Anleihen

Großes Problem für Aktien-Rally Anleiherenditen steigen global kräftig an – drei Gründe

Global steigen die Anleiherenditen kräftig! Woran das liegt und warum das uns alle etwas angeht - ein aktueller Blick und die Hintergründe.

Anleiherenditen
Grafik: ChatGPT

Global zeigen die Anleiherenditen Anleiherenditen derzeit verstärkt Auftrieb! Im Chart sehen wir das größere Bild seit Jahresanfang: Die zehnjährigen US-Renditen steigen von 4,17 % auf aktuell 4,57 %. Noch vor einer Woche waren es 4,35 %. Die deutsche zehnjährige Rendite springt heute von 3,06 % auf 3,14 % – das höchste Niveau seit 2011. Anfang Januar waren es noch 2,84 %. Und die britischen Anleiherenditen stehen derzeit ganz besonders im Fokus: Von 4,46 % zum Jahresanfang und 4,88 % vor einer Woche sehen wir heute bereits 5,16 % für zehn Jahre Laufzeit. Auch in Asien geht es aufwärts. Dreißig Jahre laufende Staatsanleihen in Japan zeigen jetzt eine Rendite von 4 % – das erste Mal seit dem Jahr 1999. Ein dramatischer Anstieg auf globaler Ebene. Drei Gründe sind aktuell zu nennen.

Steigende Anleiherenditen

Anleiherenditen steigen kräftig – Großbritannien im Fokus

In Großbritannien gibt es derzeit doppelten Abwärtsdruck auf die Staatsanleihen und damit Aufwärtsdruck für die Anleiherenditen. Einerseits erlebt man wie alle anderen Industriestaaten auch steigende Inflation durch den Iran-Krieg. Zweitens eskaliert die Regierungskrise auf der Insel gerade. Premier Starmer verlor bei den Regionalwahlen krachend gegen die neurechte ReformUK-Bewegung. Nun steht er innerparteilich massiv unter Druck. Noch kann er sich im Amt halten. Der innerparteiliche Konkurrent Andy Burnham droht, Starmer zu beerben. Die Anleiherenditen eskalieren deshalb auf der Insel, weil man befürchtet, ein neuer eindeutig linker Premier Durnham werde versuchen, bei Wählern auf Pump zu punkten. Noch mehr Staatsschulden um Wählergruppen glücklich zu machen. Das erhöht die Ängste der Märkte vor weniger soliden Staatsfinanzen. Und für so ein erhöhtes Risiko will man sich als Anleger durch höhere Renditen entschädigen lassen!

Inflation zieht global an

Global wirkt sich der Iran-Krieg mit einigen Wochen „Verzögerungszünder“ stärker aus. Es dauerte etwas, bis die teureren Brennstoff-Ladungen „durch die Preisketten“ der Verbraucherländer ziehen. Aber inzwischen ist die Inflation in der Eurozone von 2,6 % auf 3,0 % angestiegen. In den USA stieg sie laut Meldung vom Dienstag von 3,3 % auf 3,8 % an. Das bedeutet: Steigende Anleiherenditen! Denn Anleger wollen bei höherer Inflation höhere Renditen bei Staatsanleihen sehen als Inflationsausgleich. Und zwecks Inflationsbekämpfung tendieren Zentralbanken weltweit offenkundig zu Zinserhöhungen, was die Anleihemärkte in Form fallender Kurse (automatisch steigende Anleiherenditen) sofort einpreisen.

Xi-Trump-Treffen: Nichts zum Iran

Donald Trump hat seinen zweitägigen Staatsbesuch in China beendet und ist wieder abgereist. Außer üblichen Erklärungen und kleinen Business Deals (Auftrag für Boeing etc) kam nichts dabei raus. Jedenfalls nichts Interessantes zum Thema Iran! Wer gehofft hatte, Trump könne Xi Jinping dazu bewegen, Druck auf Teheran auszuüben in Sachen Deeskalation oder Öffnung der Straße von Hormus, der wurde enttäuscht. Also sehen wir weiterhin eine Blockade, weiterhin hohe Preise für Öl und Gas. Dies preisen die Anleiherenditen auch mit ein als negativen Faktor, der die Inflation global weiter anheizen dürfte.

Wo ist das Problem dabei?

Am Anleihemarkt steigen die Renditen. Was geht mich das an, fragt sich jetzt wohl der Aktienkäufer, ETF-Sparer oder Otto-Normal-Verbraucher ohne Aktien? Aber doch, das geht uns alle etwas an. Laut allgemeiner Einschätzung großer Namen an der Wall Street sind 4,5 % bei zehnjährigen US-Anleiherenditen eine kritische Marke für US-Aktien. Und mit aktuell 4,57 % haben wir diese Marke überschritten. Anleihen werden für Anleger damit immer attraktiver in Relation zu Aktien. Und die steigenden Renditen machen Kredite in der Realwirtschaft teurer, was die Konjunktur belastet, und damit längerfristig auf Unternehmensumsätzen und Gewinnen lasten könnte. So ein Szenario könnte die Aktienmärkte plötzlich abrutschen lassen.

Heute jedenfalls zeigen sich die Aktienmärkte global beeindruckt durch die stark steigenden Anleiherenditen. Und so sind die hohen Renditen für die Realwirtschaft, für Verbraucherkredite, Immobilienkredite und gewerbliche Kredite ein Problem. Die Kosten steigen, die Konjunktur dürfte belastet werden. Ein kurzer Ausschlag nach oben und danach eine Normalisierung wäre sicherlich kein großes Problem. Aber wenn die Anleiherenditen längere Zeit oben bleiben, werden immer mehr neue Kredite mit deutlich höheren Zinsen versehen.

Und schließlich: Höhere Anleiherenditen bedeuten fallende Anleihekurse. Wenn institutionelle Anleger, Investmentfonds oder Pensionsfonds, gehebelt (auf Kredit) Staatsanleihen halten und nun zügig große Kursverluste erleiden, könnten sie durch Zwangsliquidationen vor großen Verlusten stehen. Ein für Außenstehende unsichtbares Risiko, das erst offenbar wird, wenn Fonds oder Pensionskassen in Schieflage geraten, oder über Transparenzpflichten gezwungen sind, saftige Verluste zu offenbaren.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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6 Kommentare

  1. GröFaZ hat sich getäuscht

    China hat kein Interesse im Iran zu helfen, denn Iranfreundliche Länder werden durchgelassen und die andern werden büssen. Und wer immer noch meint die Amis werden als Selbstversorger von Öl weniger leiden, hat sich schwer getäuscht. Der Ölpreis reagiert weltweit etwa gleich und der Aufschlag von 4auf 5 Dollar pro Gallone schmerzt bei den grosshubigen Amischlitten mehr als bei den Kleinverbrauchern in der Restwelt, zudem schmerzt die Inflation und die Zinssteigerung die hochverschuldeten Amis auch stärker.
    Trump spielt Golf, Putin spielt Schach, die Chinesen spielen auf Zeit und die EU Krone Rolle.

    1. @Toni Wechselbalg
      Und dennoch hat der Iran gerade erst ein Schiff einer chinesischen Sicherheitsfirma nahe der Straße von Hormus beschlagnahmt. Irans unberechenbare Blockadepolitik gefährdet die globalen Lieferketten, von denen China als Exportweltmeister fundamental abhängig ist.

      Und die Russen haben heute vor der ukrainischen Schwarzmeerküste ein chinesisches Frachtschiff attackiert und getroffen.
      Irgendwie scheint es zwischen den eng verbündeten Brüdern von BRICS+ mehr zu knirschen, zu kriseln und zu bröseln, als mancher Fanboy wahrhaben will.

      Putin spielt längst kein Schach mehr, sondern den verzweifelten Schulhof-Rowdy, der nur noch wild um sich schlägt.
      Und die EU spielt nach wie vor die Rolle eines der größten Binnenmärkte und mächtigsten Wirtschaftsräume weltweit, der sich gerade mit zahlreichen anderen Mittelmächten still und leise als Alternative zum Triumvirat der Erpresser positioniert.

  2. Korrigenda, die EU spielt keine Rolle.

  3. Naja, dafür kostet ein Liter Benzin in den USA aktuell im landesweiten Durchschnitt ca. 1,05 Euro bis 1,06 Euro.
    Dieser Wert basiert auf dem aktuellen US-Kraftstoffpreis von rund 4,63 US-Dollar pro Gallone und einem Wechselkurs von ca. 0,86 Euro pro US-Dollar.

    Die Chinesen investieren einiges in Spanien.
    Das größte Einzelprojekt ist das Joint Venture zwischen CATL und Stellantis in Saragossa. Für diese LFP-Gigafactory fließen rund 4,1 Milliarden Euro. Zudem baut Envision AESC für 2,5 Milliarden Euro ein Batteriewerk in der Extremadura, und Chery fertigt im ehemaligen Nissan-Werk in Barcelona Elektroautos.Erneuerbare Energien & Wasserstoff: Spanien zieht einen Großteil der chinesischen Energieinvestitionen in Europa an, insbesondere im Bereich der Solaranlagen. Ein prominentes Großprojekt ist das von Hygreen Energy in Andalusien, welches rund 2 Milliarden Euro für Elektrolyseur- und Wasserstoffproduktion umfasst.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

    1. Nun ja @Helmut,
      dafür verbraucht ein durchschnittlicher US-Autofahrer im Jahr mehr als doppelt so viel Sprit wie ein deutscher Autofahrer. In den USA liegt der Verbrauch pro Jahr bei rund 2.175 Litern Kraftstoff, in Deutschland bei etwa 925 Litern.

      Das relativiert deinen Milchmädchen-Vergleich: Weil man in den USA wegen der riesigen Distanzen und schweren Autos so viel mehr tanken muss, zahlt ein US-Amerikaner am Jahresende trotz „günstigem Sprit“ unterm Strich fast 2.300 Euro an der Zapfsäule – während der deutsche Kollege mit rund 1.850 Euro deutlich glimpflicher davonkommt.

  4. Und nächste Woche steht in den Mainstreammedien: „Neuer Immobilienboom, was Sie jetzt sofort tun sollten“.

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