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Arbeitslosenquote 6,2%, offene Stellen 599.573, genug Platz für Flüchtlinge, und dann?

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Die Arbeitslosenquote in Deutschland ist im September (offiziell) im Vergleich zu August von 6,4 auf 6,2% zurückgegangen. So weit so gut!? Gleichzeitig ist die Zahl der offenen Stellen, die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet sind, weiter angestiegen. Vergleicht man die Zahlen von vor einem Jahr mit heute, sieht man Folgendes: Die Arbeitslosigkeit von 6,3 auf 6,2% gesunken, aber die Anzahl der bei der Arbeitsagentur gemeldeten offenen Stellen stieg um 11.000 auf aktuell 599.573. Also ist genug Platz für Flüchtlinge vorhanden. Und was kommt dann?

Frank-Jürgen Weise Arbeitslosenquote Flüchtlinge
Frank-Jürgen Weise ist als Chef der Bundesagentur für Arbeit nicht nur für offene Stellen und Arbeitsmarktförderung zuständig, sondern seit kurzem auch in Personalunion Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Foto: Bundesagentur für Arbeit

Platz für Flüchtlinge

Auf den ersten Blick sollte also genug Platz sein für Flüchtlinge, die möglichst schnell im Arbeitsmarkt integriert werden sollen. Bei ca. 1 Mio Flüchtlingen, die dieses Jahr nach Deutschland kommen, kann man, wenn man den Anteil der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Bevölkerung in Deutschland vergleicht, mit grob geschätzt 500.000 Flüchtlingen rechnen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen werden. Rausgerechnet sind hier Kinder und Jugendliche, Ältere über 65 sowie die Familienmitglieder, die sich um den Haushalt kümmern und daher dem Arbeitsmarkt nicht zurechenbar sind.

Arbeitslosenquote aktuell
Die heute veröffentlichten Daten zum Arbeitsmarkt im September mit Vergleichen zu Vormonaten und Vorjahr. Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Die Zahl der offenen Stellen pendelt Jahr für Jahr auf diesem hohen Niveau von 500.000 und mehr, und Politik wie Arbeitsagentur verkünden daher regelmäßig, dass der deutsche Arbeitsmarkt die hier ankommenden Flüchtlinge gut und schnell integrieren kann. Es ist müßig darüber Vermutungen anstellen zu wollen, wie viel % der in den letzten Monaten angekommenen Flüchtlinge tatsächlich hochqualifiziert sind, wie viele gering oder gar nicht qualifiziert, denn niemand weiß es genau. Detailliert hierzu kann man erst etwas sagen, wenn große Teile von ihnen in 2016 in den Arbeitsagenturen registriert und auch ihre Qualifikationen dort erfasst werden.

Aber zurück zu den großen Zahlen. Gut 600.000 offene Stellen (92% davon sind sofort besetzbar) stehen also (ganz grob geschätzt) 500.000 in diesem Jahr neu zum Arbeitsmarkt hinzu gekommene Flüchtlinge gegenüber. Theoretisch müsste es also möglich sein alle oder zumindest einen großen Teil von ihnen mit diesen offenen Stellen zu versorgen, bei entsprechender Nachqualifizierung, Deutschkurse etc. Eine Frage entsteht aber automatisch. Wenn Jahr für Jahr die Zahl der offenen Stellen in Deutschland so hoch ist und der Arbeitsmarkt so robust, warum waren Politik und vor allem die Arbeitsagentur bisher nicht in der Lage die offenen Stellen mit den schon vorhandenen Arbeitslosen (offiziell 2,7, tatsächlich eher 3,5 Mio?) zu besetzen? Diese Frage sollte man sich unabhängig von Sozialneid, Ressentiments und verstecktem Rassismus gegenüber den Flüchtlingen stellen. Jedes Jahr werden Milliarden in Qualifizierungsmaßnahmen gesteckt, in Umschulungen uvm. Schon längst hätte die Zahl der offenen Stellen deutlich reduziert werden müssen.

Wieso gibt es so viele offene Stellen?

Die Bundesagentur für Arbeit schreibt zu ihren Fortbildungsmaßnahmen heute:

„Im September 2015 haben nach vorläufigen Daten 763.000 Personen an einer vom Bund oder der Bundesagentur für Arbeit geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teilgenommen. Das waren 5 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Förderung durch Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik lag damit bezogen auf die Summe der aktivierbaren Personen geringfügig unter dem Niveau des Vorjahres (-0,2 Prozentpunkte). Die geförderten Personen verteilen sich fast hälftig auf beide Rechtskreise. 385.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung gefördert, 378.000 haben an Maßnahmen teilgenommen, die aus Mitteln der Grundsicherung für Arbeitsuchende finanziert wurden. Mit 153.000 Geförderten und einem Anteil von 20 Prozent an allen Teilnehmenden waren Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung die größte Maßnahmengruppe.“

Also ein Heer von Menschen, die fortlaufend weiterqualifiziert werden. Warum gibt es dann immer noch so viele unbesetzte Stellen? Sind Arbeitsagentur & Jobcenter einfach dafür zu inkompetent? Oder sind viele der von der Industrie nachgefragten Jobs, die nicht besetzt werden können, mit so hohen Anforderungen verbunden, dass es nicht machbar ist einen Langzeitarbeitslosen mal eben „nachzuschulen“? Wohl eine Mischung aus beidem. Aber nehmen wir mal an ein großer Teil der ankommenden Flüchtlinge kann mit diesen offenen Stellen versorgt und somit im Arbeitsmarkt untergebracht werden. Das wäre gut für alle Seiten. Mehr Steueraufkommen, mehr Konsum, zufriedene Flüchtlinge usw. Doch zwei Probleme folgen, auf die die Politik eine Antwort geben muss.

1.
Deutschland steht an der obersten Kante der Konjunkturkurve. Viele andere Industrienationen- und Regionen rutschen bereits in die Rezession (Japan) oder stehen kurz davor (China), in anderen wie den USA verdüstern sich die Industriedaten immer weiter. Noch jubelt man in Deutschland über Exportrekorde und Steuereinnahmen in Rekordhöhe, aber nach jedem extremen Hoch im Konjunkturzyklus kommt der Einbruch, und Deutschland ist einer der letzten, der noch oben ist. Woher also zusätzliche Arbeitsplätze nehmen, wenn in 2016, 2017 und 2018 es eher bergab geht? Man erinnere sich, wie schnell hunderttausende Jobs in der deutschen Industrie ab 2008 nur mit Kurzarbeitergeld und Abwrackprämie am Leben gehalten werden konnten. Das kam quasi über Nacht.

2.
Nehmen wir an es gelingt wirklich einen Großteil von Flüchtlingen mit den offenen Stellen zu vesorgen und z.B. Mitte 2016 sinkt die Zahl der offenen Stellen von 600.000 auf 200.000, nur mal angenommen! Wenn nächstes Jahr erneut 1 Mio oder mutmaßlich noch mehr Flüchtlinge kommen, mit welchen Arbeitsplätzen möchte man sie dann versorgen, wenn schlicht und einfach keine mehr zu „vergeben“ sind? Die Möglichkeiten wären dann: Der Staat subventioniert neue zusätzliche Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft, oder er schafft selbst zusätzliche Jobs, oder die Flüchtlinge landen im Hartz 4-System. Das ist kein Horrorszenario und auch keine Verschwörungstheorie, sondern ein realwirtschaftliches Problem, das auf uns zukommt. Es liegt an der Politik auf diese Frage eine Antwort zu präsentieren, wie auch immer diese aussieht. Das ist ihr Job!


7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Sabine

    30. September 2015 12:18 at 12:18

    – Seit 50 Jahren muß unsere Regierung der „Atlantikbrücke“ gehorchen.
    – Die USA puschen die Einwanderung mit Kriegen und Destabilisierung in Nahost, mit fluchthelfer.in, mit Unterstützung der Schlepperbanden, mit Mediengeschmeiß, mit Druck auf alle Eu-Regierungen. Fast alle Politiker schauen nur auf ihren Job und Karriere. Und der, der was sagt, kriegt einen auf die Klappe. Genau das ist die ganze Situation. Warum sonst müssen wir uns vom Ausland sagen lassen, daß wir verrückt sind? Wir sind nicht verrückt, sondern gehorsam gegenüber Deutschland-Besatzern! Das ist alles.
    – Jetzt gehts rund sagte der Vogel und flog in den Ventilator.

  2. Avatar

    winni

    30. September 2015 13:00 at 13:00

    Der Artikel greift etwas zu kurz meines Erachtens. Es fehlen noch folgende Fakten in der Betrachtung:
    – Ein Großteil der jetzigen Arbeitslosen ist entweder nicht arbeitswillig oder schlicht nicht vermittelbar. Förderungsmaßnahmen sind aufgezwungene Aktionen, um die Zahlung weiterer Unterstützung zu sichern. Diese Menschen fallen somit aus der Betrachtung. Das ist leider so.
    – Die offenen Stellen setzen sich zumeist aus Stellen im Niedriglohnsektor zusammen. Daher ist deren Besetzung so schwierig.
    – Die Betrachtung des demografischen Wandels in Deutschland wird nicht berücksichtigt. Wer soll in den nächsten Jahren die Stellen im Niedriglohnsektor abdecken? Nicht ohne Grund werden Stimmen laut, die ein Absenken des Mindestlohns fordern. Das wird letztlich die Entwicklung sein. Der Niedriglohnsektor wird noch etwas niedriger und von den vielen Menschen abgedeckt werden, die schlecht oder gar nicht qualifiziert sind. Die minder qualifizierten werden weiterqualifiziert und decken die Verrentung ab. Die wirtschaftliche Entwicklung (Konjunktureinbruch) wird hier das nötige Argumentationspotential für Wirtschaft und Politik schaffen.
    – Letztlich bewegen wir uns hier in Deutschland, aber auch in Europa amerikanischen Verhältnissen entgegen. Die Gesellschaft spaltet sich in die Gutverdiener (Qualifizierte) und in die Geringverdiener. Diese werden ihr Auskommen über mehrere Teilzeitjobs bewerkstelligen müssen. Damit wird die Produktivität deutlich wachsen. Der gesellschaftliche Sprengstoff ist m. E. nicht absehbar und wird sich irgendwann entladen.
    Schauen wir mal………

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    Steven

    30. September 2015 13:21 at 13:21

    500.000 von 1 mio sind arbeitsmarktfähig ?

    WAT ?! Selbst die Nahles hat gut kurzem von maximal 10% gesprochen !
    Wenn DIE das jetzt schon weis und verkündet darf man getrost von Propaganda ausgehen.

    Also rechnen wir mal lieber mit der Hälfte also 5%!

    Btw welche Lehrer unterrichten denn mal eben 1 mio Flüchtlinge ..und wie lange dauert es bis die nicht nur Alltagssprache können sondern Berufsspezifisch zumindest auf eine 3 kommen !? 1 Jahr …2 Jahre ? …ä nein !

    Und wollen wirklich 500000 Flüchtlinge in Pflegeheimen arbeiten ? …ganz sicher nicht!

    Ingenieure und Ärzte und Pfleger . das sind 90% der offenen Stellen .
    …und Ärzte werden in Krisenregionen bestimmt nötiger gebraucht als in D.

    Die Problemwelle die sich hier anbahnt ist ungleich grösser als Politik und Medien uns vormachen. Das wird die nächsten 10 Jahre beeinflussen.mindestens !

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    jugen

    30. September 2015 13:50 at 13:50

    Nee, ne was für eine Verarsche…

    „Auf die offiziellen Zahlen der Leistungsbezieher, veröffentlicht im BA-Bericht (Tabellen ab S. 51), möchten „Weise“ offensichtlich nicht eingehen.

    Verständlich…

    795.612 Menschen erhielten im Juli Arbeitslo­sen­geld I (Juni 2015: 758.979), 4.407.161 mußten mit Hartz IV (ALG II) überleben (Juni 2015: 4.418.385). Zusammen sind das 5.202.773 ALG-Bezieher im Juli 2015. Weitere 1.730.141 Menschen erhielten Sozi­al­geld (Juni 2015: 1.732.854).
    Das sind zusammen 6.932.914 Leistungsempfänger (Juni 2015: 6.910.218).

    Doch selbst diese Zahl zeigt noch nicht das wahre Ausmaß, denn hinzu kommen noch die Bezieher von Wohn­geld, von Kinderzuschlag oder von Sozi­al­hilfe nach SGB XII, die ohne diese Leistungen in Hartz IV fallen könnten. Ganz abgesehen davon, daß im BA-Bericht ständig von Untererfassung, Schätzungen und Hochrechnungen gefußnotet wird.

    Hinzu kommen laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) weitere 3,1 bis 4,9 Millionen Leistungsberechtigte, die aber keine Grundsicherung beantragen. Bis zu fünf Millionen Menschen verzichten also auf das ihnen zustehende Hartz IV – entweder aus Scham oder weil sie sich das entwürdigende Prozedere in den sogenannten Jobcentern nicht antun wollen.

    Weitere 3.588.857 Menschen waren laut BA-Bericht im Juli 2015 „unterbeschäftigt“ (ohne Kurzarbeit) (Juni 2015: 3.568.690).

    Den Millionen von Arbeitslosen standen laut BA im Juli mal gerade 588.677 offene Arbeitsstellen gegenüber, über deren Qualität sich in vielen Fällen weiterhin trefflich streiten läßt.
    Klaus Wallmann sen.“
    http://www.randzone-online.de/?p=26071

    Wir haben in Deutschland mindestens 12 Millionen Arbeitssuchende. Davon bestimmt 8 Millionen die aktuell Arbeitslos sind.

    Wie kann dieser Typ und auch noch mit dem Nachnamen, so dämlich sein?

    Der Eindruck, der sich immer mehr verfestigt ist – wir werden maximal verarscht.

  5. Avatar

    Pierre

    30. September 2015 14:48 at 14:48

    Wie immer alles schön rechnen….vielleicht mal ohne Goldman-Sachs ….und dann laufen lassen ….fressen muss die Kröte dann ein anderer und der kommt dann wieder mit seinen Experten und erzählt warum wieder einmal alles anders war…die Kosten bleiben wie immer beim blödestem im Spiel…wer das ist? Der ohne Stimme! Der Steuerzahler! Zeit für ein neues System!

  6. Avatar

    Tom

    30. September 2015 14:58 at 14:58

    Wenn man noch bedenkt das Autobauer mit Hochdruck am selbstfahrenden Auto basteln und das es schon erste
    Rohstoffexplorer gibt deren Großlaster keinen Fahrer mehr brauchen dann haben wir allein in der Logistikbranche in den nächsten 10 Jahren mit wieviel Entlassungen zu rechnen???

  7. Avatar

    anna

    12. März 2017 23:07 at 23:07

    Jeder Mensch hierzulande der schon mal arbeitslos gewesen ist und hochqualifiziert weiss, dass das nicht stimmen kann.

    Das ist eine große Lüge, die auch dafür sorgt, dass sich die Arbeitslosen und Bewerber schlecht fühlen.

    Wer mal einen job gesucht hat, weiss dass die ganzen Jobportale im Netz eine Vielfalt suggerieren aber überall die selben Jobs zu finden sind

    Aber vieles um nicht zu sagen fast alle der Angebote sind FAKE sie existieren gar nicht sondern dienen perversen MARKETINGZWECKEN um Wachstum zu suggerieren

    Keiner prüft nach ob es die Stellen überhaupt gibt und ob jemand danach eingestellt wurde

    Und selbst die Agentur für Arbeit prüft nicht sondern nimmt die Massenflut an Stellenausschreibungen auf und am Ende nach 2 Wochen werden diese Stellen wieder aufgenommen und da kommt keiner auf die Idee, dass da was nicht stimmen kann

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Aktien

Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

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am

Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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Ölpreis: Aufwärtstrend geht weiter? Was macht Biden? API-Daten lassen aufhorchen

Claudio Kummerfeld

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am

Eine Öl-Pumpe in der Wüste

Der Ölpreis war seit dem 5. Januar im Aufwärtstrend. Nach einer Mini-Pause ging es Anfang dieser Woche weiter nach oben, von unter 48 Dollar im WTI-Öl am 5. Januar bis auf derzeit knapp unter 53 Dollar. Zahlreiche Gründe für die jüngst gestiegenen Preise und womöglich auch weiter anziehenden Preise hatten wir die letzten Tage genannt.

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Positiv für den Ölpreis zu werten waren die inzwischen seit fünf Wochen fallenden Lagerbestände für Öl in den USA, die großen Stimulus-Hoffnungen an den neuen US-Präsidenten, und vor allem die zusätzlichen freiwilligen Kürzungen der Öl-Fördermenge durch Saudi-Arabien (minus 1 Million Barrels pro Tag für Februar und März).

Gestern Abend wurden die privat ermittelten API-Lagerbestände für Öl veröffentlicht mit einer Wochenveränderung von +2,6 Millionen Barrels. Die API-Daten gelten stets als Vorschau auf die am folgenden Tag vermeldeten offiziellen Lagerdaten. Diese Woche verschieben sich viele Konjunkturdaten in den USA um einen Tag nach hinten, weil am Montag Feiertag war. Die offiziellen Lagerdaten aber verschieben sich aufgrund der gestrigen Amtseinführung von Joe Biden um noch einen weiteren Tag nach hinten auf Freitag Nachmittag. Bis dahin könnte der Ölpreis also zittrig bleiben, in der Vorschau auf möglicherweise steigende Lagerbestände in den USA.

Was bringt Joe Biden für den Ölpreis?

Positiv für die Öl-Bullen ist zu werten, dass Joe Biden gestern im Rahmen diverser präsidialer Dekrete die Keystone XL Pipeline gestoppt hat, deren Bau in den USA noch nicht begonnen hat. Damit wird zukünftig nicht noch mehr Öl aus Kanada in Texas ankommen. Grundsätzlich ist dies vorsichtig positiv für den Ölpreis zu werten, da die Angebotsmenge geringer ausfallen dürfte. Aber na ja… werden die Kanadier ihr Öl dann nicht anderweitig auf dem Weltmarkt anbieten?

Also, bringt Joe Biden tendenziell für die nächsten Jahre dank dem Pipeline-Stop und sicherlich diversen schärferen Umweltgesetzen die Öl-Förderung in den USA zu einem Wachstumsstop, oder sogar zu einer Schrumpfung? Das wäre gut für alle Trader, die einen höheren Ölpreis sehen wollen. Aber da gibt es noch die andere Seite der Medaille. Man darf annehmen, dass sich die Beziehung zwischen den USA und dem Iran unter dem neuen US-Präsidenten entspannt. Sollten die US-Sanktionen gelockert werden, dürfte der Iran wohl zügig mehr Öl fördern und auf dem Weltmarkt verkaufen. Denn das Land braucht wohl jeden Petro-Dollar. Dies wäre folglich schlecht für den Ölpreis. Also ist es nicht so einfach zu beantworten, ob Joe Biden nun gut oder schlecht für einen potenziell weiter steigenden Ölpreis zu betrachten ist. Schaut man auf den Chart 30 Tage zurück, dann ist der Ölmarkt noch im Aufwärtstrend. Die Grundstimmung ist vor allem wegen dem möglichen anstehenden Mega-Stimulus in den USA positiv.

Chart zeigt Kursverlauf im Ölpreis in den letzten 30 Tagen
Chart zeigt Ölpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen.

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Christine Lagarde: Headlines der PK der EZB: entscheidende Fragen unbeantwortet

Markus Fugmann

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Hier die wichtigsten Aussagen von Christine Lagarde auf der heutigen Pressekonferenz der EZB – im offiziellen Statement bislang wenig Neues:

– Lagarde beginnt mit warmen Wünschen für 2021

– Impfungen wichtiger Meilentstein

– Industrie weiter robust, Dienstleistung weiter schwach, wenngleich weniger schwach als in der ersten Corona-Welle

– Inflation bleibt niedrig

– Kurzfristig überwiegen die Risiken

– Wirtschaft der Eurozone dürfte auch im 4.Quartal geschrumpft sein

– Pandemie wird auch 1.Quartal 2021 belasten

– es wird trotz Impfungen noch dauern, bis Herdenimmunität erreicht ist

– Impfungen und Brexit-Deal sind ermutigend, aber übergeordnet bleiben die Risiken bestehen

– Headline-Inflation dürfte bald ansteigen, auch wegen deutscher Wieder-Anhebung der Mehrwertsteuer

– Inflation dürfte mittelfristig anziehen, Inflationserwartungen sind gestiegen

– Kreditvergabe: Banken etwas vorsichtiger geworden

– Europäische Länder sollen schnell beschlossene EU-Hilfsmaßnahmen in ihren Parlamenten beschließen, um Erholung anzuschieben

– Lagarde „hat fertig“, jetzt Fragen

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– Lagarde: positiv sind Impfungen, dass der Brexit-Dealk zustande gekommen ist, dazu bessere Aussichten auf Kooperation mit der neuen US-Regierung

– schärfere Lockdowns wegen Mutationen durchaus möglich

– Frage nach Zombiefirmen: bislang weicht Lagarde einer Antwort aus – da redet sie minutenlang herum, aber die Frage zielte letztlich auf die negativen Konsequenzen der EZB-Politik, und das ließ sie (wieder einmal!) unbeantwortet!

– Frage nach (unausgesprochener) yield curve control der EZB (Berichte darüber, dass EZB versucht, die Renditen für Anleihen vor allem italienischer Anleohen nicht zu stark gegenüber deutschen Anleihen als Benchmark steigen zu lassen:: wieder keine konkrete Antwort von Lagarde!

– Frage nach digitalem Euro: was soll der für die Menschen bringen? Lagarde: ein digitaler Euro würde das Bargeld nicht ersetzen (FMW: echt??)
Lagarde: wir wollen in Sachen Digitaleuro sehr transparent sein (FMW: wohl eher pseudo-transparent..)
Lagarde:Einführung des digitalen Euros würde noch Jahre dauern; viele Fragen darüber noch offen und schwierig, wenn er käme, wäre er für alle gut, nicht nur für Elite

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