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Arbeitsagentur-Chef schlägt 100% subventionierte Jobs für Langzeitarbeitslose vor – die Sache hat einen Haken!

So wie auch das Bedingungslose Grundeinkommen zunächst verführerisch wirkt, so bringt es doch in der Praxis ganz reale Probleme mit sich. Genau so ist es mit dem ganz frischen Vorschlag, den der Chef der Bundesagentur für Arbeit...

FMW-Redaktion

So wie auch das Bedingungslose Grundeinkommen zunächst verführerisch wirkt, so bringt es doch in der Praxis ganz reale Probleme mit sich. Genau so ist es mit dem ganz frischen Vorschlag, den der Chef der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen Weise gegenüber der SZ geäußert hat. Langzeitarbeitslose sollte man nicht länger in „akademische Schulungsprogramme“ (die berühmen „Maßnahmen“) stecken, sondern ihnen lieber einen staatlich subventionierten Arbeitsmarkt für Langzeitarbeitslose schaffen.

Man solle also Jobs schaffen, die zu 100% vom Steuerzahler bezahlt würden. Logisch wäre es dann, dass diese Jobs 1:1 dem jetzigen Hartz4-Satz zuzüglich Wohnkosten entsprechen. Denn Weise sagt dazu, dass diese Jobs nicht viel teurer werden würden als jetzt ohnehin schon Hartz 4 plus die Wohnkosten. Also soll letztendlich der jetzt mit Hartz 4 versorgte Arbeitslose für das selbe Geld arbeiten. Nur was?

Dazu hat Weise auch schon Ideen. Ihm gehe es nur um den Teil der Langzeitarbeitslosen, die keine Qualifikation hätten. Sie hätten auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance. By the way… ist das ein Eingeständnis, dass die bisherigen Maßnahmen zur Weiterbildung nutzlos sind? Für die Betroffenen würde es genug Arbeit geben, unter anderem in gemeinnützigen Bereichen, kleinen Lebensgemeinschaften und Vereinen. So weit so gut.

Wo ist der Haken an der Sache?

Der Gedanke ist verlockend, denn in der Tat macht es mehr Sinn Menschen für Arbeit zu bezahlen als für das Nichtstun. Nur wo, wo verdammt nochmal könnte hier der Haken an der Sache sein? Überall, wo in einem freien Markt von staatlicher Seite zu stark eingegriffen wird, entsteht eine Verzerrung, die auch missbräuchlich ausgenutzt werden kann. Hier liegt das Problem bei den Arbeitgebern, die große leuchtende Augen bekommen könnten.

Nicht nur, dass Arbeitgeber aus dem Sozialbereich sofort massenhaft vom Staat komplett bezahlte Arbeiter rekrutieren könnten. Das wäre nämlich ein phantastischer Gratis-Ersatz für Arbeitnehmer, die die Arbeitgeber bisher selbst bezahlten mussten. Auch könnten Arbeitgeber aus anderen Branchen auf die Idee kommen Teile ihrer Firmen umzudeklarieren, damit sie Zugang zu solchen „Gratis-Arbeitnehmern“ erhalten. Denn wo immer der Staat Subventionen bietet, greift der Unternehmen sofort zu – das ist nur verständlich!

Um den Missbrauch zu verhindern, dass bisherige privat bezahlte Tätigkeiten auf 100% staatlich bezahlte Arbeiter umgeschichtet werden, müsste ein neues Bürokratie-Kontrollmonster geschaffen werden. Eine neue zu schaffene Behörde müsste zehntausende Arbeitgeber kontrollieren, ob die eingestellten Gratis-Arbeitnehmer den bisherigen „normalen“ Arbeitern nicht doch vielleicht ihren bisherigen Job weggenommen haben. Das dürfte bei der zukünftigen Entlohnung der jetzigen Hartz 4-Bezieher vor allem die extrem schlecht bezahlten Jobs treffen.

Arbeitgeber könnten zum Beispiel jetzigern „Hartzern“ anbieten ihnen zusätzlich zum 100% staatlich gezahlten Lohn eine Summe X obendrauf in schwarz zu zahlen. Damit könnte der Arbeitgeber bisherige einfache Tätigkeiten durch Hartzer machen lassen. Die wären durch das Schwarzgeld motiviert, und der Arbeitgeber spart insgesamt verdammt viel Geld. In die Röhre gucken die bisherigen Arbeitnehmer, die ihren Job verlieren. Aber halt, die können später ja als Langzeitarbeitslose auch in dieses „System“ einsteigen?

Martin Schulz, wenn er denn Kanzler wird, will lieber voll auf die normale Weiterbildung setzen, und diese sogar massiv ausbauen. Auch unter Angela Merkel ist wohl kaum ein künstlicher staatlicher Arbeitsmarkt zu erwarten, der letztlich nur Druck auf die unteren Einkommen ausübt. Vielleicht kann man diese Idee von Frank-Jürgen Weise auch als eine Art Abschieds-Joke auffassen? Er selbst geht nämlich gerade jetzt Ende März in den Ruhestand.


Frank-Jürgen Weise. Foto: Bundesagentur für Arbeit



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7 Kommentare

  1. DieHaken haben wir doch jetzt schon massiv: Ehrenamtlichkeit im Sozialbereich hat in den letzten Jahren, ganz massiv seit 2015, bereits zigtausende oft Vollzeitarbeitsplätze weggefressen und werden von den betreffenden Organisationen und NGO’s dem Staate fleissig verrechnet!

  2. Ganz ehrlich?
    Sollte man mich jemals dazu zwingen wollen, Sklavenähnlich Arbeit zu verrichten und dabei behilflich zu sein, den Lohn noch weiter zu drücken….
    werde ich LÜGEN
    werde ich BETRÜGEN
    werde ich SABOTIEREN

    Dieser Mann ist doch……

    1. da können Sie ja gleich Politiker werden ;-)

      1. DER war gut!

  3. Eine neue zu schaffene Behörde müsste zehntausende Arbeitgeber kontrollieren, ob die eingestellten Gratis-Arbeitnehmer den bisherigen „normalen“ Arbeitern nicht doch vielleicht ihren bisherigen Job weggenommen haben.
    Wieso? Diese neue Behörde könnte doch dann mit den zigtausend „normalen“ Arbeitern besetzt werden, die ja dann wiederum dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden. Nach einer zweiwöchigen akademischen Maßnahme wären die mindestens genauso gut qualifiziert wie das Gesindel, das sich derzeit in den Behörden tummelt und neben anderem Blödsinn auch solche Ideen ausbrütet.
    Mit deren Steuern könnte man das Ganze zum Großteil gegenfinanzieren. Schlimmstenfalls müssten die restlichen Steuerzahler, denen es ohnehin viel zu gut geht, noch einen vertretbaren Prozentsatz drauflegen, was aber im Hinblick auf den gesamtwirtschaftlichen und -gesellschaftlichen Nutzen zu vernachlässigen wäre. Denn die Maßnahme würde zu einer beispiellosen Win-Win-Win-Win-Win-Situation führen:
    – geldgierige Arbeitgeber würden profitieren
    – die Harzter hätten wieder einen Sinn im Leben, denn Arbeit, nicht Geld macht frei
    – die Bundesregierung könnte sich im Erfolg suhlen (v. a. im Hinblick auf anstehende Wahlen)
    – die Statistiken wären brillant
    – die Börsen hätten ein weiteren Grund, komplett durchzudrehen

  4. So langsam wirds ja heftig..auf was für kranke Ideen kommt man denn noch. Ist höchste Zeit, dass mal alle ihre Arbeit niederlegen und das System auf Null zurückgesetzt wird!!!! Jetzt liest man wieder von Deutschkursen für 400 Millionen Euro….Lehrer unqualifiziert, Teilnehmer blieben ausserdem dem Unterricht zunehmend fern….die Müll den man liest, wird von Tag zu Tag grösser!!!!
    Heute subventioniert man ja schon Langzeitarbeitslose über Jahre…mit wohl bis zu 75% den Lohnes . Der Steuerzahler subventioniert damit Löhne und die Chefs füllen sich die Taschen.

  5. Dann wird versucht Langzeitarbeitslose einen Job machen zu lassen, für den sie nicht ausgebildet sind. Und wie Sieht es mit dem Mindestlohn aus. Bei einem Mindestlohn von 8,50€ in der Stunde ist maximal ein Halbtagsjob drin. Und wie sieht es mit den Zuverdienst Möglichkeiten aus? Jeder ALG2 Bezieher kann 100 Euro dazuverdienen und dann von 100 bis 1000 Euro 20% des Verdienstes. Was ist mit jenen, die sich durch einen Minijob auf 450€ Basis Ihre Einkommenssituation aufbessern? Müssen diese, um einen 0€ Job nachzugehen auf Ihren zuverdienst verzichten, wenn dieses Zeitlich nicht passt?
    Ich glaube die Bereitschaft der Langzeitarbeitslosen ohne Lohn oder Gehalt zu arbeiten ist nahe Null.
    Wenn ich so einen Job nicht haben möchte, dann werden halt absichtlich Fehler gemacht. Fehler, die einem Chef mehr Geld kosten kann als er einspart. Stell dich Doof und dir geht es gut.
    Auf der anderen Seite ist es aber so, dass viele Menschen für weniger als Harz4 arbeiten gehen. Viele Facharbeiter, die Familie und Kinder haben liegt der Verdienst unter dem Harz4 Satz. Teilweise leben diese Menschen aus Idealismus so oder aber weil sie es nicht wissen.
    Sollte dieser Vorschlag durchgesetzt werden, wird er in ein paar Monaten eingestellt, weil die Arbeitslosen nicht mitspielen, oder aber in 4-5 Jahren wenn der massenhafte Missbrauch bekannt wird. In jedem Fall aber eine Schnapsidee.

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