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Aktien

Apple und Tesla – wenn Aktienmärkte entgleisen

Wolfgang Müller

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Was haben das große Hightech-Unternehmen Apple und der Elektrofahrzeugeproduzent Tesla gemein? Auf den ersten Blick sehr wenig, aber wenn man sich die Entwicklung der Aktienkurse der letzen Monate betrachtet, schon sehr viel – aber es hat relativ wenig mit dem organischen Wachstum der Firmen zu tun.

Apple, die Queen der Buybacks

Die zweitteuerste Firma der Welt (kürzlich ist mit Saudi-Aramco die Ölfirma der Saudis vorbeigeprescht) stellt mit ihren Aktienrückkäufen zweifellos alle anderen in den Schatten. Die Firma hat in den vergangenen 10 Jahren nicht weniger als 327 Milliarden Dollar für den Rückkauf eigener Aktien eingesetzt, allerdings ohne Inanspruchnahme von Schulden, einfach aus den Cashrückstellungen.

Möglich war dies aus der unglaublichen Gewinnmarge, die der Konzern jahrelang mit seinen iPhone-Verkäufen generierte. Dies ist aber Vergangenheit, wenn man sich die Kennziffern des Unternehmens des letzten Jahres betrachtet. Ein schrumpfender Umsatz von 265 (2018) auf 260 Milliarden Dollar und ein Rückgang des Gewinns von 77 auf 69 Milliarden Dollar. Und die Aktie: Sie schloss am Freitag bei 310 Dollar und einer Marktkapitalisierung von 1,36 Billionen Dollar, zu Beginn des Jahres 2019 lag der Aktienkurs bei 158 Dollar und die Marktkapitalisierung dementsprechend noch unter 700 Milliarden Dollar. Was für ein Wertzuwachs für ein Unternehmen, welches zu Beginn des letzten Jahres sogar mit einer Gewinnwarnung überraschte. Wie kann so etwas geschehen?

Börse bewertet Zukunft – und bei Apple sieht man die Gewinne im Servicesektor oder auch bei anziehenden Geschäften mit dem neuen iPhone durch die 5G-Technologie. Was aber bei weitem keine Verdoppelung eines Aktienkurses auf diesem Niveau erklärt. Verantwortlich ist natürlich die weiter anhaltende Orgie an Aktienrückkäufen (über 100 Mrd.$ im letzten Jahr) gepaart mit einem anderen Mechanismus: Apple gehört zu den am meisten leerverkauften Aktien, weil viele Investoren den Riesenunterschied zwischen Aktienkursentwicklung und Gewinnsituation erkannt haben und damit auf eine Korrektur setzen (Anfang 2019 waren es bereits 41 Millionen Aktien). Damit setzte sich eine für Leerverkäufer verhängnisvolle Entwicklung in Gang. Apple kaufte im Rahmen seines Financial Engineerings ständig Aktien zurück, verteuerte die Titel, was bei den Spekulanten zu Rückkäufen der geliehenen Aktien führte, die man wegen der Eindämmung der Verluste zwangsläufig vornehmen musste. Andererseits lockte die exponentielle Kursentwicklung immer neue Shortseller in die Aktie. Mit den zu beobachtenden Folgen.

Tesla, die Falle für Shortseller schlechthin

Noch extremer ist die Situation bei Tesla. Während es sich bei Apple um ein hoch profitables Unternehmen handelt, schreibt Tesla bereits seit neun Jahren rote Zahlen. Aber die Aktienkursentwicklung?

Seit dem Tief vom Juni 2019 mit knapp 179 Dollar hat der Wert um 175 Prozent zugelegt, auf den Höchstkurs von 498 Dollar am letzten Mittwoch. Damit erreichte der Automobilhersteller eine Marktkapitalisierung von 89 Milliarden Dollar, mehr als der addierte Wert von GM und Ford. Tesla hat 2019 etwa 368 000 Fahrzeuge verkauft, da ist es für ein KGV von 20 noch ein ewig weiter Weg.

Der Kurs ist weit enteilt, auch wenn die Verkaufszahlen um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugelegt haben. Die Shortseller wetten seit Langem auf den Einbruch des Unternehmens mit fatalen Folgen in den vergangenen Monaten. Nach Berechnungen der Analysefirma S3 Partners haben die Leerverkäufer in den vergangenen sieben Monaten mehr als acht Milliarden Dollar verloren. Und es ging weiter, schließlich ist die Aktie in den ersten Tagen des Jahres bereits wieder um 10 Prozent gestiegen.

Besonders fatal wird es für Shortseller dann, wenn das Unternehmen wider Erwarten überraschende Unternehmensnachrichten präsentieren kann. Geschehen bei den Q4-Zahlen von Tesla 2019, als Elon Musk einen überraschenden Quartalsbeginn bekanntgeben konnte und die Aktie um 20 Prozent nach oben sprang – mit der Folge eines Verlustes der Shorties von weit über einer Milliarde Dollar, an einem Tag. Dann die Vorbestellungen für den Cybertruck, der Start der Model 3-Produktion in der Gigafactory in China, alles Ereignisse, die den Kurs nach oben trieben.

Trotz der großen Verluste halten viele Investoren an ihren Leerverkaufspositionen fest. Man rechnet nach wie vor damit, dass sich Tesla nicht gegen die etablierten Automobilhersteller durchsetzen kann.

Fazit: Apple und Tesla als Milliardengrab für Shortseller

Aus den Entwicklungen bei Apple und insbesondere bei Tesla kann man ersehen, welche fatale Wirkung ein Leerverkauf von Aktien haben kann, vor allem wenn er im großen Maßstab geschieht. Die explosive Eindeckungsrally bei VW im Jahre 2008, nach dem gescheiterten Versuch von Porsche VW zu übernehmen, ist sicher noch manchem in Erinnerung.

Der Grundgedanke des Leerverkaufs, bei Fehlentwicklungen von Aktien diesem Einhalt zu gebieten und Schwachpunkte offen zu legen, wird bei den besprochenen Fällen geradezu konterkariert. Leerverkaufte Aktien müssen zurückgekauft werden – bei Tesla liegt die Quote immer noch bei 20 Prozent -, so dass es bei geringem Free Float zu irrationalen Kursentwicklungen kommen kann. Für „Shorties“ beduetet das manchmal einen Ritt auf der Kanonenkugel.

An Apple und Tesla haben sich Shortseller blutige Finger geholt

 

 

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    BrettonWood

    13. Januar 2020 11:20 at 11:20

    Ja aber warum, eigentlich hätten die Shortseller ja recht gehabt und auf das richtige Pferd gesetz aber dann kam die Fed und änderte während dem Spiel die Spielregeln zu gunsten derer die Aktien halten….wir reden hier ja nur von Börsenkursen….

    Wie die Börsenkurse mit Preisstabilität
    Zusammenhängen insbesondere wenn Sie in diese Höhen getrieben werden ist mir nach wie vor nicht klar….offensichtlich befürchtet man beim Einstürzen der Märkte schlimme schlimme Folgen auf die Realwirtschaft….der kalte Entzug….also wird weiter Substituiert bis der Patient an überdosis krepiert

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Aktien

Warum ich keine Lieblingsaktien habe! – Werbung

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Lieber Börsianer,

was ist Ihre Lieblingsaktie? Welchem Titel halten Sie unbedingt die Treue und gehen quasi mit ihm durch dick und dünn? Hier verzeihen Sie auch einmal schlechte Nachrichten, weil Sie von dem Unternehmen wirklich überzeugt sind. Das Phänomen der Lieblingsaktie kann auch gleich für eine ganze Branche gelten. So schworen viele Privatanleger vor einigen Jahren auf Unternehmen aus der Edelmetall-Branche. In fester Erwartung eines Euro-Untergangs wurde diese Branche für viele Privatanleger zum bevorzugten Ort der Investition.

Typisch für eine solche Situation ist, dass wir die Nachrichtenlage dann nur noch sehr eingeschränkt wahrnehmen. Schlechte Nachrichten zu unserer Lieblingsaktie blenden wir aus. Gute Nachrichten hingegen bewerten wir in ihrer Bedeutung für die Kursentwicklung über. Mehr noch: Oftmals bilden wir in unseren Lieblingsaktien deutliche Übergewichtungen in unseren Depots, weil wir hier gerne mehrfach kaufen. Plötzlich steht Ihre Lieblingsaktie dann für 10 oder 20 % Ihres Gesamtdepots. Wenn Ihre Lieblingsaktie dann einmal schwächelt, ist Ihr Depot aufgrund der Übergewichtung chancenlos.

Aber wie entsteht eigentlich so eine Lieblingsaktie in unserem Depot? In aller Regel steht am Anfang zunächst eine starke Performance. Folglich mögen wir diese Aktie, weil sie uns eben zunächst viel Rendite beschert hat. Am besten können wir die Produkte unseres Lieblingsunternehmens im Alltag auch noch erfahren und quasi anfassen. Tatsächlich schätzten in der Vergangenheit viele deutsche Privatanleger die Aktien von BMW oder Daimler, weil sie privat ein…..

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Aktienmärkte: Corona-Krise und ein heimlicher Star im deutschen Leitindex

Wolfgang Müller

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Normalerweise waren die letzten Jahre die Zeit für Wachstumstitel, also für Growth, wie man es in der Sprache der Aktienmärkte bezeichnet. Eher jedoch nicht für den deutschen Leitindex Dax – aber dort steht ein Wert ganz oben in der Performance, von dem man es noch weniger erwartet hätte: die Deutsche Post. Man profitiert derzeit vom „Stay at Home“ und vielleicht nochmals durch ein logistisches Thema der Superlative.

Die bevorstehende Massenimpfungen

Was werden nicht alles für Zahlen herumgereicht? Die Gesamtbevölkerung der Erde müsse gegen Covid-19 geimpft werden, 7,7 Milliarden Menschen und dies gleich zweimal. Aber gemach, es werden sich nicht alle impfen lassen wollen, und es einige durch Immunität nicht mehr brauchen (oder durch heimische Pharmafirmen versorgt werden) und viele sich in einem Alter befinden, in dem die Gefährlichkeit des Virus unterhalb des Promillebereichs für die Betagten und Gefährdeten liegt. Dennoch: Es gilt Abermillionen von Impfdosen zu transportieren, mit den verschiedensten Transportmitteln, mit speziellen Behältern und mit der Aufrechterhaltung von Kühlketten und überall ist der deutsche Marktführer gut aufgestellt.

Die unauffällige Hausse bei einem Underdog der Aktienmärkte

Die Deutsche Post (DHL Group) feierte gerade den 20. Börsengeburtstag. Der Logistik-Riese, der aus einem Paket- und Postzusteller hervorging, wurde am 20. November 2000 zu 21 Euro an die Börse gebracht. Zu dieser Zeit stand der Dax bei 6609 Punkten. Betrachtet man nun die Kursentwicklung von Index und den Dax-Wert Deutsche Post (gestern 40,39 Euro), so könnte man den Eindruck gewinnen, als wäre der Dax mit seiner Kursverdoppelung besser gelaufen, als der deutsche Logistiker, der es nur auf gut 80 Prozent Kurszuwachs brachte. Rechnet man die Dividendenzahlungen hinzu, käme man bei der Post aber auf circa 268 Prozent Gewinn. Beim Dax als Performance-Index werden die Dividenden einfach hinzugerechnet. Macht eine Rendite der Deutschen Post von 6,7 Prozent p.a. gegenüber dem Index mit seinen 3,5 Prozent. Der Traditionswert ein heimlicher Star der Aktienmärkte – gewiss, denn ein Großteil der Dax-Werte ist noch weit von seinen ehemaligen Höchstständen entfernt. Bis auf fünf Werte, einer davon ist die Marke mit dem auffälligen Gelb.

Dies ist natürlich den Analysten nicht verborgen geblieben: so erwarten Ökonomen von Goldman Sachs einen Umsatzanstieg der Deutschen Post von aktuell 65 Milliarden bis auf 80 Milliarden Euro im Jahr 2024, der Gewinn soll im gleichen Zeitraum von 4,4 Milliarden auf 6,5 Milliarden Euro steigen. Wäre ein einstelliges KGV, hinzu kommt die niedrige Börsenbewertung im Vergleich zu UPS oder Fedex.

Fazit

Obwohl die Aktienmärkte derzeit die Umschichtung von Growth zu Value spielen, kann dies dem deutschen Logistiker relativ egal sein. Man profitiert weiter von den Auswirkungen der partiellen Lockdowns, vermutlich noch durch die Wintermonate, als auch von der neuen Situation um die Mammutaufgabe Impfung der Bevölkerung mit all den personellen und logistischen Herausforderungen.

Jetzt steht in dieser Woche erst einmal der große vorweihnachtliche Hype um den „Black Friday“ und den „Cyber Monday“ auf dem Programm. Angesichts der Pandemie sicherlich mit bisher noch nie gesehenen Umsätzen. Ein DHL-Manager sprach schon davon, dass Covid-19 die Umsätze der Post in das Jahr 2030 hieven werde. Und jetzt kommt noch das Transportthema Impfstoff hinzu. Ein Goldilocks-Szenario? Nicht ganz, denn da gibt es noch einen übermächtigen Konkurrenten aus Übersee, der bis 2021 mit eigenen Paketzentren in Deutschland zulegen will. Der „All-Star“ der amerikanischen Aktienmärkte Amazon, der bereits schon für ein Viertel der Paketsendungen in Deutschland verantwortlich ist.

Die Aktienmärkte in Deutschland und ihr heimlicher Star

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Aktienmärkte: Die 8-Billionen-Dollar Bombe – 20%-Korrektur voraus

Markus Fugmann

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Die Aktienmärkte der USA haben ein Klumpenrisiko – sie sind eine Bombe, die entschärft werde auf Kosten einer heftigen Korrektur. Das sagt nicht ein sogenannter „Crash-Prophet“, sondern der eher als „Dauer-Bulle“ bekannte Hans. A. Bernecker. Alle Indizes der amerikanischen Aktienmärkte seien extrem überkauft, getrieben vor allem in den letzten Monaten durch die Tech-Werte. Bevor dann ab dem 09.November mit der Pfizer/BioNTech-Meldung über den Impfstoff eine gewaltige Rotation erfolgte – raus aus Tech, rein in die sogenannten Value-Werte (die jedoch in vielen Fällen eigentlich alles andere als „value“ sind). Man wechselt also von einer Überbewertung in die andere, und dabei entfernen sich die Aktienmärkte immer mehr von der ökonomischen Realität.

Aktienmärkte: Nach dem Entschärfen der Bombe kommt die Erholung

Der Hype der Aktienmärkte, so Hans Bernecker, sei vor allem von Kleininvestoren getragen gewesen (die sogenannten „Robinhooder“). Das alles erinnert an die Euphorie des Jahres 1987, der dann im Oktober diesen Jahres ein gewaltiger, wenn auch nur kurzfristiger Absturz folgte. Nun aber gebe es eine Schwachstelle: das seien extrem überbewertete Aktien wie eine Tesla mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 500 Milliarden Dollar, die nun ein großer Hedgefonds-Manager geshortet habe. Es werde nun, so Bernecker, bald eine heftige Marktbereinigung geben bei den großen und marktschweren Titel der amerikanischen Aktienmärkte, die alleine acht Billionen Dollar auf die Waage bringen.

Wann kommmt der Einbruch? Eher zeitnah, meint Bernecker. Es handele sich dabei um eine Markt-Bereinigung, der dann jedoch wieder eine Aufwärtsbewegung folgen werde. Sehen Sie hier die Aussagen des „Altmeisters“ Bernecker:

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Die überbewrteten Aktienmärkte der USA als Bombe, die bald entschärft wird

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