Boom & Bust Finanztalk 23. Sept. 2021
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Arbeitsmarkt: Kurzarbeit kaschiert Krise – regional gut sichtbar – Lawine nächstes Jahr?

Schweißer Symbolfoto - Kurzarbeit kaschiert Schwäche am Arbeitsmarkt

Schon vorgestern hatten wir anhand verschiedener Fakten aufgezeigt, dass die Krise am Arbeitsmarkt angekommen ist (den Artikel finden Sie hier). Aber auch abgesehen von den großen Daten finden sich im Kleinen überall in Deutschland Infos von Unternehmen und regionalen Behörden, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt verdüstert. Besonders die Kurzarbeit nimmt zu.

Kurzarbeit nimmt deutlich zu, stützt „schönen Arbeitsmarkt“

Wir haben es in den letzten Monaten schon mehrmals erwähnt. Durch das Instrument der Kurzarbeit wird die wunderschöne Lage am Arbeitsmarkt derzeit noch aufrecht erhalten. Denn je mehr Arbeitsplätze durch das Instrument der Kurzarbeit quasi künstlich am Leben gehalten werden, desto weniger Entlassungen gibt es. Die Beschäftigungsquote bleibt hoch – auf dem Papier.

Im Schwarzwald (wo die Welt ja noch in Ordnung ist?) ist das Thema Kurzarbeit bereits ein angesagtes Thema. Die Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim sagt dazu laut aktuellen Berichten Zitat „Trotz zahlreicher konjunktureller Risiken und teilweise rückläufiger Auftragslage versuchen die Unternehmen ihre Stammbelegschaften zu halten. Immer häufiger kommt dabei das Instrument der Kurzarbeit zum Einsatz, um Entlassungen zu verhindern.“ Die Arbeitsagentur für die Region Rhein-Rhön spricht aktuell laut Berichten sogar von einer Verdoppelung der Kurzarbeit!

Im Landkreis Göppingen, quasi im geografischen Herz Süddeutschlands, soll laut aktuellen Berichten die große Welle erst noch kommen. Einige Betriebe entlassen bereits. Andere Betriebe stellen sich laut IG Metall darauf ein im nächsten Jahr das Instrument der Kurzarbeit zu nutzen. Darunter seien die Werkzeugmaschinenhersteller wie MAG, Stama und Emag.

„Da kommt was auf uns zu“

In der Lausitz wird der regionale Leiter der Bundesagentur für Arbeit aktuell mit dem Ausspruch zitiert „Da kommt was auf uns zu“. Es gebe klare Vorboten für eine Eintrübung der Konjunktur, so die Worte von Heinz-Wilhelm Müller. Dazu zähle der Anstieg bei den Kurzzeitarbeitslosen, weniger gemeldete freie Stellen beispielsweise bei Zeitarbeitsfirmen und vor allem die Zunahme von Kurzarbeit. Insgesamt 3736 Anträge auf Kurzarbeitergeld seien von Januar bis Oktober 2019 gestellt worden. „Das sind dreimal so viele wie im Vorjahr“. „Da kommt was auf uns zu“, so Müllers Befürchtung.

Im Kreis Siegen-Wittgenstein in NRW melden laut dortiger Agentur derzeit immer mehr Unternehmen Kurzarbeit an. Die Anzeigen für Kurzarbeit seien im Monat Oktober erneut gestiegen. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergeldes zeige aber auch, dass die Betriebe ihre Belegschaften weiterhin durch das Instrument an sich binden und halten wollen, so die Agentur in der Region.

Das waren jetzt mal nur einige wenige Auszüge aus aktuell vorhandenen regionalen Berichten. Tja, was kann man dazu sagen? Unbemerkt von der bundesweiten Wahrnehmung rollt offenbar eine Welle an Kurzarbeit auf den deutschen Arbeitsmarkt zu, der in den nächsten Wochen und Monaten sichtbarer werden dürfte. Noch sind es keine Entlassungen, sondern der Versuch über die Kurzarbeit die Belegschaft im Betrieb zu halten, für die Zeit nach der Krise.



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3 Kommentare

  1. Querdenker aus München

    Ein guter, wahrheitsgemässer Artikel. Die Wahrheit wird uns schon bald einholen. Information: https://egon-w-kreutzer.de/jobwunder-deutschland
    Mit freundlichen Grüssen;

  2. Querdenker aus München

    „Noch sind es keine Entlassungen, sondern der Versuch über die Kurzarbeit die Belegschaft im Betrieb zu halten, für die Zeit nach der Krise.“
    Wer meint denn, nach der Kurzarbeit sei mehr Arbeit da als vorher ? Das Gegenteil ist wahrscheinlich, es sei denn es wurden bis dahin zukunftsfähige Konzepte entwickelt. Mit freundlichen Grüssen;

  3. @Claudio Kummerfeld, warum berichten Sie nicht auch einmal über 1,2 Millionen Vollzeitstellen, die sich Arbeitgeber so halblegal einverleiben?
    https://www.n-tv.de/politik/Arbeitnehmer-mit-einer-Milliarde-Uberstunden-article21399162.html

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