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Arbeitskräftenachfrage durch Demographie-Wandel: Das spricht dagegen…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Es ist das große arbeitsmarktpolitische Thema der nächsten Jahre. Deutschland hat aufgrund des Demographie-Wandels eine Lücke von jährlich 500.000 Menschen, die durch Zuwanderung gefüllt werden muss, so die These vieler Ökonomen. Ob die Lücke wirklich so groß sein wird oder ob es sie überhaupt geben wird, diese Frage hat noch niemand gestellt. Alle scheinen sich irgendwie einig zu sein, dass sich in solchen Dimensionen eine Lücke Jahr für Jahr neu auftun wird.

Das Weltwirtschaftsforum hat heute eine Studie veröffentlicht. 5 Millionen Arbeitsplätze sollen bis 2020 in den Industrieländern wegfallen durch die rasant fortschreitende Automatisierung. Und hierbei geht es diesmal nicht um die Automatisierung in der Industrie – hier ist momentan das Potenzial für Entlassungen ausgeschöpft. In den nächsten 5 Jahren geht es darum Personal in Büros einzusparen. Vorgänge werden nicht mehr nach Osteuropa oder Indien outgesourct, sondern gleich ganz automatisiert.

Diese Zahl 5 Millionen Menschen in 5 Jahren durch Automatisierung zu ersetzen basiert auf einer Umfrage bei den weltweit 350 größten Unternehmen. Das bedeutet: Diese 5 Mio beziehen sich nur auf die größten Konzerne, wovon in Deutschland nur eine Hand voll Unternehmen wie VW, Deutsche Bank und Co. gemeint sein dürften. Nimmt man den ganzen Mittelstand hinzu + die Serviceindustrie, Call-Center etc, reden wir über ganz andere Dimensionen. Und laut der Studie soll Deutschland ganz besonders stark von dieser Automatisierung der Bürowelt betroffen sein. Zitat Weltwirtschaftsforum:

„The Fourth Industrial Revolution, which includes developments in previously disjointed fields such as artificial intelligence and machine-learning, robotics, nanotechnology, 3-D printing, and genetics and biotechnology, will cause widespread disruption not only to business models but also to labour markets over the next five years, with enormous change predicted in the skill sets needed to thrive in the new landscape. This is the finding of a new report, The Future of Jobs, published today by the World Economic Forum.

The report is based on a survey of chief human resources officers and top strategy executives from companies across nine broad industry categories and covering 15 of the world’s largest economies. These are; Australia, Brazil, China, France, Germany, India, Italy, Japan, Mexico, South Africa, Turkey, the UnitedKingdom and the United States, plus the ASEAN and GCC groups. Together, these economies account for 65% of the global workforce. A major goal of the report is to analyse the impact of key drivers of change and provide specific information on the relative magnitude of these expected changes by industry and geography, and the expected time horizon for their impact to be felt on job functions, employment levels and skills.

In terms of overall impact, the report indicates that the nature of change over the next five years is such that as many as 7.1 million jobs could be lost through redundancy, automation or disintermediation, with the greatest losses in white-collar office and administrative roles. This loss is predicted to be partially offset by the creation of 2.1 million new jobs, mainly in more specialized “job families”, such as Computer and Mathematical or Architecture and Engineering.“

Laut der Studie sollen Frauen von dem Arbeitsplatzwegfall stärker betroffen sein als Männer, da sie anscheinend häufiger Bürotätigkeiten ausüben, und der Anteil von Männern in Berufen wie IT + Naturwissenschaft größer ist, welche weniger stark betroffen sein werden. Auf Deutsch: Bei IT und Co. wurde schon brutal rationalisiert, hier ist das Potenzial für Jobstreichungen kaum noch vorhanden. In den mittleren Büro-Etagen werden für den Arbeitsplatzabbau laut Studie u.a. diese Branchen genannt: Gesundheit, Energie und Finanzen.

Müßig zu spekulieren, wie viele Menschen in Deutschland in den nächsten 5 Jahren tatsächlich im Büro überflüssig werden, aber ist die Frage erlaubt, ob Deutschland wirklich eine Nachfragelücke von 500.000 Arbeitnehmern pro Jahr hat oder haben wird? Wie üblich wird der Trend zur Automatisierung wohl erst bemerkt werden, wenn er schon voll im Gange ist. Niemand weiß wie viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden um die Automatisierung der Zukunft zu „managen“. Also weiß heute niemand auch nur annähernd, was auf uns zukommt. Aber im Augenblick schwimmt die deutsche Ökonomen-Szene auf einer großen Welle namens „Demographie-Wandel“ + daraus resultierend „Arbeitskräfte-Bedarf“. Um es mal vorsichtig auszudrücken: Dies könnte eine zu einseitige Betrachtung der zukünftigen Arbeitswelt sein.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    leser

    18. Januar 2016 17:04 at 17:04

    Die Lücke durch demographischen Wandel ist vermutlich genauso ein von bestimmten Interessen gesteuerter Mythos wie die Aussage, die Rentenkassen machten Zuwanderung unbedingt erforderlich. Die Umstellung des Rentensystems von Kapitaldeckung auf Umlagefinanzierung war eine Tat Adenauers. Sie funktionierte nur solange, wie die Deutschen fleißig Nachwuchs produzierten und die Wirtschaft genügend Arbeitsplätze bot. Spätestens Anfang der 70-iger Jahre hätte ein Zurück zur Kapitaldeckung (ganz oder teilweise) erfolgen müssen. Die Politik geht meistens den Weg des geringsten Widerstandes und so produziert ein Fehler viele Folgefehler bis in die heutige Zeit. Irgendwann holt einen das immer ein.

    Wenn die Digitalisierung im prognostizierten Rahmen fortschreitet, wäre es jetzt an der Zeit, eine Maschinensteuer einzuführen.

  2. Avatar

    N.Ritter

    18. Januar 2016 23:46 at 23:46

    Im Sommer 2015 gab es die Schlagzeile: IAB schlägt Alarm – in den nächsten 35 Jahren schrumpft das Arbeitskräftepotential um 20 Prozent! Katastrophe!
    Wenn man es mal nachrechnet und annualisiert, stellt sich heraus, dass wir von heute bis 2050 jedes Jahr pro 100 Beschäftigte eine Halbtagskraft einsparen müssen, um den Kollaps des Arbeitsmarkt gerade noch so abzuwenden – das nimmt dann schon ein bisschen die Dramatik raus…
    @leser: das ist ein Irrtum. Auch bei einem Kapitaldeckungsverfahren werden die Sparbeiträge in der laufenden Periode volkswirtschaftlich „verbraucht“ und müssen die Erträge, von denen die Rentner leben wollen, in der später laufenden Periode erwirtschaftet werden – volkswirtschaftlich betrachtet, gibt es immer nur ein Umlageverfahren. Die Frage ist nur, wer die Umlagebeiträge aufbringt. Der große Charme der Kapitaldeckung (für den Unternehmenssektor) liegt darin, das man Arbeitgeber zwar gesetzlich verpflichten kann, Rentenbeiträge zu zahlen, aber kaum dazu, Dividenden auszuschütten.

  3. Avatar

    leser

    19. Januar 2016 15:41 at 15:41

    @N.Ritter
    Beide Verfahren (Kapitaldeckung/Umlageverfahren) haben Vor-und Nachteile. Sie haben insoweit recht, als ein Kapitaldeckungsverfahren nur dauerhaft funktionieren kann, wenn

    1. Sichergestellt wird, dass der Finanzminister unter keinen Umständen darauf zugreifen kann und

    2. Das Fiat-Geldsystem durch ein gedecktes Geldsystem ersetzt werden muss, damit Komplettzerstörung der Rücklagen mittels Hyperinflation/Krieg ausgeschlossen ist.

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Aktien

Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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