Anleihen

Anleiherenditen im Aufwind – Auktionsflut, Zölle, Big Beautiful Bill

Anleiherenditen sind global im Aufwind. Besonders in den USA kann eine komplexe Gemengelage weitere Anstiege verursachen.

Trump
Grafik: ChatGPT

Anleiherenditen sind global im Aufwind. Das Problem für die Realwirtschaft: Anleiherenditen geben die Richtung vor für Kredizinsen, vor allem bei Häuslebauern! In den USA ist seit Tagen ein Aufwärtsdruck bei den Renditen spürbar (fallende Anleihekurse). Man bedenke: Am 4. Juli hatte US-Präsident Trump seine „Big Beautiful Bill“ unterzeichnet, am 3. Juli hatte der US-Kongress final seine Zustimmung erteilt.

Seitdem stieg die zehnjährige US-Rendite von 4,26 % bis auf 4,42 %. Mit Tumps Steuergesetz treten gigantische Maßnahmen in Kraft. Niedrige Steuern stehen nur geringen Ausgabenkürzungen gegenüber, und dürften laut dem Budgetbüro des US-Kongresses für zusätzliche Billionen-Löcher im US-Haushalt sorgen. Das bedeutet: Die US-Regierung wird noch mehr neue Staatsanleihen ausgeben müssen als ohnehin schon, was Aufwärtsdruck für die Anleiherenditen bedeutet. Aber da gibt es noch mehr Faktoren.

Anleiherenditen in den USA steigen

Die Kurse von US-Staatsanleihen fielen gestern zum fünften Mal in Folge (steigende Anleiherenditen), da die Nachfrage nach langfristigen Staatsanleihen weltweit angesichts einer Flut von Anleiheauktionen in dieser Woche nachließ, so Bloomberg. Weiter wird berichtet: US-Staatsanleihen gaben über die gesamte Kurve hinweg nach und drückten die Rendite 30-jähriger Anleihen auf 5 % und damit auf den höchsten Stand seit Mitte Juni (aktuell 4,91 %). Die 10-jährigen Benchmark-Anleihen konnten am Dienstagnachmittag in New York einige Verluste wieder wettmachen, wobei die Rendite um etwa zwei Basispunkte stieg.

Grafik zeigt Verlauf von US-Anleiherenditen

Die Auktion von 3-jährigen US-Staatsanleihen stieß unterdessen auf schwache Nachfrage und markierte den Beginn einer Reihe von Treasury-Anleiheemissionen im Gesamtwert von 119 Milliarden US-Dollar in dieser Woche. Die Verkäufe von 10- und 30-jährigen Anleihen sollen in den nächsten beiden Tagen folgen.

Die Anleiherenditen sind gestiegen, da die Anleger ihre Wetten auf Zinssenkungen der US-Notenbank bis zum Jahresende zurückfahren, nachdem ein Bericht letzte Woche eine überraschend robuste US-Arbeitsmarktlage gezeigt hatte. Zinsswaps deuten darauf hin, dass Händler eher von einer Zinssenkung im September und einer weiteren Senkung um einen Viertelpunkt bis zum Jahresende ausgehen.

„Die lokalen Bären haben die Oberhand, und ich sehe keinen Grund, warum sie nicht noch weiter darauf setzen sollten“, sagte Gregory Faranello, Leiter des US-Zinshandels und der Zinsstrategie bei AmeriVet Securities. „Das globale Long-End ist schwach.“

Japan und Großbritannien

Ein weiteres Zeichen für diesen Druck war, dass die Anleiherenditen mit 30-jähriger Laufzeit am Montag zum ersten Mal seit fast vier Jahren über der Rendite 20-jähriger Anleihen lag. Am Dienstagmorgen kam es zu einem Ausverkauf langlaufender japanischer Staatsanleihen, was eine neue Welle der Nervosität an den globalen Märkten auslöste und die Renditen deutscher Bundesanleihen in die Höhe trieb.

Langfristige Anleihen leiden darunter, dass sich viele der traditionellen Käufer aus dem Markt zurückziehen, obwohl das Angebot steigt. Solche Wertpapiere ziehen aufgrund ihres höheren Zinsrisikos tendenziell einen kleineren Kreis von Anlegern an, wobei diese Entwicklung oft durch eine geringere Liquidität noch verstärkt wird.

Letzte Woche wurden britische Staatsanleihen aufgrund von Sorgen um die Haushaltslage des Landes rapide verkauft. Diese Woche steht Japan im Fokus, da die Anleger abwägen, ob die Politiker im Vorfeld der Wahlen zum Oberhaus am 20. Juli die Ausgaben erhöhen werden. Die Rendite 30-jähriger Wertpapiere näherte sich einem Rekordhoch und schlug auf andere Märkte durch.

„Die langfristigen Zinsen sind weltweit schlecht, alle tendieren nach oben“, sagte Andrew Brenner, Leiter des Bereichs International Fixed Income bei NatAlliance Securities.

Trump und seine Zölle

Gleichzeitig sind US-Staatsanleihen mit einer Reihe von teilweise widersprüchlichen Risiken konfrontiert, die mit der Einführung von Zöllen durch Präsident Donald Trump, der US-Fiskalpolitik und den Aussichten für die Fed zusammenhängen. Trumps Steuer- und Ausgabenpaket dürfte das Defizit weiter erhöhen, sodass die Sorge um das Angebot an Anleihen im Fokus bleibt.

Was Bloomberg-Strategen sagen: „Die größte Hürde für die US-Wirtschaft sind die Zölle. Da jedoch selbst die strengsten Zölle voraussichtlich zu einem gewissen Wachstum führen werden, sind die Voraussetzungen dafür gegeben, dass die Anleiherenditen mit 30-jähriger Laufzeit 5 % erreichen, eine Marke, die im Mai aufgrund von Inflationssorgen nur kurzzeitig durchbrochen wurde.“
— Edward Harrison, Markets Live.

Am Montag veröffentlichte die US-Regierung Briefe, in denen sie wichtigen Handelspartnern hohe Zölle androhte, obwohl sie Raum für weitere Verhandlungen gelassen hat und bislang kaum Anzeichen für Auswirkungen auf die US-Wirtschaft zu erkennen sind. Am Dienstag erklärte Trump, er werde keine Verlängerung der Anfang August fälligen Zölle gewähren und zusätzlich einen Zollsatz von 50 % auf Kupferprodukte erheben, die in die USA geliefert werden.

„Befürchtungen, dass die Unsicherheit über die Zölle zu einem Einstellungsstopp bei den Unternehmen führen könnte, haben sich bislang als unbegründet erwiesen“, sagte Mark Haefele, Chief Investment Officer bei UBS Global Wealth Management.

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Das ist nicht richtig.

    Die Renditen fallen im langfristigen Durchschnitt..

    Die deutsche Umlaufrendite zum Beispiel- von 11,37 % -1981 – auf 2,54 Prozent aktuell.

    Damit fällt das wichtigste Konkurrenzprodukt zu den Aktien weg,das sind die sichere,hoch verzinste Anleihen.

    Hoch verzinste Staatsanleihen, mit einem Tripple A- Rating würden für die Märkte zur Gefahr werden, davon ist weit und breit nichts zu sehen…

    Nur kurzfristig betrachtet zählt an der Börse nicht…der langfristige Trend ist hier entscheidend…

    In Ermangelung einer auskömmlichen Rendite , bei den Staatsanleihen mit einem solchen Rating, werden immer mehr Gelder in den Aktienmarkt fließen, langfristig betrachtet…

    Zudem kommt die Gier irgendwann in’s Spiel..die Gier etwas zu verpassen…viele Marktteilnehmer haben die jüngste Rallye seit Anfang April verpasst..viele Marktteilnehmer sind seit der Finanzkrise nicht mehr dabei…

    Ihnen gingen Renditen von mehreren hundert Prozent flöten..erst wenn die zurückkehren, ist der Scheitelpunkt an der Börse erreicht, vorher nicht…
    Ich bleibe deshalb dabei, die 32 000 Punkte im DAX sind ein realistisches Ziel, auf Sicht der nächsten zwei bis drei Jahre…
    Im S&P 500 mindestens die 7500 !
    Im Dow Jones die 55 000…!

    Im Buffet Indikator könnten die 250 % kommen…diese Blase wird alles und jeden übertreffen, dagegen war die Jahrtausendwende „Peanuts! „…

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage