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Anteil von bargeldloser Zahlung in Deutschland nimmt deutlich zu

Die Zahlung mit Bargeld in Deutschland nimmt spürbar ab, auch wenn sie noch einen großen Anteil hat. Hier aktuelle Daten der Bundesbank.

Kartenzahlung

Die Corona-Pandemie hat der bargeldlosen Zahlung einen großen Schub beschert, das ist kaum verwunderlich. Vor allem weil die Konsumenten lange Zeit überhaupt gar nicht im stationären Handel einkaufen konnten, verlagerte sich das Kaufverhalten Richtung Onlinehandel, wo natürlich nur mit Karte, Paypal etc gezahlt wird. Aber haben sich die Konsumenten erstmal daran gewöhnt, werden viele wohl auch in Zukunft öfter mit Karte zahlen. Eine frisch veröffentlichte Umfrage der Bundesbank zeigt diesen Trend – man hat heute eine 59-seitige Studie veröffentlicht mit dem Titel „Zahlungsverhalten in Deutschland 2021“.

Zahlten die Bundesbürger im Jahr 2017 noch bei 74 Prozent aller Bezahlvorgänge in bar, so waren es im Jahr 2021 nur noch 58 Prozent. Eines ist klar: Bei großen Summen zahlt man in der Regel mit Karte, und Bargeld kommt vor allem bei Kleinstbeträgen zum Einsatz. Dies zeigt auch folgende Zahl: Gemessen am Umsatz betrug der Bargeldanteil im Jahr 2021 nur 30 Prozent. Und im Durchschnitt hatten Privatpersonen rund 100 Euro im Portemonnaie und damit fast genauso viel wie vor vier Jahren (103 Euro). Die große Mehrheit der Befragten (69 Prozent) gab laut Bundesbank an, auch zukünftig unverändert mit Bargeld bezahlen zu wollen.

Vier von zehn Befragten gaben laut Bundesbank an Kartenzahlungen oder andere unbare Zahlungsmittel zu bevorzugen, was sich in der tatsächlichen Nutzung widerspiegelte. Von allen erfassten Zahlungen an der Ladenkasse, in der Freizeit, im Onlinehandel und bei weiteren Zahlungsanlässen wurden 29 Prozent mit einer Karte getätigt, bezogen auf den Umsatz waren es 40 Prozent. Für die Datenerhebung befragte das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Bundesbank von September bis Dezember 2021 insgesamt 5.870 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren per Telefon.

Die Bundesbank sagt, Zitat: Auch wenn Bargeld im Laufe der Pandemie seltener zum Einsatz kam, hielten viele Befragte es für zuverlässig, schätzten den Schutz der Privatsphäre und den guten Ausgabenüberblick. Weder Digitalisierung noch Pandemie konnten das Bargeld verdrängen. Wenn es um’s Bezahlen geht, ist Bargeld in Deutschland nach wie vor mit Abstand am beliebtesten.

FMW-Anmerkung: Wie wichtig es ist, dass man wirklich flächendeckend im Einzelhandel in bar zahlen kann, zeigten vor wenigen Wochen die bundesweiten Zahlungsausfälle bei großen Supermarktketten. Kartenzahlungen waren wegen Problemen mit bestimmten Arten von Kartenterminals nicht möglich. Von Ende Mai bis Anfang Juni ging in vielen Supermärkten gar nichts, Bargeld war Trumpf! Da haben Millionen von Menschen, die sich voll und ganz an Kartenzahlungen gewöhnt haben, plötzlich gemerkt, dass dies auch ein echtes Problem im Alltag sein kann. Tagelang sah man Schlangen vor Geldautomaten und Bankfilialen, denn man musste ja erstmal an Bargeld kommen, bevor man in den Supermarkt geht. Dieser Ausfall bei Kartenterminals war nur ein Beispiel dafür, was passieren kann. Was, wenn es beim nächsten Mal ein Hackerangriff auf die Infrastruktur der Kartenabwickler ist, und wochenlang geht nichts? Ohne Bargeld geht es eben nicht.

Auch ohne Bargeldverbot kann eine Volkswirtschaft die Zahlung mit Bargeld beenden. Denn wenn immer weniger Einzelhändler Zahlungen in bar akzeptieren, sind die Kunden eben gezwungen ganz auf Kartenzahlung umzustellen. In Schweden sieht man, wie schnell diese quasi selbstauferlegte Bargeldabschaffung geschehen kann. Die Umstellung auf Kartenzahlung ist dort fast schon ganz abgeschlossen, und bereits nächstes Jahr könnte Schweden ganz bargeldfrei werden. Meine Meinung: Das ist für Deutschland nicht erstrebenswert!



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1 Kommentar

  1. Passend dazu heute in n-tv:
    Streiks bei den Geldtransportmitarbeitern haben dazu geführt,daß zahlreiche Geldautomaten nahezu
    leer waren/nicht aufgefüllt werden konnten.
    Mich beschleicht da eher das Gefühl,daß hier bald eine neue „Idee“ der better than cash allience hoffähig
    gemacht werden soll – Zumal hinterher ein (ausgesuchter)Mitarbeiter der Bundesbank in einem Interview
    anmerkte:Bargeldloses Bezahlen hat doch immens viele Vorteile.Es ist sicherer,“billiger“ und man braucht
    das Geld nicht abgezählt bereit zu haben…………
    Ein ganz anderes Gefühl macht mir eher (unbegründet ?) Sorgen:
    Hatten wir nicht schon einmal einen netten „Vorfall“ in Zypern,wo es fast nichts mehr an den Geldautomaten
    gab.Oder die andere „Sache“ in Griechenland mit Auszahlungslimit an den Automaten ?
    Ein Schelm wer Böses dabei denkt……………………..

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