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Arbeitslosigkeit in Deutschland: Analyse der Berechnungsgrundlage

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Zu unserem Artikel „Die tatsächliche Arbeitslosenquote in Deutschland“ haben wir viele Zuschriften erhalten, denn es ist klar: dieses Thema bewegt! Um das Bild zu komplettieren, möchten wir uns dem Thema heute erneut widmen und diesmal für die Arbeitslosigkeit in Deutschland eine Analyse der Berechnungsgrundlage machen. Auch lassen wir unsere eigene Sichtweise der Dinge mit einfließen, denn oft ist die Richtigkeit von Berechnungsmethoden von der Sichtweise des Betrachters abhängig.

Bundesagentur für Arbeit Nürnberg
Die Zentrale der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg
Foto: Bundesagentur für Arbeit

Erwerbslosigkeit und Arbeitslosigkeit

Leicht kann man diese Begriffe verwechseln, und auch bei den monatlichen Verlautbarungen der Bundesagentur für Arbeit kommt man gerne durcheinander. Die Erwerbslosenquote (Februar 4,8%) liegt immer deutlich niedriger als die Arbeitslosenquote (März 6,8%) Die Bundesagentur für Arbeit schreibt hierzu u.a.:

„Die Arbeitsmarktstatistik nach dem Sozialgesetzbuch und die Statistik nach dem ILO-Erwerbsstatuskonzept (International Labour Organization – ILO) haben eine auf den ersten Blick ähnliche Beschreibung von Arbeitslosigkeit bzw. Erwerbslosigkeit, unterscheiden sich aber im Detail. Nach dem ILO-Erwerbskonzept ist „aktive Arbeitsuche“ dann erfüllt, wenn innerhalb der letzten vier Wochen spezifische Schritte unternommen wurden, um eine abhängige Beschäftigung oder selbständige Tätigkeit zu finden. Nach dem SGB III hat der Arbeitslose alle Möglichkeiten zur beruflichen Eingliederung zu nutzen, insbesondere Verpflichtungen aus der Eingliederungsvereinbarung wahrzunehmen, bei der Vermittlung durch Dritte mitzuwirken und die Selbstinformationseinrichtungen der Agenturen für Arbeit zu nutzen.“

Auf Deutsch: Wer nach Meinung der Bundesagentur für Arbeit nicht aktiv genug nach Arbeit sucht, kann bei der Erherunb der „Erwerbungslosenstatistik“ wegfallen. Eine von der Bundesagentur für Arbeit“ veröffentlichte Übersicht, wie sich nach ihrer Definition Erwerbslosigkeit und Arbeitslosigkeit unterscheidet, finden Sie hier.

Arbeitslosigkeit als Bezugsgröße

Auch wenn das Thema Arbeitslosigkeit eine menschliche Tragödie ist, ist es dennoch wichtig sich auch detailliert dem Thema zu widmen, wie viele Menschen in Deutschland denn nun betroffen sind – und die Darstellung in % ist nun mal der transparenteste Weg, um einen Vergleich zu anderen Ländern herzustellen, die deutlich weniger Einwohner haben. Nur so kann man z.B. merken, ob man „gut oder schlecht“ da steht.

Vor Kurzem haben wir die kritische Meinung eines Lesers veröffentlicht. (nochmal herzlichen Dank für den Beitrag) Als Bezugsgröße für die Berechnung der Arbeitslosenquote nur die „sozialversicherungspflichten Beschäftigten“ heranzuziehen, macht nach unserer Meinung keinen Sinn, denn diese Personengruppe hat ja Arbeit. Das wäre ungefähr so, als würde man beim Pferderennen auf alle Pferde wetten. Man gewinnt immer, gibt für seine Wettlose aber immer so viel aus, dass es am Ende ein Nullsummenspiel ist. Vielleicht kein passender Vergleich, aber es geht um die Sinnlosigkeit der Berechnung.

Man will ja wissen, welcher Teil der Gesamtbevölkerung, die arbeitet + arbeitsfähig ist und zur Verfügung steht, arbeitslos ist. Deshalb muss man für die Bezugsgröße ja immer die Arbeitenden und die Arbeitslosen zusammenzählen.

Unterbeschäftigung wie sie hauptsächlich bei den 450 Euro-Jobs zu finden ist, ist schlimm, und oft auch tragisch, aber wenn man über die Erstellung der „Arbeitslosenquote“ redet, sollte man, so unsere Meinung, sich ehrlich fragen, ob man die 450 Euro-Jobber als „Arbeitslose“ zählen sollte. Wir meinen NEIN. Man sollte überlegen eine %-Parallelstatistik einzuführen, wo alle Arbeitslosen und alle Menschen zusammengefasst sind, die von ihrer Arbeit nicht leben können. So eine Gesamtzahl fortlaufend parallel zur offiziellen Arbeitslosenquote zu veröffentlichen, wäre mehr als sinnvoll.

Dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehend

Nach unserer Meinung macht es nur Sinn für die Bezugsgröße der Berechnung der Arbeitslosenquote alle Menschen einzurechnen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen als Arbeitskräfte, d.h. alle Menschen, die arbeiten + arbeiten könnten, aber eben keine haben. Es ist menschlich mehr als nachvollziehbar 450 Euro-Jobber in die Arbeitslosenquote mit einrechnen zu wollen, aber sie heißt ja nun mal „Arbeitslosenquote“ und man sollte, um eine große wichtige Kennzahl präsentieren zu können, die Begrifflichkeit klar treffen. Arbeit, seit es auch nur auf 450 Euro-Basis, ist Arbeit, und bedeutet, dass diese Person nicht zu den Arbeitslosen zuzurechnen ist.

Die Bundesagentur bezieht sich bei ihrer Berechnungsmethode auf 43 Millionen Menschen, die erwerbstätig sind (alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, Selbständige + Beamte) + die Arbeitslosen. Im Behördendeutsch heißt die Definition der Bundesagentur für Arbeit so:

„Arbeitslosenquoten zeigen die relative Unterauslastung des Arbeitskräfteangebots an, indem sie die (registrierten) Arbeitslosen zu den Erwerbspersonen (EP = Erwerbstätige + Arbeitslose) in Beziehung setzen.“

Berechnungsmethode
Grafik: Bundesagentur für Arbeit

Die genaue Erläuterung der BA finden Sie hier.

Diese Berechnungsgrundlage, so meinen wir, ist sinnvoll und richtig. Auch wenn man natürlich, wie wir in unserem Artikel vom 25.03.2015 aufgezeigt haben, mehr als scharf kritisieren sollte, mit welch peinlichen Methoden die Bundesagentur für Arbeit versucht Arbeitslose so einzustufen, dass sie dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen und damit gar nicht erst den 3 Millionen Arbeitslosen zugeordnet werden.

Unser Fazit: Die generelle (!) Berechnungsgrundlage, auf welche Gesamtzahl an Menschen sich die Bundesagentur für Arbeit bezieht, ist richtig. Die Art und Weise, wie sie Menschen als „nicht zur Verfügung stehend“ deklariert, damit sie nicht als arbeitslos zählen, ist nicht nur peinlich, sondern ein Skandal.




Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    Kay Schlickeiser

    1. April 2015 18:04 at 18:04

    „Unser Fazit: Die generelle (!) Berechnungsgrundlage, auf welche Gesamtzahl an Menschen sich die Bundesagentur für Arbeit bezieht, ist richtig. Die Art und Weise, wie sie Menschen als “nicht zur Verfügung stehend” deklariert, damit sie nicht als arbeitslos zählen, ist nicht nur peinlich, sondern ein Skandal.“ – genau das ist es ja. Aber dann würden die Zahlen in die Höhe schnellen – und das wäre für Merkel und Co. dann „nicht gut“… http://www.der-reale-irrsinn.de

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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