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Europa

Arbeitsmarkt in Deutschland: Wo ist die Krise?

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Auch wenn es nicht ins derzeitige Bild passt, die Rezession in der Industrie in aller Munde ist sowie der Arbeitsplatzabbau im Automobilsektor und in der Zulieferindustrie: Die neuesten Zahlen vom deutschen Arbeitsmarkt sprechen eine andere Sprache – und für eine objektive Einschätzung der deutschen Konjunktur muss man diese Fakten ins große Bild einfügen.

Die Positivindikatoren

In meinem Artikel vom Donnerstag im Vorfeld der Arbeitsmarktdaten „Signale vom Arbeitsmarkt, die Anzeichen mehren sich“, habe ich auf verschiedene Indikatoren hingewiesen, die auf eine Stabilisierung oder sogar auf einen kleinen Aufschwung hindeuten: Das DIW-Konsumbarometer mit der positiven Vorhersage für das vierte Quartal, der Ifo-Index mit dreimonatiger Stabilisierung, das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mit dem Anstieg im monatlichen Arbeitsmarktbarometer und dann zuletzt das Ifo-Beschäftigungsbarometer: alles Indikatoren, die einen leichten Aufwärtstrend anzeigen. Deshalb erwartete man mit Spannung die großen Arbeitsmarktzahlen für Deutschland vom vergangenen Freitag – und sie fielen zur Überraschung vieler gut aus. Sie gingen im Black Friday-Fieber nur etwas unter.

Der stabile deutsche Arbeitsmarkt

Trotz der vielen Meldungen über die Entlassungen im Autosektor fiel die Arbeitslosigkeit im November auf ein Rekordtief seit der Wiedervereinigung.

Die Bundesagentur in Nürnberg meldete für November noch 2,180 Millionen Menschen ohne Job. Der Minister für den Arbeitssektor wies zwar auf den Trend zur Kurzarbeit hin, die seit August spürbar angestiegen sei, von 50.000 auf zuletzt 59.000. Doch sei dies noch nicht besonders auffällig, schließlich gab es während der Zeit der Eurokrise 2013 bereits 100.000 Menschen in Kurzarbeit.

Es gab auch weitere Erklärungen, die sich in den letzten Monaten bereits wiederholt haben. Solche wie: Unseren Volkswirten zufolge ist die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt trotz schwacher Konjunktur vor allem auf den Konsum zurückzuführen. Damit gleiche die andauernde positive Konsumlaune den Einbruch in der Industrie aus. Hauptleittragende sei vor allem die Autoindustrie, die als Schlüsselbranche in Deutschland derzeit unter den schwierigen Weltmarktbedingungen leide.

Die Zahlen der Arbeitsagentur:

Arbeitslose: -24.000 auf 2.180.000 (zum Vorjahresmonat: -6.000)
Beschäftigung (September 2019): +351.000 auf 33.963.000

Arbeitslosenrate 4,8 Prozent

Besonders kurios: Die Bundesagentur meldete, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Deutschland im November nochmals nach unten ging. Waren es im Oktober noch 708 000 Menschen, die länger als ein Jahr ohne Job waren, sank deren Zahl im November auf 698.000 und damit auf den niedrigsten Wert seit 1992.

 

Fazit

Sieht so ein Wirtschaftsabschwung mit baldiger Rezession aus? Trotz einer schon seit eineinhalb Jahre andauernden Schrumpfung im Industriesektor gibt es noch keinen Einbruch am Arbeitsmarkt. Diese wäre Voraussetzung für eine echte Rezession in Deutschland, denn der Konsum macht immerhin 50 Prozent des deutschen BIP aus und die Konsumlaune ist naturgemäß davon abhängig, ob man in einem Arbeitsverhältnis steht oder um den Arbeitsplatz zittern muss.

Es scheint fast so, als dass der Dax diese leichte Konjunkturstabilisierung mit seinen Kursen schon antizipiert hat. Zumal auch die Lohnentwicklung dafür spricht, mit einem Anstieg, der 2020 höher als in diesem Jahr ausfallen dürfte, wie ich es am vergangenen Dienstag „Lohnanstieg trotz Krise“ dargestellt habe.

Der Rentenmarkt ist für eine Anlage keine wirkliche Alternative, so dass es bei der Beurteilung der nahen Zukunft einmal mehr um die Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe geht. Für Deutschland führt eine Erholung nur über die Entwicklung in China. Aber auch hier war der entsprechende Einkaufsmanagerindex am Samstag in Asien mit 50,3 Punkten über die Wachstumsschwelle gesprungen (aktuell Chinas Caixin 51,8 Punkte). Am heutigen Montag gab es eine wahre Flut an Indikatoren zur Industrieentwicklung, die auf eine weitere Stabilisierung hindeuten. Nun hängt es am weiteren Fortgang im Handelsstreit, ob das Pflänzchen Hoffnung weitere Nahrung erhält.

Aber aufgepasst: Die Schere zwischen der Aktienentwicklung und den Konjunkturdaten hat sich inzwischen zu weit geöffnet – trotz einiger Stabilisierungszeichen tut hier eine Korrektur in Bälde not!

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DIW-Konjunkturbarometer weiter im Abwärtstrend – Coronavirus vs Binnenkonsum

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Das aktuellste Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wurde heute veröffentlicht. Mit aktuell 89,2 Punkten notiert es 0,8 Punkte unter dem Stand für das 4. Quartal 2019. Die Lage kann man beim Lesen der DIW-Kommentare so zusammenfassen: Die Industrie ist weiter in einer deftigen Rezession. Der Binnenkonsum (Bau und Dienstleistungen) federt diese Rezession ab und rettet die gesamte Wirtschaftsleistung vor der Rezession, was vor allem an den höheren Gehältern und damit mehr Konsum liege. Und beim Coronavirus, da könne man die Auswirkungen noch nicht genau ermitteln. Das ist verständlich, denn so ein Ereignis hat natürlich enorm viele Variablen, und es entwickelt sich ja auch sehr schnell und dynamisch. Hier das DIW auszugsweise im Wortlaut:

Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2020 um einen knappen Zehntelprozentpunkt gegenüber dem vorangegangenen Vierteljahr zulegen. Hinzu kommt die Ausbreitung des Corona-Virus, die Lieferketten stören und das Ausgabeverhalten privater Akteure vielerorts vorübergehend empfindlich dämpfen könnte. „Bisher ist der Corona-Effekt aber unklar und nicht zu beziffern“, sagt DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. „Fest steht nur: Die exportabhängige deutsche Industrie wäre bei einer anhaltenden weltweiten Ausbreitung des Virus besonders betroffen – etwa, wenn es zu Lieferengpässen bei aus China bezogenen Vorleistungsprodukten kommt.“ Zuletzt haben sich die Aussichten – etwa die Auftragseingänge oder die Produktionspläne – hierzulande aber sogar wieder etwas aufgehellt. Das laufende Auftaktquartal wird jedoch unabhängig vom Corona-Virus zum Beispiel im Maschinenbau und der Automobilbranche wohl schwächer ausfallen als bislang vermutet und die Industrie insgesamt in der Rezession verbleiben.

Das DIW-Konjunkturbarometer - weiter langsam im Abwärtstrend

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Es wird bald weniger gebaut in Deutschland!

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Es wird bald weniger gebaut in Deutschland. Das darf man vermuten, wenn man eine aktuelle Aussage und eine statistische Zahl anschaut. Da wäre erstens die gestrige monatliche Veröffentlichung zum ifo-Geschäftsklimaindex vom ifo-Institut aus München. Als letzte Anmerkung in der Headline-Veröffentlichung, hat ifo auch etwas zum Baugewerbe gesagt. Zitat: „Im Bauhauptgewerbe ist der Index erneut gesunken. Dies war pessimistischeren Erwartungen der Baufirmen geschuldet. Ihre aktuelle Lage schätzten sie im Gegensatz dazu wieder etwas besser ein.“

Also, aktuell ist die Lage noch gut, aber die Erwartungen sind pessimistisch. Das korrespondiert mit der Meldung von heute früh vom Statistischen Bundesamt. Hier hat man für Dezember die Auftragseingänge für das Bauhauptgewerbe veröffentlicht. Was aktuell die Auftragseingänge sind, das sind in vielleicht sechs oder zwölf Monaten die realen Umsätze. Sind die neuen Aufträge jetzt rückläufig, dann sinken in einigen Monaten die realen Umsätze. Und genau so sieht es derzeit aus. Denn für Dezember vermelden die Statistiker gegenüber November einen Rückgang bei den Auftragseingängen (saison- und kalenderbereinigt) von 4,8%. Das ist viel! Im wichtigeren Jahresvergleich zu Dezember 2018 ist es ein Rückgang von 5,0%.

Im Gesamtjahr 2019 stiegen die Auftragseingänge für das Baugewerbe im Vergleich zu 2018 noch um 3,2%. Aber die aktuelle Tendenz ist rückläufig! Tja, hat der Boom seinen Höhepunkt erreicht? Sieht man, was die Bahn derzeit angeblich auf die Beine stellen will, und wie, was, wo Bund und Kommunen alles bauen wollen – dann können die rückläufigen Auftragseingänge woran liegen? Sind die Gewerke aktuell derart ausgelastet und überlastet, dass sie gar keine neuen Aufträge mehr annehmen können? Müssen sie jetzt erstmal die vollen Auftragsbücher abarbeiten, und angeblich große Investitionsoffensiven versickern, weil es keine frei verfügbaren Handwerker und Baukapazitäten gibt? Im folgenden Chart sehen wir die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe im Verlauf der letzten zehn Jahre. Waren die jüngsten Hochs bei den Aufragseingängen etwa nur Peaks, die so extrem hoch waren, dass es nun zu einer Abwärtskorrektur kommen muss?

Auftragseingänge Bauhauptgewerbe

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BDI warnt vor Engpässen bei Lieferungen für deutsche Industrie

Der BDI fordert Hilfe der Bundesregierung – aber die wird wohl erst reagieren, wenn das Kind bereits in den Brunne gefallen ist..

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Der BdI (Bundesverband der Deutsche Industrie) warnt vor bald einsetzenden Lieferengpässen für die deutsche Industrie bei Lieferungen aus Fernost (vor allem natürlich China). Der BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang forderte heute die Bundesregierung auf „jetzt rasch wirtschaftspolitische Impulse für eine Belebung des Wachstums“ bereit zu stellen – womit vermutlich fiskalische Stimuli gemeint sind. So formuliert BDI-Hauptgeschäftsführer Lang im Wortlaut:

„Die deutsche Industrie fordert ein koordiniertes wirtschaftspolitisches Vorgehen der Bundesregierung. Neben dem Gesundheitsschutz muss die Politik ab sofort auch das wirtschaftliche Krisenmanagement in den Fokus nehmen. Die Unsicherheit über die Auswirkungen des Virus ist groß. Für die Konjunktur drohen spürbare negative Effekte.

Die Bundesregierung muss jetzt rasch wirtschaftspolitische Impulse für eine Belebung des Wachstums liefern. Erforderlich ist eine politische Einigung noch im ersten Vierteljahr. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft verdient mehr Aufmerksamkeit, als sie gegenüber parteipolitischen Fragestellungen erhält.

Aufgrund großer Unsicherheiten auf den Weltmärkten ist die Konjunktur in Deutschland schon schwach ins neue Jahr gestartet. Die Effekte der Epidemie erhöhen den Druck auf unsere Unternehmen zusätzlich.

Die Auswirkungen des Coronavirus sind in der globalen Wirtschaft und der exportorientierten deutschen Industrie deutlich zu registrieren. Die mehr als 5000 deutschen Unternehmen in China sind derzeit in Beschaffung, Produktion und Absatz stark eingeschränkt. In den kommenden Wochen rechnen mehrere Industriebranchen in Deutschland mit Engpässen bei Lieferungen aus Fernost, unter anderem Elektro, Automobil, Pharma und Papier.“

Erstaunlich ist, dass der Dax (vielmehr aber noch die Wall Street!) das bis zum letzten Wochenende irgendwie anders wahrgenommen hat – erst heute scheint sich die Schere zwischen fundamentaler ökonomischer Realität und Index-Kursen etwas zu verkleinern. Das gilt umso mehr für die US-Aktienmärkte – schließlich sind gerade die USA besonders abhängig von Zwischenprodukten, die aus China geliefert werden (und das viel stärker als Deutschland!). Bislang aber haben US-Verbände noch nicht ähnliche Warnungen heraus gegeben wie der BDI.

Dass die Bundesregierung, wie vom BDI gefordert, wirklich noch im ersten Vierteljahr reagieren wird, halten wir für überaus unwahrscheinlich. Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz dürfte, beflügelt vom guten Abschneiden der SPD in Hamburg – wobei der SPD-Wahlsieger Tschentscher ausdrücklich auf den Auftritt von SPD-Granden aus Berlin wie eben Scholz verzichten wollte – lieber an der schwarzen Null festhalten und sich das Geld für die Rente von den kleinen deutschen Aktien-Sparern holen. Erst wenn das Kind dann schon in den Brunnen gefallen ist, dürfte die auf „Aussitzen“ spezialisierte deutsche Groko reagieren..

 

Die Forderung des BdI dürfte bei der Bundesregierung ins Leere laufen

Olaf Scholz und Angela Merkel. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

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