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Arbeitsmarkt: Eitel Sonnenschein laut Behörde – das kann man auch anders sehen!

Claudio Kummerfeld

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Probleme am Arbeitsmarkt vor allem wegen leerer Fussgängerzongen

Das „Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung“ (IAB), die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, beschäftigt sich mit Themen rund um den deutschen Arbeitsmarkt. Monatlich veröffentlicht das IAB sein Arbeitsmarktbarometer, so auch heute. Für Juli ist es um 3,1 Punkte auf 97,8 Punkte gestiegen. Gegenüber dem Vormonat habe der Frühindikator somit einen großen Sprung nach oben gemacht, so das IAB. Der Negativtrend am Arbeitsmarkt scheine weitgehend gestoppt zu sein. Die Arbeitsagenturen erwarten, dass das Gröbste vorerst geschafft ist, so das IAB heute. So hat die Arbeitslosigkeitskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers um 3,7 Punkte zugelegt, was den stärksten Anstieg seit Beginn der Reihe im Jahr 2008 darstellt. Das Niveau von 97,7 Punkten ist zwar nach wie vor schwach, deutet aber auf keine gravierenden Verschlechterungen in den kommenden Monaten mehr hin. Auch die Beschäftigungskomponente stieg deutlich um 3,3 Punkte auf nunmehr 98,0 Punkte.

Der Arbeitsmarkt habe den immensen wirtschaftlichen Schock bisher vergleichsweise gut verkraftet. Geholfen hätten dabei die Stützungsmaßnahmen der Politik und dass die Restriktionen für die Wirtschaft aufgrund der deutlich gesunkenen Covid-19-Infektionszahlen zügig wieder gelockert worden seien. Um die Kriseneffekte am Arbeitsmarkt wieder wettzumachen, bräuchte man aber eine stärkere Einstellungsdynamik. Auch bestünden für den weiteren Verlauf nach wie vor wirtschaftliche Risiken, wenn sich das Infektionsgeschehen wieder verschärfen sollte, so das IAB. Der folgende Chart zeigt das IAB-Arbeitsmarktbarometer seit dem Jahr2011.

Lage am Arbeitsmarkt ist nicht so rosig!

Also, alles Eitel Sonnenschein am deutschen Arbeitsmarkt, mit kleinem Restrisiko bei einer neuen Corona-Welle? Das sehen wir etwas anders. Gut, wir sind keine Arbeitsmarktforscher. Aber man kann allgemein bekannte Umstände bewerten, und mit gesundem Menschenverstand und offenen Augen durch die Gegend laufen. Wir möchten hier drei Gründe nennen, warum wir nicht glauben, dass die Lage am Arbeitsmarkt schon wieder so rosig aussieht.

1)
Die Kurzarbeit (hier erklärt) ist ja letztlich nichts weiter als ein Instrument, mit dem man Arbeitslose in ihrem Betrieb belässt. Sie haben nichts zu tun, bleiben aber angestellt, und beziehen vergleichbare Leistungen wie Arbeitslose. Gemäß den letzten Daten zu Ende Juni waren wohl knapp 7 Millionen Menschen in Deutschland auf Kurzarbeit gesetzt. Wie viele es jetzt aktuell sind, kann niemand genau sagen. Aber es wird eine ähnlich hohe Zahl sein. Letztlich bewirkt dieses (durchaus sinnvolle) Instrument, dass die offizielle Arbeitslosigkeit schön weit im Keller gehalten wird. Und nach außen hin wird eine Lage dargestellt, die nur halb so schlimm ist, obwohl die tatsächliche Lage am Arbeitsmarkt weitaus dramatischer ist.

2)
Wer mit gesundem Menschenverstand und offenen Augen dieser Tage durch die deutschen Innenstädte geht, der sieht jetzt schon reihenweise leere Geschäfte. Auch gibt es einige Modeketten, die schon insolvent sind, aber jetzt noch offen haben und Restbestände verkaufen. Kaufhof-Filialen, die dicht machen werden, haben auch noch offen, verkauft aber Restbestände. Aber wie gesagt. Die Leerstände sind unübersehbar. Schon vor dem Ausbruch der Coronakrise gab es zunehmend leere Geschäfte. Die Coronakrise war für diese Entwicklung nur ein Brandbeschleuniger. Der Amazon-Effekt (immer mehr Onlineshopping) kann diesen Niedergang von stationärem Einzelhandel nur teilweise erklären. Vielmehr konnten Ladenketten mit schlechten Geschäftsmodellen dank Geld zum Nulltarif (dank abgeschaffter Zinsen) lange überleben, wo sie früher ziemlich schnell pleite gegangen wären. So wurden aber viele Pleiten jahrelang hinausgezögert, egal ob bei Klamottengeschäften oder in der Gastronomie. Für den Arbeitsmarkt bedeutet diese Entwicklung mehr Arbeitslose!

3)
Der Witz (oder die Tragödie) ist: Im März verabschiedete die Bundesregierung eine Ausnahmeregel, wonach die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen von März bis Ende September ausgesetzt wird. Wenn also ein Geschäftsführer einer GmbH sieht, dass sein Laden pleite ist, müsste er eigentlich Insolvenz anmelden, damit er sich nicht strafbar macht (Insolvenzverschleppung). Von dieser Last ist er derzeit aber befreit, und kann seinen Pleiteladen noch bis Ende September weiter führen, ohne Insolvenz anmelden zu müssen. Wir meinen: Derzeit werden jede Menge Insolvenzen aufgespart und verschoben. Ab Oktober, wenn die Insolvenzantragspflicht wieder gilt, wird womöglich eine Lawine über die Amtsgerichte rollen. Wie zunehmend leere Geschäfte in den Innenstädten zeigen, gibt es trotz dieser Ausnahmeregel schon jetzt zahlreiche Unternehmen, die Insolvenz anmelden. Das ist kein gutes Zeichen. Dass derzeit aber auch reihenweise Insolvenzen aufgespart werden, erkennt man daran, dass die statistisch erhobene Zahl neuer Insolvenzen seit Monaten trotz Corona-Debakel sogar rückläufig ist. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Darauf weist in einem Nebensatz heute auch das IAB hin. Zitat: „Unabhängig davon würden vermehrte Insolvenzen nach dem Ende der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht am 30. September drohen.“

Hilft der Staat optisch nochmal aus?

Also, von einer rosigen Lage oder schönen Aussicht für den deutschen Arbeitsmarkt dürfte eigentlich keine Rede sein. Einerseits verdeckt die Kurzarbeit viel, und andererseits dürfte ab Oktober die Abwärtswelle bei Insolvenzen und Arbeitslosigkeit starten. Aber man weiß ja nie, ob die Bundesregierung die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht nicht noch schnell über Ende September hinaus verlängert? Vielleicht bis Jahresende? Schließlich hatte der Bund jüngst erst für Banken eine Ausnahmeregelung verlängert. Sie waren bis Ende Juni nicht verpflichtet gestundete Kredite als ausgefallene Kredite in ihren Büchern zu deklarieren (Thema „Schöne Bilanzen“). Diese Regelung wurde Ende Juni bis Ende September verlängert. Welch ein Glück für die Banken.

Barometer für den deutschen Arbeitsmarkt

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Scheer

    28. Juli 2020 12:36 at 12:36

    Gut analysiert, dennoch bedeuten schlechte, erwartete Zahlen nicht das es so sein muss.
    Man muss abwarten wie es tatsächlich kommt.

    • Avatar

      Schnucki aus Kentucki

      28. Juli 2020 13:09 at 13:09

      Halte jede Wette:
      Um den 10.01.2021 werden wir in Germoney garantiert 8 – 9 Mio Arbeitsfähige ohne Job und Jobchancen haben. Ohne die auf der faulen Sozi-Haut liegenden Gold-und Silberstückchen.

  2. Avatar

    Wolfgang Reiter

    28. Juli 2020 14:21 at 14:21

    Jobwunder Deutschland:

    https://egon-w-kreutzer.de/jobwunder-deutschland

    ohne weitere Kommentierung , da überflüssig

    • Avatar

      Schupo

      29. Juli 2020 10:11 at 10:11

      Nach Ende der Insolvenz-Schonzeit für Zombi-Unternehmen und ihre Betriebe wird des Arbeitslose geradezu hageln.
      Scholz wird die Insolvenz- und Kurzarbeitsregelugen um Volksaufstand zu vermeiden bis 2021 verlägern.
      Es ist wie bei einem Wasserstoff gefüllten Ballon:
      Je mehr man hineinpumpt desto heftiger wird der Knall ausfallen.
      Oma meinte immer: Kinder, kauft Kämme. Es kommen lausige Zeiten.

      • Avatar

        Scheer

        29. Juli 2020 16:31 at 16:31

        Sehr schönes Zitat.

      • Avatar

        Jan

        30. Juli 2020 10:13 at 10:13

        Wenn schon Oma zu besten Wirtschaftszeiten vor Pessimismus strotzte, scheint die negative Weltsicht bereits seit Generationen in den Genen zu schlummern.

  3. Pingback: Aktuelles vom 28. Juli 2020 – Teil 2 | das-bewegt-die-welt.de

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

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