Apple, jene Firma, die die letzte wirkliche Gamechanger-Technologie auf den Markt gebracht hat – das Smartphone – hat seit dem Tod des charismatischen Firmengründers Steve Jobs immer mehr das Image eines Verwalters dieses Erbes angenommen.
Apple: The next big thing – oft viel Marktinggetöse für Weiterentwicklungen und Rohrkrepierer
Viele Ansätze an diesen Durchbruch („The next big thing“) mit anderer Hardware auch nur annähernd heranzukommen, sind seither teilerfolgreiche Umsatzauffettung zu den nach wie vor dominierenden iPhone-Verkäufen wie die Laptops, Tablets sowie Zubehör wie Smartwatches oder In ear-Kopfhörer. Aber dann gibt es auch tatsächlich nicht so selten Rohrkrepierer wie die VR-Brille.
Was die eigentliche Grundlage des Erfolgs des Smartphones ausgemacht hat, war aber nicht die Hardwareplattform, sondern neben dem mobilen Zugang zum seinerzeit „heißesten Sch..“, dem „neuen Internet“ schlussendlich die darauf laufenden sehr spezifischen Anwendungen in Form „kleiner“, den Netzzugang tatsächlich breit nutzbar machenden Programme: auch App genannt.
Apple: Durchbruch des Smartphones – jahrelange Entwicklung und nicht One Time Event
Als Jobs das erste iPhone präsentiert hatte, fragte sich der Großteil des Publikums, wozu man ein Telefon mit einem mickrigen Bildschirm braucht – Sprachanrufe tätigen und SMS-Schreiben konnte man auch mit dem damals bestens etablierten Nokia (und im Internet surfen war viel komfortabler am PC). Und diese Wahrnehmung der Massen änderte sich auch erst im Laufe der darauffolgenden Jahre, als immer mehr App-Entwickler das Potential dieser kompakten und mobilen Hardware-Plattform erkannten, und durch den großflächigen Verkauf von Lizenzen für kleines Geld den Marktdurchbruch der Smartphones gegenüber den bisherigen mobilen Kommunikationsmitteln ermöglichten. Inzwischen ist neben der Hardware hauptsächlich der App-Store der Cashflow-Garant der Cashcow Apple.
Abfällig wird in den letzten Jahren durch diese in Relation zum seinerzeitigen Smartphone-Erfolg schwache Innovationskraft über Apple als Hedgefonds mit angeschlossener iPhone-Produktion gelästert. Tatsächlich ist die Weiterentwicklung des Apple-Environments mit zunehmend starker Bindungskraft an dieses „Biotop“ als wohl größter Erfolg zu sehen: einmal ins Netz der Spinne getappt, kommt man als Anwender kaum mehr heraus. Und so sind Anschlusskäufe in der geschickt aufgebauten Community ein Selbstläufer – trotz dieses Stillstands.
Apple mit auffallender Zurückhaltung im KI-Rennen – Einkaufstour bei Google
Dieses Image von Apple als inzwischen träge Mega-Firma, die sich zum großen Teil mit Financial Engineering ihre Bewertungen am Markt sichert, wurde insbesondere in den letzten zwei bis drei Jahren in Zusammenhang mit dem KI-Investitions-Gigantomanie in der öffentlichen Wahrnehmung transportiert. Apple als Verlierer beim Koste-es-was-es-wolle-Wettlauf, um das „Next big thing“: das Nokia-Schicksal als ernsthafte Option.
Allerdings ließ vergangene Woche in der Phase, in der nun ernsthafte Zweifel um die Finanzierbarkeit und natürlich Monetarisierung von KI-Anwendungen entstehen, eine Pressemeldung vom vermeintlichen Hinterbänkler aufhorchen. Apple sicherte sich für „einen Apple und ein Egg“ die Integration von Gemini (Large Language Model von Alphabet) als Aufputz für die hauseigene Siri-Sprachsteuerung. Wir sprechen hier laut Meldungen von nahezu lächerlichen eine Milliarde Dollar Lizenzgebühr pro Jahr – Alphabet/Google investiert allein 2025 85 Milliarden in seine Infrastruktur.
Und das ist schlussendlich diese aktuell immer mehr in den Vordergrund tretende Schieflage bei der monetarisierbaren Marktdurchdringung von KI – die aktuell hauptsächlich als Booster für bereits bekannte und bestehende „nice to have“ Anwendungen im Bereich Mustererkennung, Videobearbeitung oder Content Generierung zur Anwendung kommen. Da scheint man noch sehr weit von neuer Killerapplikation und etwas wie echter Intelligenz entfernt zu sein.
Hat Apple also nun mit guten Nerven ein geplantes Abstaubertor im KI Match geschossen, indem man sich bisher von sich als zunehmend desaströs herausstellenden Milliarden-Investitionen größtenteils ferngehalten hat? Es scheint entsprechend eigener Erfahrungen aus der Firmengeschichte und dem Wissen um Abläufe und Dynamiken von Innovationszyklen hier sinnvoll – auch unter höchsten Druck eigentlich dabei sein zu müssen – im Wettlauf der Manischen dem Sog widerstanden zu haben, um sich nun um den Bruchteil der Kosten ein LLM-Zugang des Marktführers der Suchmaschienen zu sichern. Und damit sich entsprechend Zeit für die weitere Marktbeobachtung mit relativ wenig Kapitaleinsatz zu erkaufen – um schließlich zu sehen, was bei den „Antwortmaschienen“ erfolgreich sein wird.
Rechnen scheinen Sie bei Apple zu können
Selbstverständlich hat die Kooperation mit so einem Giganten wie Apple und deren Community einen Vorteil für Alphabet im Wettbewerb um Marktanteile im Bereich der LLMs. Aber dieser kolportierte Betrag zeigt auch, was derzeit mit KI auch im realen Umfeld erlösbar ist. Und das steht – wie nun zunehmend auch im Mainstream durchsickert, in keinem Verhältnis zu den bisher getätigten Investitionen und Betriebskosten dieser Anwendungen – zumindest für jene die hin und wieder betriebswirtschaftliche Rechnungen anstellen.
Entwickelt sich also die Strategie von Apple zu einem Apologeten, dass hier die First Mover dabei sind mit ihrer aktuellen Infrastruktur in einem abstrusen Wettbewerb des Geldverbrennens für Aufbau von Rechenleistung ohne absehbar darauf laufenden Killerapplikation(en) am nicht darstellbaren ROI (Return on Investment) untergehen? Während jene, die vorsichtiger herangehen, die langfristigen Gewinner sein werden?
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