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Korrektur nach Verdopplung Apple-Aktie: Wird die Anti-KI-Strategie jetzt zum Bumerang?

Apple auf dem Börsendisplay an der NYSE. Foto: Michael Nagle/Bloomberg

Die Apple-Aktie gehörte lange zu den ungewöhnlichen Gewinnern des KI-Booms – gerade weil der Konzern das milliardenschwere Wettrüsten bei Künstlicher Intelligenz nicht mitmachte. Anleger honorierten Apples Kapitaldisziplin und den Fokus auf das Kerngeschäft, während sich die Apple-Aktie innerhalb weniger Monate sogar verdoppelte. Doch inzwischen hat sich die Stimmung gedreht. Wird ausgerechnet die Strategie, die Apple an der Börse nach oben getragen hat, jetzt zur Belastung?


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Apple verdoppelt sich ohne KI-Hype

Noch im April sah die Welt für Apple ganz anders aus. Vom Tief bei 169,21 Dollar startete die Aktie eine beeindruckende Rally und erreichte am 29. Juli bei 344,57 Dollar ihren bisherigen Höhepunkt. Damit hatte sich der Börsenwert innerhalb weniger Monate mehr als verdoppelt.

Ein wichtiger Faktor war Apples Sonderrolle im KI-Boom. Während Microsoft, Meta, Amazon und andere Tech-Konzerne Milliarden in Rechenzentren, Chips und KI-Infrastruktur investierten, hielt sich Apple vergleichsweise zurück. Statt selbst in den kostspieligen Infrastrukturwettlauf einzusteigen, setzt der Konzern stärker auf Partnerschaften und externe KI-Dienste.


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Gerade als Anleger die enormen Investitionsausgaben der Konkurrenz zunehmend kritisch betrachteten, erschien Apples Ansatz attraktiv. Doch genau diese Logik funktioniert laut einem Bloomberg-Bericht derzeit nicht mehr.

Apple-Aktie fällt, während der Nasdaq 100 steigt
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Der KI-Trade dreht sich

Die jüngsten Quartalsberichte großer Tech-Konzerne haben die Sorgen gedämpft, dass die KI-Milliarden kaum wirtschaftlichen Ertrag liefern. Anleger setzen wieder stärker darauf, dass sich die hohen KI-Investitionen in Wachstum und Umsätze übersetzen können.

„Das ganze Jahr über gab es ein ständiges Hin und Her zwischen Sorgen und Begeisterung über die Investitionsausgaben“, erklärt Jordan McCall, Senior Portfolio Manager bei Russell Investments. Die jüngsten Geschäftszahlen hätten einen Teil dieser Sorgen zerstreut und eine Umschichtung am Markt ausgelöst.

Diese Rotation trifft vor allem Apple. Seit dem Hoch Ende Juli ist die Aktie um rund 11 Prozent auf einen Schlusskurs von 305,59 Dollar am 17. August gefallen. Gleichzeitig zogen viele Hyperscaler wie Micrososft und Amazon wieder kräftig an.

McCall erwartet, dass dieses Wechselspiel anhält, da wieder mehr Vertrauen in die Investitionsausgaben bestehe und Apple weiterhin „eine andere Ausprägung des KI-Investitionszyklus“ darstelle.

Apples Vorteil wird zum Nachteil

Damit entsteht eine paradoxe Situation: Apple profitiert weniger direkt vom KI-Infrastrukturboom, bekommt dessen Kosten aber durchaus zu spüren.

Die enorme Nachfrage der Rechenzentren treibt unter anderem die Preise für Speicherchips nach oben. Für Apple können dadurch die Produktionskosten von iPhones und anderen Geräten steigen. Gibt der Konzern diese Kosten über höhere Preise weiter, könnte wiederum die Nachfrage leiden.

Clayton Allison von Prime Capital Financial bringt Apples Sonderstellung auf den Punkt: „Es ist nachvollziehbar, dass Apple nicht eins zu eins mit der Lieferkette für KI-Infrastruktur gehandelt wird und dass es Phasen gibt, in denen diese inverse Korrelation dem Unternehmen schadet.“

Apples inverse Korrelation zu Halbleiteraktien | Der iPhone-Hersteller gilt als „Anti-KI-Aktie“

Hohe Bewertung erhöht den Druck

Hinzu kommt die ambitionierte Bewertung. Apple wird derzeit mit etwa dem 32-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt und ist damit höher bewertet als andere führende US-Technologiekonzerne. Nach der vorausgegangenen Kursverdopplung bleibt entsprechend wenig Raum für Enttäuschungen.

Gleichzeitig sorgen steigende Komponentenpreise und mögliche höhere iPhone-Preise für zusätzliche Unsicherheit. Auch das erwartete faltbare iPhone steht unter besonderer Beobachtung, schließlich soll es künftig höhere durchschnittliche Verkaufspreise und Margen ermöglichen.

Ist Apples Strategie wirklich falsch?

Trotz der jüngsten Schwäche wäre es voreilig, Apples KI-Strategie grundsätzlich als Fehler abzuschreiben. Der Konzern verfügt weiterhin über eines Fundament.

Genau darauf verweist auch Allison: „Apple bleibt mit seiner äußerst soliden Bilanz, seinem Ökosystem und seinen Aktienrückkäufen eines der besten Unternehmen überhaupt.“ Sollte sich der KI-Trade erneut umkehren, könnte Apples geringe Korrelation mit dem Gesamtmarkt sogar wieder zum Vorteil werden.

Die Apple-Aktie erlebt damit weniger das Ende ihrer Erfolgsstory als einen Wechsel der Spielregeln. Solange die Wall Street hohe KI-Investitionen wieder belohnt, verliert Apples bisheriges Erfolgsrezept jedoch an Strahlkraft. Nach der mehr als 100-prozentigen Rally muss der Konzern nun zeigen, dass sein schlankerer KI-Ansatz langfristig ebenfalls Wachstum liefern kann. Denn hält der KI-Boom an, könnte ausgerechnet Apples bisherige Stärke zum Bremsklotz für die Aktie werden.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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