Europa

Arbeitslosigkeit: 637.000 mehr als im Vorjahr, Kurzarbeit und offenen Stellen

Vor wenigen Minuten hat die Bundesagentur für Arbeit für den Monat Juni Daten zum Arbeitsmarkt veröffentlicht. Wir besprechen an dieser Stelle Daten zu den Bereichen Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und den immer noch sehr vielen offenen Stellen.

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit (offizielle Zahl) im Juni liegt bei 2,85 Millionen Menschen nach 2,81 im Mai und 2,64 im April. Aktuell sind das 637.064 Arbeitslose mehr als im Juni 2019. Die offizielle (um viele Posten nach unten bereinigte) Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 6,2 Prozent, nach 6,1 und 5,8 Prozent in den Vormonaten. Im Juni 2019 waren es noch 4,9 Prozent.

Detaildaten zur Arbeitslosigkeit im Juni

Kurzarbeit

Das ifo-Institut hat gestern konkrete Zahlen präsentiert, wonach zu Ende Juni 6,7 Millionen Menschen in Deutschland auf Kurzarbeit waren, was 20 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten entspricht. Wie viele Menschen offiziell bis Ende Juni in Kurzarbeit waren, kann man noch nicht sehen. Die Bundesagentur für Arbeit zeigt heute offizielle Daten zu Ende April (aber die Erfahrung zeigt, dass ifo mit seinen Aussagen in der Regel ziemlich gut liegt). Hier das Amt aktuell im Wortlaut:

Vor Beginn der Kurzarbeit müssen Betriebe Anzeige über den voraussichtlichen Arbeitsausfall erstatten. Nach aktuellen Daten zu geprüften Anzeigen wurde vom 1. bis einschließlich 25. Juni für 342.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt, nach 1,14 Millionen im Mai und zusammen 10,66 Millionen im März und April. Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis April zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im April für 6,83 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt, nach 2,49 Millionen im März. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit lag damit weit über den Werten zur Zeit der Großen Rezession 2008/2009.

Offene Stellen

Die Anzahl der offenen Stellen, also die Stellen die von Arbeitgebern beim Amt als bisher nicht besetzt gemeldet werden, geht zurück. Aber immer noch sollen 570.000 Stellen unbesetzt sein. Hierzu meine ich: Bei den Auswirkungen der Coronakrise, bei Millionen Kurzarbeitern, bei unzähligen Entlassungen… da kann ich mir wirklich nicht vorstellen, dass es in der Realität in Betrieben immer noch mehr als eine halbe Million Arbeitsstellen gibt, welche Arbeitgeber gerne besetzen würden, aber dafür keine passenden Bewerber finden. Ich vermute mal eher, dass diese Statistik nicht wirklich aktuell ist, und dass diese Stellen tatsächlich schon lange vergeben wurden, oder wohl eher, dass die Arbeitgeber niemanden mehr suchen, aber diese Veränderung dem Amt nicht gemeldet haben. Zitat vom Amt:

Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften ist zu Beginn der Corona-Krise massiv zurückgegangen, aktuell hat sie sich auf niedrigem Niveau gefangen. Im Juni waren 570.000 Arbeitsstellen bei der BA gemeldet, 227.000 weniger als vor einem Jahr. Saisonbereinigt hat sich der Bestand der bei der BA gemeldeten Arbeitsstellen um 20.000 verringert.



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1 Kommentar

  1. Hallo Herr Kummerfeld,

    hat sich am massiven Bedarf etwa nach Pflegekräften, Erzieher*innen, Verkaufspersonal in Supermärkten, Fahrern im ÖPNV, Auslieferungsfahrern, Ingenieuren, im Öffentlichen Dienst oder im Handwerk (Schreiner, Tischler, Elektriker, Gas- und Wasserinstallateure etc. pp.) durch Corona irgendetwas geändert? Nein, ganz im Gegenteil! Denn diese – oftmals systemrelevanten – Mangelberufe (auch mit Blick auf ihre dürftige Bezahlung übrigens) werden auch in der tiefsten aller Krisen immer gefragt sein und können schlicht nicht aus dem Hut gezaubert werden…

    Beste Grüße

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