Die Anleiherenditen in Deutschland wie auch in in den USA steigen kräftig an. Das scheinen die Aktienmärkte derzeit kaum bis gar nicht zu beachten. Denn jetzt startet die Quartalssaison, heute Abend melden Alphabet und Tesla ihre Zahlen. Und die nächsten Tage werden ständig neue Großkonzerne melden und Aktienanleger in ihren Bann ziehen. Aber die immer weiter steigenden Renditen sind eine Belastung, die nicht dauerhaft ignoriert werden kann!
Anleiherenditen steigen kräftig
Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen steigt in den letzten vier Wochen von 2,86 % auf heute 3,18 %. Im Juli 2025 waren es noch 2,60 %. Der Trend für die letzten zwölf Monate (siehe Chart) ist eindeutig aufwärts gerichtet. Parallel steigt auch die US-Rendite von 4,37 % vor einem Monat auf heute 4,63 %. Was bedeutet das für die Regierungen? Nicht nur, dass ständig höhere Neuverschuldungen die Zinslast explodieren lassen. Nun sorgen auch die steigenden Marktzinsen dafür, dass die Regierungen in Europa und den USA bei Neuemissionen höhere Zinsen zahlen müssen, was die Staatshaushalte noch mehr belastet. Speziell in Deutschland kommen Sondervermögen und Aufrüstung hinzu. Eine massiv steigende Neuverschuldung drückt die Anleiherenditen tendenziell weiter nach oben.
Ölpreis treibt an
Die stark steigenden Anleiherenditen der letzten Tage und Wochen kann man aber vor allem auf den steigenden Ölpreis zurückführen. Seit gut einem Monat nehmen die Angriffe zwischen USA und Iran wieder kontinuierlich zu, trotz ständigen Beteuerungen über Friedensverhandlungen. Brent-Öl notierte vor vier Wochen noch um die 73 Dollar, heute über 94 Dollar. Ein dramatischer Anstieg in so kurzer Zeit!
Das bedeutet: Die Inflation dürfte in die Verbraucher-Regionen wie Europa zurückkehren. Und damit steigt der Druck auf die Zentralbanken die Zinsen zu erhöhen. Die Marktzinsen (Anleiherenditen) können durch fallende Anleihekurse dieses Szenario sofort einpreisen, daher steigen derzeit die Renditen. Das Problem: Durch steigende Renditen werden Anleihen für institutionelle Anleger attraktiver im Vergleich zu Aktien oder Gold.
Noch wichtiger: Je höher die Renditen, desto teurer werden mit kurzer Verzögerung Kredite in der Realwirtschaft. Verbraucher und Unternehmen spüren den Ölpreis-Anstieg dann über den Zwischenstopp der Anleiherenditen in Form höherer Kreditzinsen (Banken refinanzieren über Pfandbriefe, deren Referenz die Bundesanleihen sind). Dies dürfte bei den Verbrauchern am meisten bei den Häuslebauern zu spüren sein, wo es um große Summen geht. Die monatliche Mehrbelastung bei Neuabschlüssen dürfte dann deutlich spürbar sein! Die Bauzinsen für zehn Jahre Sollzinsbindung sind laut Interhyp in etwas mehr als einer Woche von 3,81 % auf 3,97 % angestiegen. Und die jetzt steigenden Anleiherenditen deuten darauf hin, dass die Bauzinsen in Kürze den Sprung über die 4 %-Marke machen könnten.
Trump heizt an
Donald Trump heizt den Konflikt mit dem Iran derzeit weiter an. Um 15 Uhr deutscher Zeit schrieb er auf Truth Social (übersetzt): Von nun an werden die Vereinigten Staaten jedes Mal, wenn die Islamische Republik Iran in der Straße von Hormus auf ein Schiff feuert – sei es mit Raketen, Raketenwerfern, Drohnen oder anderen Geräten oder Waffen –, EINE BRÜCKE ODER EIN KRAFTWERK bombardieren und zerstören, einschließlich solcher, die sich in der Nähe der Hauptstadt Teheran oder direkt in der Stadt befinden. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit! Präsident DONALD J. TRUMP.
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Die Investmentbanking-Analysten von Goldman Sachs schließen ja für die nahe Zukunft einen Ölpreis in Höhe von ca. 120 US-Dollar zumindest nicht 100%ig aus. Die aktuelle Ausgangslage im Naher und Mittlerer Osten könnte den genannten Ölpreis durchaus Realität werden lassen. Die Renditen für BRD-Bundesanleihen würden weiter steigen, was dann eben auch steigende Zinslasten für den BRD-Bundeshaushalt zur Folge hätte. Die geplanten Erhöhungen der Tabaksteuer und der Alkoholsteuer könnten somit noch stärker ausfallen. Und ein mögliches Vorziehen der beschlossenen Senkung der Körperschaftssteuer von 15% auf 10% ab dem Jahr 2028 in jährlichen Schritten um jeweils 1% bis zum Jahr 2032, wie von Teilen der Bundeskanzler Friedrich Merz-Bundesregierung/Koalition gefordert, könnte in immer weitere Ferne rücken, sprich, immer unwahrscheinlicher werden.
Der 47. US-Präsident Donald John Trump hat in der aktuellen Nacht zum jetzigen Donnerstag, den 23.07.26 nunmehr aktuell zum zwölften mal die Flugzeuge Richtung Islamische Republik Iran aufsteigen lassen.
Im Jahr 2016 lagen die Bauzinsen für zehnjährige Darlehen auf einem historischen Niedrigniveau und schwankten zwischen ca. 1,1 % und knapp 2,0 %.
Wenn nun nach 10 Jahren Anschlussdarlehen zum doppelten oder dreifachen Zinssatz finanziert werden müssen, wird es sicherlich Probleme geben.
Zumal selbst bei 2 % Tilgung nach 10 Jahren immer noch etwa 80 % der Hypotheke vorhanden sind.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
Für den Finanzminister ist es trotzdem ein Bombengeschäft.
Angesichts der Tatsache, dass das Preisniveau heute um mindestens ein Drittel über dem Preisniveau von 2020 liegt.
Grob gerechnet, sind bei einem BIP von 3.300 Mrd. EUR, einem Schuldenstand von 75% des BIP und einer Neuverschuldung von 3% die Altschulden des Jahres 2020 i.H.v 2.475 Mrd. EUR heute real nur noch 1.650 Mrd. EUR wert, macht einen Inflationsgewinn um die 800 Mrd. EUR.
Da kann man auf die 100 Mrd. Neuverschuldung des Jahres 2026 schon mal 4 Mrd. EUR Zinsen zahlen statt wie damals 1 Mrd. EUR, bei bevorzugt kurzfristiger Verschuldung.
Oder wo liege ich falsch ?
@DiPalma
Ein paar kleinere „Flüchtigkeitsfehlerchen“ und Ungereimtheiten fallen in Ihrer intuitiven Schätzung schon auf 😉
Denn Ihre Rechnung hinkt leider an mehreren Stellen gewaltig, da Sie mit fiktiven Zahlen operieren, die reale Inflation massiv überschätzen und wesentliche finanzwissenschaftliche Prinzipien ignorieren. Hier sind die harten Fakten auf Basis der Daten des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Bundesbank:
BIP: 3.329 Milliarden €
Altschulden: 2.173 / 2.332 Milliarden € (je nach Erfassungsmethode: Nationale Finanzstatistik / Maastricht-Kriterien)
Schuldenquote: 65,3 % / 70,0 % (je nach Methode)
Verbraucherpreisindex bis Ende 2025: + 22,7 %
Heutiger realer Wert dieser Altschulden (auf Basis Maastricht): 1.901 Milliarden €
Der reale Kaufkraftverlust der Schulden liegt damit bei rund 431 Mrd. € – und nicht bei den von Ihnen behaupteten 800 Mrd. €. Mit Ihren Rechenkünsten haben Sie den Effekt nahezu verdoppelt.
Gut die Hälfte des Schuldenanstiegs ging auf die Defizite von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen von insgesamt 140 Milliarden € zurück. Mit der anderen Hälfte baute der Staat Finanzvermögen auf. Allein die staatlichen Haushalte haben ihre Bankeinlagen (Liquidität) per saldo um 81 Milliarden € aufgestockt.
Da auch dieses Bargeldguthaben der Inflation unterlag, hat der Staat hier einen realen Kaufkraftverlust erlitten, was Ihr angebliches „Bombengeschäft“ weiter schmälert.
Ihre Zinsrechnung vernachlässigt die Fristigkeit von Staatsanleihen (Duration). Deutschland verschuldet sich eben nicht bevorzugt kurzfristig, sondern verteilt die Laufzeiten bis hin zu 30 Jahren. Die Altschulden von 2020 wurden zu historischen Niedrig- und Negativzinsen langfristig eingefroren. Der Zinsanstieg trifft den Bundeshaushalt daher keineswegs schlagartig mit voller Wucht auf das gesamte Schuldenportfolio, sondern immer nur schrittweise bei der fälligen Refinanzierung (Umschuldung) und bei der echten Neuverschuldung.
Wie stark staatliche Akteure die damalige Nullzinsphase für langfristige Absicherungen genutzt haben, zeigt ein Blick auf die Bundesländer: Das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) etwa hat zwischen 2019 und 2021 mehrfach echte „Jahrhundert-Anleihen“ emittiert. NRW hat sich damit Milliardenbeträge mit einer Laufzeit von 100 Jahren zu einem Zinssatz von unter 1 % gesichert. Den realen Verlust durch Inflation und Zinswende tragen hier allein die privaten Investoren, während das Land bis weit ins nächste Jahrhundert hinein von billigstem Geld profitiert.
@Kathie Worst
Danke für die Zahlen, es ging mir ums Prinzip, Helmut hat unten ja noch einen weiteren Flüchtigkeitsfehler entdeckt.
Ihre Antwort umfasst mehre Aspekte, ich fange mal beim ersten Aspekt an.
Nehmen wir Ihre Zahlen als Ausgangspunkt und setzen das Preisniveau Anfang 2020 auf 1, dann hatte sich der Finanzminister Anfang 2020 2.173 Warenkörbe bei einem Zinssatz von sagen wir 1% geliehen, davon hat er also sechsmal 21,73 = 130 Warenkörbe für die Zinszahlungen seiner sechsjährigen Anleihe zurückgelegt, konnte also 2.043 Warenkörbe für praktische Zwecke verwenden.
„Normalerweise“ hätte er die 2.173 Warenkörbe Anfang 2026 zurückgeben und sich neu leihen müssen, zu unveränderten Zinsen.
Aufgrund der Inflation (Preisniveau Anfang 2026 ist 1,22) muss er jetzt aber nur noch 1.781 Warenkörbe zurückgeben, 392 Warenkörbe kann er als Inflationsgewinn behalten, er muss sich Anfang 2026 nur noch 1.781 Warenkörbe neu leihen, dafür aber 4% Zinsen zahlen, also pro Jahr 71 Warenkörbe Zinsen statt bisher 22; wenn er klug ist, leiht er sich die Warenkörbe jetzt besser kurzfristig als auf sechs Jahre ?
Alles in allem immer noch ein gutes Geschäft.
Oder wo liege ich in diesem Beispiel falsch ?
Was der Finanzminister mit den Warenkörben anstellt, ist eine andere, aber sehr entscheidende Frage.
Die nächste Frage ist, welche Leute konkret die privaten Investoren sind, die die Inflationsverluste erleiden, und welche Personen konkret für „das Land“ stehen, die vom Billig-Geld profitieren …
Finanzielle Repression kann funktionieren, wenn die Wirtschaft stärker wächst und wenigstens ein großer Teil der Inflation (hierbei kommt es auf die individuelle echte Inflation und dabei besonders die Teile der Ausgaben an, die nicht vermeidbar sind) durch Lohnzuwächse ausgeglichen wird. Hinzu kommen muss noch eine gute Stimmung, das Gefühl, dass es insgesamt aufwärts geht.
Fehlt es an einem der Faktoren, ist es ein Teufelskreis in den Abgrund. Der Zinsdienst steigt, aber Investitionen und Innovation fallen aus, Menschen und Firmen wandern ab, schließlich schrumpfen die Staatseinnahmen. Dem wird mit weiterer Verschuldung und Abgabenerhöhungen begegnet und die negativen Effekte verstärken sich.
Die Staatspleite rückt in das Sichtfeld und der letzte Ausweg bleibt das Inflationieren. Das zerstört zwar auch die Wirtschaft, erhält jedoch wenigstens die rechtliche Souveränität des Landes.
Allerdings ist dies in einer Währungsunion nicht so einfach. Die EZB ist an Regeln gebunden (okay, war nur ein Witz), vor allem aber an die Interessen aller Mitglieder.
Also steht die Gefahr einer echten Staatspleite ins Haus und dann kommen die Sanierer. Die geben Geld und stellen dafür Forderungen. Das Schema ist immer das gleiche: Sozialabbau und Abschaffung von Arbeitnehmerrechten.
Die letzte Chance war die Bundestagswahl. Deswegen gab es den vielfach verhassten aber meiner Meinung nach zumindest berechtigten Spruch, „nur die AfD kann Deutschland retten“. Und in diesem Sinne ist auch der Spruch zu verstehen gewesen, dass „die AfD jetzt die Arbeiterpartei ist“.
Ich gehe davon aus, dass das ebenfalls nicht sicher war, denn die AfD vereint verschiedene Richtungen, ähnlich wie SPD 1998. Aber jetzt hat sich das Zeitfenster geschlossen. Selbst wenn es zu vorgezogenen Wahlen käme, die Schulden sind beschlossen, die Länder stehen dem Bund entgegen, es ist zu spät.
Die alte Republik, in der Zahnschmerzen und Liebeskummer noch große Probleme waren, wird in ein paar Jahren nur noch in unseren Erinnerungen exisitieren.
Genießen Sie den Somer. Das kann Ihnen niemand nehmen.
Hallo @ DiPalma
Du hast mit 1.650 Mrd. € gerechnet – das entspräche eher einem Preisniveauanstieg von ca. 50 % statt einem Drittel.
Aber die Richtung stimmt.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut