Die Anleiherenditen weltweit steigen heute früh spürbar. So auch in Europa! Die zehnjährige deutsche Rendite steigt von Freitag Abend bei 2,86 % auf 2,93 %. In Frankeich steigt sie von 3,52 % auf 3,60 %, in Italien von 3,63 % auf 3,73 %. Im Chart sehen wir die Bewegung seit Ausbruch es Iran-Kriegs. Aktuell haben Händler ihre EZB-Zinswetten erhöht: Sie glauben jetzt an zwei volle Zinserhöhungen der EZB in diesem Jahr um je 0,25 Prozentpunkte. Dies nehmen die Anleihemärkte vorweg. Und für die Erwartung einer höheren Inflation wollen Anleger einen Ausgleich sehen, in Form höherer Zinsen – also höherer Anleiherenditen, die man sofort durch niedrigere Kurse erreichen kann. Kaufwillige Anleger sind (vereinfacht ausgedrückt) nur noch bereit Staatsanleihen zu kaufen, wenn man ihnen günstigere Kurse anbietet, was die Rendite erhöht.
Höhere Anleiherenditen: Inflation im Anflug
Der Ausgangspunkt der Entwicklung ist der heute früh eskalierende Anstieg im Brent-Ölpreis von 93,30 Dollar auf 119,46 Dollar (aktuell 107,37 Dollar). Aber auch der Gaspreis hat heute früh einen dramatischen Sprung nach oben gemacht. Die Iran-Krise eskaliert. Die Angst im Markt nimmt zu. Stark steigende Preise für Öl und Gas treiben die Tankstellenpreise und wohl auch sonst unzählige Preise im Wirtschaftskreislauf nach oben. Deswegen steigt die Wahrscheinlichkeit eines Anstiegs der Inflation, den die Anleihemärkte sofort einpreisen. Die höhere Inflation durch den höheren Ölpreis sollte auch belastend auf weite Teile der Volkswirtschaft wirken. Nicht nur, dass Unternehmen höhere Kosten haben: Auch Verbraucher dürften ihr Geld stärker zusammenhalten, was sich auf den Konsum auswirkt.
Staatshaushalt
Zwar nimmt der deutsche Staat für das höhere Mehrwertsteuer-Volumen bei Treibstoffen mehr Geld ein, wenn der Ölpreis steigt. Aber das Problem sind die steigenden Anleiherenditen. Sie bedeuten auch: Bei neuen Emissionen von Staatsschulden, die der deutsche Staat derzeit in großem Umfang tätigt, muss man den Anlegern auch bei der Emission höhere Zinsen anbieten, wenn die Zinsen am Markt steigen. Folglich steigen die Zinslasten für den deutschen Staatshaushalt. Spürbar wird das, wenn die Anleiherenditen über einen längeren Zeitraum auf höheren Niveaus notieren sollten. Dann belastet jede neue ausgegebene Anleihe mit höheren Zinssätzen den Staatshaushalt zusätzlich, und das auf lange Sicht. Dann hat der Finanzminister jahrelang mit höheren Zinsbelastungen zu kämpfen, weshalb für andere Aufgaben im Bundeshaushalt weniger Geld übrig bleibt. Das Sondervermögen und die große Aufrüstung (alles auf Pump) belasten ohnehin schon den Anleihemarkt, weil eine große Nachfrage des Staates nach neuen Schulden die Renditen tendenziell nach oben treibt.
Kreditzinsen
Was am Kreditmarkt für die Realwirtschaft in einigen Tagen, Wochen oder Monaten passiert, sieht man jetzt sofort am Anleihemarkt. Aufgrund der frei handelbaren Anleihen werden Änderungen dort sofort sichtbar. Die steigenden Anleiherenditen bedeuten: Kreditzinsen steigen nicht nur für den Staat, sondern auch für Unternehmen und Verbraucher. Besonders dürfte das bei lang laufenden Krediten zu Buche schlagen, zum Beispiel bei den Bauzinsen. Damit werden die höheren Anleiherenditen – wenn die höheren Niveaus anhalten – zu einer echten Belastung für die Realwirtschaft, und nicht nur für die Börse.
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Das ist unausweichlich. Und damit die Verschuldung weitergehen kann, garantiert die EZB nun auch der ganzen Welt die Rücknahme zum Nominalpreis. Bezahlen muss das alles die innereuropäische Realwirtschaft.
Wie ein Kamerad aus Moers zu so etwas immer sagte: Ganz tolle Wurst.