Europa

Arbeitsmarkt im September erstaunlich robust – was macht das Thema Kurzarbeit?

Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich laut heute veröffentlichten offiziellen Daten der Bundesagentur für Arbeit im September erstaunlich robust. Denn die offizielle (!) Arbeitslosenquote ist gegenüber August von 5,1% auf 4,9% gesunken (2,23 nach 2,32 Millionen Arbeitslose). Kommt das dicke Ende für den Arbeitsmarkt erst noch in den nächsten Monaten, oder bleibt die Arbeitslosigkeit dank Demografiewandel schon jetzt konstant niedrig, auch in einer Rezession? Die tatsächliche Arbeitslosenquote (Kranke Arbeitslose, in Maßnahmen versteckte Arbeitslose, über 58jährige etc) liegt bei 6,8%. Auch sie ist rückläufig nach 6,9% im August.

Arbeitsmarkt September-Daten

Kurzarbeit

Und was macht das Thema Kurzarbeit als Frühindikator für eine schwächelnde Konjunktur, bei der die Betriebe ihre Mitarbeiter mit staatlicher Hilfe noch im Betrieb halten, anstatt sie zu entlassen? Die Bundesagentur für Arbeit hängt mir ihrer Veröffentlichung der Daten für die Kurzarbeit stets zwei ganze Monate hinterher. Daher geht es hier um den Monat Juli. Auf Seite 9 des heute veröffentlichten Berichts findet sich die Juli-Info zur sogenannten „konjunkturellen Kurzarbeit“. Es waren 43.000 betroffene Arbeitnehmer nach 47.000 im Juni und 14.000 im Juli 2018. Also, alles gut?

Schauen wir nochmal auf unsere Berichterstattung vom letzten Donnerstag an. Da hat das ifo-Institut aktuelle Umfragedaten für den Monat September veröffentlicht. Da hat die Anzahl der Unternehmen mit Kurzarbeit ein Niveau erreicht, das zuletzt auf dem Hochpunkt der Rezession 2012/13 gemessen wurde. Die Anzahl der Kurzarbeiter stieg damals auf knapp über 100 .00 Personen an, so sagte es ifo am letzten Donnerstag. Also: Entweder hat sich die Kurzarbeit zahlenmäßig binnen zwei Monaten (von Juli bis September) verdoppelt, oder die ifo-Umfrage ergibt grundsätzlich andere Ergebnisse als eine offizielle Erhebung der Behörde.

Arbeitsmarkt dunkelt sich nach Bundesländern betrachtet leicht ein

Betrachtet man in der folgenden aktuellen Grafik auf der linken Seite die Bundesländer, dann ist die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter in Deutschland im Saarland, in Sachsen-Anhalt und Thüringen schon leicht rückläufig im Jahresvergleich. Rechts ganz unten sieht man, dass der Sektor „Arbeitnehmerüberlassung“ binnen 12 Monaten 104.000 Stellen verloren hat, und das bei steigender Beschäftigung. Das bedeutet, dass die Arbeitgeber immer noch massiv Angst vor der Knappheit auf dem Arbeitsmarkt haben – also dass sie keine neuen Mitarbeiter mehr finden. Also lieber die Zeitarbeiter rüber ziehen in die Festanstellung, und so besser an den Betrieb binden.



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