Folgen Sie uns

Aktien

Apple: Viel Dividende als Schmerzensgeld, aber wenig Zukunft..

Maue Zahlen, keine Zukunftsvision, stattdessen mehr Aktienrückkäufe und mehr Dividende: Apple ist nun das Unternehmen, das nominal am meisten Geld ausschüttet – das ist Schmerzensgeld für die grassierende Einfallslosigkeit von Tim Cook und den Seinen..

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Wir hatten gestern zeitnah nach Veröffentlichung der Apple-Zahlen darüber berichtet, dass sowohl Umsatz als auch die iPhone-Verkäufe enttäuschten. Vor allem im zweitwichtgisten Markt für Apple, China (geater china), gingen die Umsätze um 14% zurück – das ist der fünfte Quartalsrückgang in Folge. Der Grund: in China gibt es immer mehr leistungsfähige Smartphones zu deutlich geringeren Preisen, mithin stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis der iPhones in China nicht.

Alles dreht sich bei Apple nur noch um das iPhone – die Umsätze des mit weitem Abstand folgenden zweitwichtigste Apple-Produkts, das iPad, gehen seit sage und schreibe 13 Quartalen kontinuierlich zurück. Zwar wächst Apple im Bereich Serviceleistungen („services“, darunter etwa der App Store) zweistellig – aber die Konkurrenz in diesen Bereichen ist sehr hoch (Netflix, Spotify, Samsung etc.), Apple ist hier in manchen Bereichen ein Nachzügler und wird niemals eine ähnliche Dominanz aufbauen können wie bei den iPhones.

Wie aber sieht die Zukuunft von Apple aus? Die Antwort lautet: die Kalifornier halten an ihrer konservativen Strategie fest, man erhöht einerseits die Dividende und kauft andererseits noch mehr eigene Aktien zurück. Das zeigt mehr als alles andere, wie weit Apple von wirklicher Innovation entfernt ist – man macht bessere Displays, bietet das iPhone in anderem Design an etc. Das aber ist „schnickschnack“, faktisch ist Apple damit schon längst „old school“!


Hat keine Zukunftsvision: Tim Cook
Foto: Valery Marchive, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Apple ist nun vor allem eine Divididenden-Aktie geworden – wer auf Visionen verzichten muß, hat also wenigstens dafür ein gewisses Schmerzensgeld. Die Dividende steigt von 57 Cents auf nun 63 Cents, womit Apple zwar nur eine Dividenden-Rendite von nur 1,72% hat, aber mit 13,2 Milliarden Dollar doch mehr Geld ausschüttet als jedes andere Unternehmen der Welt. Bisher war der Dividendenweltmeister Exxon Mobile, das 12,77 Milliarden Dollar an die Aktionäre zurück gibt – das jedoch mit einer Dividendenrendite von 3,75%. Exxon hat nun, trotz des niedrigen Ölpreises, das 35.Jahr in Folge die Dividende erhöht, Apple seit dem Jahr 2012, als man erstmals Dividenden zahlte, fünfmal.

Wie ratlos Apple als Unternehmen ist, zeigt die erneute Erhöhung des Aktien-Rückkauf-Programms, das man um 35 Milliarden Dollar erhöht, sodass bis Ende 2019 210 Milliarden Dollar in die eigenen Aktien investiert werden wird. Apple hat soviel Cash, und macht so wenig daraus: zu wenig Investitionen in Forschung und Entwicklung, zu wenig Investitionen etwa in Übernahmen von Unternehmen, die Apple zukunftsfähiger machen würden und die immense Abhängigkeit vom iPhone verringern könnten.

Und so verschläft Apple seine Zukunft, die Firma wirkt schon jetzt leicht angestaubt. Kreativität, so sieht es derzeit aus, beschränkt sich bei Tim Cook und den Seinen auf den Bereich Steuervermeidung, indem die angefallenen Gewinne in Irland gebucht werden, dem offshore-Vergnügungspark der EU..

20 Kommentare

20 Comments

  1. Avatar

    Rbird

    3. Mai 2017 13:43 at 13:43

    :-) ich nehme mal an, ein IPhone liegt nicht auf Ihrem Schreibtisch?. Ich gebe zu Innovationen kommen jetzt nicht gerade täglich vom Apple Band…. Aber mal anders dargestellt. Egal welche Firma, schafft es den schon, seine Produkte mit derart viel Marge und Kundentreue an den Mann und die Frau zu bringen?

    Der Preis für Apple ist definitiv am oberen Limit, aber der Support im Apple Store etc. bevorzuge ich noch immer vor der Android oder Windows Welt.

    Aber egal wie man es dreht Apple ist erfolgreich, was nicht jede Firma an der Börse von sich sagen kann, daher Daumen hoch auf eine (langweilige) stabile Dividenden Aktie.

  2. Avatar

    Marcus

    3. Mai 2017 14:35 at 14:35

    Die Dividende ist vollkommen unerheblich, das ist für mich kein Gradmesser. Akienrückkäufe erfolgen doch sowieso auf Pump, durch Ausgabe neuer Anleihen was wiederum die Verschuldung erhöht.

    Tatsache ist, das Geschäft bei Apple lahmt derzeit gewaltig, und die Firma ist viel zu abhängig von den i-Phone Verkäufen ! Cook muss neues liefern und nicht versuchen Steve Jobs Vermächtnis zu konservieren in der Hoffnung das schon irgendwann wieder bergauf geht.

    • Avatar

      PK

      3. Mai 2017 15:53 at 15:53

      übrigens gibt es Untersuchungen, die zeigen, daß Unternehmen die anfangen eigene Aktien zurückzukaufen ihren Zenith überschritten haben. Es wäre demnach langfristig eher ein Grund die Aktien zu VERkaufen.
      Es mag daran liegen, daß solche Unternehmen keine Idee mehr haben wie Sie durch neue Investitionen einen Mehrwert erzeugen können.

  3. Avatar

    columbo

    3. Mai 2017 14:58 at 14:58

    Das Iphone ist schön und verführerisch, die Software läuft glatt, ist sicher und die Updates kommen regelmäßig. Das Androidchaos mit seiner Bloatware möchte ich nicht mehr erleben.
    Aber IOS ist auch etwas veraltet und umständlich. Wer häufig Daten auf den Pc und zurück kopieren will, hat’s nicht leicht. Die Bedienung von Itunes ist kompliziert und alles eher als intuitiv.
    Jetzt hängt wieder alles beim Iphone 8. Wehe es läuft nicht alles glatt wie bisher oder es passiert irgendwas(siehe Samsung)! Dann hat Apple keinen Plan B. Das IPhone kaufe ich mir sicher wieder, aber nicht die Aktie.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      3. Mai 2017 19:22 at 19:22

      Columbo, merken Sie nicht den Widerspruch. „Das iPhone kaufe ich mir wieder, aber nicht die Aktie.“ Apple verdient an Ihrem Kauf zweimal soviel, wie Vw beim Verkauf eines 20000 € -Golfs einninmmt. Die Apple-Story ist demnach erst zu Ende, wenn Sie sagen: “ Nein, das iPhone ist es nicht mehr!“ Und natürlich für andere. Gruß

      • Avatar

        Columbo

        3. Mai 2017 19:45 at 19:45

        Für mich kein Widerspruch. Wenn das Iphone 8 Probleme macht, bekomme ich es ersetzt. Wenn es ein Flop wird, ist mir das egal. Bei der Aktie sieht das anders aus. Flop und/oder Probleme beim Iphone bedeuten Verluste, die ich von Apple nicht ersetzt bekomme.

        • Avatar

          Wolfgang M.

          3. Mai 2017 20:29 at 20:29

          Das iPhone hat einen Materialwert von vielleicht 150 $. Ein Ersatz ist für Apple kein Problem. Entscheidend sind die Nachfrage/Vorbestellungen für das iPhone 8. In meinem Bekanntenkreis haben viele ein iPhone, ein iPad, einen iMac und manche sogar eine iWatch. Selbst meine Lebensgefährtin hat alle Apple-Produkte und schwört kein anderes Handy haben zu wollen. Wenn also die Vorbestellungen für das iPhone 8 nicht einbrechen, kann bei der fast unmoralischen Gewinnmarge und den im nächsten Jahr auflaufenden 300 Mrd. $ -Cash Bestand „noch“ gar kein richtiger Crash
          kommen. Bei einer Kurshalbierung bekäme man Apple fast geschenkt. Übrigens: Ich habe kein iPhone und bin nicht voreingenommen. Gruß

          • Avatar

            Columbo

            3. Mai 2017 20:59 at 20:59

            Sie denken also, daß es weiter aufwärts geht mit der Aktie? Vielleicht haben Sie Recht, getrau mich aber nicht jetzt noch zu kaufen?

        • Avatar

          Wolfgang M.

          3. Mai 2017 22:33 at 22:33

          Noch ein Nachtrag. Ein Kurs-Sommerloch ist in diesem Jahr schon sehr wahrscheinlich, deshalb sollte man bei gut gelaufenen Werten mit Käufen m.E. etwas Geduld walten lassen. Zudem liegt das Damoklesschwert Rezession(USA) in der Luft und da wird man bald etwas mehr Klarheit bekommen. Gruß

  4. Avatar

    Hobbyanleger

    3. Mai 2017 14:59 at 14:59

    Ein Beispiel für solche die Aktienanlagen als alternativlos (alternaivlos) betrachten,ein durch Aktienrückkäufe auf Kredit hochgepumpter Aktienkurs mit einer Rendite von 1,7% u.die ganze Anlagewelt kauft diese Risikobomben.Die CH Notenbank und andere Hedgefonds haben anscheinend tonnenweise von diesen Dingern im Depot .Wenn einer mal beginnt glattzustellen sind schnell 10 Jahresrenditen weg.Soll mir mal einer erklären warum man so etwas noch kauft.Aber diesmal ist ja alles anders.

  5. Avatar

    Walter Schmid

    3. Mai 2017 15:17 at 15:17

    Man kann ein Produkt nicht ständig immer und immer wieder verbessern. Zumindest phasenweise sind hier Grenzen gesetzt. Und wenn sich Innovation nur mehr über die Veränderung eines Produktes und weniger in seiner Verbesserung zum Ausdruck bringt, wird es für Apple schwierig, seine Preise zu rechtfertigen.

  6. Avatar

    sascha

    3. Mai 2017 15:27 at 15:27

    Andere haben kopiert , Apple hat kapiert.
    Abwarten.

  7. Avatar

    gerd

    3. Mai 2017 15:38 at 15:38

    @Marcus und Hobbyanleger
    Apple verfügt über liquide Eigenmittel von weit
    über 250 Mrd.. Die suchen nach Anlage!

    Nachdem Sie jetzt beide von „Aktienrückkäufen auf Pump“ geschrieben haben, wird mir sicherlich wenigstens einer erklären können, was er darunter versteht.

    • Avatar

      gerd

      3. Mai 2017 17:02 at 17:02

      Korrektur: …über 200 Mrd.

  8. Avatar

    gerd

    3. Mai 2017 16:33 at 16:33

    @FMW:
    „Wie ratlos Apple als Unternehmen ist, zeigt die erneute Erhöhung des Aktien-Rückkauf-Programms, ….
    …Apple hat soviel Cash, und macht so wenig daraus“

    Das was ich jetzt antworte, schrieb ich ähnlich auch schon mal anlässlich des angekündigten Rückkaufprogramms der ALLIANZ.
    Bei beiden Unternehmen sind keine Dummköpfe in der Vorstandsetage. Im Gegensatz zu vielen anderen hier auf der Seite haben die offenbar sehr richtig und früh genug erkannt, dass eine Investition in Unternehmen (Aktien) unschlagbar ist.
    Und wenn es dann auch noch das eigene Unternehmen ist, was sie mithin am besten von allen kennen, sollte das eher ein Grund für Außenstehende sein, ebenfalls in ein solches Unternehmen zu investieren.

    Seitdem FMW sich das letzte Mal umfassend kritisch über einen auch damals angekündigten Aktienrückkauf bei Apple ausgelassen hat – vor über einem Jahr – stieg die Aktie locker um 30%.
    (Womit ich nicht sagen will, dass sich das jetzt wiederholen muss. Oder dass dadurch ab jetzt ein Rückwärtsgang ausgeschlossen ist).

    Schon eigenartig. Wenn ein einzelnes Mitglied aus der Führungsetage mal pflichtgemäß veröffentlicht, dass er selbst ein paar Aktien erworben hat, beflügelt das bei den anderen Anlegern auch sofort die Kursfantasie. Umgekehrt ist es, wenn bekannt wird, dass ein Führungsmitglied seine freigewordenen Boni-Belegschaftsaktien verkauft.
    Steigt hingegen das Unternehmen als solches aber volle Pulle in eigene Aktien ein, dann soll das von Ratlosigkeit zeugen!?

    Es mag schade sein, aber man kann es drehen wie man will. In allen möglichen Süppchen glaubte FMW stets Haare entdeckt zu haben.
    Aber die vielen Anlagehungrigen haben ihren Teller in der Vergangenheit immer noch schön brav leergemacht.
    Offenbar sogar mit zunehmendem Appetit.

  9. Avatar

    Hobbyanleger

    3. Mai 2017 16:50 at 16:50

    @Gerd ,wie Sie als anscheinend erfahrener Anleger wissen kann man trotz Eigenmitteln Schulden aufnehmen, das ist doch genau das Problem heute, Firmen die das Geld nicht bräuchten bekommen wegen der Sicherheit das Geld zu Nullzinsen,u. diejenigen die es bräuchten bekommen es nicht oder sehr teuer.Zudem ist doch der Zweck derAktienrückkäufe den Gewinn pro Aktie zu steigern,dass dann trotz diesem Kunsttrick bei Apple nur 1,7% Rendite bleibt sollte zu denken geben, NUR WARTEN BIS 1-2 DICKFISCHE GEWINNE MITNEHMEN !

    • Avatar

      gerd

      3. Mai 2017 17:32 at 17:32

      Das schließe ich wohlgemerkt keinesfalls aus, dass es auch richtig runter gehen kann – und sei es wegen ein paar Dickfisch.

      Ein wichtiger Hinweis noch:
      Die 1,7% sind die Dividendenrendite.
      Maßgeblich ist aber, in welcher Höhe sich das Kapital innerhalb des Unternehmens verzinst – gerade und erst recht wenn es darum geht, eigene Aktien zurückzukaufen. Ich mag es fast selbst nicht glauben, aber laut Tabelle auf
      http://www.finanztreff.de/apple-kennzahlen
      lag die in den Jahren 2012 bis 2016 zwischen 29% und 40%!
      Rentabler kann ein Unternehmen doch gar nicht arbeiten.
      Also investiert Apple sein Geld lieber bei sich selbst.
      Und das ist zumindest für mich total logisch und in keinster Weise auch nur ansatzweise negativ.

  10. Avatar

    Wolfgang Koch

    3. Mai 2017 17:10 at 17:10

    Mal was allgemeines.Apple hat 250 Milliarden an liquiden Eigenmitteln,Amazon,Google etc.etwas weniger.Wenn man die seit einiger Zeit gültigen Neugeldparameter zugrundelegt stellen diese Sümmchen doch eher Peanuts(Bankersprech!)dar!Schliesslich schufen die diversen Nuttenbanken etliche Billionen in der jüngeren Vergangenheit.

  11. Avatar

    Hobbyanleger

    3. Mai 2017 18:35 at 18:35

    @Gerd, komisch der Apple Kurs lag in der Zeit 2012- 2016 zwischen 40 u. 110 also bis zu 3 mal tiefer als heute, Warum wurde die Aktie zu diesen Preisen nicht mehr gekauft? ?Welchen Grund gibt es den Titel über 140 mit weniger Rendite zu kaufen? ? Bei dieser Aktie tanze ich nicht mehr am Ausgang ,da verlasse ich den Tanzsaal freiwillig u.verprasse das Geld im Vergnügungsviertel.Die einzige Rechtfertigung wäre, das hätte man vor drei Monaten auch schon sagen können,ich bin aber sicher, dass die genannten Dickfische irgendwann Kasse machen u.umschichten mit besseren CRV

    • Avatar

      gerd

      3. Mai 2017 20:01 at 20:01

      Hobbyanleger, ich stehe leider mit der Börsenpsychologie stark auf Kriegsfuß.
      Ich kann nur versuchen – möglichst wertfrei – die Fakten anzuführen, wie ich sie heute vorfinde.
      Unter betriebswirtschaftlichen/finanzmathematischen Gesichtspunkten.
      Also warum Apple in der von Ihnen genannten Zeit so niedrig stand? Ich weiß es nicht wirklich.

      Aber auch hierzu ein paar Fakten – wie ich sie noch in Erinnerung habe:
      Die Aktienindizes im allgemeinen waren auch alle niedriger. Dafür war das Zinsniveau für Alternativanlagen (Festverzinsliche) noch wesentlich höher, d.h. halbwegs normal.
      2012 spielte auch Griechenland schon (seit 2009/2010)
      eine große Rolle. Lehman von 2008 wirkte auch noch nach. Commerzbank wäre ohne Staatshilfe 2009/2010 wohl auch pleite gegangen.
      Die Zinsen für Italien und Spanien schossen 2012 nach oben. Im Sommer 2012 stand es ganz, ganz schlecht um Spanien. Das Umfeld sah bedrohlich aus.
      Draghi zog im Juli 2012 die Notbremse und versprach den Euro zu retten, ‚whatever it takes‘. Und so weiter und so fort.
      Harter Fakt ist auf jeden Fall, dass man eine einzelne Aktie niemals losgelöst vom Umfeld betrachten darf.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

weiterlesen

Aktien

Aktuell: Grenke veröffentlicht ausführliche Stellungnahme

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die Grenke AG (notiert im MDax) ist seit Tagen massiv unter Beschuss nach harten Manipulationsvorwürfen a la Wirecard (wir berichteten). Nachdem man die Vorwürfe bereits zurückwies, erfolgt ganz aktuell eine ausführliche Stellungnahme des Unternehmens. Hier zeigen wir die wichtigsten Passagen im Wortlaut. Vorab noch die Info, dass Grenke heute beschlossen hat, dass man ein Sondergutachten beim Wirtschaftsprüfer KPMG in Auftrag gibt, welches die massiven Vorwürfe entkräften soll. Nun geht es aber los, mit ausgewählten Passagen aus dem aktuellen Text von Grenke (hier in voller Länge).

Headline-Aussage:

Die GRENKE AG, globaler Finanzierungspartner für kleine und mittlere Unternehmen, weist auch nach genauer Prüfung des 64-seitigen Berichts von “Viceroy Research” die darin erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet. Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende der GRENKE AG: „Die Behauptungen in dieser sogenannten Analyse entbehren jeder Grundlage. Wir verwehren uns gegen jeglichen Vergleich mit Wirecard. Die Anschuldigungen eines Leerverkäufers, der mit dem von ihm ausgelösten Kursverfall Geld verdient, sind ein Schlag ins Gesicht unserer über 1.700 Mitarbeiter, unserer 40.000 Händler und unserer langfristig orientierten Aktionäre.“

Entscheidend – Vorwurf zu fehlenden Geldern:

Viceroy behauptet ferner, dass ein substanzieller Anteil von den im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesenen 1.078 Mio. Euro liquiden Mitteln nicht existiere. Diese Behauptung – einer der zentralen Vorwürfe von Viceroy – ist frei erfunden. 849 Mio. Euro, also fast 80 Prozent der liquiden Mittel, befanden sich zum 30.06.2020 auf Konten der Deutschen Bundesbank – wie im Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht. Am 15.9.2020 betrug das Guthaben bei der Bundesbank, wie bereits mitgeteilt, 761 Mio. Euro. Die Differenz von rund 20 Prozent befindet sich überwiegend auf Konten bei deutschen Großbanken.

Zum Franchise:

Viceroy unterstellt, dass die Franchise-Akquisitionen von GRENKE in der vergangenen Dekade mit nicht offengelegten verbundenen Parteien stattgefunden hätten und diese Beziehungen hätten offengelegt werden müssen. Das ist falsch.

Die GRENKE AG betont zudem, dass unter den Geschäftsführern der Franchise-Unternehmen durchaus ehemalige GRENKE-Mitarbeiter sind, diese aber alle spätestens mit Aufnahme ihrer Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer der Franchise-Unternehmen keine Rolle im GRENKE Konzern mehr innehatten.

Viceroy behauptet zudem, die von Grenke akquirierten Franchise-Unternehmen hätten keinen reellen und tangiblen Wert und seien „underperforming“. Dennoch tauchten sie in den Büchern des Konzerns mit Goodwill auf.

Dazu erläutert GRENKE: Die Franchise-Unternehmen werden gerade deshalb nach vier, fünf oder sechs Jahren akquiriert, weil sie dann schon ein gutes Händlernetz aufgebaut und gleichzeitig viel Potenzial haben. Es ist völlig normal, dass die Franchise-Unternehmen zum Zeitpunkt des Verkaufs als wachsende Start-ups noch Verluste machen.

Geldwäsche:

Viceroy stellt außerdem die Wirksamkeit der Geldwäsche-Prävention bei GRENKE in Frage. Als vermeintlicher Beleg dafür wird angeführt, dass drei GRENKE-Bank-Kunden Geldwäsche über ihre Konten bei der GRENKE Bank hätten betreiben können, obwohl die BaFin bereits rechtlich gegen sie vorging. Auch dieser Vorwurf ist falsch: Die regulatorisch vorgeschriebenen Prozesse für „Know your customer“ (KYC) und Anti-Money-Laundering (AML) werden bei GRENKE vollumfänglich umgesetzt und regelmäßig überprüft. Als KYC-Tool nutzt GRENKE ein leistungsfähiges System, das dem Branchenstandard entspricht und unter anderem von einer dreistelligen Zahl von Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls einsetzt wird.

Zentrale von Grenke
Firmengelände des Unternehmens. Foto: © GRENKE AG

weiterlesen

Aktien

Aktienmärkte: Großer Verfall – Optionen und mögliche Turbulenzen!

Heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden. Der große Verfall und die US-Tech-Aktien

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Für die Aktienmärkte ist heute der große Verfall der wahrscheinlich entscheidende Faktor – es verfallen Optionen und Futures mit Laufzeit September (siehe hierzu den heutigen Videoausblick „Großer Verfall – es steht viel auf dem Spiel“). Zuletzt war in den Finanzmedien vor allem das in den USA von Privatinvestoren gehandelte Volumen an Optionen (vor allem Calls auf die großen US-Tech-Aktien) ein großes Thema – und das zurecht!

Folgende besipielhafte Grafik zeigt, wie dieses hohe Volumen an Calls bei den Borkern/Verkäufern dieser Call-Optionen Käufe des jeweiligen underlyings ausgelöst hat – in der Grafik konkret illustriert anhand der Amazon-Aktie:

Großer Verfall: Der stark gestiegene Effekt der Optionen auf die Aktienmärkte

Grafik: Benn Eifert, https://twitter.com/bennpeifert

Man sieht: der Kauf von Call-Optionen auf die Amazon-Aktie hat letzlich den Verkäufer der Call-Optionen gezwungen, sein Risiko durch den Kauf der Amazon-Aktie abzusichern, nachdem die Amazon-Aktie angestiegen war (was ja bis Anfang September der Fall war). Aus 1500 Dollar, die ein Privakunde in Amazon-Calls investiert hatte, entstanden Käufe im Volumen von 230.000 Dollar der Amazon-Aktie durch den Broker/Verkäufer der Amazon Calls.

Es war offenkundig dieser Mechanismus, der die Aktienmärkte zuletzt stark beeinflußt hatte – und die extreme Rally der US-Tech-Werte vor Anfang September mit erklären kann.

Aktienmärkte und Call-Optionen bei US-Techaktien

Der Bestand von Call-Optionen auf Amazon war vor Anfang September regelrecht explodiert und betrug 48% der Marktkapitalisierung von Amazon:

Aktienmärkte und Amazon Call-Optionen

Noch krasser die Call-Bestände bei Tesla (380% der Marktkapitalisierung) – was den unter Bewertungsgesichtspunkten absurden Anstieg der Tesla-Aktie erklären hilft:

Tesla Call-OptionenCharts: @MacroCharts

Folgende Grafik zeigt, wie extrem die Call-Bestände auf die großen US-Tech-Aktien zuletzt angestiegen waren:

Aktienmärkte: Call-Optionen auf US-Tech-Aktien und großer Verfall

So weit so extrem. Aber was passiert, um das oben aufgeführte Beispiel der Amazon-Aktie zurück zu kommen, wenn die Optionen auf die einzelnen Aktien verfallen? (zu den Uhrzeiten des Verfalls auf einzelne Aktien siehe hier – Optionen auf die US-Indizes dagegen verfallen heute um 15.30Uhr deutscher Zeit)

Dann nämlich werden die Absicherungen des Brokers, der die Amazon-Aktie gekauft hatte um sein Risiko zu hedgen, im Grunde überflüssig (siehe die Grafik oben). Es könnte also eine große Verkaufswelle für die Aktienmärkte drohen – aber wir wissen eben nicht wirklich, wieviel der nun heute auslaufenden Call-Optionen bereits vor dem Verfall verkauft wurden! Möglich ist also, dass die Schwäche der großen US-Techaktien wie Amazon in den letzten Tagen bereits ein Zeichen dafür ist, dass die Broker die underlyings verkauft hatten!

So oder so: heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden! Oder eben auch nicht – vielleicht nämlich ist der größte Teil schon abgewickelt, Schieflagen inzwischen weitgehend bereinigt. Daher zitieren wir hier den Kaiser Beckenbauer: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho“!

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen