Anleihen

Anleihen: Die lange Phase fallender Zinsen ist vorbei, was tun Bondinvestoren?

Keine Renditen mehr für Anleihen

In der großen Vermögensanlage, beziehungsweise bei den Vorsorgesystemen, gibt es die beiden zentralen Anlageklassen Aktien und Anleihen. Die Depots werden oft angelegt in einen bestimmten Verhältnis zwischen 70 zu 30 Prozent oder 60 zu 40 Prozent und in vielen weiteren Varianten, je nach regulatorischer Vorgabe. Damit wird in bestimmten Börsenphasen, zumeist abhängig vom Zinsniveau, die Schwäche einer Anlageklasse mit der Stärke der anderen ausgeglichen. So ist es bereits seit Jahrzehnten, um nicht zu sagen seit Jahrhunderten. Aber was ist in den letzten Jahren passiert, mit dem ehemals großen Stabilitätsanker Anleihen, dem Hauptbestandteil der Portfolios bei Versicherungen und der Betriebsvorsorge, speziell in unseren Breiten?

Anleihen: Das Ende starker Zinserträge, nach 40 Jahren

Die Notenbanken haben von Jahr zu Jahr durch ihr Quantitative Easing die erreichbaren Zinseinahmen reduziert, die sich große Kapitalanleger durch ihre langlaufenden Anleihen (10 Jahre+) gerade noch gesichert haben.

Stellt sich also die Frage, woher die Bondinvestoren sich in den nächsten Jahren ihre Rendite holen wollen? Die Klasse der High Yield Anleihen ist für viele Kapitalsammelstellen obsolet, außerdem liegt das Rendite/Risiko-Verhältnis in diesem Anleihebereich auf einem absurd tiefen Niveau.

Durch Kupons, also jährlichen Zahlungen, gibt es nichts mehr zu holen. Seit 40 Jahren geht sie zurück, die nominale und reale Rendite von Anleihen.

Anleihen Historie

40 Jahre lang (1980-2019) erzielten Anleiheinvestoren in den USA eine Rendite, die die Inflation übertraf – und zwar deutlich. Das Niveau der 10-jährigen US-Staatsanleihe ist seit den 1980-er-Jahren stetig gefallen, der Kursrückgang brachte aber durchweg Durationsgewinne. Tempi Passati.

Aber das ist Vergangenheit. Es ist schwer, nochmals solch hohe Renditen zu erwirtschaften, da wir uns heute in einem ganz anderen Umfeld befinden.

Mit einer 10-jährigen Treasury-Rendite von unter 1,6% und einer Inflation von 4,16 Prozent, ist die aktuelle Realrendite von minus 2,5% die niedrigste seit 1980 (Realrendite = Nominalrendite minus Inflation).

Durch die Kupons, also jährlichen Zahlungen, gibt es erst recht nichts mehr zu holen.

Die reale Rendite bei Anleihen

Gestern sahen wir ein weiteres Mal sinkende Rendite für die 10-jährige US-Staatsanleihe (1,557 Prozent), die angesprochene Short Squeeze ging weiter. Wer hätte sich das vorstellen können, nach einem Sprung der Verbraucherpreisinflation auf 4,2 Prozent?

Nicht nur Warren Buffett hat schon davon gesprochen, dass jetzt eine schreckliche Phase für Bond-Investoren beginnen werde. „Die Zinsen sind die Schwerkraft des Marktes, sie sind überall, man sieht sie nicht, aber sie dominieren alles“, so das Orakel von Omaha. Wenn sie aber von den Notenbanken gesteuert werden?

Auch Stagflation möglich

Bekommen wir wieder eine Phase der Stagflation, niedrige Renditen, bei höherer Inflation und in der Folge einen schwachen Aktienmarkt?

Vergessen wir nicht, die Aktienrendite orientiert sich stets auch an der Anleiherendite – der Aufschlag der über Jahrzehnte gewährt wurde war der Bonus für die Übernahme eines höheren Risikos. Und woher sollen höhere Renditen für Anleihen kommen? Nicht im Ansatz wäre es möglich in die Höhen der 1970/80-er-Jahre vorzustoßen, denn das wäre gleichbedeutend mit dem unmittelbaren Staatsbankrott von Dutzenden Industrieländern.

Auch der deutsche Anhänger von Warren Buffett als Value- Investor, Henrik Leber, warnte kürzlich in einem Interview: Billiges Geld wird irgendwann jemand bezahlen müssen – und das sind zunächst die Inhaber von Zinspapieren.

Fazit

Wie sollen die großen Kapitalsammelstellen aus diesem Dilemma herauskommen? Vielleicht durch eine Änderung der Anlagerichtlinien, wie ist das Börsen-Urgestein Gottfried Heller, langjähriger Partner von André Kostolany, schon vor drei Jahren prognostiziert hat, unter anderem auf dem letzten Börsentag in München (vor Corona)? Bislang müssen viele institutionelle Investoren aufgrund der Regulatorik Anleihen halten.

Wie es auch der große norwegischen Staatsfonds vorgemacht hat, der in den letzten drei Jahren seine Aktienquote von 60 auf über 72 % angehoben hat.

Eine sehr knifflige Situation ist entstanden, die die Notenbanken mitverursacht haben. Denn allein in den letzten 20 Jahren gab es drei Perioden, in denen die Aktienmärkte zwischen 33 und 54 Prozent gefallen sind, bei Indizes wohlbemerkt. Bei Einzelaktien waren es zum Teil erheblich mehr – man denke nur an den Rückgang von Microsoft und Amazon zwischen 75 und 93 Prozent als Folge der Dotcom-Bubble in den Jahren 2000 bis 2003.



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2 Kommentare

  1. Totgesagte leben länger, das ist besonders beim Treasury Bullenmarkt zu erwarten. Einfach aus dem Grund dass die immer weiter ausufernde US Verschuldung keine hohen Zinsen zulässt. Sobald die Zinsen steigen kommt die Rezession und die Zinsen fallen tiefer als sie vorher waren. Rinse, repeat.
    Eine dauerhaft hohe Inflation ist einfach sehr unwahrscheinlich, denn die demographischen Faktoren, die Digitalisierung und die Verschuldung sind massive Gegengewichte. Kurzfristig wird die Inflation vermutlich deutlich überschießen, weil da eine Menge Faktoren zusammenlaufen (Kapazitätsengpässe, Alimentierung der Labor Force, Nachholeffekte nach Covid), aber dann kommt der große Kater. Da hat die Fed ausnahmsweise mal recht mit ihrem „Transitory“. Wäre es anders, wären die Renditen längst viel höher.

  2. Staatsanleihen, also Schulden von Staaten, können über längere Zeiträume keine positiven Realrenditen liefern, da sich bei Staatsanleihen im Endeffekt der Schuldner sich bei sich selbst verschuldet. Tatsächlich zeigen das auch die langen Zahlenreihen über die letzten 150 Jahre.
    Allerdings sind Staatsanleihen prosperierender Staaten im Gegenzug auch die sicherste Anlage. Verpfändet der Staat doch die Arbeitsleistung seiner Bürger an die Schuldner und verfügt gleichzeitig über die Machtmittel um diese auch einzutreiben. Das geht solange gut, bis die Leistungsträger, also die die tatsächlich reale Nettowerte erwirtschaften, keinen Bock mehr haben. Warum sich auch z.B. in der Pflege für ein mieses Gehalt kaputt arbeiten, wenn man auch einen warmen und trockenen Platz in einem staatlich alimentieren Bullshit Job haben kann.

    Hinzu kommt, das die Rendite aller Anleger nicht höher sein kann, als der reale Produktivitätszuwachs in der Wirtschaft. Wer mehr Rendite macht, muss das immer auf Kosten anderer tun. Da es, bei genauem hinsehen, aber seit 30 Jahren in den früh entwickelten Industriegesellschaften praktisch keinen Produktivitätszuwachs mehr gab (der wurde lediglich durch das Verschieben subsidiärer Tätigkeiten in den bezahlten Bereich simuliert) können auch in Summe keine realen Renditen mehr erwirtschaftet werden.

    Was mir in dieser Betrachtung zu sehr vernachlässigt wird, ist der starke Trend zur Staatsfinanzierung direkt aus der Druckerpresse. Die EZB hält bereits 30% des (staatlichen) Anleihemarktes (in den USA kenne ich die Quote nicht). Es dauert nicht mehr lange, dann hält sie alles. Wodurch dann auch die Zinsen egal sind, zahlen die Staaten diese dann ohnehin nur noch an sich selbst.

    Stellt sich die Frage, wer die Zeche zahlt. Dazu reicht ein Blick auf die Geldtöpfe. Der mit Abstand größte Geldtopf sind die Pansions- und Rentenversprechen an die Babyboomer Generation. Und zwar egal ob Umlage- oder Kapitalgedeckt. Denn in beiden Fällen muss die Realwirtschaft die parallel zu ihrem Bedarf erwirtschaften. Merke: Geld ist KEIN Wertaufbewahrungsmittel. Auch wenn Ökonomen gerne was anderes behaupten.

    Deswegen zahlt auch nicht die „nächste Generation“ die Zeche (die erbt nämlich nicht nur die Schulden, sondern auch die Vermögen die exakt dieselbe Höhe haben), sondern es handelt sich ausschließlich um ein innergenerationelles Problem. Wobei es natürlich immer ein paar Glückspilze gibt, deren Lebensspanne günstig über den den Zyklen liegt. Wobei das dann von denen kompensiert wird, deren Lebenstimming eher ungeschickt gewählt ist.

    Am Ende werden die Schuldner den Gläubigern einfach eine lange Nase drehen. Sprich Begriffe wie „Rente“ sollten die Babyboomer schon mal aus ihrem Wortschatz streichen. Dann ist der Schock nicht so groß.

    Wie können also die großen Anlagesammelstellen das Vermögen sichern? Gar nicht. Übrigens auch nicht mit Gold. Das funktioniert als „Inflationsschutz“ immer nur dann, wenn die wirtschaftliche Grundstruktur intakt ist. Sprich dann, wenn man es eigentlich gar nicht braucht.

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