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Aktuelle Daten von der Bundesagentur für Arbeit Arbeitsmarkt im September: Deindustrialisierung nimmt weiter zu

Heute gemeldete Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen: Am Arbeitsmarkt ist die zunehmende Deindustrialisierung gut erkennbar!

Bundesagentur für Arbeit in Hamburg
Bundesagentur für Arbeit in Hamburg. Foto: Claudio Kummerfeld

Um 10 Uhr wurden neue Daten der Bundesagentur für Arbeit gemeldet für den deutschen Arbeitsmarkt im September. Daraus geht auf den ersten Blick positiv hervor: Die Arbeitslosigkeit sinkt im Monatsvergleich um 70.000 auf 2,955 Millionen Arbeitslose (offiziell Arbeitslose). Es sind aber immer noch 148.000 Arbeitslose mehr als vor genau einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sinkt von 6,4 % auf 6,3 %. So weit, so gut? Immerhin kann man sagen, dass die große runde Zahl von 3 Millionen Arbeitslosen aus August jetzt wieder unterschritten wurde.

Arbeitsmarkt-Daten zeigen fortschreitende Deindustrialisierung

Die Deindustrialisierung in Deutschland nimmt weiter an Fahrt auf. Bei den neu geschaffenen oder abgebauten Arbeitsstellen je nach Branche veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit die Daten (Seite 8 im Bericht) immer mit zwei Monaten Verzögerung. Von daher haben wir heute die Daten für Juli erhalten! Dort sehen wir: Das gesamte Verarbeitende Gewerbe hat im Juli im Jahresvergleich 154.000 Stellen abgebaut. Im Juni waren es noch -146.000 Stellen.

Von daher hat sich der Abbau binnen vier Wochen um weitere 8.000 erhöht. Und die ständigen Meldungen von Industrie-Betrieben über den Abbau von Arbeitsplätzen in den letzten Monaten dürften mit „Verzögerungszünder“ auf dem deutschen Arbeitsmarkt einschlagen. Denn die Verkündung von Stellenstreichungen bedeutet in der Regel, dass der tatsächliche Stellenabbau erst Wochen oder Monate später stattfindet. Oder oft strecken Unternehmen den Stellenabbau über mehrere Jahre. Dazu sehe man zum Beispiel den Abbau von 13.000 Stellen bei Bosch, der bis zum Jahr 2030 stattfinden soll. Die Meldungen der letzten Wochen und Monate dürften also erst nach und nach auf den Arbeitsmarkt wirken. Die Statistik dürfte sich wohl weiter verschlechtern, Schritt für Schritt, und ohne überraschend kräftigen Absturz.

Grafik zeigt verzögerte Details für den deutschen Arbeitsmarkt

Kurzarbeit

Nach den aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit wurde vom 1. bis einschließlich 24. September für 36.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt.
Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis Juli 2025 zur Verfügung. In diesem Monat wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten für 199.000 Beschäftigte konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Das waren 4.000 weniger als im Vormonat, aber 5.000 mehr als im Juli des Vorjahres.

Deutsche Bank mit Kommentar

Volkswirt und Arbeitsmarktexperte Marc Schattenberg (Deutsche Bank Research) schreibt aktuell zu den September-Zahlen für den deutschen Arbeitsmarkt: „Wie zu dieser Jahreszeit üblich, ist die Arbeitslosenzahl im September gesunken und fiel wieder leicht unter die Marke von 3 Millionen. Bereinigt um diese saisonalen Faktoren steht aber ein überraschend kräftiger Anstieg um rund 14.000 Personen zu Buche. Die Arbeitslosenquote verharrte weiter bei 6,3%. Derzeit dämpfen sowohl die konjunkturelle Schwäche als auch der strukturelle Wandel in deutschen Schlüsselindustrien die Dynamik am Arbeitsmarkt. Nach den jüngsten Daten vom Juli ist der Verlust an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung gegenüber Vorjahr im Verarbeitenden Gewerbe besonders ausgeprägt. Einen kräftigen Aufwuchs verzeichneten erfreulicherweise hingegen die Wirtschaftszweige Pflege, Gesundheitswesen sowie der Öffentliche Dienst.“

FMW-Kommentar

Unser Kommentar zu den aktuellen Daten: So nett es auch sein mag, dass der Aufbau neuer Stellen in Pflegeberufen und beim Staat die Arbeitslosigkeit insgesamt abmildert: In der Industrie wird der Wohlstand für eine Volkswirtschaft geschaffen. Dienstleistungen und vor allem der Staat leben davon, dass in Industriebetriebe Geld verdienen, Steueraufkommen produzieren, Aufträge an Dienstleister vergeben usw. Mit dem stetigen Abbau der Industrie in Deutschland wird die Finanzierung von allen anderen Bereichen der Volkswirtschaft stetig schwieriger, und der Wohlstand der breiten Masse der Bevölkerung nimmt langfristig ab.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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14 Kommentare

  1. Stimme zu. Dass in Pflegeberufen Stellen aufgebaut wurden, ist zum einen wenig verwunderlich. So sehr diese Stellen auch gebraucht und leider meiner Meinung nach oft unterbezahlt sind, sie erwirtschaften keinen Wert in dem Sinne! Gleiches gilt für die öffentliche Verwaltung.

    Möchte nicht wissen, was aus den Quoten so alles rausgerechnet wird und ich finde, es ist Zeit, der Bevölkerung echte Zahlen zu repräsentieren. Im Prinzip geht es ja nicht nur um die statistisch relevanten (!!!) Arbeitslosengeld I-Bezieher, es sei denn man will genau nur die betrachten und an der Stelle: Zu welchem Zweck? Damit es nicht so schlimm aussieht?

    Wenn man beurteilen will, ob die Gesellschaft ein tragfähiges Konstrukt hat, braucht es das Gesamtbild in echt, das Gesamtkosten gegen Gesamteinahmen gegenüberstellt. Ich bin mir sicher, dieses Bild wäre nicht so gut, vorsichtig ausgedrückt.

    1. Richtig. Wir verfügen nicht über korrekte Daten. Selbst im BIP werden fiktive Werte für Rotlicht und Schwarzarbeit hinzugefügt. Und die Posten, die nicht wertschaffend sind, sondern konsumierend, werden genauso positiv berechnet, wie die wertschaffenden.

      Entscheidend ist einzig und allein die Wertschöpfung im Primärbereich. Alles was dort an Erträgen erwirtschaftet wird, bezahlt alles, und ermöglicht zusätzlich, ein Defizit durch Verschuldung zu tragen.

      In diesem September werden wir etwa 100.000 Stellen im Primärbereich verlieren. Das ist nicht lange durchhaltbar.

  2. Ich verstehe das nicht? Warum soll bsw die öffentliche Verwaltung keinen Wert erwirtschaften? Ich weiß das es vor 100 Jahren noch hieß, dass nur in der Landwirtschaft Wert erwirtschaftet würde und nicht in der Industrie. Ist das auch so etwas?

    Ich bin dagegen sogar der Meinung, dass wenn man zB digitale Dinge in Computerspielen verkauft, man Werte schafft. Deshalb halte ich auch die Aussage für falsch, dass es kein unendliches Wirtschaftswachstum geben könne.

    1. Ich glaube mit Wert ist nicht der Wert oder die Wertschätzung der Arbeit gemeint, alles hat seinen Sinn.

      Die öffentliche Verwaltung wird von Steuermitteln bezahlt und baut nichts, das großartig verkauft werden könnte, mit Ausnahme von Verwaltungsgebühren.

      Der Industriemitarbeiter wird nicht von Steuermitteln bezahlt und erwirtschaftet gleichzeitig ein Produkt, das verkauft wird, also an der Wertschöpfungskette teilnimmt. Gleichzeitig zahlt der Industriemitarbeiter und der Arbeitgeber in den Steuertopf ein. Der Verwaltungsmitarbeiter wird aus diesem bezahlt.

  3. @ Robert, ihr Verständnis ist unterirdisch.Wenn eine Firma 10 Mitarbeiter hat und nur drei Leute produktive ( verkäufliche) Leistungen erbringen und 7Leute in der Verwaltung ( im sekundären Bereich ) arbeiten, ist es wohl absehbar,dass es nicht geht. Somit ist auch das nötige Gesundheits- und Sozialwesen ein Kostenfaktor der nötig ist, aber nicht zu hoch sein sollte.

    1. Genau das glaube ich nicht. Es gibt Unternehmen an der Börse die im Gesundheitswesen aktiv sind. In Asien gibt es Unternehmen, die im Bereich Nachhilfe für Schüler ihr Geld verdienen, oder nehmen Sie Führerschein-Schulen bei uns.

      Was richtig ist, ist, dass es in diesen Branchen in der Regel schlecht bei der Produktivität aussieht und ob es viel Umsatzwachstum geben kann, weiß ich nicht.

      Auch bei einer Verwaltung ist es so, dass die durchaus eine Leistung erbringt, die auch bezahlt wird. Vielleicht ist hier das Problem, dass diese Leistung wahrscheinlich nie auf einem Markt angeboten wird? Obwohl der Ansatz Arbeit auszulagern da vielleicht etwas geändert hat. So könnte man zB die IT-Betreuung an einen externen Dienstleister auslagern. Cloud-Computing ist auch so etwas.

  4. Staatsbäckerei der SPD

    Wirtschaft einfach erklärt. Das Bruttosozialprodukt ist wie ein Kuchen. Wenn immer mehr Leute ohne beim Backen mitzuhelfen ein Stück vom Kuchen wollen wird halt der Kuchen immer kleiner. Wenn Verwaltung,Handel, Steuern und Verteilung immer mehr vom Kuchen wegfrisst und dem Bäcker am wenigsten bleibt, gibt es auch immer weniger Bäcker und das Kuchenstück pro Kopf wird noch kleiner.Am schlimmsten ist,wenn der Staat zuviel wegnimmt ( Staatsquote von 50 % und mehr) Wenn das Bürgergeld höher ist als der Bäckerlohn, gibt es gar keine Bäcker mehr. Der Staat verteilt dann mit Schulden künstlichen Kuchen, der erst von der nächsten Generation gebacken werden müsste.

    1. So ist es. Sie haben es treffend beschrieben.

  5. Ich denke, die Deindustrialisierung von Deutschland ist notwendig, denn allein die notwendige Prozesswärme für die Industrien durch spreisgünstigen Strom zur Verfügung zu stellen, ist nicht möglich. Und schon gar nicht über den Umweg durch Wasserstoff.
    Also wird der Niedergang der deutschen Industrie weitergehen.
    Mit den Konsequenzen für den Arbeitsmarkt, das Gewerbesteueraufkommen für die Städte, Minder-Einnahmen für die Sozialkassen, usw.

    …„Verbrauchern kaum zuzumuten“: Strompreis-Problem droht – wegen neuen Gaskraftwerken…

    https://www.merkur.de/wirtschaft/verbrauchern-kaum-zuzumuten-strompreis-problem-droht-wegen-neuen-gaskraftwerken-zr-93953542.html

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  6. @ Robert, wenn sie 2 Haushalthilfen, einen Gärtner und einen Chauffeur einstellen und gut bezahlen, haben diese Leute für sich selber eine gute Wertschöpfung und ein gutes Geschäft aber ihr Privathaushalt schneidet dann wohl sehr schlecht ab.

  7. Bundeskanzler Friedrich Merz tönte auf einer Pressekonferenz im Rahmen der aktuellen Klausur der Bundesregierung: Die Investitionen am Wirtschaftsstandort Deutschland nehmen zu. Das Institut der deutschen Wirtschaft hingegen stellt fest: Die Investitionen am Wirtschaftsstandort Deutschland sind rückläufig./Quelle für letzteres: n-tv-Teletext

    1. Wenn man sich die Rede von Bundeskanzler Friedrich Merz zum diesjährigen Tag der Deutschen Einheit so anhört, muß man davon ausgehen, daß eine interessenorientierte Außenwirtschaftspolitik, welche berücksichtigt, daß sich jedes einzelne UN-Mitgliedsland auf seine Souveränität und territoriale Integrität auf Grundlage der UN-Charta berufen kann, auch weiterhin nicht zu seiner Agenda gehören wird.

      1. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas fordern im Rahmen von öffentlichen Aufträgen eine Bevorzugung von deutschem Stahl unter dem Motto: Arbeitsplätze sichern./Quelle: RTL-Fernsehtext. Von der gelenkten sozialistischen Marktwirtschaft der Volksrepublik China hingegen wird ein entsprechender Marktzugang erwartet.

        1. Die deutschen Autozulieferer wollen entsprechend Stellen streichen, Investitionen verschieben, ins Ausland verlagern oder ganz streichen./Quelle: Vox up-Fernsehtext. Von dem anstehenden Automobilgipfel bei Bundeskanzler Friedrich Merz versprechen sie sich somit wohl nicht allzu viel.

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