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Apokalypse im US-Einzelhandel: alles nur wegen Amazon?

In keinem Jahr in der Geschichte der USA – nicht einmal während der Finanzkrise – gab es so viele Pleiten von US-Einzelhandelsunternehmen wie in diesem Jahr – und es bleiben ja noch fast zwei ganze Monate! Das ist ein ökomomisches Erdbeben, das Kettenreaktionen auslösen wird!

Redaktion

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FMW-Redaktion

In keinem Jahr in der Geschichte der USA – nicht einmal während der Finanzkrise – gab es so viele Pleiten von US-Einzelhandelsunternehmen wie in diesem Jahr – und es bleiben ja noch fast zwei ganze Monate! Bislang haben in 2017 bereits 6700 Einzelhandelsunternehmen Insolvenz angemeldet – das bisherige Hoch stammt aus dem Jahr 2008 mit 6163 Pleiten.

Klar, alles Amazon, alles das Internet, könnte man meinen. Aber die Zahlen geben das schlicht nicht her. Denn der Online-Umsatz in den USA beträgt nicht einmal 10% der gesamten Einzelhandelsumsätze. Das Problem ist also wohl nicht nur Amazon, sondern könnte tiefer liegen – nämlich beim US-Konsumenten bzw. dem Überangebot von Einzelhandels-Verkaufsflächen, die in den USA pro Einwohner zehnmal so groß sind wie etwa in Deutschland.

Erst letzte Woche verkündeten Giganten des US-Einzelhandels wie Walgreen und Sears weitere Schließungen von Läden: Sears 60, Walgreen gar 600.

Das ganze Elend zeigt sich am besten bei Sears: heute hat das Unternehmen vorzeitig Zahlen gemeldet – und die sind desaströs. Die Verkauserlöse ging im dritten Quartal um -15,3% zurück, das Unternehmen erzielte einen Umsatz von lediglich 3,7 Milliarden Dollar – im dritten Quartal des Vorjahres waren es noch 5 Milliarden Dollar. Nun hat Sears aufgrund der Krise seitdem weniger Niederlassungen, aber der dadurch weggefallene Umsatz macht nur etwa die Hälfte des geringeren Umsatzes aus. Das heißt im Klartext: die Verkäufe sind weiter stark rückläufig.

Sears hat heute klar gemacht, dass das Umfeld für den stationären US-Einzelhandel weiter schwierig bleibt:

„The retail environment remains challenging, with continued pressures on sales“.

Nun muß man das Tafelsilber verkaufen – sprich Immobilien. So hat Sears heute bekannt gegeben, dass man 140 Immobilien verkaufen werden – an zwar an einen Versicherer, der die Pensionsverpflichtungen von Sears abgesichert hat (Pension Benefit Guaranty Corp.). Ginge Sears nämlich vollends pleite, müsste die Pension Benefit Guaranty Corp. für die Ansprüche ehemaliger Sears-Mitarbeiter aufkommen. Man sitzt also im selben Boot, die Krise erfaßt damit auch andere Branchen – sie frißt sich gewissermaßen als Kettenraktion durch das Gesamtsystem.

Viele Lieferanten von Sears bestehen inzwischen auf Cash-Zahlungen, sonst wird nicht mehr geliefert – daher der Notverkauf der Immobilien an die Pension Benefit Guaranty Corp., um liquide zu bleiben.

Was wir derzeit erleben, ist damit nicht weniger als der Untergang eines extrem wichtigen, weil Jobs-intensiven Sektors in den USA. Insofern verwundert es, wenn Donald Trump meint, seitdem er an der Macht sei, gehe es aufwärts:

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Vielmehr passiert gerade ein Erdbeben in Zeitlupe, dessen anschließender Tsunami (eine massive Rezession) Trump aus dem Amt spülen könnte..


Eine verlassene Shopping Mall in Austin, Texas
Foto: Justin Cozart – originally posted to Flickr as Hunky, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8964457

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    frank

    8. November 2017 20:22 at 20:22

    Walmart ist der größte Einzelhändler der USA und der Welt. Das Hauptgeschäft von Walmart ist immer noch stationär. Walmart macht ca. 3,5 mal mehr Umsatz als Amazon. Und Walmart notiert auf einem absoluten Allzeithoch. Es kann also nicht an der Onlinekonkurrenz liegen…

  2. Avatar

    Steve

    8. November 2017 21:16 at 21:16

    Eine lustige Geschichte .

    Sears verkauft sein Eigenkapital (zu toppreisen ?!) an seinen Versicherer , damit der am ende wertlose Immobilien hat wenn es knallt.

    Mit dem Geld bezahlt sears noch ein paar Jahre den Käufer . so ein Bullshit haha

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Aktienmärkte: „Die Coronakrise ist vorbei“ – wirklich?

Markus Fugmann

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„Die Coronakrise ist für die Aktienmärkte vorbei“, sagt der Mathematiker und Vermögensverwalter Andreas Beck. Diese Aussage überrascht, schließlich stecken wir mitten im zweiten, diesmal „differenzierten Lockdown“ (O-Ton Markus Söder) mit enormen wirtschaftlichen Folgeschäden. Andreas Beck rechnet aber dennoch mit einem guten Jahrzehnt für die Aktienmärkte – schon mangels Alternative angesichts der von den Notenbanken manipulierten Anleihemärkte. Die Nullzinsen, so Beck, hätten sich bereist bei Immobilien niedergeschlagen, es sei nur eine Frage der Zeit, bis das auch die Aktienmärkte vollständig einpreisen.

Aktienmärkte und Coronakrise: Das Jahrzehnt der Aktie?

Seit dem 09.November – der Meldung von BioNTech/Pfizer – haben die Aktienmärkte einen Paradigmenwechsel vollzogen: Man kauft die „Corona-Verlierer“. Für Andreas Beck bedeutet das: die Aktienmärkte blicken schon auf die Zeit nach der Coronakrise (auch die Rohstoff-Märkte, siehe etwa die Rally bei Kupfer, das für die Industrie sehr wichtig ist). Man preist also eine vollständige Erholung der Wirtschaft ein, eben weil die Coronakrise vorbei doch vorbei sei. Der Wirtschaft sei der zweite Lockdown faktisch „egal“ – sie habe sich an die neuen Umstände angepaßt.

Nun ist Andreas Beck Vermögensverwalter und Mathematiker, kein Epidemologe. Nun hat kürzlich der britische Epidemologe und Berater des britischen Premiers Boris Johnson, Jonathan Van-Tam, kürzlich davon gesprochen, dass die Coronakrise „niemals“ vorbei gehen werde (hier seine Aussage im Video). Ist es vielleicht doch so, dass Andreas Beck und mit ihm die Aktienmärkte die Coronakrise zu früh abhaken, also das Fell des Bären schon verteilen, bevor er erlegt ist?

Eines ist für Andreas Beck klar: die Schulden der Staaten werden niemals zurück gezahlt werden können – daher weredn sich die Staaten am Privatvermögen sener Bürger bedienen (müssen). Auch klar für Beck ist weiterhin: die demokratischen Länder werden sich die Dominanz der US-Tech-Unternehmen nicht mehr lange gefallen lassen. Er geht daher davon aus, dass in diesem Jahrzehnt daher dann „value“ besser laufen sollte als „growth“ und erklärt, wie er selbst investiert ist:

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Für die Aktienmärkte ist die Coronakrise vorbei, sagt Vermögensverwalter Andreas Beck

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Steigenden Renditen? Tesla, Snowflake, China-Aktie

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Zahlreiche Themen werden besprochen wie die Arbeitsmarktdaten für November, Anleiherenditen, Tesla uvm.

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