Anleihen

Blick auf Gesamtbild und die Gründe Anleiherenditen: Kräftiger globaler Anstieg treibt Kreditkosten

Weltweit sind die Anleiherenditen dabei kräftig anzusteigen, was Kredite verteuert. Ein Blick auf die Gemengelage und die Hintergründe.

EZB-Zentrale in Frankfurt
EZB-Zentrale in Frankfurt. Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt.de

Weltweit sehen wir aktuell deutlich Auftrieb bei den Anleiherenditen. Deutsche zehnjährige Bundesanleihen erreichten gestern ein 15-Jahreshoch mit 3,21 %, heute früh eröffnen sie mit 3,25 %. Mit 4,07 % erreichten die Staatsanleihen in Frankreich gestern das höchste Niveau seit dem Jahr 2008. Mit 85 Basispunkten Aufschlag zu deutschen Papieren ist der Aufschlag so hoch wie seit Oktober 2025 nicht mehr. Schon jetzt wirkt die Präsidentschaftswahl in Frankreich im nächsten Jahr auf die Anleihemärkte. Im Zentrum für die Märkte stehen die immensen Haushaltsdefizite in Frankreich, für die es keine Lösung zu geben scheint. Und ein mutmaßliche Präsidentin Le Pen dürfte die Defizite sogar noch weiter ausbauen, um Wahlversprechen zu finanzieren. Aber schauen wir nachfolgend auf die globale Bewegung am Anleihemarkt.

Anleiherenditen steigen kräftig – ein großer Trend

Es ist keine kurzfristige Bewegung, sondern ein großer globaler Trend! Im Chart sehen wir seit Sommer 2020, wie Anleiherenditen weltweit bis heute deutlich ansteigen. Mit 4,72 % erreichen die zehnjährigen Anleiherenditen in den USA den höchsten Stand seit Anfang 2025. Und die anderen drei Chart zeigen für Japan, Deutschland und Frankreich die höchsten Stände seit Jahrzehnten. Das bedeutet: Die Regierungen dieser Länder müssen für neu auszugebene Anleihen die Emissionsrenditen immer weiter erhöhen, und haben daher dramatisch höhere Zinskosten in ihren Staatshaushalten zu tragen. Und da die Anleiherenditen die Gradmesser für die Kreditwirtschaft darstellen, werden mit diesen höheren Renditen auch normale Dispo-Kredite, Konsumkredite, Hauskredite wie auch Kredite für Unternehmen immer teurer. Eine Belastung für die Realwirtschaft, zumal die steigenden Renditen Anleihen für Anleger im Vergleich zu Aktien immer attraktiver erscheinen lassen.

Anleiherenditen aus verschiedenen Ländern im Anstieg

Inflation übt Druck auf Zentralbanken aus

Höhere Anleiherenditen sind auch ein klares Indiz dafür, dass die Zentralbanken – vor allem die EZB – unter Druck stehen, ihre Zinsen weiter anzuheben. Damit will man standardmäßig versuchen die Inflation in den Griff zu bekommen. Die EZB hatte erst im Juni ihre Zinsen angehoben, und für September steigt die Markterwartung an eine zweite Zinsanhebung. Die Inflation zeigt dank Iran-Krieg deutlich Auftrieb – in der Eurozone stieg sie alleine im Juli im Vergleich zu Juni im Jahresvergleich von 2,8 % auf 2,9 % – deutlich über dem EZB-Ziel von 2,0 %.

US-Renditen

US-Staatsanleihen zeigen fallende Kurse, die Anleiherenditen steigen also weiter an, mit aktuell 4,74 % für zehn Jahre Laufzeit. Die Renditen für 30 Jahre laufende US-Staatsanleihen sind jüngst auf den höchsten Stand seit 2007 angestiegen. Neben dem Iran-Krieg als Inflationstreiber sehen die Märkte die dramatisch hohe US-Staatsverschuldung (fast 40 Billionen Dollar) und die massive Neuverschuldung der US-Regierung. Eine Flut neuer Emissionen langlaufender Staatsanleihen steht an. Diese Nachfrage des Staates nach Geld erhöht den Preis für das Geld, als den Zins. Und der aktuelle Marktzins wird in Form der Anleiherenditen ausgedrückt. Hinzu kommt gerade für die USA noch ein Sonderfaktor: Die KI-Konzerne nehmen seit Monaten große Mengen an Schulden über die Anleihemärkte auf. Sie sind quasi ein zusätzlicher Konkurrent um die Gunst der Anleiheinvestoren, was die Renditen weiter nach oben drückt. Aber eigentlich muss man sagen: Die KI-Konzerne emittieren ihre Anleihen zuletzt auch öfters im Ausland, und üben damit nicht nur in den USA Druck am Anleihemarkt aus!

Eigentlich haben in den letzten Tagen gleich vier verschiedene Datenmeldungen Konjunkturschwäche und Preisschwäche für die USA angezeigt. Dennoch steht die US-Inflation bei 3,4 %. Die US-Regierung hatte Anfang August in enormem Ausmaß den japanischen Yen gekauft. Der Grund: Japan ist der größte ausländische Eigentümer von US-Staatsanleihen. Würde Japan verstärkt US-Staatsanleihen abstoßen um mit dem Dollar-Erlös den Yen zu stützen, würde dies noch weiter ansteigende Anleiherenditen in den USA bedeuten. Und es ist bekannt: Donald Trump hasst nichts mehr als hohe Kreditkosten! Aber man sieht: Die Bemühungen die Renditen niedrig zu halten, scheitern.

Szenario: Vor November-Wahlen Kriegsende?

Im Augenblick scheint Donald Trump keine Anstalten zu machen den Iran-Krieg schnell beenden zu wollen. Aber eigentlich müsste er ihn beenden, damit die globalen Treibstoffpreise wieder sinken, damit die Amerikaner wiederum wieder billiger tanken können. In den USA ist so ein Faktor viel wichtiger für Wahlen als in Europa! Und im November stehen die Zwischenwahlen an, für die Trump eigentlich jede Wählerstimme bräuchte. Ein Kriegsende im Iran wäre zwar kurzfristig eine Erleichterung in Sachen Inflationssorgen, und könnte damit kurzfristig die Anleiherenditen in vielen Ländern dämpfen. Aber im großen Bild betrachtet ändert das nichts an den dramatischen Anstiegen bei der Neuverschuldung von Japan über Europa bis in die USA. Und dieser Faktor drückt konstant gegen die Anleihemärkte, und deutet auf höhere Renditen hin.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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1 Kommentar

  1. Die aktuelle Entwicklung bei den Renditen für Staatsanleihen erschwert den Unternehmen die Finanzierung für Investitionen, zumindest auf dem normalen Kreditmarkt. Daher gilt es zu prüfen, ob beispielsweise in Rheinland-Pfalz die Investitions- und Strukturbank des Landes Rheinland-Pfalz GmbH (ISB) Unternehmen, beispielsweise aus den Bereichen Maschinenbau- und Elektroindustrie trotz der aktuellen Situation bei den Staatsanleihen vergleichsweise günstigere Kredite für Investitionen anbieten kann.

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