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Aktien

Apple: Viel Dividende als Schmerzensgeld, aber wenig Zukunft..

Maue Zahlen, keine Zukunftsvision, stattdessen mehr Aktienrückkäufe und mehr Dividende: Apple ist nun das Unternehmen, das nominal am meisten Geld ausschüttet – das ist Schmerzensgeld für die grassierende Einfallslosigkeit von Tim Cook und den Seinen..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wir hatten gestern zeitnah nach Veröffentlichung der Apple-Zahlen darüber berichtet, dass sowohl Umsatz als auch die iPhone-Verkäufe enttäuschten. Vor allem im zweitwichtgisten Markt für Apple, China (geater china), gingen die Umsätze um 14% zurück – das ist der fünfte Quartalsrückgang in Folge. Der Grund: in China gibt es immer mehr leistungsfähige Smartphones zu deutlich geringeren Preisen, mithin stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis der iPhones in China nicht.

Alles dreht sich bei Apple nur noch um das iPhone – die Umsätze des mit weitem Abstand folgenden zweitwichtigste Apple-Produkts, das iPad, gehen seit sage und schreibe 13 Quartalen kontinuierlich zurück. Zwar wächst Apple im Bereich Serviceleistungen („services“, darunter etwa der App Store) zweistellig – aber die Konkurrenz in diesen Bereichen ist sehr hoch (Netflix, Spotify, Samsung etc.), Apple ist hier in manchen Bereichen ein Nachzügler und wird niemals eine ähnliche Dominanz aufbauen können wie bei den iPhones.

Wie aber sieht die Zukuunft von Apple aus? Die Antwort lautet: die Kalifornier halten an ihrer konservativen Strategie fest, man erhöht einerseits die Dividende und kauft andererseits noch mehr eigene Aktien zurück. Das zeigt mehr als alles andere, wie weit Apple von wirklicher Innovation entfernt ist – man macht bessere Displays, bietet das iPhone in anderem Design an etc. Das aber ist „schnickschnack“, faktisch ist Apple damit schon längst „old school“!


Hat keine Zukunftsvision: Tim Cook
Foto: Valery Marchive, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Apple ist nun vor allem eine Divididenden-Aktie geworden – wer auf Visionen verzichten muß, hat also wenigstens dafür ein gewisses Schmerzensgeld. Die Dividende steigt von 57 Cents auf nun 63 Cents, womit Apple zwar nur eine Dividenden-Rendite von nur 1,72% hat, aber mit 13,2 Milliarden Dollar doch mehr Geld ausschüttet als jedes andere Unternehmen der Welt. Bisher war der Dividendenweltmeister Exxon Mobile, das 12,77 Milliarden Dollar an die Aktionäre zurück gibt – das jedoch mit einer Dividendenrendite von 3,75%. Exxon hat nun, trotz des niedrigen Ölpreises, das 35.Jahr in Folge die Dividende erhöht, Apple seit dem Jahr 2012, als man erstmals Dividenden zahlte, fünfmal.

Wie ratlos Apple als Unternehmen ist, zeigt die erneute Erhöhung des Aktien-Rückkauf-Programms, das man um 35 Milliarden Dollar erhöht, sodass bis Ende 2019 210 Milliarden Dollar in die eigenen Aktien investiert werden wird. Apple hat soviel Cash, und macht so wenig daraus: zu wenig Investitionen in Forschung und Entwicklung, zu wenig Investitionen etwa in Übernahmen von Unternehmen, die Apple zukunftsfähiger machen würden und die immense Abhängigkeit vom iPhone verringern könnten.

Und so verschläft Apple seine Zukunft, die Firma wirkt schon jetzt leicht angestaubt. Kreativität, so sieht es derzeit aus, beschränkt sich bei Tim Cook und den Seinen auf den Bereich Steuervermeidung, indem die angefallenen Gewinne in Irland gebucht werden, dem offshore-Vergnügungspark der EU..

20 Kommentare

20 Comments

  1. Avatar

    Rbird

    3. Mai 2017 13:43 at 13:43

    :-) ich nehme mal an, ein IPhone liegt nicht auf Ihrem Schreibtisch?. Ich gebe zu Innovationen kommen jetzt nicht gerade täglich vom Apple Band…. Aber mal anders dargestellt. Egal welche Firma, schafft es den schon, seine Produkte mit derart viel Marge und Kundentreue an den Mann und die Frau zu bringen?

    Der Preis für Apple ist definitiv am oberen Limit, aber der Support im Apple Store etc. bevorzuge ich noch immer vor der Android oder Windows Welt.

    Aber egal wie man es dreht Apple ist erfolgreich, was nicht jede Firma an der Börse von sich sagen kann, daher Daumen hoch auf eine (langweilige) stabile Dividenden Aktie.

  2. Avatar

    Marcus

    3. Mai 2017 14:35 at 14:35

    Die Dividende ist vollkommen unerheblich, das ist für mich kein Gradmesser. Akienrückkäufe erfolgen doch sowieso auf Pump, durch Ausgabe neuer Anleihen was wiederum die Verschuldung erhöht.

    Tatsache ist, das Geschäft bei Apple lahmt derzeit gewaltig, und die Firma ist viel zu abhängig von den i-Phone Verkäufen ! Cook muss neues liefern und nicht versuchen Steve Jobs Vermächtnis zu konservieren in der Hoffnung das schon irgendwann wieder bergauf geht.

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      PK

      3. Mai 2017 15:53 at 15:53

      übrigens gibt es Untersuchungen, die zeigen, daß Unternehmen die anfangen eigene Aktien zurückzukaufen ihren Zenith überschritten haben. Es wäre demnach langfristig eher ein Grund die Aktien zu VERkaufen.
      Es mag daran liegen, daß solche Unternehmen keine Idee mehr haben wie Sie durch neue Investitionen einen Mehrwert erzeugen können.

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    columbo

    3. Mai 2017 14:58 at 14:58

    Das Iphone ist schön und verführerisch, die Software läuft glatt, ist sicher und die Updates kommen regelmäßig. Das Androidchaos mit seiner Bloatware möchte ich nicht mehr erleben.
    Aber IOS ist auch etwas veraltet und umständlich. Wer häufig Daten auf den Pc und zurück kopieren will, hat’s nicht leicht. Die Bedienung von Itunes ist kompliziert und alles eher als intuitiv.
    Jetzt hängt wieder alles beim Iphone 8. Wehe es läuft nicht alles glatt wie bisher oder es passiert irgendwas(siehe Samsung)! Dann hat Apple keinen Plan B. Das IPhone kaufe ich mir sicher wieder, aber nicht die Aktie.

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      Wolfgang M.

      3. Mai 2017 19:22 at 19:22

      Columbo, merken Sie nicht den Widerspruch. „Das iPhone kaufe ich mir wieder, aber nicht die Aktie.“ Apple verdient an Ihrem Kauf zweimal soviel, wie Vw beim Verkauf eines 20000 € -Golfs einninmmt. Die Apple-Story ist demnach erst zu Ende, wenn Sie sagen: “ Nein, das iPhone ist es nicht mehr!“ Und natürlich für andere. Gruß

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        Columbo

        3. Mai 2017 19:45 at 19:45

        Für mich kein Widerspruch. Wenn das Iphone 8 Probleme macht, bekomme ich es ersetzt. Wenn es ein Flop wird, ist mir das egal. Bei der Aktie sieht das anders aus. Flop und/oder Probleme beim Iphone bedeuten Verluste, die ich von Apple nicht ersetzt bekomme.

        • Avatar

          Wolfgang M.

          3. Mai 2017 20:29 at 20:29

          Das iPhone hat einen Materialwert von vielleicht 150 $. Ein Ersatz ist für Apple kein Problem. Entscheidend sind die Nachfrage/Vorbestellungen für das iPhone 8. In meinem Bekanntenkreis haben viele ein iPhone, ein iPad, einen iMac und manche sogar eine iWatch. Selbst meine Lebensgefährtin hat alle Apple-Produkte und schwört kein anderes Handy haben zu wollen. Wenn also die Vorbestellungen für das iPhone 8 nicht einbrechen, kann bei der fast unmoralischen Gewinnmarge und den im nächsten Jahr auflaufenden 300 Mrd. $ -Cash Bestand „noch“ gar kein richtiger Crash
          kommen. Bei einer Kurshalbierung bekäme man Apple fast geschenkt. Übrigens: Ich habe kein iPhone und bin nicht voreingenommen. Gruß

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            Columbo

            3. Mai 2017 20:59 at 20:59

            Sie denken also, daß es weiter aufwärts geht mit der Aktie? Vielleicht haben Sie Recht, getrau mich aber nicht jetzt noch zu kaufen?

        • Avatar

          Wolfgang M.

          3. Mai 2017 22:33 at 22:33

          Noch ein Nachtrag. Ein Kurs-Sommerloch ist in diesem Jahr schon sehr wahrscheinlich, deshalb sollte man bei gut gelaufenen Werten mit Käufen m.E. etwas Geduld walten lassen. Zudem liegt das Damoklesschwert Rezession(USA) in der Luft und da wird man bald etwas mehr Klarheit bekommen. Gruß

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    Hobbyanleger

    3. Mai 2017 14:59 at 14:59

    Ein Beispiel für solche die Aktienanlagen als alternativlos (alternaivlos) betrachten,ein durch Aktienrückkäufe auf Kredit hochgepumpter Aktienkurs mit einer Rendite von 1,7% u.die ganze Anlagewelt kauft diese Risikobomben.Die CH Notenbank und andere Hedgefonds haben anscheinend tonnenweise von diesen Dingern im Depot .Wenn einer mal beginnt glattzustellen sind schnell 10 Jahresrenditen weg.Soll mir mal einer erklären warum man so etwas noch kauft.Aber diesmal ist ja alles anders.

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    Walter Schmid

    3. Mai 2017 15:17 at 15:17

    Man kann ein Produkt nicht ständig immer und immer wieder verbessern. Zumindest phasenweise sind hier Grenzen gesetzt. Und wenn sich Innovation nur mehr über die Veränderung eines Produktes und weniger in seiner Verbesserung zum Ausdruck bringt, wird es für Apple schwierig, seine Preise zu rechtfertigen.

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    sascha

    3. Mai 2017 15:27 at 15:27

    Andere haben kopiert , Apple hat kapiert.
    Abwarten.

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    gerd

    3. Mai 2017 15:38 at 15:38

    @Marcus und Hobbyanleger
    Apple verfügt über liquide Eigenmittel von weit
    über 250 Mrd.. Die suchen nach Anlage!

    Nachdem Sie jetzt beide von „Aktienrückkäufen auf Pump“ geschrieben haben, wird mir sicherlich wenigstens einer erklären können, was er darunter versteht.

    • Avatar

      gerd

      3. Mai 2017 17:02 at 17:02

      Korrektur: …über 200 Mrd.

  8. Avatar

    gerd

    3. Mai 2017 16:33 at 16:33

    @FMW:
    „Wie ratlos Apple als Unternehmen ist, zeigt die erneute Erhöhung des Aktien-Rückkauf-Programms, ….
    …Apple hat soviel Cash, und macht so wenig daraus“

    Das was ich jetzt antworte, schrieb ich ähnlich auch schon mal anlässlich des angekündigten Rückkaufprogramms der ALLIANZ.
    Bei beiden Unternehmen sind keine Dummköpfe in der Vorstandsetage. Im Gegensatz zu vielen anderen hier auf der Seite haben die offenbar sehr richtig und früh genug erkannt, dass eine Investition in Unternehmen (Aktien) unschlagbar ist.
    Und wenn es dann auch noch das eigene Unternehmen ist, was sie mithin am besten von allen kennen, sollte das eher ein Grund für Außenstehende sein, ebenfalls in ein solches Unternehmen zu investieren.

    Seitdem FMW sich das letzte Mal umfassend kritisch über einen auch damals angekündigten Aktienrückkauf bei Apple ausgelassen hat – vor über einem Jahr – stieg die Aktie locker um 30%.
    (Womit ich nicht sagen will, dass sich das jetzt wiederholen muss. Oder dass dadurch ab jetzt ein Rückwärtsgang ausgeschlossen ist).

    Schon eigenartig. Wenn ein einzelnes Mitglied aus der Führungsetage mal pflichtgemäß veröffentlicht, dass er selbst ein paar Aktien erworben hat, beflügelt das bei den anderen Anlegern auch sofort die Kursfantasie. Umgekehrt ist es, wenn bekannt wird, dass ein Führungsmitglied seine freigewordenen Boni-Belegschaftsaktien verkauft.
    Steigt hingegen das Unternehmen als solches aber volle Pulle in eigene Aktien ein, dann soll das von Ratlosigkeit zeugen!?

    Es mag schade sein, aber man kann es drehen wie man will. In allen möglichen Süppchen glaubte FMW stets Haare entdeckt zu haben.
    Aber die vielen Anlagehungrigen haben ihren Teller in der Vergangenheit immer noch schön brav leergemacht.
    Offenbar sogar mit zunehmendem Appetit.

  9. Avatar

    Hobbyanleger

    3. Mai 2017 16:50 at 16:50

    @Gerd ,wie Sie als anscheinend erfahrener Anleger wissen kann man trotz Eigenmitteln Schulden aufnehmen, das ist doch genau das Problem heute, Firmen die das Geld nicht bräuchten bekommen wegen der Sicherheit das Geld zu Nullzinsen,u. diejenigen die es bräuchten bekommen es nicht oder sehr teuer.Zudem ist doch der Zweck derAktienrückkäufe den Gewinn pro Aktie zu steigern,dass dann trotz diesem Kunsttrick bei Apple nur 1,7% Rendite bleibt sollte zu denken geben, NUR WARTEN BIS 1-2 DICKFISCHE GEWINNE MITNEHMEN !

    • Avatar

      gerd

      3. Mai 2017 17:32 at 17:32

      Das schließe ich wohlgemerkt keinesfalls aus, dass es auch richtig runter gehen kann – und sei es wegen ein paar Dickfisch.

      Ein wichtiger Hinweis noch:
      Die 1,7% sind die Dividendenrendite.
      Maßgeblich ist aber, in welcher Höhe sich das Kapital innerhalb des Unternehmens verzinst – gerade und erst recht wenn es darum geht, eigene Aktien zurückzukaufen. Ich mag es fast selbst nicht glauben, aber laut Tabelle auf
      http://www.finanztreff.de/apple-kennzahlen
      lag die in den Jahren 2012 bis 2016 zwischen 29% und 40%!
      Rentabler kann ein Unternehmen doch gar nicht arbeiten.
      Also investiert Apple sein Geld lieber bei sich selbst.
      Und das ist zumindest für mich total logisch und in keinster Weise auch nur ansatzweise negativ.

  10. Avatar

    Wolfgang Koch

    3. Mai 2017 17:10 at 17:10

    Mal was allgemeines.Apple hat 250 Milliarden an liquiden Eigenmitteln,Amazon,Google etc.etwas weniger.Wenn man die seit einiger Zeit gültigen Neugeldparameter zugrundelegt stellen diese Sümmchen doch eher Peanuts(Bankersprech!)dar!Schliesslich schufen die diversen Nuttenbanken etliche Billionen in der jüngeren Vergangenheit.

  11. Avatar

    Hobbyanleger

    3. Mai 2017 18:35 at 18:35

    @Gerd, komisch der Apple Kurs lag in der Zeit 2012- 2016 zwischen 40 u. 110 also bis zu 3 mal tiefer als heute, Warum wurde die Aktie zu diesen Preisen nicht mehr gekauft? ?Welchen Grund gibt es den Titel über 140 mit weniger Rendite zu kaufen? ? Bei dieser Aktie tanze ich nicht mehr am Ausgang ,da verlasse ich den Tanzsaal freiwillig u.verprasse das Geld im Vergnügungsviertel.Die einzige Rechtfertigung wäre, das hätte man vor drei Monaten auch schon sagen können,ich bin aber sicher, dass die genannten Dickfische irgendwann Kasse machen u.umschichten mit besseren CRV

    • Avatar

      gerd

      3. Mai 2017 20:01 at 20:01

      Hobbyanleger, ich stehe leider mit der Börsenpsychologie stark auf Kriegsfuß.
      Ich kann nur versuchen – möglichst wertfrei – die Fakten anzuführen, wie ich sie heute vorfinde.
      Unter betriebswirtschaftlichen/finanzmathematischen Gesichtspunkten.
      Also warum Apple in der von Ihnen genannten Zeit so niedrig stand? Ich weiß es nicht wirklich.

      Aber auch hierzu ein paar Fakten – wie ich sie noch in Erinnerung habe:
      Die Aktienindizes im allgemeinen waren auch alle niedriger. Dafür war das Zinsniveau für Alternativanlagen (Festverzinsliche) noch wesentlich höher, d.h. halbwegs normal.
      2012 spielte auch Griechenland schon (seit 2009/2010)
      eine große Rolle. Lehman von 2008 wirkte auch noch nach. Commerzbank wäre ohne Staatshilfe 2009/2010 wohl auch pleite gegangen.
      Die Zinsen für Italien und Spanien schossen 2012 nach oben. Im Sommer 2012 stand es ganz, ganz schlecht um Spanien. Das Umfeld sah bedrohlich aus.
      Draghi zog im Juli 2012 die Notbremse und versprach den Euro zu retten, ‚whatever it takes‘. Und so weiter und so fort.
      Harter Fakt ist auf jeden Fall, dass man eine einzelne Aktie niemals losgelöst vom Umfeld betrachten darf.

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Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

Veröffentlicht

am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Aktien

Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

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am

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

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Aktien

JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

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