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Europa

Arbeitslosigkeit in Deutschland: Gute Zahlen, schlimmer „USA-Trend“

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland geht weiter zurück. Offiziell liegt die Quote jetzt bei 5,7% nach 5,8% im Oktober und 5,9% im September. 2,53 Millionen Menschen sind offiziell (!) arbeitslos…

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FMW-Redaktion

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland geht weiter zurück. Offiziell liegt die Quote jetzt bei 5,7% nach 5,8% im Oktober und 5,9% im September. 2,53 Millionen Menschen sind offiziell (!) arbeitslos, was 101.182 weniger sind als noch vor einem Jahr. Nur kurz der Hinweis wie jeden Monat von unserer Stelle: Tatsächlich liegt die Arbeitslosigkeit in Deutschland relativ genau 30% höher als offiziell angegeben!

Fast unglaublich (wir mussten zwei Mal hingucken): Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit geht im Monatsvergleich die Zahl der offenen Stellen von 691.000 im Oktober auf 681.000 im November zurück – dies sind die angebotenen Stellen, die von Arbeitgebern an die Agentur gemeldet werden, die aber nicht besetzt werden können. Immer wieder hatten wir auf diese Merkwürdigkeit hingewiesen, dass die Zahl offener Stellen immer weiter steigt, während die Langzeitarbeitslosigkeit quasi unverändert bleibt.

Erschreckend ist die folgende Grafik, die ja eigentlich etwas Positives verkörpert. Neue Arbeitsplätze, wunderbar. Aber genau wie vor Kurzem das Statistische Bundesamt zeigte, bestätigt heute die Bundesagentur für Arbeit mit dem quasi identischen Inhalt (zwei Monate Verzögerung bei der Auswertung):

Die Industrie schafft in Deutschland keine, wirklich keine Arbeitsplätze mehr! Sie baut sogar ab (rote Umrandung). Nur der Bau zeigt eine kleine Belebung, die aber bedingt ist durch die Immobilienblase, den Bauboom durch fehlende Wohnungen und die dringend benötigten neuen Flüchtlingsunterkünfte. Abgesehen davon ist Deutschland im Anfangsstadium von dem, was UK und vor allem die USA bereits haben: Die immer weiter fortschreitende Transformation, weg von gut bezahlten Industriearbeitsplätzen, hin zu relativ schlecht bezahlten Dienstleistungsjobs. In Deutschland läuft es abgesehen von den Freizeitparks und Kasinos relativ identisch zu den USA: Viele neue Jobs in der Gastronomie, bei Hotels, Einzelhandel, Wachschutz, Pflegeheimen usw. In diesen Berufsgruppen geht es natürlich auch oft um Zeitarbeit! Alles ehrenwerte Berufe, aber was nützen 8,50 Euro pro Stunde in Relation zu vorher vielleicht 15 Euro in einer Fabrik am Fließband?

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Zitat Bundesagentur für Arbeit von heute:

„Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im November bei 4.280.000. Gegenüber November 2015 war dies ein Anstieg von 39.000 Personen. 7,9 Prozent der in Deutschland lebenden Personen im erwerbsfähigen Alter waren damit hilfebedürftig. In der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) waren 1.776.000 Menschen arbeitslos gemeldet, 93.000 weniger als vor einem Jahr. Ein Großteil der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist nicht arbeitslos. Das liegt daran, dass diese Personen mindestens 15 Wochenstunden erwerbstätig sind, kleine Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder sich noch in der Ausbildung befinden.“

Dazu unser Kommentar: Ganz vergessen hat man bei dieser Märchenstunde, dass SGB II-Empfänger (Hartz 4) die älter sind als 58 Jahre, oder Bezieher die gerade offiziell krank gemeldet sind, oder die gerade eine der legendären „Maßnahmen“ durchlaufen, allesamt nicht als arbeitslos gezählt werden. Also hat sich de facto die Langzeitarbeitslosigkeit nicht verändert, obwohl die offizielle Arbeitslosigkeit um 101.182 Personen zurückgegangen ist!

Zitat Bundesagentur für Arbeit von heute (weiter hinten im „Kleingedruckten“ des monatlichen Arbeitsmarktberichts):

„Im November 2016 haben nach vorläufigen Daten 953.000 Personen an einer vom Bund oder der Bundesagentur für Arbeit geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teilgenommen. Das waren 14 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Förderung durch Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik lag damit bezogen auf die Summe der aktivierbaren Personen über dem Niveau des Vorjahres (+3,6 Prozentpunkte). 482.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung gefördert, 471.000 haben an Maßnahmen teilgenommen, die aus Mitteln der Grundsicherung für Arbeitsuchende finanziert wurden.“

Aber gut, nach all unseren negativen Äußerungen freuen wir uns mal eine Sekunde über den Job-Boom in Deutschland. Und dann sind wir wieder traurig darüber, was für Jobs da neu entstanden sind! Wie war das mit dem aktuellen Thema „Altersarmut“?

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4 Kommentare

4 Comments

  1. Marcus

    30. November 2016 17:40 at 17:40

    Seit der Ausweitung des Niedriglohnsektors im Rahmen der Agenda 2010 verschwinden immer mehr reguläre Jobs in die 450 Euro und die Leiharbeitskategorie. Dank dieser Politik ermöglicht es der Staat den Firmen auf Festanstellungen zu verzichten und die notwendigen Leute stattdessen über Zeitarbeitsfirmen zu beziehen die sich dies obendrein noch fürstlich entlohnen lassen.
    Gleichzeitig versteht die Politik aber nicht, das sie dadurch die Altersarmut nur noch mehr anschiebt. Bei einem 450 Euro Job werden lediglich einmalig Pauschalabgaben abgeführt, bei der Leiharbeit dank niedriger Löhne wenig bis gar nichts.

    Eine Umbauidee: Abschaffung des Niedriglohnsektors, so das jeder Arbeitsplatz sozialversicherungspflichtig ist. Mindestlohn kann bleiben, im Gegenzug wird aber der Kündigungsschutz gelockert.

    • Dreistein

      1. Dezember 2016 10:01 at 10:01

      Die Politik versteht schon, nur sie selbst noch nicht so ganz.
      Es kommt hier ein dreifacher Raub zu Tage und eine Subvention für Konzerne.
      1. Die Konzerne zahlen den Leiharbeitsfirmen ein geringeren Lohn
      als sie es für ihre Stammbelegschaft tun. Eine große Ersparnis
      für den Konzern (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und Krankentage entfallen. (Subvention)
      2. Die Leiharbeitsfirma Zahlen meistens nur den Mindestlohn, der hieraus erhaltende
      Gewinn geht in die eigene Tasche mit großzügigen Gehältern. 1. Raub am Sozialsystem.
      Die Zeitarbeitsfirmen-Angestellten zahlen also weniger in die Sozialkassen ein so dass
      hier die Altersarmut vorprogrammiert ist. Da dieser “Lohn“ zum Leben nicht reicht holt sich der/
      die guter Mann/Frau einen Teil vom Staat (Aufstockung) 2. Raub über das Steuersystem.
      Nun da es mit der Rente auch schlecht aussieht wird im Alter / Rente wieder Aufgestockt
      3.Raub Steuersystem. Wissentlich von der Politik gewollt und genehmigt. Gut gedielt Hr. Maschmeyer, und toll umgesetzt Hr. Schröder. Die anderen sind aber auch nicht besser
      sonst wäre die Ungerechtigkeit wieder beseitigt worden.

  2. leser

    30. November 2016 17:55 at 17:55

    Während die Vollzeitjobs in der Industrie zurückgehen, expandiert die öffentliche Verwaltung. DDR 2.0 braucht keine Industrie. Da reicht ein Zentralkomitee für Alternativloses.

  3. oscar

    30. November 2016 23:37 at 23:37

    ich glaubr die „bürger“ in diesem täuschland brauchen die lüge und den betrrug oder wollen einfach belogen werden. sonst wäre einiges anders und gerade solch dreisten, statistischen verfälschungen würden dieser „agentur“ um die ohren fliegen. naja es geht weiter…das böse erwachen kommt auf jedenfall. weil, ja weil die lüge niemals ewig währt. so einfach ist das mit der menschheit.

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Europa

Handelsbilanz EU: Dramatische Verschlechterung für Donald Trump

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Donald Trump hat ja viele Themenpunkte, wo er seinen Wählern richtig was versprochen hat. Dazu zählen zum Beispiel der Mauerbau gegenüber Mexiko, die Re-Industrialisierung, und auch der Außenhandel. Im Handelskrieg kämpft er mit harten Bandagen darum, dass das böse Ausland doch endlich mehr tolle Waren aus den USA kaufen soll. Doch die letzten Monate zeigen, dass zumindest der US-Außenhandel mit der Europäischen Union immer schlechter läuft.

Die Überschüsse der EU gegenüber den USA sind in der offiziellen Handelsbilanz klar ablesbar. Sie steigen immer weiter an. Heute hat Eurostat die Handelsbilanz der EU für den Warenverkehr für den Monat August veröffentlicht. Gegenüber wichtigen Handelspartnern veröffentlicht man monatlich eine Year to Date-Statistik, also was von Januar bis zum aktuellsten Monat passiert ist. Und siehe da. Von Januar-August 2019 hat die EU im Warenhandel mit den USA einen Überschuss in Höhe von 102,7 Milliarden Euro erwirtschaftet gegenüber +90,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Von Januar-Juli 2019 waren es noch 90,9 Milliarden Euro gegenüber 80 Milliarden Euro in 2018. Die Überschüsse der EU steigen also deutlich an gegenüber den USA. Das dürfte überhaupt nicht im Sinne von Donald Trump sein!

Aber auch bei der EU ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn wo die EU gegenüber den Amerikanern richtig dick Plus macht, da steigt ihr Defizit gegenüber China immer dramatischer an mit inzwischen -127,4 Milliarden Euro gegenüber -116,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Insgesamt zeigt die Handelsbilanz der Eurozone im Warenverkehr im Monat August einen Überschuss von 14,7 Milliarden Euro nach +11,9 Milliarden Euro im August 2018. Dass der globale Handel im Handelskrieg leidet, zeigen folgende Infos. Exporte und Importe der Eurozone sind derzeit beide rückläufig. Zitat Eurostat:

Die Warenausfuhren des Euroraums (ER19) in die restliche Welt lagen im August 2019 bei 177,4 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Rückgang von 2,2% gegenüber August 2018 (181,4 Mrd.). Die Einfuhren aus der restlichen Welt beliefen sich auf 162,6 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Rückgang von 4,1% gegenüber August 2018 (169,5 Mrd.).

Handelsbilanz EU August Tabelle

Haven Savannah
Der Containerhafen von Savannah an der US-Ostküste.

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Europa

Autozulassungen in der EU steigen deutlich, aber nur dank Sondereffekt

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Die Autozulassungen in der EU sind im September erstaunlicherweise deutlich angestiegen, und zwar um 14,5% im September im Vergleich zu September 2018. In Deutschland stiegen die Autozulassungen sogar um 22,2%, im Krisenland Italien um 13,4%, in Frankreich um 16,6%, und in Rumänien sogar um 116%! Wow, hat sich die europäische Konjunktur über Nacht erholt? Im Vormonat gab es nämlich noch einen Rückgang von 8,4% im EU-Schnitt.

Also, was ist da los? Schauen wir in die Detailaussage des europäischen Automobilverbands ACEA, der diese Zulassungsdaten einmal im Monat veröffentlicht. Dort ist zu lesen, dass diese wundersame Zunahme bei den Autozulassungen an einem Sondereffekt liegt. Denn den aktuellen Wert der Zulassungen muss man ja in Relation setzen zu dem Ausgangswert, nämlich den Daten aus September 2018. Und damals sind die Autozulassungen um 23,5% eingebrochen aufgrund der Einführung des WLTP-Testregimes, so ACEA. Also können die Zulassungen aktuell nur deswegen optisch so gut aussehen, weil die Zahlen im September 2018 so extrem schwach waren.

Die Krise in der Autoindustrie geht also weiter. Im Neunmonatsschnitt (Januar-September zusammengerechnet) im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr gehen die Zulassungen in der EU im Schnitt um 1,6% zurück. Aber immerhin, Deutschland liegt in diesem größeren Bild bei +2,5%.

Autozulassungen EU September

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone: Noch schwächer als gedacht – Hilflosigkeit der EZB

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Die Verbraucherpreise für die Eurozone für den Monat September wurden soeben in ihrer endgültigen Fassung veröffentlicht. Sie steigen im Jahresvergleich um 0,8%. Die Vorabmeldung, die normalerweise korrekte Daten liefert, brachte vor zwei Wochen eine Steigerung von 0,9%. Also sinkt die Steigerungsrate von August auf September von 1,0% auf tatsächlich sogar 0,8%. Es geht also immer weiter bergab. Und die neuen Stimulus-Maßnahmen der EZB starten ja erst im November. Madame Lagarde, möchten Sie gleich zum Amtsantritt nochmal einen drauf legen, mit vielleicht noch mehr Anleihekäufen, noch tieferen Zinsen?

Die folgende aktuelle Grafik zeigt die Details. Die Verbraucherpreise für Energie (stark gefallener Ölpreis) reißen den Gesamtschnitt immer weiter nach unten. Energiepreise sind nämlich im September im Jahresvergleich um 1,8% rückläufig nach -0,6% im August und noch sagenhaften +9,6% vor einem Jahr! Lebensmittel halten den Schnitt hoch mit +1,6% im September. Auch Dienstleistungen liegen mit 1,5% über dem Schnitt. Einmal mehr zeigen die aktuellen Zahlen: Nicht die EZB mit ihrer Geldpolitik beeinflusst die Verbraucherpreise, sondern Energiepreise wie Öl, Gas, Strom. Hier weitere Details von Eurostat im Wortlaut:

Die niedrigsten jährlichen Raten wurden in Zypern (-0,5%), Portugal (-0,3%), Griechenland, Spanien und Italien (alle 0,2%) gemessen. Die höchsten jährlichen Raten wurden in Rumänien (3,5%), der Slowakei (3,0%) und Ungarn (2,9%) gemessen. Gegenüber August ging die jährliche Inflationsrate in zwanzig Mitgliedstaaten zurück, blieb in fünf unverändert und stieg in zwei an. Im September kam der höchste Beitrag zur jährlichen Inflation im Euroraum von Dienstleistungen (+0,66 Prozentpunkte, Pp.), gefolgt von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak (+0,29 Pp.), Industriegütern ohne Energie (+0,06 Pp.) sowie Energie (-0,18 Pp.).

Verbraucherpreise Eurozone September

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