Anleihen

Folgen des Iran-Kriegs Deutsche Anleiherenditen steigen kräftig – Aussicht auf höhere Inflation

Deutsche Anleiherenditen steigen mit 2,96 % auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Der Iran-Krieg pusht die Inflationserwartung.

Deutschland-Flagge und Münzen
Grafik: vitalii_petrushenko-Freepik.com

Anleiherenditen in Deutschland legen aktuell kräftig zu auf bis zu 2,96 % für die zehnjährige Laufzeit. Direkt vor Kriegsausbruch im Iran lagen die Renditen bei 2,65 %. Aktuell wird damit das höchste Niveau seit drei Jahren erreicht. Der Chart zeigt die Eindeutigkeit der Bewegung: Seit Kriegsbeginn geht es steil bergauf.

Anleiherenditen steigen kräftig wegen Iran-Krieg

Nicht nur, dass die enorme Nachfrage des deutschen Staates nach neuen Schulden (Sondervermögen + Aufrüstung) über die Ausgabe von Bundesanleihen die Renditen hochtreibt. Nun kommt auch noch der Iran-Krieg hinzu. Die Preise für Gas, Öl, Benzin, Diesel, Dünger und viele andere Waren steigen, und die Inflation dürfte Auftrieb erleben. Was das mit den deutschen Anleiherenditen zu tun hat? Anleger wollen bei einer höheren Inflation eine Art Ausgleich sehen für ihre Geldanlage – und bei Anleihen findet dieser Ausgleich statt in Form einer höheren Rendite. Steigt die Inflation von 2 % auf beispielsweise 2,5 %, will man nicht mehr 2,6 % Rendite für seine Geldanlage sehen, sondern vielleicht über 3 %? Schließlich soll sich die Geldanlage ja auch nach Abzug der Inflation noch lohnen.

Steigende Anleiherenditen wegen dem Iran-Krieg

Außerdem erkennt man in den Anleiherenditen die Tendenz der Profi-Anleger, wie sie die Entwicklung der EZB-Zinsen erwarten. Und dort sieht man Auftrieb. Erst gestern sagte ein EZB-Direktor, die nächste Zinserhöhung könne früher kommen als gedacht. Und die aktuelle Eskalation im Iran-Krieg sorgt für einen neuen Push bei den Brennstoffpreisen am Terminmarkt, und damit für einen neuen Push bei der zu erwartenden Inflation in Europa.

Die steigenden Anleiherenditen bedeuten nicht nur auf längere Sicht höhere Zinsbelastungen für den deutschen Staat, der deshalb weniger Geld für seine Kernaufgaben zur Verfügung hat. Auch steigen die Kreditzinsen für Unternehmen und Verbraucher, was sich besonders bei den Bauzinsen negativ auswirken dürfte. Denn deutsche Bundesanleihen sind der Referenzmarkt für die Bauzinsen. Damit werden höhere Anleiherenditen letztlich zu einer Belastung für die Volkswirtschaft.

Gestern sah man, dass der deutsche Staat bei einer Anleiheauktion für 5 Milliarden Euro Volumen nur eine Nachfrage von 4,5 Milliarden Euro erlebte, und am Ende wurden nur 3,8 Milliarden Euro eingenommen, bei einer Rendite von 2,89 %. Der deutsche Staat ist nach wie vor der Goldstandard unter den Staatsanleihen, von daher wird er sich weiterhin problemlos Geld leihen können. Nur dürfte die mangelnde Nachfrage der gestrigen Auktion vielleicht ein Indiz sein, dass Anleger nicht nur im laufenden Handel mit Bundesanleihen, sondern auch bei frischen Emissionen höhere Anleiherenditen sehen möchten. Es wird also teurer für den deutschen Staat an Geld zu kommen!

Erwartungen an steigende EZB-Zinsen

Bloomberg berichtet aktuell: Händler erhöhten ihre Wetten auf Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank, was eine Wahrscheinlichkeit von 35 % für eine Erhöhung um einen Viertelpunkt bis April und eine fast vollständige Einpreisung einer Erhöhung bis Juni impliziert. Zwei Erhöhungen bis Ende 2026 werden nun als wahrscheinlich angesehen.

Peter Kazimir, Mitglied des EZB-Rates, erklärte diese Woche, dass die durch den Krieg bedingte höhere Inflation die Europäische Zentralbank dazu zwingen könnte, die Kreditkosten früher als erwartet anzuheben. Präsidentin Christine Lagarde schloss sich dieser Einschätzung an und erklärte, sie werde alles Notwendige tun, um die Inflation unter Kontrolle zu halten und eine Wiederholung der Inflationsspitzen zu Beginn dieses Jahrzehnts zu vermeiden.

Was Bloomberg-Strategen sagen: „Deutsche Anleihekurse mit längerer Laufzeit werden kurzfristig unter Druck bleiben (FMW: Also Tendenz für höhere Anleiherenditen), belastet durch den Rückgang der US-Staatsanleihen und eine Neubewertung der Inflationsprämie im Euroraum. Die Rendite deutscher Bundesanleihen hat sich eins zu eins mit den US-Staatsanleihen entwickelt, was einmal mehr ihre traditionell starke Korrelation unterstreicht.“
— Ven Ram, Makrostratege.

„Wir halten an unserer Einschätzung fest, dass die EZB die Zinsen in diesem Jahr nicht erhöhen wird. Allerdings scheinen die Märkte vorerst mit negativen Szenarien zu rechnen, da die hawkische Rhetorik die Inflationserwartungen weiterhin in Schach hält“, sagte Hauke Siemssen, Zinsstratege bei der Commerzbank. Er hält sich derzeit mit dem Kauf deutscher Anleihen zurück.

Der Krieg im Iran dauert nun schon zwei Wochen an und es gibt keine Anzeichen für eine Entspannung. Der Preis für Brent-Rohöl stieg am Donnerstag wieder über 100 US-Dollar pro Barrel, nachdem Oman Schiffe aus seinem wichtigsten Exportterminal außerhalb der Straße von Hormus entfernt hatte und zwei Tanker in irakischen Gewässern angegriffen worden waren. Europa ist besonders anfällig für die Auswirkungen des Konflikts, da es für die Beheizung von Häusern und den Betrieb von Fabriken auf Energieimporte angewiesen ist. Die Erdgas-Futures sind in diesem Monat um mehr als 60 % gestiegen.

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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1 Kommentar

  1. Genau, höhere Zinsbelastungen für Bundesminister der Finanzen Lars Klingbeil. Der genannte Falschmünzer wird die genannten höheren Kosten instrumentalisieren, um die Senkung der Körperschaftssteuer, der Stromsteuer und der Luftverkehrssteuer auf den 17. Herbst zu verschieben.

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