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Arbeitslosenquote 6,2%, offene Stellen 599.573, genug Platz für Flüchtlinge, und dann?

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Von Claudio Kummerfeld

Die Arbeitslosenquote in Deutschland ist im September (offiziell) im Vergleich zu August von 6,4 auf 6,2% zurückgegangen. So weit so gut!? Gleichzeitig ist die Zahl der offenen Stellen, die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet sind, weiter angestiegen. Vergleicht man die Zahlen von vor einem Jahr mit heute, sieht man Folgendes: Die Arbeitslosigkeit von 6,3 auf 6,2% gesunken, aber die Anzahl der bei der Arbeitsagentur gemeldeten offenen Stellen stieg um 11.000 auf aktuell 599.573. Also ist genug Platz für Flüchtlinge vorhanden. Und was kommt dann?

Frank-Jürgen Weise Arbeitslosenquote Flüchtlinge
Frank-Jürgen Weise ist als Chef der Bundesagentur für Arbeit nicht nur für offene Stellen und Arbeitsmarktförderung zuständig, sondern seit kurzem auch in Personalunion Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Foto: Bundesagentur für Arbeit

Platz für Flüchtlinge

Auf den ersten Blick sollte also genug Platz sein für Flüchtlinge, die möglichst schnell im Arbeitsmarkt integriert werden sollen. Bei ca. 1 Mio Flüchtlingen, die dieses Jahr nach Deutschland kommen, kann man, wenn man den Anteil der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Bevölkerung in Deutschland vergleicht, mit grob geschätzt 500.000 Flüchtlingen rechnen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen werden. Rausgerechnet sind hier Kinder und Jugendliche, Ältere über 65 sowie die Familienmitglieder, die sich um den Haushalt kümmern und daher dem Arbeitsmarkt nicht zurechenbar sind.

Arbeitslosenquote aktuell
Die heute veröffentlichten Daten zum Arbeitsmarkt im September mit Vergleichen zu Vormonaten und Vorjahr. Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Die Zahl der offenen Stellen pendelt Jahr für Jahr auf diesem hohen Niveau von 500.000 und mehr, und Politik wie Arbeitsagentur verkünden daher regelmäßig, dass der deutsche Arbeitsmarkt die hier ankommenden Flüchtlinge gut und schnell integrieren kann. Es ist müßig darüber Vermutungen anstellen zu wollen, wie viel % der in den letzten Monaten angekommenen Flüchtlinge tatsächlich hochqualifiziert sind, wie viele gering oder gar nicht qualifiziert, denn niemand weiß es genau. Detailliert hierzu kann man erst etwas sagen, wenn große Teile von ihnen in 2016 in den Arbeitsagenturen registriert und auch ihre Qualifikationen dort erfasst werden.

Aber zurück zu den großen Zahlen. Gut 600.000 offene Stellen (92% davon sind sofort besetzbar) stehen also (ganz grob geschätzt) 500.000 in diesem Jahr neu zum Arbeitsmarkt hinzu gekommene Flüchtlinge gegenüber. Theoretisch müsste es also möglich sein alle oder zumindest einen großen Teil von ihnen mit diesen offenen Stellen zu versorgen, bei entsprechender Nachqualifizierung, Deutschkurse etc. Eine Frage entsteht aber automatisch. Wenn Jahr für Jahr die Zahl der offenen Stellen in Deutschland so hoch ist und der Arbeitsmarkt so robust, warum waren Politik und vor allem die Arbeitsagentur bisher nicht in der Lage die offenen Stellen mit den schon vorhandenen Arbeitslosen (offiziell 2,7, tatsächlich eher 3,5 Mio?) zu besetzen? Diese Frage sollte man sich unabhängig von Sozialneid, Ressentiments und verstecktem Rassismus gegenüber den Flüchtlingen stellen. Jedes Jahr werden Milliarden in Qualifizierungsmaßnahmen gesteckt, in Umschulungen uvm. Schon längst hätte die Zahl der offenen Stellen deutlich reduziert werden müssen.

Wieso gibt es so viele offene Stellen?

Die Bundesagentur für Arbeit schreibt zu ihren Fortbildungsmaßnahmen heute:

„Im September 2015 haben nach vorläufigen Daten 763.000 Personen an einer vom Bund oder der Bundesagentur für Arbeit geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teilgenommen. Das waren 5 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Förderung durch Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik lag damit bezogen auf die Summe der aktivierbaren Personen geringfügig unter dem Niveau des Vorjahres (-0,2 Prozentpunkte). Die geförderten Personen verteilen sich fast hälftig auf beide Rechtskreise. 385.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung gefördert, 378.000 haben an Maßnahmen teilgenommen, die aus Mitteln der Grundsicherung für Arbeitsuchende finanziert wurden. Mit 153.000 Geförderten und einem Anteil von 20 Prozent an allen Teilnehmenden waren Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung die größte Maßnahmengruppe.“

Also ein Heer von Menschen, die fortlaufend weiterqualifiziert werden. Warum gibt es dann immer noch so viele unbesetzte Stellen? Sind Arbeitsagentur & Jobcenter einfach dafür zu inkompetent? Oder sind viele der von der Industrie nachgefragten Jobs, die nicht besetzt werden können, mit so hohen Anforderungen verbunden, dass es nicht machbar ist einen Langzeitarbeitslosen mal eben „nachzuschulen“? Wohl eine Mischung aus beidem. Aber nehmen wir mal an ein großer Teil der ankommenden Flüchtlinge kann mit diesen offenen Stellen versorgt und somit im Arbeitsmarkt untergebracht werden. Das wäre gut für alle Seiten. Mehr Steueraufkommen, mehr Konsum, zufriedene Flüchtlinge usw. Doch zwei Probleme folgen, auf die die Politik eine Antwort geben muss.

1.
Deutschland steht an der obersten Kante der Konjunkturkurve. Viele andere Industrienationen- und Regionen rutschen bereits in die Rezession (Japan) oder stehen kurz davor (China), in anderen wie den USA verdüstern sich die Industriedaten immer weiter. Noch jubelt man in Deutschland über Exportrekorde und Steuereinnahmen in Rekordhöhe, aber nach jedem extremen Hoch im Konjunkturzyklus kommt der Einbruch, und Deutschland ist einer der letzten, der noch oben ist. Woher also zusätzliche Arbeitsplätze nehmen, wenn in 2016, 2017 und 2018 es eher bergab geht? Man erinnere sich, wie schnell hunderttausende Jobs in der deutschen Industrie ab 2008 nur mit Kurzarbeitergeld und Abwrackprämie am Leben gehalten werden konnten. Das kam quasi über Nacht.

2.
Nehmen wir an es gelingt wirklich einen Großteil von Flüchtlingen mit den offenen Stellen zu vesorgen und z.B. Mitte 2016 sinkt die Zahl der offenen Stellen von 600.000 auf 200.000, nur mal angenommen! Wenn nächstes Jahr erneut 1 Mio oder mutmaßlich noch mehr Flüchtlinge kommen, mit welchen Arbeitsplätzen möchte man sie dann versorgen, wenn schlicht und einfach keine mehr zu „vergeben“ sind? Die Möglichkeiten wären dann: Der Staat subventioniert neue zusätzliche Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft, oder er schafft selbst zusätzliche Jobs, oder die Flüchtlinge landen im Hartz 4-System. Das ist kein Horrorszenario und auch keine Verschwörungstheorie, sondern ein realwirtschaftliches Problem, das auf uns zukommt. Es liegt an der Politik auf diese Frage eine Antwort zu präsentieren, wie auch immer diese aussieht. Das ist ihr Job!


7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Sabine

    30. September 2015 12:18 at 12:18

    – Seit 50 Jahren muß unsere Regierung der „Atlantikbrücke“ gehorchen.
    – Die USA puschen die Einwanderung mit Kriegen und Destabilisierung in Nahost, mit fluchthelfer.in, mit Unterstützung der Schlepperbanden, mit Mediengeschmeiß, mit Druck auf alle Eu-Regierungen. Fast alle Politiker schauen nur auf ihren Job und Karriere. Und der, der was sagt, kriegt einen auf die Klappe. Genau das ist die ganze Situation. Warum sonst müssen wir uns vom Ausland sagen lassen, daß wir verrückt sind? Wir sind nicht verrückt, sondern gehorsam gegenüber Deutschland-Besatzern! Das ist alles.
    – Jetzt gehts rund sagte der Vogel und flog in den Ventilator.

  2. Avatar

    winni

    30. September 2015 13:00 at 13:00

    Der Artikel greift etwas zu kurz meines Erachtens. Es fehlen noch folgende Fakten in der Betrachtung:
    – Ein Großteil der jetzigen Arbeitslosen ist entweder nicht arbeitswillig oder schlicht nicht vermittelbar. Förderungsmaßnahmen sind aufgezwungene Aktionen, um die Zahlung weiterer Unterstützung zu sichern. Diese Menschen fallen somit aus der Betrachtung. Das ist leider so.
    – Die offenen Stellen setzen sich zumeist aus Stellen im Niedriglohnsektor zusammen. Daher ist deren Besetzung so schwierig.
    – Die Betrachtung des demografischen Wandels in Deutschland wird nicht berücksichtigt. Wer soll in den nächsten Jahren die Stellen im Niedriglohnsektor abdecken? Nicht ohne Grund werden Stimmen laut, die ein Absenken des Mindestlohns fordern. Das wird letztlich die Entwicklung sein. Der Niedriglohnsektor wird noch etwas niedriger und von den vielen Menschen abgedeckt werden, die schlecht oder gar nicht qualifiziert sind. Die minder qualifizierten werden weiterqualifiziert und decken die Verrentung ab. Die wirtschaftliche Entwicklung (Konjunktureinbruch) wird hier das nötige Argumentationspotential für Wirtschaft und Politik schaffen.
    – Letztlich bewegen wir uns hier in Deutschland, aber auch in Europa amerikanischen Verhältnissen entgegen. Die Gesellschaft spaltet sich in die Gutverdiener (Qualifizierte) und in die Geringverdiener. Diese werden ihr Auskommen über mehrere Teilzeitjobs bewerkstelligen müssen. Damit wird die Produktivität deutlich wachsen. Der gesellschaftliche Sprengstoff ist m. E. nicht absehbar und wird sich irgendwann entladen.
    Schauen wir mal………

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    Steven

    30. September 2015 13:21 at 13:21

    500.000 von 1 mio sind arbeitsmarktfähig ?

    WAT ?! Selbst die Nahles hat gut kurzem von maximal 10% gesprochen !
    Wenn DIE das jetzt schon weis und verkündet darf man getrost von Propaganda ausgehen.

    Also rechnen wir mal lieber mit der Hälfte also 5%!

    Btw welche Lehrer unterrichten denn mal eben 1 mio Flüchtlinge ..und wie lange dauert es bis die nicht nur Alltagssprache können sondern Berufsspezifisch zumindest auf eine 3 kommen !? 1 Jahr …2 Jahre ? …ä nein !

    Und wollen wirklich 500000 Flüchtlinge in Pflegeheimen arbeiten ? …ganz sicher nicht!

    Ingenieure und Ärzte und Pfleger . das sind 90% der offenen Stellen .
    …und Ärzte werden in Krisenregionen bestimmt nötiger gebraucht als in D.

    Die Problemwelle die sich hier anbahnt ist ungleich grösser als Politik und Medien uns vormachen. Das wird die nächsten 10 Jahre beeinflussen.mindestens !

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    jugen

    30. September 2015 13:50 at 13:50

    Nee, ne was für eine Verarsche…

    „Auf die offiziellen Zahlen der Leistungsbezieher, veröffentlicht im BA-Bericht (Tabellen ab S. 51), möchten „Weise“ offensichtlich nicht eingehen.

    Verständlich…

    795.612 Menschen erhielten im Juli Arbeitslo­sen­geld I (Juni 2015: 758.979), 4.407.161 mußten mit Hartz IV (ALG II) überleben (Juni 2015: 4.418.385). Zusammen sind das 5.202.773 ALG-Bezieher im Juli 2015. Weitere 1.730.141 Menschen erhielten Sozi­al­geld (Juni 2015: 1.732.854).
    Das sind zusammen 6.932.914 Leistungsempfänger (Juni 2015: 6.910.218).

    Doch selbst diese Zahl zeigt noch nicht das wahre Ausmaß, denn hinzu kommen noch die Bezieher von Wohn­geld, von Kinderzuschlag oder von Sozi­al­hilfe nach SGB XII, die ohne diese Leistungen in Hartz IV fallen könnten. Ganz abgesehen davon, daß im BA-Bericht ständig von Untererfassung, Schätzungen und Hochrechnungen gefußnotet wird.

    Hinzu kommen laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) weitere 3,1 bis 4,9 Millionen Leistungsberechtigte, die aber keine Grundsicherung beantragen. Bis zu fünf Millionen Menschen verzichten also auf das ihnen zustehende Hartz IV – entweder aus Scham oder weil sie sich das entwürdigende Prozedere in den sogenannten Jobcentern nicht antun wollen.

    Weitere 3.588.857 Menschen waren laut BA-Bericht im Juli 2015 „unterbeschäftigt“ (ohne Kurzarbeit) (Juni 2015: 3.568.690).

    Den Millionen von Arbeitslosen standen laut BA im Juli mal gerade 588.677 offene Arbeitsstellen gegenüber, über deren Qualität sich in vielen Fällen weiterhin trefflich streiten läßt.
    Klaus Wallmann sen.“
    http://www.randzone-online.de/?p=26071

    Wir haben in Deutschland mindestens 12 Millionen Arbeitssuchende. Davon bestimmt 8 Millionen die aktuell Arbeitslos sind.

    Wie kann dieser Typ und auch noch mit dem Nachnamen, so dämlich sein?

    Der Eindruck, der sich immer mehr verfestigt ist – wir werden maximal verarscht.

  5. Avatar

    Pierre

    30. September 2015 14:48 at 14:48

    Wie immer alles schön rechnen….vielleicht mal ohne Goldman-Sachs ….und dann laufen lassen ….fressen muss die Kröte dann ein anderer und der kommt dann wieder mit seinen Experten und erzählt warum wieder einmal alles anders war…die Kosten bleiben wie immer beim blödestem im Spiel…wer das ist? Der ohne Stimme! Der Steuerzahler! Zeit für ein neues System!

  6. Avatar

    Tom

    30. September 2015 14:58 at 14:58

    Wenn man noch bedenkt das Autobauer mit Hochdruck am selbstfahrenden Auto basteln und das es schon erste
    Rohstoffexplorer gibt deren Großlaster keinen Fahrer mehr brauchen dann haben wir allein in der Logistikbranche in den nächsten 10 Jahren mit wieviel Entlassungen zu rechnen???

  7. Avatar

    anna

    12. März 2017 23:07 at 23:07

    Jeder Mensch hierzulande der schon mal arbeitslos gewesen ist und hochqualifiziert weiss, dass das nicht stimmen kann.

    Das ist eine große Lüge, die auch dafür sorgt, dass sich die Arbeitslosen und Bewerber schlecht fühlen.

    Wer mal einen job gesucht hat, weiss dass die ganzen Jobportale im Netz eine Vielfalt suggerieren aber überall die selben Jobs zu finden sind

    Aber vieles um nicht zu sagen fast alle der Angebote sind FAKE sie existieren gar nicht sondern dienen perversen MARKETINGZWECKEN um Wachstum zu suggerieren

    Keiner prüft nach ob es die Stellen überhaupt gibt und ob jemand danach eingestellt wurde

    Und selbst die Agentur für Arbeit prüft nicht sondern nimmt die Massenflut an Stellenausschreibungen auf und am Ende nach 2 Wochen werden diese Stellen wieder aufgenommen und da kommt keiner auf die Idee, dass da was nicht stimmen kann

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Inflation, Bitcoin, Aktien: Beck gegen Marc Friedrich

Markus Fugmann

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Kommt bald die Inflation – und was wird mit Aktien oder Bitcoin passieren? Bedeutet Inflation gleichzeitig, dass Bitcoin und Aktien und auch Rohstoffe steigen werden?

Bitcoin, Aktien und Inflation – was wird passieren?

Derzeit gehen fast alle davon aus, dass die Inflation anziehen wird: mit dem Impfstoff werde sich das Corona-Problem erledigen, woraufhin die Nachfrae anziehen werde, was dann wiederum Inflation mit sich bringe (der Reflations-Trade). Diese Inflation zeigt sich bereits bei den Asset-Preisen vor allem bei Immobilien, mit gewissen Abstrichen auch bei Aktien (vor allem aus dem US-Tech-Sektor). Sind Aktien inzwischen zu teuer?

Der Potzfolioverwalter Andreas Beck bringt die Dinge in einem Interview mit Marc Friedrich in Relation: er hält Immobilien für zu teuer (aufgrund des demografischen Wandels – der ab dem Jahr 2025 kippen wird), bei Aktien sei das „Glas halbvoll“ – während er Bitcoin für eine „Thema-Verfehlung“ hält („Bitcoin ist ein Anrecht für nichts auf niemanden“) und dabei auf eine russische Firma verweist, die dafür ein Muster gegeben hat (was für den Bitcoin-Gläubigen Marc Friedrich schwer zu ertragen ist!). Andreas Beck gegen Marc Friedrich – wer hier die besseren Argumente hat, könne Sie entscheiden. So sagt Andreas Beck zu Bitcoin: „Was nichts ist, kann nicht knapp sein“ – und demaskiert damit das Argument der Bitcoin-Jünger!

 

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Inflation, Aktien und Bitcoin - Marc Friedrich gegen Andreas Beck

 

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Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlen? EU-Urteil liegt vor – mit erstaunlicher Begründung

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Scheine Euro Bargeld

Darf der deutsche Michel darauf bestehen, dass er seinen Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlt, und nicht per Banküberweisung oder Lastschrift? Deswegen war der Wirtschaftsexperte und Journalist Norbert Häring durch alle Instanzen gegangen, und landete vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Seine Klage basierte auf dem Bundesbankgesetz, welches Bargeld als uneingeschränktes gesetzliches Zahlungsmittel ansieht – womit impliziert werden könnte, dass alle öffentlichen Einrichtungen gezwungen sind Zahlungen in bar zu akzeptieren.

Panische Angst vor Zahlung mit Bargeld?

Aber es ist klar. Die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten wehren sich mit allen Mitteln gegen die Bargeldzahlung. Man stelle sich vor hunderttausende unzufriedene Gebührenzahler würden von diesem Recht Gebrauch machen, und bei den Anstalten vor Ort mit 1 Cent Münzen zahlen, aus Protest. Der Verwaltungsaufwand wäre gigantisch. Und jetzt wird es spannend. Der Europäische Gerichtshof hat heute sein Urteil gefällt (hier im Wortlaut nachzulesen). Gleich die Headline zeigt die erstaunliche Argumentation der Richter. Sie argumentieren nämlich nicht mit Inhalten, sondern begründen ihr Urteil damit, ob die Auswirkungen für die betroffenen Einrichtungen (ARD und ZDF) verwaltungstechnisch umsetzbar sind. Zitat EuGH:

Ein Mitgliedstaat des Euro-Währungsgebiets kann seine Verwaltung zur Annahme von Barzahlungen verpflichten, aber er kann diese Zahlungsmöglichkeit auch aus Gründen des öffentlichen Interesses beschränken. Eine solche Beschränkung kann insbesondere gerechtfertigt sein, wenn die Barzahlung aufgrund der sehr großen Zahl der Zahlungspflichtigen zu unangemessenen Kosten für die Verwaltung führen kann.

Also: Das EU-Gericht verweist die letztliche Entscheidung zurück an den Bundesgerichtshof. Aber der erhält von den EU-Richtern de facto eine Vorlage für eine Entscheidung gegen die Zahlung mit Bargeld. Nämlich in dem man sagt: Bei potenziell hunderttausenden oder Millionen Barzahlern des Rundfunkbeitrags werden die Verwaltungskosten derart hoch sein, dass dies zu ernsthaften Problemen für die Rundfunkanstalten führt. Daher wäre es angemessen für Deutschland ein Barzahlungsverbot auszusprechen. So darf man den zweiten Satz aus der Headline-Aussage des Urteils interpretieren. Und man darf vermuten, dass die deutschen Richter diesen Hinweis auch genau so aufnehmen und in ihr Urteil einfließen lassen werden. Also wird es (vermutlich) keine wirklich inhaltliche Begründung für die bevorstehende Ablehnung der Bargeldzahlung in Deutschland geben, sondern nur eine verwaltungstechnische. Das ist ziemlich armselig, so möchte ich es ausdrücken!

Der Klageführer Norbert Häring hat dazu vor wenigen Minuten seinen eigenen Kommentar veröffentlicht (hier nachzulesen). Die Richtung der deutschen Richter dürfte klar sein. Reihenweise könnten Beitragszahler auf Barzahlung bestehen, also wäre der Verwaltungsaufwand für ARD und ZDF bei nur 17,50 Euro pro Beitragszahler nicht mehr verhältnismäßig. Man kann das endgültige Urteil der deutschen Richter schon Monate im Voraus am Horizont sehen, bevor es ausgesprochen wurde. Hier auszugsweise im Wortlaut aus dem heutigen EuGH-Urteil die wohl wichtigsten Aussagen:

In einem zweiten Schritt stellt der Gerichtshof fest, dass der Status der Euro-Banknoten und -Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel zwar grundsätzlich eine Verpflichtung zur Annahme dieser Banknoten und Münzen impliziert, diese Verpflichtung aber von den Mitgliedstaaten grundsätzlich aus Gründen des öffentlichen Interesses eingeschränkt werden kann, vorausgesetzt, dass diese
Einschränkungen im Hinblick auf das verfolgte Ziel von öffentlichem Interesse verhältnismäßig sind, was u. a. bedeutet, dass andere rechtliche Mittel für die Begleichung von Geldschulden verfügbar sein müssen.

Insoweit weist der Gerichtshof darauf hin, dass es im öffentlichen Interesse liegt, dass die Begleichung von Geldschulden gegenüber öffentlichen Stellen dergestalt erfolgen kann, dass diesen keine unangemessenen Kosten entstehen, die sie daran hindern würden, ihre Leistungen kostengünstiger zu erbringen. Daher kann der Grund des öffentlichen Interesses, der sich aus der Notwendigkeit ergibt, die Erfüllung einer hoheitlich auferlegten Geldleistungspflicht zu gewährleisten, eine Beschränkung der Barzahlungen rechtfertigen, insbesondere, wenn die Zahl der Beitragspflichtigen, bei denen die Forderungen einzutreiben sind, sehr hoch ist.

Es ist jedoch Sache des Bundesverwaltungsgerichts, zu prüfen, ob eine solche Beschränkung im Hinblick auf das Ziel des tatsächlichen Einzugs des Rundfunkbeitrags verhältnismäßig ist, insbesondere in Anbetracht dessen, dass die anderen rechtlichen Zahlungsmittel möglicherweise nicht allen beitragspflichtigen Personen leicht zugänglich sind.

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Exporte koppeln sich ab vom Lockdown-Pessimismus

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

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Hamburger Hafen

Man hört es dieser Tage öfter, und es ist auch logisch nachvollziehbar. Der zweite deutlich längere Corona-Lockdown sorgt für eine Abwärts-Revision bei der Erwartung für die deutsche Wirtschaftsleistung (siehe hier neue Prognose von Seiten der Bundesregierung). Immer mehr Unternehmen und Kleinst-Unternehmer aus den Bereichen Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Urlaub werden wohl den Bach runtergehen. Aber gleichzeitig läuft die deutsche Industrie sowie Exportwirtschaft auf Hochtouren. Die folgende Grafik zeigt seit dem Jahr 2014 die Erwartungen an die deutschen Exporte aufgrund von heute veröffentlichten Daten des ifo-Instituts.

Noch vor der Krise bei einem Wert von 0, liegen die Erwartungen für die deutschen Exporte aktuell bei +6 Punkten, nach +1,9 Punkten im Dezember. Das ist der beste Wert seit Oktober. Klarheit beim Brexit und der US-Präsidentschaft, eine robuste Industriekonjunktur
und der weltweite Impfstart führten laut ifo-Institut zu einem vorsichtigen Optimismus in der deutschen Exportwirtschaft. Deutliche Zuwächse beim Export würden die Hersteller von Computern und elektrischen Ausrüstungen erwarten. Auch die Unternehmen aus dem Bereich des Maschinenbaus und der Chemischen Industrie blicken zuversichtlich auf ihre künftigen Exporte. Bei den Herstellern von Nahrung und Getränken haben sich die Erwartungen deutlich erholt. Gegenwärtig gehen sie von einem konstanten Exportgeschäft aus. Schwierig bleibt laut ifo der Auslandsmarkt für die Bekleidungsindustrie. Auch die Möbelhersteller gehen von rückläufigen Auslandsumsätzen aus.

Grafik zeigt Erwartungen an deutsche Exporte seit dem Jahr 2014

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