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Arbeitslosigkeit: Offizielle Prognose drastisch nach oben korrigiert

Claudio Kummerfeld

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am

Steigende Arbeitslosigkeit wegen der Coronakrise erwartet

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist eine Tochter der Bundesagentur für Arbeit. Heute haben die Forscher des IAB eine neue Prognose zur Entwicklung des deutschen Arbeitsmarkts während der Coronakrise veröffentlicht. Man denke zurück. Noch vor etwas mehr als einem Monat prognostizierten die IAB-Forscher einen richtig milden Anstieg der Arbeitslosigkeit im Deutschland, der durch die Auswirkungen der Coronakrise verursacht werden würde. Gerade mal 90.000 Arbeitslose hätte es in Deutschland im Jahresdurchschnitt mehr geben sollen als 2019.

Prognose für Arbeitslosigkeit nach oben korrigiert

Wie naiv war diese Zahl bitte, so möchte man fragen. Bei den kolossalen Auswirkungen eines Shut Downs von großen Teilen der Wirtschaft sollte es nur so geringe negative Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit geben? Nun ja, heute haben die Forscher diese Zahl nach oben korrigiert. Jetzt rechnet man mit einem Zuwachs der Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt um 520.000 Menschen gegenüber 2019. Die Höhe soll im Schnitt bei 2,79 Millionen Personen liegen, kurzfristig sogar über 3 Millionen. Da könnte man auf die Idee kommen zu fragen: Hey, so wenig neue Arbeitslose? Bei der Dimension des Shut Downs? Man bedenke bitte: Anders als zum Beispiel in den USA (in fünf Wochen 26 Millionen neue Arbeitslose) werden hierzulande viele eigentlich Arbeitslose durch das Instrument der Kurzarbeit in ihren Betrieben gehalten. Eine sinnvolle Maßnahme, damit die Betriebe nach Ende der Krise sofort wieder mit der Stammbelegschaft die Produktion fortsetzen können. Aber es geht halt zu Lasten der Steuerzahler!

Zurück zum „IAB“. Dort spricht man heute von der „schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte!“ Man erwarte für das Jahr 2020 für Deutschland eine Schrumpfung des realen Bruttoinlandsprodukts von von 8,4 Prozent. Wichtig für die Annahme der oben genannte Zahlen zur Arbeitslosigkeit ist das folgende Szenario, Zitat IAB:

Wir treffen für die vorliegende Vorausschau die Grundannahme, dass die Öffnung Schritt für Schritt bis zum Jahresende erfolgt. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Ausbreitung des Virus dadurch hinreichend unter Kontrolle gehalten werden kann, um neuerliche Eindämmungsmaßnahmen zu vermeiden, aber Auflagen wie das Abstandsgebot fortbestehen. Entsprechend der Bund-Länder-Vereinbarung vom 15. April dieses Jahres wird für große Teile des Einzelhandels, den Kfz-Handel und das Friseurgewerbe ein wesentlicher Öffnungsschritt Ende April/Anfang Mai berücksichtigt. Der Produktionsstopp in der Automobilindustrie wird bis Mitte Mai zurückgefahren. Einzelne Bereiche wie Großveranstaltungen können allerdings auch zum Jahresende noch stark eingeschränkt sein.

Interessant finden wir auch noch folgende Detailaussagen des IAB. Zitat:

Insgesamt wird die Zahl der Erwerbstätigen der Vorausschau zufolge in den kommenden Monaten um rund eine Million Personen sinken. Darunter sind auch etliche hunderttausend Minijobber, die nicht von der Kurzarbeitsregelung profitieren und ähnlich zum Anstieg der Kurzarbeit bei sozialversicherungspflichtigen Jobs zurückgehen. Im Zuge der angenommenen schrittweisen Normalisierung der Wirtschaftstätigkeit macht die Erwerbstätigkeit im späteren Jahresverlauf wieder mehr als die Hälfte der vorherigen Rückgänge wett. Im Jahresdurchschnitt 2020 ergibt sich ein Minus von 470.000 Personen. Neben der Erholung spielt dabei eine Rolle, dass im Februar dieses Jahres ein sehr hoher Ausgangswert erreicht war.

Dabei ist auch relevant, dass momentan Übergänge von Arbeitslosen in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wie Fortbildungskurse, die üblicherweise bei rund 150.000 pro Monat liegen, nur eingeschränkt stattfinden. Entsprechend mehr Personen verbleiben demnach im Arbeitslosenstatus. Ab der Jahresmitte gehen wir hier von einer schrittweisen Normalisierung aus. Zudem ist es möglich, dass anderweitige Abgangsursachen wie kurzfristige Arbeitsunfähigkeitsmeldungen von Arbeitslosen derzeit nicht wie gewohnt bearbeitet werden können. Dies kann die Arbeitslosigkeit vorübergehend um mehrere 10.000 Personen erhöhen. Rechnet man diese Effekte in unserer Vorausschau heraus, läge die Zunahme der Arbeitslosenzahlen im Jahresdurchschnitt um 130.000 niedriger.

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    Eric

    24. April 2020 14:27 at 14:27

    Wir haben halt Glück im Unglück, die schwarze Null war ein historischer Glücksfall.
    Wir wären dieses Jahr ohne Corona unter 60% vom BIP Staatsverschuldung gefallen. 90% ist bei großen Industriestaaten mit guten Ratings bedacht worden. Rechnerisch gibt uns das über 1.000 Milliarden bzw. 4 ganze Monate BIP Spielraum fiskalischer Feuerkraft. Zusätzlich waren die Sozialkassen gefüllt. Krankenkassen und Arbeitsagentur können alle Mehrkosten auf Monate nur durch Rücklagen decken.

    Kein anderer großer Industriestaat hat diese Reserven.
    Tatsächlich schützt uns das vor einer Abwärtsspirale die nun wohl den USA droht.
    Wir werden eine heftige Rezession erleben, die USA ziemlich sicher eine Depression.
    Die Arbeitslosigkeit bei uns muss gar nicht so besonders steigen. Denn abgesehen von den effektiven Maßnahmen der Regierung gab’s vor der Krise Mangel an Leuten mit beruflichen Abschlüssen, besonders im Handwerk.
    Die finden rasch eine neue Stelle.
    Und die Ruhestandswelle der Baby Boomer beginnt massiv die Zahl der Deutschen im erwerbsfähigen Alter zu senken.

    Glücklicherweise gibt’s zusätzlich im Sommer eine fette Rentenerhöhung, die weiter die Nachfrage stabilisiert.
    Gleichwohl gibt’s eine harte Rezession. Das muss man aber nicht in der in Deutschland und besonders unter Laien in Kommentarsektionen üblichen Art immer gleich ein apokalyptische science fiction aufblasen.
    Ich bin schon gespannt welchen Weltuntergang andere Kommentatoren gleich prophezeien werden.

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      Sven

      24. April 2020 15:32 at 15:32

      @ERIC
      Leider sind wir nicht allein auf diesem Planeten und wir Deutschen leben von der Globalisierung wie kaum ein anderer.
      Ja wir haben in der Vergangenheit bezüglich Reserven gut gewirtschaftet und sind sicher um einiges besser aufgestellt als viele Andere. Aber diese Anderen halten jetzt die Hand auf und wollen haben, haben, haben (Italien, Frankreich, Spanien….)
      Richtig hässlich kann es werden, wenn die Weltwirtschaft noch weiter in die Knie geht. Wer will dann unsere Produkte haben, wenn die weltweite Nachfrage nicht mehr vorhanden ist?
      Aber irgendwie schon ein klein wenig arrogant von dir (als angeblichem Experten – lach) das alle die nicht deiner Meinung sind, nur Laien sind.

      • Avatar

        Eric

        24. April 2020 15:55 at 15:55

        Ich beziehe mich auf die wahnwitzigen „Prognosen“ in Kommentarspalten und sozialen Netzwerken vom Küchentisch aus, die nach der Viruspanik jetzt in Wirtschaftspanik ausbrechen.

        Und meine Fakten beziehe ich von Fachleuten und einer unisono recht vergleichbaren Studienlage.
        Die Spannbreite der Prognosen liegt bis max 1 Mio zusätzlicher Arbeitslose im Jahresverlauf. Bedenkt man, dass das immer noch fast 1,5 Mio. weniger wären als am Ende der Kohl Ära (wo mit exzessiven ABM Maßnahmen die wahre Zahl sogar noch höher lag), dann ist das nichts was schön wird, aber auch nichts was uns unbekannt wäre.
        Beispiellos ist das Tempo, aber da dies so angeordnet und gewollt wurde ist das nicht überraschend.

        Es gibt etwas zwischen Sonnenschein und Depression. Eine Rezession. Die werden wir durchschreiten müssen, nicht weniger, aber auch nicht mehr.

        Im Übrigen kann die globale Erholung schneller gehen als die pessimistischen Szenarien erwarten.
        So funktioniert der lockdown erstaunlich gut. Die pessimistischen Prognosen für die Situation Ende April aus dem letzten Monat haben sich auch nicht ansatzweise eingestellt.

        Das heißt, realistisch sind wohl die mittleren Szenarien. Und die gehen von einer Erholung ab Juni aus, wenn sich Bürger und Wirtschaft auf den neuen Alltag organisatorisch eingestellt haben. Spiegelbildlich dazu in anderen Ländern.
        Denn viele Beschränkungen sind zwar menschlich eine Zumutung, wirtschaftlich aber beherrschbar. Insbesondere unsere wichtige Industrie funktioniert hochautomatisiert, so auch in anderen Ländern wo Zulieferer und Abnehmer sitzen. Selbst Italien plant wieder konkret den Neustart der Industrie.
        Was im Februar an know how, Infrastruktur, Anlagen und Bedarf da war, das ist prinzipiell weiter da. Der Großteil der Arbeitnehmer muss weder Arbeitslosigkeit, noch Kurzarbeit befürchten. Bei den anderen greift der Sozialstaat ein und Pakete zur Stabilisierung und später Ankurbelung werden helfen.

        All das wird keine Rezession verhindern. Aber es gibt keine Anhaltspunkte für den exzessiven Pessimismus der überall in den sozialen Medien hervorquillt. Willst du das ernsthaft bestreiten?

        Ich verstehe auch nicht wieso viele Leute diesen Drang haben eine real schwierige Situation auch noch durch negative Übertreibungen so auszuschmücken. Und auch die immergleichen kommen mit ihren Fantasien zum Systemwechsel, Ende des Kapitalismus oder dem ollen bedingungslosen Grundeinkommen hausieren wie eh und je. Fast schon wieder richtig alltäglich.

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        Herbi

        25. April 2020 09:44 at 09:44

        Arbeitslosigkeit bzw. Kurzarbeit hin oder her. Es wird wie 2009 sein. Die USA werden besser aus der „Coronakrise“ kommen (mit oder ohne Trump). China ohnehin, denen mag die „Krise“ gar nicht so ungelegen kommen. Die EU hat bereits ihr Pulver verschossen. Ein britischer Politiker bezeichnete die EU als einen „verwesenden Leichnam“, von dem man sich nicht in die Tiefe ziehen lassen wolle. Deutschland ist leider Teil dieses „Leichnams“ (irreparable Verkettung mit Frankreich, Italien, Spanien….). Die „Krise“ wird für den weiteren „Verwesungsprozess“ wie ein Katalysator wirken. Am Ende steht eine völlig verwüstete EU samt Deutschland, die zwischen den tatsächlichen Machtblöcken USA und China aufgerieben wird. Verwesungsprozesse brauchen aber trotz Katalysatoren eine gewisse Zeit. Für ein paar Jahre dürfte Deutschland insofern noch gut sein. Und man darf sich nicht bange machen lassen. Wichtig ist: Selbstschutz, Unversehrtheit, die eigene Familie sichern, listig sein und das eigene Vermögen vor dem Zugriff der Staatskrake sichern. Der Zugriffsversuch ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Vor allem Immobilieneigner dürfte es ziemlich erwischen.

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    Marcus

    24. April 2020 15:51 at 15:51

    Die Frage ist doch was das Kurzarbeitergeld betrifft, wie viele von der Stammbelegschaft überhaupt wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren werden. Ich möchte behaupten, das dies nicht alle sein werden, weil man aufgrund der wegbrechenden Aufträge gleich noch Jobs abbauen wird.

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    Realismus

    24. April 2020 16:13 at 16:13

    „werden hierzulande viele eigentlich Arbeitslose durch das Instrument der Kurzarbeit in ihren Betrieben gehalten“

    Also wer weiß wie viele Arbeitslose wir in wirklichkeit haben, wenn man Leute in Kurzarbeit und „Schulungs“maßnahmen mit einrechnen würde.

    Was die Kosten angeht, es ist ja egal ob die Leute nun arbeitslos oder in Kurzarbeit sind, beides bazahlt die Arbeitsagentur.

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      Eric

      24. April 2020 16:39 at 16:39

      Es ist gar nicht egal.
      Kein Arbeitgeber behält trotz Kurzarbeit jemand den er vermutlich nicht mehr braucht. Denn es entstehen trotzdem Kosten. Gerade in einer Zeit die Rücklagen anfressen wird behalten Arbeitgeber keine Belegschaften die sie mit ziemlicher Sicherheit bald nicht mehr brauchen.
      Da zählt dann für den Controller jeder einzelne Monat, da gibt’s kein „schaumer mal“ wenn ansonsten das Unternehmen womöglich nicht lange überleben kann. Dass dennoch die Kurzarbeit boomt, nicht die Arbeitslosenmeldungen, zeigt, dass einerseits die Unternehmen mehrheitlich enorm viel Cash angesammelt haben um ein katastrophales Krisenjahr zu überstehen und zweitens keine Strukturbrüche passieren.

      Da viele Arbeitgeber in den letzten Jahren Aufträge wegen Personalmangel ablehnen mussten und Beschäftigte teils gigantische Berge Überstunden aufgebaut haben ist der Nachfrageschock am Arbeitsmarkt einfach nicht so gravierend.
      Alles natürlich ein mittleres Szenario angenommen. Mit etwas Fantasie kann man sich ganz leicht stets alle Schreckensbilder ausmalen. Aber das bringt ja niemand weiter.

      Im Übrigen war der lockdown in der Wirtschaft gar nicht so hart wie die Beschränkungen von Freizeit, Gastronomie und Unterhaltung vermuten lassen würden. Wir waren immer weit von einer Ausgangssperre oder auch lockdown bis auf lebenswichtige Industrien entfernt.
      Und erstaunlich viel ist recht reibungslos weiterhin durch Home Office, Umorganisation von Schichtplänen und Anordnung von Arbeitsplätzen und dergleichen weiterhin voll möglich. Auch das Baugewerbe, der Lebensmitteleinzelhandel und andere brummen weiter, der E-Commerce boomt sogar. Neue Industriezweige entstehen gerade, Verbraucher kaufen jetzt statt fast fashion aus der Frühjahrskollektion den Mundschutz aus der Näherei um die Ecke und das Wirtshaus bietet das Schnitzel mit Kartoffelsalat im Straßenverkauf oder per Lieferservice an, wahnsinnig viele in der Gastro freigesetzte Arbeitnehmer kommen da gerade unter.

      Gar nicht davon zu reden welche Konjunkturstütze der kollabierte Ölpreis ist. 2019 haben wir ganze 3,5 % unseres BIP für Import fossiler Brennstoffe ausgegeben. Der Gaspreis folgt gerade dem Ölpreis und beide werden lange niedrig bleiben. Das erspart Haushalten und Unternehmen Milliarden.

      Es ist nicht alles schwarz, es ist differenziert.
      Und gerade diesen Blick muss man behalten. Es gibt viele negative Faktoren, es gibt viele stabile Faktoren und sogar einige positive Faktoren.

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    Peter Sallister

    24. April 2020 18:19 at 18:19

    Eine zur Diskussion stehende Aussage lautet: Spiegelt das Niveau der Aktienkurse die wirtschaftliche und finanzielle Situation wieder?

    Wenn wir die letzten „Dellen“ der Börsen-Indizes, 2018 und 2015 heranziehen und mit der damaligen Einschätzung vergleichen die zu den Dellen führten, ist die aktuelle Bewertung der wirtschaftlichen Lage durch die Indizes viel zu hoch.

    Es mag eine Meinung geben daß frühere Börsenkorrekturen durch „echte“ Ereignisse wie Immoblase usw. verursacht waren und daher gerechtfertigt waren.
    Während heute ein Virus von außen kam auf eine intakte Wirtschaft, sich als relativ „harmlos“ erweist, einige Überreaktionen hervorruft, aber dann doch eher wie ein lästiger Mückenschwarm abgeschüttelt wird ohne größere Folgen. Eric scheint in diese Richtung zu denken. Völlig undenkbar ist das nicht.

    Die gegenwärtige Seitwärtsbewegung der Börsen mag bedeuten, daß sich Optimisten und Pessimisten die Waage halten. Eine „Pflege“ der Kurse durch größere Player wie Black Rock aus Eigeninteresse halte ich nicht für ausgeschlossen.

    Es fehlen wohl noch ein oder 2 Monate damit die Richtung des Kurses klarer wird, sich Tendenzen klarer abzeichnen. Mehr Zahlen auf dem Markt sind. Zu sehen wie die Leute reagieren. Daß auch Erklärungen von Trump oder Merkel näher an den Realitäten sind und weniger gezielte Stimmungsbeeinflusser.

    Ich würde zwar jetzt auch eher 70:30 auf einen Dax von 5000 tippen aber sehe die immer noch größere Möglichkeit mich zu irren.
    Meine negativere Einschätzung hat vor allem Gründe bei der Schuldensituation und dem Endverbraucherkonsum. Die Gelder von FED, EZB ersetzen ja keine Verdienstausfälle, sondern sind erst mal weitestgehend loans an Systemrelevante, also Notmaßnahmen und keine Stimulierung, auch wenn deren Notwendigkeit besteht.

  5. Pingback: Die Meldungen vom 24.04.2020 (Teil 2) …… muss man nicht kennen! | das-bewegt-die-welt.de

  6. Avatar

    Pessi-Mist

    24. April 2020 19:25 at 19:25

    Der beste Beweis dass solche Ereignisse auch etwas Gutes haben ist der geläuterte Sven. Der ist doch voll von der Fahnenstange heruntergestiegen u.auf dem Boden der Realität angekommen. Ein dreifaches Bravo !
    Da könnten sich einige Vollprofis noch eine Scheibe abschneiden.Es gibt immer noch viele MMT Gläubige,
    die meinen das Gelddruckspiel werde ohne Nebenwirkungen für ewig weitergehen.

    • Avatar

      asisi1

      27. April 2020 08:30 at 08:30

      Die Masse der Deutschen glaubt doch daran, das man sich reich drucken kann!
      Siehe die ganze Politmeute , Beamte und im öffentlichen Dienst beschäftigte. Denen ist es egal, das Geld kommt aufs Konto und die Pensionen machen ca. 72% aus. Der kleine Mann der alles verdienen muss, bekommt nur noch 50%. Wer noch immer auf Besserung hofft, der sollte schleunigst in die Klapse.

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Banken halten bei EZB 3,3 Billionen Euro – Daten zu Strafzinsen und Freibeträgen

Claudio Kummerfeld

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Türme von Banken in Frankfurt

Die einfache Sichtweise der „großen“ Experten in den Türmen der Notenbanken lautet: Je tiefer wir die Zinsen setzen, desto weniger attraktiv wird es für die Menschen Geld auf Bank- und Sparkonten zu parken. Sie werden dann immer mehr Geld in den Konsum pumpen. Aber egal wie viel sehr man auch an so einer Theorie festhält – die Realität sieht oft ganz anders aus. Die Bürger (vor allem die Deutschen) wollen gerade in Krisenzeiten offenkundig weiterhin Monat für Monat von ihrem Ersparten anständig was auf die hohe Kante packen – Vorsorgen für die schlechten Zeiten, sozusagen.

Und bei de facto Nullzinsen, die in den letzten Jahren in der Regel (nach Abzug der Inflation) reale Negativzinsen bedeuten, legen die Menschen einfach pro Monat noch mehr Geld auf die hohe Kante, sozusagen als Ausgleich für die fehlenden Zinsen. Und so steigen seit Jahren in der Eurozone die Bankguthaben immer weiter an. Das wird für die Banken immer mehr zu einem dramatischen Problem. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) wollte nicht nur, dass der (einfältige?) Bürger endlich sein Geld in den Konsum steckt. Nein, die EZB wollte auch erreichen, dass die (faulen?) Banken endlich mehr Geld als Kredit herausreichen an Privat- und Geschäftskunden, damit die Konjunktur angekurbelt wird – und dadurch letztlich die Inflation ansteigt – die letzten Jahre geschah aber letztlich das Gegenteil.

Banken vor immer größerem Problem

Aber egal wie fleißig die Banken auch sein mögen bei der Kreditvergabe – der Sparfleiß der Bürger ist stärker. Die Guthaben bei den Banken wachsen immer mehr. Und genau deswegen hatte sich die EZB eine Art Strafmechanismus ausgedacht, damit die Banken nun wirklich mal die Einlagen der Kunden vermehrt als Kredit rausreichen. Verrechnet man das von den Bankkunden eingezahlte Guthaben mit den ausgegebenen Krediten, dann haben praktisch alle Banken eine Überschussliquidität, die bei der EZB geparkt wird. Die EZB bestraft die Banken hierfür mit einem Negativzins von derzeit -0,5 Prozent (ab 2014 stufenweise eingeführt, damals noch bei -0,1 Prozent). Je mehr die Kunden sparen und je höher sich die Banken-Überschüsse auf ihren EZB-Konten auftürmten, desto mehr mussten sie als Strafzins an die EZB überweisen.

Dies wurde in den letzten Jahren immer mehr zu einem Problem für die Banken, die sowieso dank Nullzinsen ein ernsthaftes Problem mit ihrem wichtigsten Geschäft hatten, nämlich der Zinsmarge. Die EZB sah dieses Problem, und führte einen Freibetrag ein. Die Banken sollten für zu viel hinterlegte Einlagenüberschüsse also bestraft werden – aber nicht so sehr, dass sie in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Und so gibt es EZB-Strafzinsen für die Banken mit einem Freibetrag an Einlagen, der nicht mit einem Strafzins bedacht wird.

Gigantische Überschüsse, Strafzinsen und Freibetrag

Heute veröffentlichte Daten der Bundesbank zeigen die Dimension der Beträge. Demnach gab es im Dezember 2020 eine Überschussliquidität im Euroraum in Höhe von 3,35 Billionen Euro. Zwischen Einführung des Tiering-Systems (Freibeträge) im Oktober 2019 und Dezember 2020 betrug der Zinsaufwand der Banken im Euroraum für das Halten dieser Überschussliquidität bei der EZB 8,9 Milliarden Euro. Dieser Zinsaufwand (die Strafzinsen) fiel laut Bundesbank um 4,7 Milliarden Euro niedriger aus, als dies unter sonst gleichen Bedingungen ohne ein Tiering-System der Fall gewesen wäre. Gleichzeitig wurde mit zuletzt 2,498 Billionen Euro der größte Teil der Überschussliquidität weiterhin negativ verzinst.

Während die Überschussliquidität der Banken bei der EZB in den letzten Jahren immer weiter stieg (oberer Teil der Grafik), dachte die EZB wohl sie könnte dies verhindern, indem sie den Strafzins immer weiter anhebt. Es brachte aber nichts! Wer arg ins Detail gehen möchte, kann sich beim Klick an dieser Stelle in den Bundesbank-Bericht auf den Seiten 61-72 in das Thema vertiefen. Wer sich für die Rücklagen der Deutschen interessiert, der klicke bitte hier. Im Krisenjahr 2020 wurde von deutschen Haushalten 333,5 Milliarden Euro auf die hohe Kante gelegt, nach 220,3 Milliarden Euro in 2019. Diese Summe steigerte sich in den letzten Jahren immer weiter, obwohl das Zinsniveau für die Sparer immer weiter abrutschte.

Grafik zeigt Bundesbank-Daten zu Strafzinsen und Überschussliquidität

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BlackRock, Wall Street – und China: Kampf der Giganten

Wolfgang Müller

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Wird BlackRock zu mächtig? Während BlackRock immer größer und wichtiger wird, scheinen die USA insgesamt abzusteigen (siehe hierzu das Interview mit der USA-Korrespondentin der „Zeit“, Heike Buchter).

Der Kampf der beiden Supermächte USA und China um die wirtschaftliche und technologische Vorherrschaft elektrisiert viele Marktbeobachter. Klar ist es fast unmöglich Chinas weiteren Aufstieg zu verhindern, schließlich hat China mit seiner riesigen Anzahl an Menschen – Vergleich zu den USA: 1439 Millionen zu 332 Millionen – einen Riesenvorteil. Aber die USA haben neben ihren großen Techfirmen auch noch weitere Riesen, einer davon ist der Finanzdienstleister BlackRock, der letzte Woche gigantische Zahlen abgeliefert hat.

BlackRock: Der schwarze Felsen wird immer größer

Der weltweite Aktienmarkt klettert, wie schon so oft dargestellt, auch infolge der Aktionen der Notenbanken nach oben, auf zuletzt 106 Billionen Dollar. Maßgeblich beteiligt daran ist die Wall Street, deren Aktienmärkte allein schon ein Gewicht von über 40 Billionen Dollar aufweisen. Angesichts des Anteils der USA an der Weltbevölkerung (4,3 Prozent) und der Wirtschaftsleistung (kaufkraftbeteinigt etwa 16 Prozent) eigentlich viel zu groß. Aber ebenso dominant ist der Anteil der Vermögensverwaltung in den USA, wie allein die letzten Donnerstag veröffentlichten Zahlen von BlackRock aufweisen.

BlackRock ist mit 8,68 Billionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen (Stand: 31. Dezember 2020) der weltgrößte Vermögensverwalter. Die Kunden sind Privatanleger und Institutionen wie Banken, Pensionskassen, Stiftungen, Versicherer, Staatsfonds und Zentralbanken. So der zutreffende Eintrag bei Wikipedia.

Inmitten der Corona-Krise ist es der Firma von Larry Fink gelungen, einem sehr einflussreichen CEO, was demnächst auch die Regierung von Joe Biden erleben dürfte, das Volumen der verwalteten „Assets“ im Jahr 2020 um 17 Prozent oder 1,2 Billionen Dollar auf 8,68 Billionen Dollar zu steigern.

BlackRock profitierte nicht nur von der aktiven Fondsbranche, auch seine bekannte ETF-Sparte (iShares) ist um 185 Milliarden Dollar gewachsen.

Aus diesen ganzen Zahlen ergab sich ein Gewinn für das Jahr 2020 von 5,2 Milliarden Dollar, ein Anstieg von ebenfalls 17 Prozent. Dass die Fantasie der Investoren auch bei diesem Felsbrocken der Finanzwelt ins Kraut schießt, zeigt die Entwicklung der Aktie, die bis zur Veröffentlichung der Jahresbilanz um 44 Prozent gestiegen ist. Aufgrund der großen Marktmacht von BlackRock spürt der Gigant nicht einmal so sehr die Entwicklung in der Fondsbranche hin zu den kostengünstigen Exchange Traded Funds. Der Gewinn des Finanzdienstleisters war auch im vierten Quartal um 1,6 Milliarden Dollar angewachsen.

Noch ein paar Sätze zum Zweikampf zwischen den USA und China.

Liste der größten Firmen der Welt

Betrachtet man sich die aktuelle Liste der nach Marktkapitalisierung schwersten Unternehmen der Welt, so stellt man fest, dass sich unter den größten 20 Unternehmen allein 13 US-Unternehmen, unter ersten Zehn gleich deren sieben befinden. China ist mit Tencent, Alibaba vertreten.

Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Tesla, Facebook, Berkshire Hathaway, Visa, Walmart, Johnson &Johnson, JP Morgan, Procter&Gamble, MasterCard, von einem Finanzgiganten BlackRock ist dabei nichts zu sehen, nicht einmal unter den ersten Hundert.

Sicher wird es demnächst durch Regulation bei den Monopolfirmen einiges an Korrekturen geben. Auch befinden sich die Kurse einiger Firmen in Höhen, die nicht aufrechterhalten werden können – auch wenn einige glauben, Aktien könnten sich dauerhaft den Fundamentaldaten entziehen.

Was das Vermögen von Kundengeldern angeht, haben die USA noch weit die Nase vorn. Denn neben dem 8-Billionen-Dollar-Koloss BlackRock gibt es noch die Riesen Vanguard Group, State Street Global Advisors und Fidelity Investments, jedes Unternehmen verwaltet mehrere Billionen Dollar.

China hat ein großes Problem in seinem Aufwärtsstreben und das ist sein totalitäres System. Es wird sicherlich nicht das Vertrauen von Investoren steigern, wenn eine Regierung so rigoros an eine Firma wie Alibaba herangeht, kürzlich noch achtwertvollstes Unternehmen der Welt, dessen Gründer Jack Ma schon seit Wochen von der Bildfläche verschwunden ist. Da vertraut die westliche Welt schon eher auf einen ETF der Firma BlackRock, Sparte iShares, wie die jüngsten Zahlen beweisen. Der Produktionsstandort China boomt – aber der Finanzstandort?

BlackRock und die Wall Street

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Wirtschaft kommt laut Bundesbank recht gut durch den Lockdown, aber…

Claudio Kummerfeld

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Lockdown Schriftzug

Die Bundesbank hat vor wenigen Minuten ihren Monatsbericht für Januar veröffentlicht. Demnach kommt die deutsche Wirtschaft recht gut durch den Lockdown. Die Erholung der deutschen Wirtschaft ist laut Bundesbank im letzten Quartal 2020 durch das erhöhte Infektionsgeschehen und die wieder erheblich verschärften Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zwar ausgebremst worden. Aber es habe jedoch keinen größeren Rückschlag gegeben, da sich weniger durch die Maßnahmen betroffene Bereiche der Wirtschaft weiter erholten. Insbesondere die Industrie aber auch die Bauwirtschaft hätten nach den bis November vorliegenden Zahlen kräftig zugelegt.

Die Auftragseingänge in der Industrie hätten im November das Vorkrisenniveau vom Schlussquartal 2019 sogar deutlich überstiegen. Zudem seien die Einzelhandelsumsätze bis November noch erheblich gewachsen. Dies hätte ein Gegengewicht zu den Einbußen gebildet, die aufgrund der im Dezember angeordneten Schließungen im stationären Einzelhandel entstanden sein dürften. Die Unternehmensstimmung hellte sich im Dezember laut ifo Geschäftsklimaindex trotz des Wiederaufflammens der Pandemie auf. Diese ermutigenden Signale lassen laut aktueller Bundesbank-Aussage darauf hoffen, dass auch die zu Beginn des neuen Jahres verlängerten und weiter verschärften Einschränkungen die wirtschaftliche Erholung nicht allzu weit zurückwerfen.

Aber die Bundesbank versieht diese rosigen Aussagen mit einer kleinen Warnung, wie es nicht anders zu erwarten wäre. Bei dieser Krise sind ja „Risiko-Disclaimer“ fast schon unverzichtbar, da niemand eine Glaskugel hat und unzählige Variablen vorhersehen kann. Sollte das Infektionsgeschehen jedoch nicht erheblich nachlassen und die gegenwärtigen Beschränkungen der Wirtschaftstätigkeit länger anhalten oder noch weiter verschärft werden, so könne es gleichwohl noch zu einem spürbaren Rückschlag (für die Wirtschaftsleistung) kommen, so die Bundesbank.

Auch beim Thema Arbeitslosigkeit sieht die Bundesbank offenbar keine ernsthaften Probleme. So blieb der Arbeitsmarkt laut Aussage der Bundesbank trotz der wieder strikteren Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung bemerkenswert stabil. Zwar seien im November und Dezember vermehrt Anmeldungen zur Kurzarbeit eingegangen, diese entsprächen jedoch nur einem Bruchteil der Anzeigen aus dem vergangenen Frühjahr. Die aktuellen Anzeigen würden sich vor allem auf den von den angeordneten Schließungen betroffenen Hotel- und Gaststättenbereich sowie Teile des Handels beschränken. Die registrierte Arbeitslosigkeit sei im Dezember wie schon in den beiden Monaten zuvor spürbar zurückgegangen. Die Zahl der Arbeitslosen sei um saisonbereinigt 37.000 gegenüber dem Vormonat gesunken, die entsprechende Arbeitslosenquote läge damit bei 6,1 Prozent.

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