden.

Anders ausgedrückt: Steigen Inflation und Kapitalmarktzinsen, rumpelt es synchron an mehreren Märkten!

Die Anleihemärkte Europas rücken immer mehr in den Fokus von US-Firmen



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