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Europa

Arbeitsmarkt: Ohne höhere „Arbeitslosigkeit“ durch den zweiten Lockdown

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Eingang einer Filiale der Bundesagentur für Arbeit

Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt für den Monat Dezember mal wieder erstaunliche Daten, zumindest auf den ersten Blick. Daher habe ich das Wort Arbeitslosigkeit in der Headline dieses Artikels auch in Ausrufezeichen gesetzt. Denn es ist ja immer die Frage, wie man Arbeitslosigkeit definiert. Wenn man nichts oder eher wenig zu tun hat, weiterhin im Betrieb ist und nicht entlassen wird, ist man offiziell eben nicht arbeitslos. Das Geld kommt indirekt zwar auch vom Amt, aber offiziell ist man weiter im Betrieb beschäftigt.

Und so steigt die „Arbeitslosigkeit“ in diesem zweiten Corona-Lockdown eben nicht an. Offiziell, so zeigen es heute veröffentlichte Daten der Bundesagentur für Arbeit, steigt die Arbeitslosigkeit im Dezember gegenüber November gerade mal um 8.000 auf 2.707.000 Personen. Dieser Anstieg ist so gering, dass die Arbeitslosenquote unverändert bleibt bei 5,9 Prozent. Saisonbereinigt ist die Arbeitslosigkeit im Dezember sogar um 37.000 Personen gesunken. Was für ein robuster deutscher Arbeitsmarkt, mag man sich da denken!

Das „Geheimnis“ dieser rosigen Lage am deutschen Arbeitsmarkt sieht man immer erst bei genauerem Hinsehen. Das Instrument der Kurzarbeit, so gut und sinnvoll es auch sein mag, vernebelt auf den ersten Blick die Realität. Zu den 2,7 Millionen offiziell Arbeitslosen kommen laut gestriger Meldung des ifo-Instituts im Dezember nochmal 1,95 Millionen Menschen dazu, die in Kurzarbeit sind. Auch hier sieht man keine Erhöhung der Zahl gegenüber November! Aber es liegen heute frische Daten der Bundesagentur für Arbeit für die Dezember-Anzeigen für Kurzarbeit vor. Hier im Wortlaut:

Nach aktuellen Daten zu geprüften Anzeigen wurde vom 1. bis einschließlich 28. Dezember für 666.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Das höhere Niveau der Anzeigen im November und Dezember ist auf die erneuten Eindämmungsmaßnahmen infolge der zunehmenden Infektionszahlen zurückzuführen. Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis Oktober zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im Oktober für 1,99 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen.

Hier das wichtigste Datenblatt der Bundesagentur für Arbeit für die Daten zum Arbeitsmarkt im Dezember:

Detaildaten zur Lage am Arbeitsmarkt im Dezember

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Marktbeobachter

    5. Januar 2021 14:06 at 14:06

    Wieso versteht man bei FMW den Unterschied zwischen der Arbeitslosigkeit in einer Pandemie und einer normalen Rezession nicht?
    Die Arbeitslosen sind nicht arbeitslos, weil ihr Betrieb pleite ist, sondern weil es wegen des Infektionsschutzgesetzes sein muss. Wenn der Lockdown vorbei ist, können Restaurantbetriebe sofort wieder öffnen, genau wie fast alle Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Die Arbeitslosenzahlen vernebeln doch nicht den Blick. Wenn das Kurzarbeitergeld hilft und der behördlich verordnete Stillstand vorbei ist, sind die Arbeitslosen in der Mehrzahl wieder in Brot und Arbeit. Von heute auf morgen. Aber es geht bei FMW nahezu ausschließlich nur noch um Nachrichten, die einen Einbruch rechtfertigen. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      5. Januar 2021 15:25 at 15:25

      @Marktbeobachter, nein, darum geht es ja eben nicht!

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Europa

Aktuell: EZB-Entscheidung veröffentlicht

Claudio Kummerfeld

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am

EZB-Tower in Frankfurt

Die EZB hat soeben ihre Entscheidung veröffentlicht.

Der EZB-Leitzins (Refinanzierungssatz) bleibt unverändert bei 0,00 Prozent. Der extrem wichtige Banken-Einlagenzins, auf den sich Banken bzgl. der Negativzinsen berufen, bleibt ebenfalls unverändert bei -0,50 Prozent. Die Marginal Lending Facility bleibt ebenfalls unverändert bei 0,25 Prozent.

Die Aufkaufprogramme für Anleihen und Liquiditätsspritzen für die Banken werden wie bisher fortgesetzt.

Um 14:30 Uhr folgt die PK von Christine Lagarde. Wir berichten dann umgehend über alle interessanten Aussagen. Hier das offizielle Statement der EZB zur jetzigen Entscheidung:

Zweitens wird der EZB-Rat die Ankäufe im Rahmen des Pandemie-Notfallankaufprogramms (Pandemic Emergency Purchase Programme – PEPP) fortsetzen. Dies hat einen Gesamtumfang von 1 850 Mrd €. Der EZB-Rat wird die Nettoankäufe im Rahmen des PEPP mindestens bis Ende März 2022 und in jedem Fall so lange durchführen, bis die Phase der Coronavirus-Krise seiner Einschätzung nach überstanden ist. Die Ankäufe im Rahmen des PEPP werden durchgeführt, um während der Pandemie die günstigen Finanzierungsbedingungen aufrechtzuerhalten. Wenn mit Ankäufen, die den Gesamtumfang des PEPP über den Zeithorizont der Nettoankäufe hinweg nicht voll ausschöpfen, günstige Finanzierungsbedingungen aufrechterhalten werden können, muss dieser Gesamtumfang nicht vollständig genutzt werden. Genauso kann der Umfang erforderlichenfalls auch rekalibriert werden, um günstige Finanzierungsbedingungen aufrechtzuerhalten und so dem negativen Schock der Pandemie auf die Inflationsentwicklung entgegenzuwirken.

Der EZB-Rat wird die Tilgungsbeträge der im Rahmen des PEPP erworbenen Wertpapiere mindestens bis Ende 2023 weiterhin bei Fälligkeit wieder anlegen. Das zukünftige Auslaufen des PEPP-Portfolios wird in jedem Fall so gesteuert, dass eine Beeinträchtigung des angemessenen geldpolitischen Kurses vermieden wird.

Drittens werden die Nettoankäufe im Rahmen des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (Asset Purchase Programme – APP) in einem monatlichen Umfang von 20 Mrd € fortgesetzt. Der EZB-Rat geht weiterhin davon aus, dass die monatlichen Nettoankäufe von Vermögenswerten im Rahmen des APP so lange fortgesetzt werden, wie dies für die Verstärkung der akkommodierenden Wirkung seiner Leitzinsen erforderlich ist, und dass sie beendet werden, kurz bevor er mit der Erhöhung der EZB-Leitzinsen beginnt.

Der EZB-Rat beabsichtigt, die Tilgungsbeträge der im Rahmen des APP erworbenen Wertpapiere weiterhin bei Fälligkeit für längere Zeit über den Zeitpunkt hinaus, zu dem er mit der Erhöhung der Leitzinsen beginnt, vollumfänglich wieder anzulegen und in jedem Fall so lange wie erforderlich, um günstige Liquiditätsbedingungen und eine umfangreiche geldpolitische Akkommodierung aufrechtzuerhalten.

Schließlich wird der EZB-Rat weiterhin reichlich Liquidität über seine Refinanzierungsgeschäfte zur Verfügung stellen. Insbesondere stellt die dritte Serie gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO III) nach wie vor eine attraktive Finanzierungsquelle für Banken dar, wodurch deren Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte unterstützt wird.

Der EZB-Rat ist nach wie vor bereit, alle seine Instrumente gegebenenfalls anzupassen, um sicherzustellen, dass sich die Teuerungsrate – im Einklang mit seiner Verpflichtung auf Symmetrie – auf nachhaltige Weise seinem Ziel annähert.

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone: Fünfter Monat Deflation – Osteuropa koppelt sich ab

Claudio Kummerfeld

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Taschenrechner und Münzen

Die Verbraucherpreise in der Eurozone für Dezember wurden soeben endgültig bestätigt mit -0,3 Prozent. Damit hängt man nun den fünften Monat in Folge in der Deflation. Die Energiepreise fallen weniger stark mit „nur noch“ -6,9 Prozent im Jahresvergleich nach -8,3 Prozent im November. Die Preissteigerung bei Lebensmitteln fiel mit +1,3 Prozent geringer aus als in den Vormonaten mit +1,9 Prozent. Auffällig bleibt wie in den Vormonaten, dass Osteuropa ganz klar nicht in der Deflation hängst, sondern ganz klar positive Preisentwicklungen hinlegt. Dadurch ist der Schnitt für die gesamte EU bei +0,3 Prozent. Gut sichtbar ist der Unterschied zwischen West- und Osteuropa in der ersten Grafik.

Verbraucherpreise je nach Ländern im Detail

Grafik zeigt Dezember-Verbraucherpreise im Detail

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Europa

ZEW Index etwas besser als erwartet – Exporterwartungen verbessert

Redaktion

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Von

Jeden Monat wird der ZEW Index vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erhoben. Der Index gilt daher als ein wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die gerade veröffentlichten Daten sind wie folgt ausgefallen:

Der ZEW-Index (Konjunkturerwartungen Januar) ist mit +61,8 Punkten etwas besser ausgefallen als erwartet (Prognose war +60,0; Vormonat war +55,0).

Die Einschätzung der aktuellen Lage aber liegt bei -66,4 (Prognose war -68,5; Vormonat war -66,5) – damit sehen wir weiterhin eine starke Divergenz zwischen Erwartung und der Einschätzung der aktuellen Lage.

Laut ZEW sind es vor allem die verbesserten Exporterwartungen, die den Index nach oben gezogen haben!

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