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Arbeitslosigkeit wie immer auf Rekordtief seit Wiedervereinigung – hier die monatliche Aufarbeitung der manipulierten Daten

Ach wie hassen wir es doch jeden Monat mit zu jubeln – wie langweilig! Die Arbeitslosigkeit (offizielle Arbeitslosigkeit) in Deutschland sinkt im Monat November auf den tiefsten Stand seit 1991. Mit 2,368 Millionen Menschen waren…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Ach wie hassen wir es doch jeden Monat mit zu jubeln – wie langweilig! Die Arbeitslosigkeit (offizielle Arbeitslosigkeit) in Deutschland sinkt im Monat November auf den tiefsten Stand seit 1991. Mit 2,368 Millionen Menschen waren 20.000 weniger arbeitslos als im Oktober, und 163.564 weniger als im November 2016. Das ist eine Arbeitslosenquote von 5,3% nach 5,4% im Oktober und 5,7% im November 2016.

Die Zahl der „Unterbeschäftigten“ von 3,3 Millionen geht im Monatsvergleich um 8.000 und im Jahresvergleich um 148.033 zurück. Hierin enthalten sind größtenteils Arbeitslose. Nur viele dieser Arbeitslosen können von der Agentur aus der offiziellen Arbeitslosenstatistik entfernt werden, weil man einfach sagt: Du bist zwar arbeitslos, aber wir definieren dseinen Status einfach nicht als arbeitslos! Betroffen sind alle Langzeitarbeitslosen älter als 58 Jahre, alle Arbeitslosen die krank sind, alle Arbeitslosen die gerade in einer Maßnahme der Agentur verwahrt werden usw.

Hier nochmal der genauere Rechenweg der Zahlen – auch wenn der Artikel schon älter ist, ist er dennoch nach wie vor gültig.

Die Zahl der beim Amt gemeldeten offenen Stellen steigt ebenfalls immer weiter, auf jetzt 779.712 Stellen von 773.105 im Vormonat. Der Zuwachs im Jahresvergleich liegt bei 98.599 offenen Stellen. Die Umfragen der Agentur-Tochter „IAB“ zeigen, dass die Zahl der offenen Stellen tatsächlich über 1 Million liegt – und auch die Zahl dürfte zu tief gegriffen sein, weil nur ein Teil der Arbeitgeber befragt wird. Wie immer unsere nervige Frage: Bei den offenen Stellen sind auch jede Menge Stellen für Geringqualifizierte dabei. Warum kann man Langzeitarbeitslose nicht in diese Jobs vermitteln? Wer ist hier schuld? Wohl eine Frage für Philosophen!

Ebenfalls heute veröffentlicht wurde die Zahl der Erwerbstätigen vom Statistischen Bundesamt mit 44,6 Millionen. Ein Plus von 650.000 Personen im Vergleich von Oktober 2016 auf Oktober 2017. Die Erwerbslosenquote liegt inzwischen nur noch bei 3,6%. Hier wie immer unser Hinweis: Erwerbslosigkeit ist etwas völlig anderes als Arbeitslosigkeit. Die Differenz zwischen 5,3% und 3,6% kommt zustande, weil bei der Erwerbslosenquote Arbeitslose aus der Statistik gestrichen werden, die sich nach Meinung der Ämter nicht aktiv genug um Arbeit bemühen. Arbeitslos sind sie trotzdem – eben nur nicht im Sinne der Definition der Behörden. So bekommt man die Zahlen schön weit nach unten gedrückt! Im offiziellen EU-Vergleich haben wir in Deutschland nur 3,6% „Arbeitslose“ ! ! ! Die Erwerbslosigkeit (nach EU-Maßstäben „Arbeitslosigkeit“) liegt somit nur noch bei 1,55 Millionen Personen, ein Minus von 12.000 gegenüber dem Vormonat.

Hier der offizielle Headline-Text der Bundesagentur für Arbeit zu den heutigen Arbeitsmarktdaten:

Der Arbeitsmarkt profitiert von der guten wirtschaftlichen Entwicklung. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern steigen auf hohem Niveau weiter an. Der saisonbereinigte Rückgang von Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung hat sich im November fortgesetzt. Im Vergleich zum Vorjahr sind deutliche Abnahmen zu verzeichnen, obwohl sich mehr geflüchtete Menschen in Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung befinden.

Das folgende Schaubild zeigt die Schaffung und den Abbau von Arbeitsplätzen nach Branchen im Jahresvergleich (immer zwei Monate verzögert). Mehr denn je sieht man: Das Jobwunder basiert auf schlecht und sehr schlecht entlohnten Arbeitsplätzen. Da wird es düster im Sinne einer vernünftigen Rente! Aber wir wollen nicht zu viel rumjammern – Job ist Job, oder?

Flüchtlinge

Warum explodiert die Zahl der Arbeitslosigkeit nicht durch hunderttausende Flüchtlinge aus den Jahren 2015 und 2016, die inzwischen bei der Bundesagentur für Arbeit registriert sind? Wie immer kommen die Buchungstricks der Agentur zum Tragen. Die meisten werden nicht als arbeitslos geführt (obwohl sie arbeitslos sind), sondern aufgrund der Unterbringung in Maßnahmen als „Unterbeschäftigte“. Also das selbe Spielchen wie weiter oben im Text schon erwähnt mit den bereits vorhandenen Arbeitslosen. Zitat Bundesagentur für Arbeit:

Die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen wird mehrere Jahre brauchen. Das zeigen die Erfahrungen aus der Vergangenheit. Die Arbeitslosmeldung von geflüchteten Menschen ist ein erster Schritt in einem Integrationsprozess, der aufgrund der oftmals fehlenden Sprachkenntnisse und formalen Qualifikationen längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Entsprechend ist zu beobachten, dass die Arbeitslosigkeit von Personen aus den wichtigsten nichteuropäischen Asylherkunftsländern im November im Vorjahresvergleich um 13.000 oder 8 Prozent gestiegen ist. Ein hoher Einsatz von Integrationskursen und Fördermaßnahmen hat den Zuwachs der Arbeitslosigkeit in Grenzen gehalten. Entsprechend fiel die Unterbeschäftigung, die den Einsatz dieser Maßnahmen berücksichtigt, geschätzt um 66.000 oder 18 Prozent größer aus als vor einem Jahr. Zugleich ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Staatsangehörigen aus den wichtigsten nichteuropäischen Asylherkunftsländern im September um 75.000 oder 62 Prozent gestiegen.

Seit Juni 2016 wird die bisherige Berichterstattung über Staatsangehörige aus den wichtigsten Asylherkunftsländern ergänzt um die Berichterstattung über Personen im Kontext Fluchtmigration. Als solche Personen werden Asylbewerber, anerkannte Schutzberechtigte und geduldete Ausländer gezählt. Danach waren im November 2017 in Deutschland 175.000 geflüchtete Menschen in der Arbeitslosigkeit registriert. Die Unterbeschäftigung für diese Personen wird im November auf 420.000 geschätzt.13 Gegenüber dem Vorjahr hat die Zahl der Arbeitslosen um 15.000 oder 9 Prozent und die der Personen in der Unterbeschäftigung geschätzt um 72.000 oder 21 Prozent zugenommen.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Richter

    1. Dezember 2017 03:51 at 03:51

    Mann oh Mann werden wir verarscht!

  2. Avatar

    sabine

    1. Dezember 2017 07:58 at 07:58

    Es ist wirklich traurig, wie weit sich die regierende Oberschicht von der Bevölkerung entfernt hat. Und wenn man Horst Seehofer und andere zitieren darf, sind die Politiker hierzulande nur noch Puppen, die von den grauen Oberherren der großen Finanzhäuser und der Eu gehändelt werden. Alles andere wird plattgemacht. Auch mit Hilfe der Qualitätsmedien. Mehr sog i net!
    http://info-direkt.eu/2017/11/19/interview-das-habe-ich-bislang-nur-totalitaeren-systemen-zugetraut/

  3. Avatar

    baeuerin

    1. Dezember 2017 08:16 at 08:16

    Ich frag mich nur,warum man JETZT erst berichtet?
    Unter „Von der Lei(d)en“,war das Gang &Gaebe!
    Man uebernimmt bzw.muss,das US_System unbedingt nachahmen!
    Eine Heuchler-Haltung sonders gleichen.
    Optimale Gewinnmaximierung,auf KOSTEN der Arbeitnehmer…das ist die deutsch/amerikanische Deviese!!
    Moderne Zwangsarbeit fehlte noch in der Ueberschrift.

  4. Avatar

    Katja Ise Hebi

    1. Dezember 2017 11:25 at 11:25

    Ich bin eine Arbeitgeberin.
    Solange wir alle, die tagtäglich gewissenhaft unserer Arbeit nachgehen, Steuern zahlen, Arbeit geben und Arbeit annehmen, schlaflose Nächte haben, manch eine/r mehrere Jobs hat, für den Lebensunterhalt tatsächlich etwas unternehmen will, hat vom Finanzamt her anscheinend Nachteile.
    Solange man fürs nichts tun vom Amt, von uns Steuerzahlern mehr im Monat erhält als für das tatsächlichte „tun wollen“ stimmt etwas ganz, ganz gewaltig nicht.

    Kein Politiker spricht dieses Thema an. Wer arbeitet soll auch belohnt werden und nicht umgekehrt!
    Es gibt manche Menschen, die uns arbeitenden auslachen. Es sind genau die Menschen, die sich Sozial auf unser Kosten wie die Made im Speck verhalten. Gewissenlos.
    Irgendwann hört das ausnutzen auf. Das kann und darf so nicht weiter gehen.
    Damals hat man sich noch geschämt zum Arbeitsamt zu gehen. Es war eine Schande nichts zu tun.

    • Avatar

      baeuerin

      1. Dezember 2017 11:41 at 11:41

      Ich kann sie beruhigen, auch in DE werden irgendwann Foodstamps an Harzer ausgegeben und der H4-Lohn auf 250-300Euro Cash gesenkt werden.
      Made in USA
      Mr.Clinton fing mit diesem System(3 Job-Strategie) damals an!
      Werte Frau Kati,sie wissen doch ,das Sie in einem Vasallenstaat unter Amiaufsicht sich befinden,oder…?
      Es wird sich nichts aendern,sondern es wird brutal werden…

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BaFin bestätigt: Banken müssen Kreditstundungen wieder als Ausfälle deklarieren!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken in Frankfurt

Im März hatten die europäischen Bankenaufseher (EBA) sowie die BaFin verkündet, dass für die Banken eine Ausnahmeregel in der Coronakrise gelten sollte, und zwar bis zum 30. September. Was auf den ersten Blick ziemlich langweilig und unbedeutend wirkt, bot wohl eine gigantische Erleichterung für die Banken, und quasi eine Verdeckung großer Probleme gegenüber der Öffentlichkeit. Denn man beschloss von Seiten der Aufseher, dass ein Schuldner „nicht mehr zwingend als ausgefallen einzustufen war, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet“ wurden.

Im Klartext: Erhält eine Bank vom Kunden keine monatliche Kreditrate mehr gezahlt, kann die Bank den Kredit weiterhin in ihren Büchern als vollwertige Kreditforderung stehen lassen. Vor Corona (in den normalen Zeiten) hätten Banken so einen nicht mehr bedienten Kredit als Kreditausfall abschreiben müssen. Aber die letzten Monate war dies nicht der Fall. Nun hatten wir bei FMW uns die letzten Wochen bereits gefragt, ob die Aufseher nicht doch noch schnell vor Ablauf der Frist im September diese Sonderregel verlängern, vielleicht bis Jahresende? Dies hätte den Banken die Gelegenheit geboten womöglich gigantische Berge an nicht bedienten Krediten weiterhin als vollwertige Kreditforderung im Buch zu führen – womit auch keine Milliardenabschreibungen für das Geschäftsjahr 2020 nötig gewesen wären.

BaFin bestätigt Ende von wichtiger Ausnahmeregel für Banken

Aber heute hat die BaFin offiziell verkündet, dass eben diese Sonderregel tatsächlich mit Wirkung zum 30. September ausläuft. Die BaFin begrüße die Entscheidung der EBA, so der Infotext. Ab 1. Oktober müssen Banken dann wieder diese gestundeten Kredite entsprechend in ihren Büchern ausweisen als Komplettverlust oder Sonstiges. Wie hoch dann Abschreibungen ausfallen werden? Wer kann das schon sagen, denn die letzten Monate, wo diese Stundungen nicht als Kreditausfälle sichtbar waren, konnten externe Beobachter das ja nicht erkennen. Man darf gespannt sein. Hier die BaFin heute im Wortlaut:

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA lässt ihre Leitlinien zu allgemeinen Zahlungsmoratorien vom 2. April 2020 (siehe „EBA veröffentlicht Leitlinien zu allgemeinen Zahlungsmoratorien“) Ende September 2020 auslaufen. Laut EBA sind die Zahlungsmoratorien ein wirksames Instrument gewesen, um kurzfristige Liquiditätsengpässe von Schuldnern der Institute infolge der Corona-Pandemie und die große Zahl der daraus folgenden Stundungsbegehren zu bewältigen. Die überwiegende Mehrheit der EU-Banken hat an allgemeinen Zahlungsmoratorien teilgenommen und Stundungen zwischen sechs und zwölf Monaten gewährt. Auch nach dem 30. September 2020 können Institute neue Stundungen gewähren. Diese fallen aber nicht mehr unter ein allgemeines Zahlungsmoratorium. Vielmehr muss das Institut den gestundeten Kredit jeweils im Einzelfall der einschlägigen aufsichtlichen Kategorie zuordnen. Die BaFin begrüßt die Entscheidung der EBA.

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Aktuell: ifo-Institut hebt BIP-Prognose an – dramatische Staatsverschuldung

Claudio Kummerfeld

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Brandenburger Tor in Berlin

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland soll im Jahr 2020 nicht so dramatisch einbrechen wie zunächst angenommen. Damit liegt die vor wenigen Minuten präsentierte Veröffentlichung des ifo-Instituts im Trend anderer Institute aus den letzten Tagen. Der Absturz der deutschen Wirtschaft verlaufe glimpflicher als gedacht. Das BIP (Bruttoinlandsprodukt) werde in 2020 um 5,2 Prozent schrumpfen, während man bei ifo noch im Sommer ein Minus von 6,7 Prozent vorhergesagt hatte. Der Rückgang im zweiten Quartal und die Erholung derzeit würden günstiger verlaufen als man es erwartet hatte.

Dafür werde das Wachstum der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr geringer ausfallen. ifo rechnet beim BIP nun mit 5,1 Prozent statt 6,4 Prozent. Im Jahre 2022 erwartet das ifo-Institut plus 1,7 Prozent. Interessant sind auch die folgenden Aussagen der Wirtschaftsforscher. Besonders ins Auge fällt die dramatische Neuverschuldung des deutschen Staates – und das nicht nur im laufenden Jahr, sondern auch noch in den beiden Folgejahren. Hier ifo im Wortlaut:

„Die Unsicherheit bei den Prognosen ist sehr groß, weil niemand weiß, wie die Corona-Pandemie weiter verläuft, ob es nicht doch noch einen harten Brexit gibt und ob die Handelskriege beigelegt werden“, sagt Wollmershäuser.

Die Zahl der Arbeitslosen wird von durchschnittlich 2,3 Millionen im vergangenen Jahr auf 2,7 Millionen im laufenden Jahr steigen. Im kommenden Jahr wird sie auf 2,6 Millionen zurückgehen und 2022 dann 2,5 Millionen betragen. Damit erhöht sich die Quote in diesem Jahr von 5,0 Prozent auf 5,9 Prozent. 2021 sinkt sie auf 5,7 Prozent und im übernächsten Jahr auf 5,5 Prozent.

Der Überschuss des Staates von 52,5 Milliarden Euro im Jahr 2019 stürzt in diesem Jahr auf minus 170,6 Milliarden, weil die Ausgaben wegen der Stützung der Wirtschaft drastisch steigen und die Einnahmen sinken. Im kommenden Jahr wird der Fehlbetrag noch 86,9 Milliarden erreichen, im übernächsten immerhin 68,4 Milliarden.

Auch der viel kritisierte deutsche Überschuss in der Leistungsbilanz (Exporte, Importe, Dienstleistungen, Transfers) sinkt in diesem Jahr, von 244 Milliarden auf 215,4 Milliarden, denn die Exporte gehen 2020 deutlich schneller zurück als die Importe. Im kommenden Jahr steigt der Überschuss aber wieder auf 276,2 Milliarden. Im Jahr 2022 erreicht er 290,1 Milliarden.

Tabelle mit BIP-Details vom ifo-Institut

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So tickt die Börse: Grenke, Wirecard und Steinhoff: Die Schwachstelle im System

Stephan Heibel

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am

Grenke droht nach Wirecard zum nächsten Debakel für die Börse zu werden, wenn das Unternehmen nicht schleunigst alle Vorwürfe entkräftet. Ich habe den Blick auf Gemeinsamkeiten mit Wirecard und Steinhoff geworfen und mit Hilfe eines Kunden die Schwachstelle im System gefunden, die Betrügereien zumindest ermöglicht. Ob Grenke die Schwachstelle genutzt hat, ist noch offen.

Nach Steinhoff und Wirecard spekuliert Fraser Perring nun auf betrügerische Machenschaften bei Grenke Leasing. Über seine Researchfirma Viceroy (Vize-König) hat er eine 64 Seiten lange Analyse zu Grenke veröffentlicht, die den Aktienkurs um über 50% hat einbrechen lassen. Das pikante daran: Perring selbst ist im Vorfeld der Veröffentlichung der Vorwürfe massiv short gegangen, verdient sich also eine goldene Nase an dem Kurseinbruch.

Inzwischen hat Firmenpatriarch Wolfgang Grenke zu den Vorwürfen Stellung bezogen. Wir befinden uns meiner Einschätzung nach erst am Anfang einer Auseinandersetzung, die in den kommenden Wochen und Monaten mit immer neuen Details Anleger verunsichern wird. Ausgang ungewiss.

Da es sich um eine Masche handelt, die sich zu wiederholen scheint, habe ich mich ein wenig dahinter geklemmt, was nun wirklich das Problem ist. Stark geholfen hat mir dabei ein Kunde, der bei einem US-Unternehmen vor vielen Jahren entsprechende Machenschaften aufgedeckt hatte. Das System ähnelt sich immer wieder. Ich will versuchen, die Schwachstelle im System zu identifizieren, damit wir als Anleger das Risiko besser einschätzen können.

Es gibt verschiedene Wege, immaterielle Vermögensgegenstände zu Geld zu machen. Ich denke mir hier mal ein eigenes Beispiel aus: Die Software, die ich zum Betrieb des Heibel-Tickers entwickeln ließ, hat mich viel Geld gekostet. Da ich ohne die Software meinen Laden nicht betreiben könnte und ich sehe, was ich dadurch verdiene, ist die Software für mich subjektiv ein Vielfaches dessen wert, was ich dafür ausgegeben habe. Doch niemand möchte mir einen entsprechenden Geldbetrag dafür geben, denn für Dritte ist meine individuelle Software nahezu wertlos. Daher laufen Entwicklungskosten bei mir als Kosten und nicht als Investition. Einen Wert erschaffe ich damit nicht.

Wenn man nun hohe Wachstumsziele verfolgt und jeden Cent locker machen möchte, um ihn zu investieren, dann ärgern einen diese Kosten. Ich kann den Wert meiner Software nicht als Sicherheit hinterlegen, weil es niemanden gibt, der der Software einen in meinen Augen auch nur annähernd fairen Wert bemisst. Also könnte ich doch eine Auslandsgesellschaft gründen und diese kauft mir meine Software für meinen Wunschpreis ab. Das Geld für den Kauf erhält die Auslandsfirma aus einer anderen Abteilung meines Unternehmens und so fließen meinem Unternehmen Bargeld zu, während irgendwo anders eine Forderung entsteht. Die Forderung ist natürlich, und davon wäre ich als Unternehmensgründer überzeugt, durch den hohen Wert der Software sehr gut besichert.

Okay, hier verlassen wir meinen kleinen Heibel-Ticker als Beispiel, denn hier ist nun schon ein Konzern mit einer etwas komplexeren Struktur erforderlich.

Nun kommen die Wirtschaftsprüfer ins Spiel: Alle Gesellschaften, also sowohl die Konzernmutter in Deutschland als auch die Töchter in Luxemburg, Malta, Dubai und Brasilien (das sind nur zufällig Standorte von Grenke-Töchtern), werden dann von lokalen Wirtschaftsprüfern geprüft. Da kommen dann ein paar hochbezahlte und erfahrende Akademiker für mehrere Tage in die Räume des Unternehmens, drehen alles auf links und schauen nach, ob die jeweiligen nationalen Gesetze eingehalten wurden.

In Brasilien wird nicht geprüft, ob deutsche Gesetze eingehalten wurden. Es werden die jeweiligen Jahresabschlüsse nach den nationalen Gesetzen testiert.

Nun kommt der Konzernbilanzbuchhalter ins Spiel. Er übernimmt die Zahlen der einzelnen Landesgesellschaften und „konsolidiert“ sie in die Konzernbilanz. Bei diesem Vorgang würde dann der obige Softwarekauf herausgerechnet, da es sich um ein internes Geschäft handelt. Doch bei der Konsolidierung befinden wir uns in einem Bereich, den ich als anfällig bezeichnen würde: eine Schwachstelle.

Denn selbst im SAP-System gibt es noch kein ausgereiftes Modul, das diese Problematik zufriedenstellend gelöst hat. Bei meinen Recherchen habe ich in Erfahrung gebracht, dass SAP mit einem Partnerunternehmen derzeit ein solches System entwickeln möchte. Bis heute ist im SAP-System noch viel Handarbeit erforderlich, um die Konsolidierung umzusetzen. Viele Unternehmen haben an dieser Stelle eigene Lösungen entwickelt, die inzwischen vollautomatisch laufen, aber einen internationalen Standard gibt es noch nicht. Zu komplex sind die Anforderungen durch die Vielzahl der Geschäftsmodelle und die Vielzahl der beteiligten Länder bis hin zur Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten bzw. Handlungsspielräumen.

Wir haben es hier also mit testierten Zahlen zu tun, die im Zuge der Konsolidierung in einer Art verwendet werden, die nicht internationalen Gesetzen unterliegen. Es gibt Best Practice Vorschriften für Buchhalter, es gibt Empfehlungen und Leitlinien, aber meines Wissens riskiert ein Buchhalter, der im Rahmen der Konsolidierung „Fehler“ macht, nicht Kopf und Kragen, sondern erst einmal nur eine Rüge, sollte es auffliegen. „Hoppla, da ist mir wohl ein Fehler unterlaufen“.

Auch die Konzernbilanz wird natürlich geprüft. Doch ist es dem Prüfer nicht zuzumuten, sämtliche oben genannten Feinheiten zu überblicken. Er muss die konsolidierten Zahlen als gegeben hinnehmen und prüft deren Konsistenz, nicht aber Herkunft. Fragen über die Herkunft wird der Konzernbilanzbuchhalter beantworten und da können Sie von ausgehen, dass er eine plausible Erklärung hat, denn er kennt das Geschäft ja wesentlich besser als der Prüfer.

Auch die Herkunft wird jedoch geprüft. Der oben genannte Kunde erzählte mir aus seiner Erfahrung, dass alle 5-6 Jahre zwei Hochschulabgänger von der Konzernzentrale in einzelne Landesgesellschaften geschickt wurden, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Erfahrene Prüfer wurden kaum eingesetzt, da es sich hierbei um einen Pflichtbesuch handelte, nicht jedoch um eine Pflichtprüfung: Zur Pflichtprüfung würde es nur werden, wenn falsche Ergebnisse teuer würden. Mangels entsprechender internationaler Sanktionsmechanismen in diesem komplexen Umfeld ist es für Prüfungsgesellschaften ökonomisch sinnvoll, dort ein paar günstige Arbeitskräfte hinzuschicken. Diese Frischlinge hören sich dann vor Ort mit stauenden Augen die Hintergründe zu den Zahlen an und glauben letztlich alles, was ihnen erzählt wird.

Nach einigen Jahren könnte der Konzern dann die 100%ige Softwaretochter aus Brasilien wieder übernehmen und in den Konzern eingliedern. Die Softwarefirma hat eine Software im Bestand, die über Jahre einen stabilen Wert ausgewiesen hat. Der entsprechende Kredit der Firma wird dann vom Konzern unter gleichen Bedingungen mit der gleichen Bescherung weitergeführt. Über die Zeit bläht sich die Bilanz des Unternehmens auf.

Grenke nutzt eine Partnerfirma im Ausland, CTP, um Leasingfirmen im Ausland zu betreiben. Diese Leasingfirmen werden nur dann zu Töchtern (also gekauft), wenn sie sich als erfolgreich zeigen. So werde das Risiko ausgelagert, sagt Patriarch Wolfgang Grenke. Viceroy Research behauptet, diese Auslandstöchter würden keinen Gewinn abwerfen, sondern nur über immer höhere Kredite einer anderen Konzerntochter, Grenke Finance, subventioniert.

In der Telco wurde Grenke nach den Eigentümern von CTP von VOR 2020 gefragt und ist einer Antwort ausgewichen, was von Perring über Twitter sofort mit Wirecard verglichen wurde, die auch lange Zeit Fragen zu Verhältnissen zwischen Partnergesellschaften nicht beantworten wollte. Mann Oh Mann, echt spannend!

Natürlich dürften Unternehmensteile Verluste erwirtschaften, das macht das ganze System noch nicht korrupt. Beispielsweise könnte so strategisches Wachstum verfolgt werden.

Ich würde die Situation derzeit so beschreiben: Es ist durchaus möglich, über ein Netz von Auslandsgesellschaften Zahlen vorzutäuschen, die nicht der Wirklichkeit entsprechend. Es gibt deutliche Schwachstellen in unserem System und es gab immer wieder Unternehmen, die diese Schwachstellen betrügerisch ausgenutzt haben. Viceroy hat nun bei Grenke viele Elemente entdeckt, die auch Unternehmen ausgewiesen haben, die diese Schwachstellen betrügerisch genutzt haben. Das allein reicht jedoch noch nicht, um Grenke den Betrug nachzuweisen.

Wer jetzt in Grenke investiert, weil die Aktie „günstig“ ist, der sollte sich der Gefahr bewusst sein. Sollten sich die Vorwürfe als richtig herausstellen, ist die finanzielle Basis des Leasing-Anbieters gefährdet. Grenke ist nun gefordert, die Vorwürfe vollumfänglich zu entkräften. Das ist, sofern Grenke sauber wirtschaftet, ärgerlich, weil es ein Riesenaufwand bedeutet! Auf der anderen Seite ist es natürlich auch sehr riskant, wenn Grenke tatsächlich die oben genannte Schwachstelle das ein oder andere Mal genutzt haben sollte.

Wer also in Grenke spekulieren möchte, der sollte forensische Blanzprüfungsfähigkeiten haben, um sich eine Meinung zu bilden. Andernfalls gilt meine alte Regel: Bilanzierungsunregelmäßigkeiten = Finger weg! Warten wir’s ab, denn der Ausgang ist einmal mehr ungewiss.

Einer, der öffentlich darauf spekuliert, dass an den Vorwürfen nichts dran ist, ist Fondsmanager Hendrik Leber von Acatis. Mindestens genauso wichtig wie das, WAS gesagt wird, ist, WER sagt es. Acatis ist mit 5,02% Anteilen an Grenke einer der Großaktionäre des Konzerns. In der Situation, wie sie ist, hat Leber keine andere Wahl, als die Vorwürfe als haltlos zu bezeichnen. Er hatte drei Möglichkeiten: Viceroy zustimmen, dann wäre seine Beteiligung schon morgen wertlos. Das kann er seinen Anlegern nicht antun, in diesem schlimmsten Fall müsste er zumindest versuchen, die Beteiligung noch irgendwie mit Verlusten loszuschlagen. Möglichkeit zwei wäre „nichts sagen“. Das kann ein so wichtiger Aktionär nicht ewig tun, sein Schweigen würde ihm irgendwann negativ ausgelegt. Möglichkeit 3 ist, die Vorwürfe als haltlos zu erklären. Entweder er trennt sich nun von seiner Beteiligung unter Verlust, oder aber er hat recht und steht am Ende als Fels in der Brandung da. Ungeachtet dessen, ob Leber tatsächlich weiß, was los ist, ist seine Aussage damit ziemlich wertlos, schade.

Ich bleibe am Ball und werde Updates in meinem Heibel-Ticker veröffentlichen. Bei Interesse geht es zur Anmeldung über www.heibel-ticker.de

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