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Frische Daten für Februar Arbeitsmarkt: Deindustrialisierung nimmt drastisch zu

Neue Daten zum deutschen Arbeitsmarkt: Die Deindustrialisierung nimmt nochmal Fahrt auf. Ein Blick auf die Details.

Bundesagentur für Arbeit in Hamburg
Bundesagentur für Arbeit in Hamburg. Foto: Claudio Kummerfeld

Heute um Punkt 10 Uhr hat die Bundesagentur für Arbeit die neuesten Daten zum Arbeitsmarkt für den Monat Februar veröffentlicht. Und beim genauen Blick auf die Details sehen wir eine Eskalation bei der Deindustrialisierung! Aber die „gute Nachricht“ zuerst: Die Arbeitslosigkeit sinkt minimal von 3,084 auf 3,069 Millionen Personen im Monatsvergleich. Die Arbeitslosenquote sinkt von 6,6 % auf 6,5 %. Im Jahresvergleich steigt die Anzahl der Arbeitslosen aber um 80.720 Personen.

Arbeitsmarkt kommt nicht in Schwung

Die Headline-Aussage der Bundesagentur für Arbeit lautet heute: „Auch zum Ende der Winterpause kommt der Arbeitsmarkt nicht in Schwung. Die Arbeitslosigkeit verändert sich kaum und bleibt über 3 Millionen“. Eine wichtige Kennzahl für den deutschen Arbeitsmarkt: Im Dezember wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten für 139.000 Beschäftigte konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Das waren 48.000 weniger als im Vormonat und 72.000 weniger als vor einem Jahr. Eigentlich eine gute Meldung. Aber im Kontext stark steigender Insolvenzen darf man vermuten, dass die Arbeitgeber nicht an eine kurzzeitige Krise glauben (wofür das Kurzarbeitergeld das richtige Instrument wäre). Man sieht wohl eher eine nicht schnell endende strukturelle Krise, und baut die Arbeitsplätze gleich ganz ab.

Blickt man auf den Gesamttrend, deutet vieles auf eine Verschlechterung am Arbeitsmarkt hin. Es hagelt regelrecht Insolvenzen. Und Staat + Gesundheitssektor scheinen nicht schnell genug neue Jobs schaffen zu können, um den Abbau in der Industrie aufzufangen. Erst heute früh meldete das Statistische Bundesamt, dass die Zahl der Erwerbstätigen im Januar saisonbereinigt erneut gegenüber dem Vormonat gesunken ist, und zwar um 14.000 Personen. Im Jahresvergleich waren es 88.000 weniger.

Deindustrialisierung eskaliert

Wir werfen jeden Monat einen Detailblick auf die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Sehr wichtig dabei ist der Blick auf die einzelnen Branchen, und wer wie viele Stellen geschaffen oder abgebaut hat. Seit längerem ist der Trend eindeutig: Die Industrie baut ab, und Staat sowie Gesundheitswesen bauen auf. Und heute sehen wir eine regelrechte Eskalation bei der Deindustrialisierung! Beachten muss man, dass die Bundesagentur für Arbeit den Blick auf die Branchen immer mit zwei Monaten Verzögerung aufzeigt. Von daher sehen wir heute den Blick auf die Branchendaten im Dezember 2025. Und dort ist ersichtlich: Die Industrie hat im Jahresvergleich 180.000 Arbeitsplätze abgebaut. Noch vor vier Wochen lag dieser Jahresvergleich bei -167.000. Also verschlechtert sich der Arbeitsmarkt für die Industrie binnen vier Wochen um weitere 13.000 Stellen!

Gleichzeitig sehen wir, dass die Top-Branchen für die Schaffung neuer Jobs (Pflege, Soziales, Gesundheitswesen, Staat) im November im Jahresvergleich 180.000 neue Arbeitsplätze schufen. Im Dezember lag diese Steigerung nur noch bei 172.000. In diesen Branchen stockt also das Wachstum, und man kann die Deindustrialisierung nicht mehr optisch ausgleichen.

Ausblick

Auf der einen Seite sehen wir: Die Kernbranchen Maschinenbau, Chemie und Auto stürzen weiter ab. Sie leiden besonders unter den hohen Energiekosten, Bürokratie, Arbeitskosten etc. Dieser Absturz dürfte sich wohl fortsetzen. Währenddessen läuft vermutlich bereits die Zweiteilung der deutschen Volkswirtschaft – so hatten wir es letzte Woche schon beschrieben. Die Kernindustrie stürzt weiter ab. Aber dank schuldenfinanziertem Sondervermögen und schuldenfinanzierter Aufrüstung dürften die Branchen Rüstung, Bau und private Dienstleistungen in 2026 einen gewissen Aufschwung erleben. Der Arbeitsmarkt könnte also gegenläufige Bewegungen erleben. Aber bauen die wichtigsten Industriebranchen mehr Stellen ab, als Staat, Dienstleister, Bau und Rüstungsbetriebe aufbauen können? Das müssen wir wohl im Laufe des Jahres beobachten.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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9 Kommentare

  1. Tja, geniesst die Show. Meine Prognose für die übrig gebliebenen „fachlich kompetenten Leute“ wird sein, das diese jetzt ausbrennen werden und die Resignation eine Art Revolution sein wird. Die KI-Technologien aus den USA oder China werden den Powerpointluftpumpen und Verwaltern des Status Quo den Rest geben.

  2. Da purzeln ja die Jobs, schon ohne, dass die KI aktiv ist.

    Und die kommt dan erst noch als Jobdiebin, angeblich.

    In dem Kontext träumt sich der CDU Kanzler in die Voll-Vollzeitbechäftigung, der völlige Arbeitsmarkt, mehr, mehr Anstrengung, weniger Teilzeit, hopp hopp.

    Bin ich der einzige, der das bereits gefallene Wort Bullshit in dem Fall für richtig hält?

    1. Hallo Arbeiter

      Technologie bringt immer einen höheren Wohlstand. Die Menschen, die die Webmaschinen in England zerstört haben, hausten in kleinen Löchern ohne Heizung und Wasser und hatten nur wenig Nahrung. Lebenserwartung weniger als 40 Jahre. 10 Jahre später ging es allen schon etwas besser, wenn sie die Chancen genutzt haben. So ist die Geschichte immer gelaufen: Kapitalismus macht Luxusgüter zu Alltagsgütern und Sozialismus macht aus Alltagsgütern Luxusgüter. Nicht mal ein einziges gescheites Bier hat der Ostblock zusammengebracht. Kaum war die Wiedervereinigung da, schenkte uns die DDR einige der besten Biere der Welt und Tschechien hat alle überholt.

      Aber neue Entwicklungsschübe lösen Unsicherheit aus und erzwingen Anpassung. Dafür haben wir heute unser Sozialsystem. Das kann helfen, aber kein Sozialsystem kann lebenslangen Wohlstand für alle bedingungslos garantieren.

      Der Kanzler liegt natürlich daneben, weil er die Lebenswirklichkeit der allermeisten überhaupt nicht kennt, aber an einer positiven Einstellung gegenüber neuer Technologie führt kein Weg vorbei.

      Diese Regierung ist ein Desaster: die CDU tut so, als ob sich alle nur etwas mehr anstrengen müßten und die SPD verspricht, dass sich nichts ändert. Das ist die wohl schlechteste Herangehensweise die man sich nur vorstellen kann (grüne Visionen mal ausgenommen).

      1. @Felix

        Ich habe doch nichts gegen neue Technologie.

        Ich wollte einfach nur heraus stellen, dass in der Menge weniger Arbeit einer größeren Mengen an jobsuchenden Arbeitskräften gegenübersteht.

        In dem Kontext Teilzeit als ein Problem darzustellen, da musste erst mal drauf kommen. Junge, junge, das ist das Gegenteil der Mengenlehre. Denn es bedeutet, dass die wenigen, die wuppen, noch mehr wuppen sollen und die die suchen finden nichts. Kompletter Unfug ist das, wie die anderen unausgereiften Ideen auch.

        Dass die SPD das Halten der sozialen Absicherung verspricht, halte ich für richtig.

        Man muss sich eben um die Zuwanderung in den Sozialstaat kümmern, die Leute müssen in Arbeit und ich glaube nicht mal, dass es an der Motivation hapert, das Regularium ist einfach viel zu starr und der Kanzler bringt diese Starre durch seine Denkstarre verbal zum Ausdruck. Das ist das Gegenteil von dem was das Land braucht, eine Denke von 1950. Wenn dieser Posten in Ordnung kommt, stimmen auch plötzlich die Krankenkassenbeträge wieder besser, will ich mal einfach so behaupten.

        Der zweite Punkt ist, dass Wohnungen gebaut werden für die vielen Leute, die sich nicht so viel leisten können, schon gar kein Eigenheim oder eine Bude für 1500 EUR oder noch mehr.

        Die sollen mal einfach weniger labern und die Kiste in Ordnung bringen und nicht noch auf die arbeitende Bevölkerung eindreschen und damit auch noch andeuten: Ihr seid das Problem! Sind sie nicht.

        Es gibt keinen Grund den Sozialstaat zu kürzen, es gibt aber viele Gründe, mehr Leute in Lohn und Brot zu kriegen, dann schrumpfen die Ausgaben für den Sozialstaat.

        Mich wundert, dass diese ganzen Äußerungen aus diesen Kreisen nicht journalistisch zerfetzt werden. Das ist sehr einfach zu erkennender Blödsinn und alle reden drüber aber keiner belegt diesen offensichtlichen Quatsch. Presse kaputt oder was?

        1. Hallo Arbeiter,

          ich greife mal die Presse auf: die scheint mir zur Hofberichterstattung verkommen zu sein. Es ist natürlich auch ein Problem, dass fast ständig große Koalitionen regieren. Logischerweise unterstützt dann auch der größere Teil der Presse in der Tendenz die Regierung.
          So wäre z.B. nach der letzten Wahl eine Minderheitsregierung der CDU angesagt gewesen, hätte man etwas ändern wollen. (Was nicht bedeutet, das das mein Wunsch gewesen wäre, aber das wäre logisch gewesen.)

          Der Sozialstaat ist grundsätzlich eine gute Sache und auch im GG geboten. Aber durch die Entwicklung in den Industrieländern kann man das nicht mehr durch Umlagen von der arbeitenden Bevölkerung bezahlen. Zusätzlich haben einige Länder so hohe Abgabenquoten, dass die Einnahmeseite ausgereizt ist. Nominale Erhöhungen setzen sich in reale Minderungen um.
          Außerdem muss man sagen, dass der Sozialstaat bis 1995 auch schon sehr gut war. Würde man ihn auf das damalige Maß zurückfahren, hätte man eine erhebliche Entlastung. Es sind immerhin über 600.000 offene Stellen gemeldet – warum können die nicht besetzt werden?

          Die Regierung kann nur zwei Dinge tun, um Arbeitsplätze zu fördern: Steuern und Abgaben senken und Bürokratie abbauen. Solange das nicht geschieht, wird Deutschland immer mehr Arbeitsplätze verlieren.
          Die viel zu teure Energie gibt uns gerade den Rest, weil dadurch die guten Industriearbeitsplätze entfallen. Heute wird wieder eine lange Liste deutscher Industrieunternehmen an der Börse zum Verkauf empfohlen, und da muss einiges passiere, weil die Analysten grundsätzlich „Sell-Side“ sind. Die sollen die Leute zum Kaufen animieren.

          Was ich erwarte: Enteignungen schaffen noch Luft für wenige Jahre weiteres Siechtum und dann beginnen alle wieder von vorn. Oder es finden sich andere Mehrheiten. Die sehe ich aber nicht. Die AfD hat sich inzwischen zu einer neuen SPD entwickelt, es hätte aber eine neue FDP gebraucht. Eine wirklich liberale Kraft, die wirtschaftlichen Sachverstand einbringt, ganz egal ob mit der CDU oder mit der SPD.
          Wir gehen in Richtung „Armut für alle“. Und daran trägt die Bevölkerung eine Mitschuld, weil sie sich nicht informiert, keinen Druck auf ihre Politiker ausübt und stattdessen alle möglichen Versprechungen glaubt.

  3. Ich könnte ja nun eine Menge Umstände aufzählen, die für die Deindustrialisierung in Deutschland verantwortlich sind.
    Also anders herum gefragt:
    Welche Maßnahmen sind in den letzten Jahren in die Wege geleitet worden, um die Deindustrialisierung zu verhindern oder zumindest abzubremsen?
    Ich meine sinnvolle Sachen, die nicht wie eine Seifenblase wieder zerplatzen.
    Z. B. die ganze Klima-Hysterie über Bord werfen.
    Nordstream reparieren.
    Sanktionen gegen Russland aufheben.
    Koalitionen mit der AfD.
    So optimal, wie die Deindustrialisierung vorangetrieben wird, kann das meiner Meinung nach nur geplante Sabotage sein.
    Wie die Sprengung von Nordstream auch.
    Aber vielleicht muss es den Deutschen erst wieder sehr, sehr schlecht gehen, bevor es eine Wende gibt.
    Und glaubt bitte nicht, dass die AfD schnell die Rettung bringt. Auch die AfD wird alle Gesetzte und Maßnahmen die zur Entdemokratisierung führen beibehalten um auch die eigene Macht weiter zu sichern und auszubauen, wenn sie irgendwann die Alleinregierung übernimmt.
    Es geht also viele Jahre erst einmal weiter ins Tal.
    Das wird ganz, ganz, großes Kino.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  4. Man kann die fehlende Pipeline als das Problem einstufen.

    Man kann auch den Bau der Pipeline als das Problem einstufen, der unsere gebündelte Kapazität von diesem Rohr abhängig gemacht hat.

    Ich bin überzeugter Merkelkritiker. Die hatte ja auch das Nuklear Aus beschlossen und die Schuldenbremse eingeführt und in der Flüchtlingskrise die Hände in den Schoß gelegt.

    Genau diese Entscheidungen haben zu der Situation geführt, überall ist das Gegenteil eingetreten, womit sie offenbar gerechnet hat. Wobei ich bezweifle, dass sie überhaupt mit etwas gerechnet hat.

    Damals vom hohen Ross die Moralpredigt gehalten. Energi haben wir, Flüchtlinge kein Problem…. Naiver gehts nicht mehr. Zur Wahrheit gehört, dass ihre Wähler das alles so gewollt haben. Das stimmt mich nachdenklich, sind das jetzt die gleichen, die blau wollen und die Ökos beschimpfen?

  5. Wenn die Zuwanderer so behandelt würden wie Unionsbürger, dann wäre schon einiges gerettet.
    Wer z. B. als Unionsbürger in ein anderes EU- Land auswande4n möchte, muss nachweisen, dass er sich selbst versorgen kann und eine Krankenversicherung hat.
    Wenn er 5 Jahre in dem Land lebt, sich selbst versorgen kann, hat den Anspruch auf einen Dauerwohnsitz.
    Sozialleistungen gibt es in den ersten 5 Jahren überhaupt nicht.
    Wer innerhalb der ersten 5 Jahre seine Einkommensgrundlage verliert, muss das Land verlassen.
    Wer Straftaten begeht, die die öffentliche Sicherheit gefährden, wird nach der Verbüßung der Haftstrafe abgeschoben.
    Die Frage ist nun:
    Warum werden in Deutschland nicht verfolgte Zuwanderer aus fernen Ländern besser gestellt, als Unios- Bürger?

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  6. Zweierlei Maß, nix Neues.

    Uch frage mich ohnehin, auf welcher Rechtsgrundlage das alles so läuft. Asyl ist ja geregelt aber wie geht das mit dem Rest, warum gibt es Anspruch auf Sozialgeld?

    Aber das ist nicht Ursache der Rezession, nur tut es jetzt halt weh, unter der Blüte der Rautenzeit glaubte man offenbar an ein Füllhorn endloser Stärke.

    Naiv eben bzw. das Gegengeil von klug und weitsichtig.

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