Anleihen

Anleihen und Zinsen – eine weltweite Vernichtung der Anlegergelder

Für viele Großanleger gibt es seit Jahrzehnten eigentlich nur zwei große Anlageklassen – Anleihen oder Aktien: Um das Anlagekapital langfristig zu vermehren, oder um regelmäßig Zinsen oder Dividenden einzunehmen, wie es zum Beispiel Pensionsfonds tun, um die Kunden im Alter zu versorgen. Und gerade dieser ehemals so sichere und zuverlässliche Renditebringer ist durch die Interventionen der Notenbanken geradezu marginalisiert worden. Dabei müssen viele Institutionelle wie Versicherungen sogar ihren Hauptanteil der Finanzanlagen in Anleihen positionieren. Dort geschieht derzeit weiterhin viel Absurdes mit weitreichenden Konsequenzen.

Anleihen: Lage an den Rentenmärkten wird immer skurriler

In Europa schütteln viele Ökonomen nur noch den Kopf über die Kapitalmarktzinsen, speziell im Bereich der Staatsanleihen.

Zinsen um die ein Prozent für Langläufer in hoch verschuldeten Ländern, wie Griechenland oder Italien, liegen auf Höhe mit den amerikanischen Pendants. Einem Land (USA), welches trotz der eminent hohen aktuellen Verschuldung in seiner 244-jährigen Geschichte noch nie einen Staatsbankrott erleben musste und welches noch einen absoluten Ausnahmestatus innehat, da der US-Dollar als Weltreservewährung einen Sonderbonus genießt.

Aber auch für die am längsten laufenden Anleihen der Staaten im Zentrum Europas – Österreich, Schweiz und Deutschland – müssen für die 30- oder 50-jährigen Staatsanleihen fast keine Zinsen mehr gezahlt werden.

Die ultimative Begründung für die derzeitige Ausnahmestellung der Aktienmärkte

Diese wird von einer Erhebung durch die US-Großbank JPMorgan geliefert:

Weltweit gibt es für 17 Billionen Dollar an Anleihen keine oder sogar Minuszinsen
Berücksichtigt man die jeweiligen Inflationsraten, so beträgt die Summe der Anleihen, die eine negative Realrendite abwerfen 32 Billionen Dollar, oder 76 Prozent aller Staatsanleihen von Industrieländern
Woher sollen die vielen Kapitalsammelstellen, die auf Einnahmen angewiesen sind, eine Rendite erwirtschaften?

Fazit

Die Zinslandschaft in großen Teilen der Welt ist fast schon als brutal zu bezeichnen – für die Halter der Papiere.

Man kann täglich hundert Indikatoren heranziehen, um die Überbewertung der Aktienmärkte zu begründen. Vom Shiller-KGV, dem Buffett-Indikator, historischen Vergleichen zur Bewertung von Aktien zur Gesamtwirtschaft und vieles mehr. Aber wir haben auch eine historisch einmalige Situation. Wenn allein die drei großen Notenbanken (Fed, EZB, BoJ) in ihren Bilanzen schon über 20 Billionen Dollar stehen haben, die zum großen Teil von Käufen von Anleihen herrühren, kann es das Regulativ Anleihemarkt zu Aktienmarkt in alter Form nicht mehr geben.

Anders ausgedrückt: Was juckt ein KGV der Aktienmärkte von 20 bis 30, wenn selbst die großen Anleihemärkte ein mindestens dreistelliges aufweisen?

Und noch sieht es nicht nach einer Wende aus – weder bei den Käufen von Anleihen, noch bei den Kapitalmarktzinsen. Die Kapitalsammelstellen stehen täglich vor dem Problem, einerseits neue Gelder anlegen zu müssen, andererseits ihren Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Dies ist für mich der Hauptgrund dafür, warum die Aktienmärkte einfach nicht größer korrigieren wollen. „There is no alternative!“ (TINA).

Zwar gab es den brutalen Einbruch wegen Corona im Februar/März, aber damals musste jeder Aktieninvestor mit dem Schlimmsten rechnen und seither hat die „Zerstörung“ der Zinsmärkte erst so richtig Fahrt aufgenommen. Wie könnte dieser Zustand sich zumindest etwas ändern? Schon öfters erwähnt: Ein substanzieller Anstieg der Inflation, der zu einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen führt – nicht zu einem Anstieg der Leitzinsen.

Werden neue Schuldenprogramne 2021 bei einer Erholung der Wirtschaft dazu führen? Wenn es zumindest wieder etwas positive Realzinsen gibt? Wir werden es sehen, zunächst an den Zins-Charts.

Die absurde Entwicklung bei Anleihen - oder warum die Aktienmärkte so hoch stehen



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4 Kommentare

  1. Nicht alle Ökonomen schütteln den Kopf über die tiefen Kapitalmarktzinsen.
    Es geht nicht um die Schulden, sondern um die Schuldentragfähigkeit der Länder. Diese ist nur mehr bei derart tiefen Zinsen gegeben, also überlebenswichtig.
    Die Zinslandschaft ist brutal für Halter von Anleihen, richtig, ich habe keine davon im Depot.

    1. Allerdings, das hab ich übersehen, indem ich eine Rente beziehe, bin ich doch indirekt vom Anleihemarkt abhängig.

  2. „Wenn es zumindest wieder etwas positive Realzinsen gibt?“
    Das ist doch wohl eine rhetorische Frage. Es wird bis zum nächsten Währungskollaps nie wieder real positive Zinsen geben. Einmal weil das sich kein Schuldner „leisten“ kann und zum anderen weil die Produktivität in den Industriestaaten seit Jahren zurück geht (die offiziellen Zahlen sind hier völlig überhöht).

    Wer das übrigens als erstes merken wird, ist die zukünftige Rentnergeneration aus dem Mittelstand. Die wird dann bemerken, das ihre Altersersparnisse dann verdampft sind und sich ihr Lebensabend deutlich anders gestaltet wird als sie sich das erhofft haben. Es wird dann eher dem entsprechen, was der Sozialhilfeempfänger von Nebenan auch hat. Hätten sie die Kohle mal rechtzeitig durchgebracht.

  3. Zinsen sind bei dieser Marktkonstellation neuerdings eine Gefahr für die Konjunktur. Deshalb werden die Notenbanker alles nahe Null aufkaufen, nach dem Motto wir haben das Perpetuum Mobile des Finanzsystems erfunden, wir können in alle Ewigkeit Werte aus dem Nichts schöpfen. Dass man überhaupt auf solche Ideen kommen kann an den Lehrstühlen der Hochschulen?

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