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Arbeitslosenquote 6,2%, offene Stellen 599.573, genug Platz für Flüchtlinge, und dann?

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Von Claudio Kummerfeld

Die Arbeitslosenquote in Deutschland ist im September (offiziell) im Vergleich zu August von 6,4 auf 6,2% zurückgegangen. So weit so gut!? Gleichzeitig ist die Zahl der offenen Stellen, die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet sind, weiter angestiegen. Vergleicht man die Zahlen von vor einem Jahr mit heute, sieht man Folgendes: Die Arbeitslosigkeit von 6,3 auf 6,2% gesunken, aber die Anzahl der bei der Arbeitsagentur gemeldeten offenen Stellen stieg um 11.000 auf aktuell 599.573. Also ist genug Platz für Flüchtlinge vorhanden. Und was kommt dann?

Frank-Jürgen Weise Arbeitslosenquote Flüchtlinge
Frank-Jürgen Weise ist als Chef der Bundesagentur für Arbeit nicht nur für offene Stellen und Arbeitsmarktförderung zuständig, sondern seit kurzem auch in Personalunion Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Foto: Bundesagentur für Arbeit

Platz für Flüchtlinge

Auf den ersten Blick sollte also genug Platz sein für Flüchtlinge, die möglichst schnell im Arbeitsmarkt integriert werden sollen. Bei ca. 1 Mio Flüchtlingen, die dieses Jahr nach Deutschland kommen, kann man, wenn man den Anteil der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Bevölkerung in Deutschland vergleicht, mit grob geschätzt 500.000 Flüchtlingen rechnen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen werden. Rausgerechnet sind hier Kinder und Jugendliche, Ältere über 65 sowie die Familienmitglieder, die sich um den Haushalt kümmern und daher dem Arbeitsmarkt nicht zurechenbar sind.

Arbeitslosenquote aktuell
Die heute veröffentlichten Daten zum Arbeitsmarkt im September mit Vergleichen zu Vormonaten und Vorjahr. Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Die Zahl der offenen Stellen pendelt Jahr für Jahr auf diesem hohen Niveau von 500.000 und mehr, und Politik wie Arbeitsagentur verkünden daher regelmäßig, dass der deutsche Arbeitsmarkt die hier ankommenden Flüchtlinge gut und schnell integrieren kann. Es ist müßig darüber Vermutungen anstellen zu wollen, wie viel % der in den letzten Monaten angekommenen Flüchtlinge tatsächlich hochqualifiziert sind, wie viele gering oder gar nicht qualifiziert, denn niemand weiß es genau. Detailliert hierzu kann man erst etwas sagen, wenn große Teile von ihnen in 2016 in den Arbeitsagenturen registriert und auch ihre Qualifikationen dort erfasst werden.

Aber zurück zu den großen Zahlen. Gut 600.000 offene Stellen (92% davon sind sofort besetzbar) stehen also (ganz grob geschätzt) 500.000 in diesem Jahr neu zum Arbeitsmarkt hinzu gekommene Flüchtlinge gegenüber. Theoretisch müsste es also möglich sein alle oder zumindest einen großen Teil von ihnen mit diesen offenen Stellen zu versorgen, bei entsprechender Nachqualifizierung, Deutschkurse etc. Eine Frage entsteht aber automatisch. Wenn Jahr für Jahr die Zahl der offenen Stellen in Deutschland so hoch ist und der Arbeitsmarkt so robust, warum waren Politik und vor allem die Arbeitsagentur bisher nicht in der Lage die offenen Stellen mit den schon vorhandenen Arbeitslosen (offiziell 2,7, tatsächlich eher 3,5 Mio?) zu besetzen? Diese Frage sollte man sich unabhängig von Sozialneid, Ressentiments und verstecktem Rassismus gegenüber den Flüchtlingen stellen. Jedes Jahr werden Milliarden in Qualifizierungsmaßnahmen gesteckt, in Umschulungen uvm. Schon längst hätte die Zahl der offenen Stellen deutlich reduziert werden müssen.

Wieso gibt es so viele offene Stellen?

Die Bundesagentur für Arbeit schreibt zu ihren Fortbildungsmaßnahmen heute:

„Im September 2015 haben nach vorläufigen Daten 763.000 Personen an einer vom Bund oder der Bundesagentur für Arbeit geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teilgenommen. Das waren 5 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Förderung durch Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik lag damit bezogen auf die Summe der aktivierbaren Personen geringfügig unter dem Niveau des Vorjahres (-0,2 Prozentpunkte). Die geförderten Personen verteilen sich fast hälftig auf beide Rechtskreise. 385.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung gefördert, 378.000 haben an Maßnahmen teilgenommen, die aus Mitteln der Grundsicherung für Arbeitsuchende finanziert wurden. Mit 153.000 Geförderten und einem Anteil von 20 Prozent an allen Teilnehmenden waren Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung die größte Maßnahmengruppe.“

Also ein Heer von Menschen, die fortlaufend weiterqualifiziert werden. Warum gibt es dann immer noch so viele unbesetzte Stellen? Sind Arbeitsagentur & Jobcenter einfach dafür zu inkompetent? Oder sind viele der von der Industrie nachgefragten Jobs, die nicht besetzt werden können, mit so hohen Anforderungen verbunden, dass es nicht machbar ist einen Langzeitarbeitslosen mal eben „nachzuschulen“? Wohl eine Mischung aus beidem. Aber nehmen wir mal an ein großer Teil der ankommenden Flüchtlinge kann mit diesen offenen Stellen versorgt und somit im Arbeitsmarkt untergebracht werden. Das wäre gut für alle Seiten. Mehr Steueraufkommen, mehr Konsum, zufriedene Flüchtlinge usw. Doch zwei Probleme folgen, auf die die Politik eine Antwort geben muss.

1.
Deutschland steht an der obersten Kante der Konjunkturkurve. Viele andere Industrienationen- und Regionen rutschen bereits in die Rezession (Japan) oder stehen kurz davor (China), in anderen wie den USA verdüstern sich die Industriedaten immer weiter. Noch jubelt man in Deutschland über Exportrekorde und Steuereinnahmen in Rekordhöhe, aber nach jedem extremen Hoch im Konjunkturzyklus kommt der Einbruch, und Deutschland ist einer der letzten, der noch oben ist. Woher also zusätzliche Arbeitsplätze nehmen, wenn in 2016, 2017 und 2018 es eher bergab geht? Man erinnere sich, wie schnell hunderttausende Jobs in der deutschen Industrie ab 2008 nur mit Kurzarbeitergeld und Abwrackprämie am Leben gehalten werden konnten. Das kam quasi über Nacht.

2.
Nehmen wir an es gelingt wirklich einen Großteil von Flüchtlingen mit den offenen Stellen zu vesorgen und z.B. Mitte 2016 sinkt die Zahl der offenen Stellen von 600.000 auf 200.000, nur mal angenommen! Wenn nächstes Jahr erneut 1 Mio oder mutmaßlich noch mehr Flüchtlinge kommen, mit welchen Arbeitsplätzen möchte man sie dann versorgen, wenn schlicht und einfach keine mehr zu „vergeben“ sind? Die Möglichkeiten wären dann: Der Staat subventioniert neue zusätzliche Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft, oder er schafft selbst zusätzliche Jobs, oder die Flüchtlinge landen im Hartz 4-System. Das ist kein Horrorszenario und auch keine Verschwörungstheorie, sondern ein realwirtschaftliches Problem, das auf uns zukommt. Es liegt an der Politik auf diese Frage eine Antwort zu präsentieren, wie auch immer diese aussieht. Das ist ihr Job!


7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Sabine

    30. September 2015 12:18 at 12:18

    – Seit 50 Jahren muß unsere Regierung der „Atlantikbrücke“ gehorchen.
    – Die USA puschen die Einwanderung mit Kriegen und Destabilisierung in Nahost, mit fluchthelfer.in, mit Unterstützung der Schlepperbanden, mit Mediengeschmeiß, mit Druck auf alle Eu-Regierungen. Fast alle Politiker schauen nur auf ihren Job und Karriere. Und der, der was sagt, kriegt einen auf die Klappe. Genau das ist die ganze Situation. Warum sonst müssen wir uns vom Ausland sagen lassen, daß wir verrückt sind? Wir sind nicht verrückt, sondern gehorsam gegenüber Deutschland-Besatzern! Das ist alles.
    – Jetzt gehts rund sagte der Vogel und flog in den Ventilator.

  2. Avatar

    winni

    30. September 2015 13:00 at 13:00

    Der Artikel greift etwas zu kurz meines Erachtens. Es fehlen noch folgende Fakten in der Betrachtung:
    – Ein Großteil der jetzigen Arbeitslosen ist entweder nicht arbeitswillig oder schlicht nicht vermittelbar. Förderungsmaßnahmen sind aufgezwungene Aktionen, um die Zahlung weiterer Unterstützung zu sichern. Diese Menschen fallen somit aus der Betrachtung. Das ist leider so.
    – Die offenen Stellen setzen sich zumeist aus Stellen im Niedriglohnsektor zusammen. Daher ist deren Besetzung so schwierig.
    – Die Betrachtung des demografischen Wandels in Deutschland wird nicht berücksichtigt. Wer soll in den nächsten Jahren die Stellen im Niedriglohnsektor abdecken? Nicht ohne Grund werden Stimmen laut, die ein Absenken des Mindestlohns fordern. Das wird letztlich die Entwicklung sein. Der Niedriglohnsektor wird noch etwas niedriger und von den vielen Menschen abgedeckt werden, die schlecht oder gar nicht qualifiziert sind. Die minder qualifizierten werden weiterqualifiziert und decken die Verrentung ab. Die wirtschaftliche Entwicklung (Konjunktureinbruch) wird hier das nötige Argumentationspotential für Wirtschaft und Politik schaffen.
    – Letztlich bewegen wir uns hier in Deutschland, aber auch in Europa amerikanischen Verhältnissen entgegen. Die Gesellschaft spaltet sich in die Gutverdiener (Qualifizierte) und in die Geringverdiener. Diese werden ihr Auskommen über mehrere Teilzeitjobs bewerkstelligen müssen. Damit wird die Produktivität deutlich wachsen. Der gesellschaftliche Sprengstoff ist m. E. nicht absehbar und wird sich irgendwann entladen.
    Schauen wir mal………

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    Steven

    30. September 2015 13:21 at 13:21

    500.000 von 1 mio sind arbeitsmarktfähig ?

    WAT ?! Selbst die Nahles hat gut kurzem von maximal 10% gesprochen !
    Wenn DIE das jetzt schon weis und verkündet darf man getrost von Propaganda ausgehen.

    Also rechnen wir mal lieber mit der Hälfte also 5%!

    Btw welche Lehrer unterrichten denn mal eben 1 mio Flüchtlinge ..und wie lange dauert es bis die nicht nur Alltagssprache können sondern Berufsspezifisch zumindest auf eine 3 kommen !? 1 Jahr …2 Jahre ? …ä nein !

    Und wollen wirklich 500000 Flüchtlinge in Pflegeheimen arbeiten ? …ganz sicher nicht!

    Ingenieure und Ärzte und Pfleger . das sind 90% der offenen Stellen .
    …und Ärzte werden in Krisenregionen bestimmt nötiger gebraucht als in D.

    Die Problemwelle die sich hier anbahnt ist ungleich grösser als Politik und Medien uns vormachen. Das wird die nächsten 10 Jahre beeinflussen.mindestens !

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    jugen

    30. September 2015 13:50 at 13:50

    Nee, ne was für eine Verarsche…

    „Auf die offiziellen Zahlen der Leistungsbezieher, veröffentlicht im BA-Bericht (Tabellen ab S. 51), möchten „Weise“ offensichtlich nicht eingehen.

    Verständlich…

    795.612 Menschen erhielten im Juli Arbeitslo­sen­geld I (Juni 2015: 758.979), 4.407.161 mußten mit Hartz IV (ALG II) überleben (Juni 2015: 4.418.385). Zusammen sind das 5.202.773 ALG-Bezieher im Juli 2015. Weitere 1.730.141 Menschen erhielten Sozi­al­geld (Juni 2015: 1.732.854).
    Das sind zusammen 6.932.914 Leistungsempfänger (Juni 2015: 6.910.218).

    Doch selbst diese Zahl zeigt noch nicht das wahre Ausmaß, denn hinzu kommen noch die Bezieher von Wohn­geld, von Kinderzuschlag oder von Sozi­al­hilfe nach SGB XII, die ohne diese Leistungen in Hartz IV fallen könnten. Ganz abgesehen davon, daß im BA-Bericht ständig von Untererfassung, Schätzungen und Hochrechnungen gefußnotet wird.

    Hinzu kommen laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) weitere 3,1 bis 4,9 Millionen Leistungsberechtigte, die aber keine Grundsicherung beantragen. Bis zu fünf Millionen Menschen verzichten also auf das ihnen zustehende Hartz IV – entweder aus Scham oder weil sie sich das entwürdigende Prozedere in den sogenannten Jobcentern nicht antun wollen.

    Weitere 3.588.857 Menschen waren laut BA-Bericht im Juli 2015 „unterbeschäftigt“ (ohne Kurzarbeit) (Juni 2015: 3.568.690).

    Den Millionen von Arbeitslosen standen laut BA im Juli mal gerade 588.677 offene Arbeitsstellen gegenüber, über deren Qualität sich in vielen Fällen weiterhin trefflich streiten läßt.
    Klaus Wallmann sen.“
    http://www.randzone-online.de/?p=26071

    Wir haben in Deutschland mindestens 12 Millionen Arbeitssuchende. Davon bestimmt 8 Millionen die aktuell Arbeitslos sind.

    Wie kann dieser Typ und auch noch mit dem Nachnamen, so dämlich sein?

    Der Eindruck, der sich immer mehr verfestigt ist – wir werden maximal verarscht.

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    Pierre

    30. September 2015 14:48 at 14:48

    Wie immer alles schön rechnen….vielleicht mal ohne Goldman-Sachs ….und dann laufen lassen ….fressen muss die Kröte dann ein anderer und der kommt dann wieder mit seinen Experten und erzählt warum wieder einmal alles anders war…die Kosten bleiben wie immer beim blödestem im Spiel…wer das ist? Der ohne Stimme! Der Steuerzahler! Zeit für ein neues System!

  6. Avatar

    Tom

    30. September 2015 14:58 at 14:58

    Wenn man noch bedenkt das Autobauer mit Hochdruck am selbstfahrenden Auto basteln und das es schon erste
    Rohstoffexplorer gibt deren Großlaster keinen Fahrer mehr brauchen dann haben wir allein in der Logistikbranche in den nächsten 10 Jahren mit wieviel Entlassungen zu rechnen???

  7. Avatar

    anna

    12. März 2017 23:07 at 23:07

    Jeder Mensch hierzulande der schon mal arbeitslos gewesen ist und hochqualifiziert weiss, dass das nicht stimmen kann.

    Das ist eine große Lüge, die auch dafür sorgt, dass sich die Arbeitslosen und Bewerber schlecht fühlen.

    Wer mal einen job gesucht hat, weiss dass die ganzen Jobportale im Netz eine Vielfalt suggerieren aber überall die selben Jobs zu finden sind

    Aber vieles um nicht zu sagen fast alle der Angebote sind FAKE sie existieren gar nicht sondern dienen perversen MARKETINGZWECKEN um Wachstum zu suggerieren

    Keiner prüft nach ob es die Stellen überhaupt gibt und ob jemand danach eingestellt wurde

    Und selbst die Agentur für Arbeit prüft nicht sondern nimmt die Massenflut an Stellenausschreibungen auf und am Ende nach 2 Wochen werden diese Stellen wieder aufgenommen und da kommt keiner auf die Idee, dass da was nicht stimmen kann

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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