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Arbeitsmarkt: Kurzarbeit kaschiert Krise – regional gut sichtbar – Lawine nächstes Jahr?

Claudio Kummerfeld

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Schweißer Symbolfoto - Kurzarbeit kaschiert Schwäche am Arbeitsmarkt

Schon vorgestern hatten wir anhand verschiedener Fakten aufgezeigt, dass die Krise am Arbeitsmarkt angekommen ist (den Artikel finden Sie hier). Aber auch abgesehen von den großen Daten finden sich im Kleinen überall in Deutschland Infos von Unternehmen und regionalen Behörden, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt verdüstert. Besonders die Kurzarbeit nimmt zu.

Kurzarbeit nimmt deutlich zu, stützt „schönen Arbeitsmarkt“

Wir haben es in den letzten Monaten schon mehrmals erwähnt. Durch das Instrument der Kurzarbeit wird die wunderschöne Lage am Arbeitsmarkt derzeit noch aufrecht erhalten. Denn je mehr Arbeitsplätze durch das Instrument der Kurzarbeit quasi künstlich am Leben gehalten werden, desto weniger Entlassungen gibt es. Die Beschäftigungsquote bleibt hoch – auf dem Papier.

Im Schwarzwald (wo die Welt ja noch in Ordnung ist?) ist das Thema Kurzarbeit bereits ein angesagtes Thema. Die Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim sagt dazu laut aktuellen Berichten Zitat „Trotz zahlreicher konjunktureller Risiken und teilweise rückläufiger Auftragslage versuchen die Unternehmen ihre Stammbelegschaften zu halten. Immer häufiger kommt dabei das Instrument der Kurzarbeit zum Einsatz, um Entlassungen zu verhindern.“ Die Arbeitsagentur für die Region Rhein-Rhön spricht aktuell laut Berichten sogar von einer Verdoppelung der Kurzarbeit!

Im Landkreis Göppingen, quasi im geografischen Herz Süddeutschlands, soll laut aktuellen Berichten die große Welle erst noch kommen. Einige Betriebe entlassen bereits. Andere Betriebe stellen sich laut IG Metall darauf ein im nächsten Jahr das Instrument der Kurzarbeit zu nutzen. Darunter seien die Werkzeugmaschinenhersteller wie MAG, Stama und Emag.

„Da kommt was auf uns zu“

In der Lausitz wird der regionale Leiter der Bundesagentur für Arbeit aktuell mit dem Ausspruch zitiert „Da kommt was auf uns zu“. Es gebe klare Vorboten für eine Eintrübung der Konjunktur, so die Worte von Heinz-Wilhelm Müller. Dazu zähle der Anstieg bei den Kurzzeitarbeitslosen, weniger gemeldete freie Stellen beispielsweise bei Zeitarbeitsfirmen und vor allem die Zunahme von Kurzarbeit. Insgesamt 3736 Anträge auf Kurzarbeitergeld seien von Januar bis Oktober 2019 gestellt worden. „Das sind dreimal so viele wie im Vorjahr“. „Da kommt was auf uns zu“, so Müllers Befürchtung.

Im Kreis Siegen-Wittgenstein in NRW melden laut dortiger Agentur derzeit immer mehr Unternehmen Kurzarbeit an. Die Anzeigen für Kurzarbeit seien im Monat Oktober erneut gestiegen. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergeldes zeige aber auch, dass die Betriebe ihre Belegschaften weiterhin durch das Instrument an sich binden und halten wollen, so die Agentur in der Region.

Das waren jetzt mal nur einige wenige Auszüge aus aktuell vorhandenen regionalen Berichten. Tja, was kann man dazu sagen? Unbemerkt von der bundesweiten Wahrnehmung rollt offenbar eine Welle an Kurzarbeit auf den deutschen Arbeitsmarkt zu, der in den nächsten Wochen und Monaten sichtbarer werden dürfte. Noch sind es keine Entlassungen, sondern der Versuch über die Kurzarbeit die Belegschaft im Betrieb zu halten, für die Zeit nach der Krise.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Querdenker aus München

    3. November 2019 15:51 at 15:51

    Ein guter, wahrheitsgemässer Artikel. Die Wahrheit wird uns schon bald einholen. Information: https://egon-w-kreutzer.de/jobwunder-deutschland
    Mit freundlichen Grüssen;

  2. Avatar

    Querdenker aus München

    3. November 2019 16:31 at 16:31

    „Noch sind es keine Entlassungen, sondern der Versuch über die Kurzarbeit die Belegschaft im Betrieb zu halten, für die Zeit nach der Krise.“
    Wer meint denn, nach der Kurzarbeit sei mehr Arbeit da als vorher ? Das Gegenteil ist wahrscheinlich, es sei denn es wurden bis dahin zukunftsfähige Konzepte entwickelt. Mit freundlichen Grüssen;

  3. Avatar

    Michael

    16. November 2019 21:42 at 21:42

    @Claudio Kummerfeld, warum berichten Sie nicht auch einmal über 1,2 Millionen Vollzeitstellen, die sich Arbeitgeber so halblegal einverleiben?
    https://www.n-tv.de/politik/Arbeitnehmer-mit-einer-Milliarde-Uberstunden-article21399162.html

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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