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Arbeitsmarkt total robust, aber nur auf den ersten Blick

Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich trotz Einbruch in der Industrie robust. Die Arbeitslosigkeit sinkt (mal wieder) auf ein historisches Tief. Dieses mal ist es für den Monat April die niedrigste offizielle (!) Arbeitslosenquote seit 30 Jahren! Sie liegt bei 4,9% nach 5,1% im März und 5,3% im April 2018. Wie kann sich die Arbeitslosigkeit so gut abkoppeln von der Konjunktur? Die Bundesagentur für Arbeit sagt es in ihrem heutigen Monatsbericht für April (aber wer liest den schon?) ziemlich deutlich, dass es zwei Gründe für die gute Lage gibt, die aber nicht in einem immer noch „gut laufenden Arbeitsmarkt“ zu finden sind. So schreibt die Agentur Zitat:

Nach der Stagnation des Wirtschaftswachstums im vierten Quartal 2018 ist auch zu Beginn des Jahres 2019 nicht mit hohen Wachstumsraten zu rechnen. Der Arbeitsmarkt zeigt sich gegenüber dieser konjunkturellen Schwächephase robust. Die Beschäftigung steigt weiter, auch weil die Unternehmen sich zunehmend knappe Arbeitskräfte sichern. Die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern bleibt auf hohem Niveau, wird aber etwas schwächer. Im Zuge der Frühjahrsbelebung sind Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung weiter gesunken. Die Arbeitslosigkeit hat sich auch saisonbereinigt verringert, allerdings allein deshalb, weil mehr Arbeitsmarktpolitik eingesetzt wurde. Die Unterbeschäftigung, die solche Effekte berücksichtigt, ist saisonbereinigt leicht gestiegen.

Aber im Jahresvergleich sieht es immer noch gut aus. Denn hier liegt die „Unterbeschäftigung“ (tatsächliche Gesamt-Arbeitslosigkeit) bei 7,0% nach 7,4% vor einem Jahr. Die Langfrist-Trends sehen gut aus, wie die folgenden Zahlen zeigen. Mit 795.551 offenen Stellen (von Arbeitgebern aktiv beim Amt gemeldet) liegt immer noch ein sehr hohes Niveau vor, 11.345 höher als vor einem Jahr.

In der folgenden Grafik sieht man wie in den Vormonaten auch, dass in allen Bundesländern neue sozialversicherungspflichtige Stellen geschaffen werden. Auch die allermeisten Branchen schaffen neue Stellen. Seit geraumer Zeit baut die Finanzbranche Jobs ab, so auch jetzt noch. Im Jahresvergleich sind es -7.000 Stellen. Aber in den letzten Monaten ist die Beschäftigung über die Zeitarbeitsbranche immer mehr aufgefallen. Immer stärker werden dort Jobs abgebaut. Jetzt sind es schon -79.000 Stellen im Jahresvergleich.

Bei so einer niedrigen Arbeitslosigkeit und so einem Abbau bei der Zeitarbeit kann das nur bedeuten, dass die Arbeitgeber es doch zunehmend mit der Angst zu tun bekommen. Sie sind offenbar froh überhaupt noch Arbeitskräfte zu haben, und ziehen sie schnell rüber von der Zeitarbeitsfirma in die Festanstellung direkt im Betrieb. Die Agentur hatte in ihrem Eingangs-Statement ja auch die Verknappung beim Arbeitskräfte-Angebot erwähnt, und dass die Arbeitgeber sich zunehmend knappe Arbeitskräfte sichern wollen.

Hier die aktuellsten Daten zu Flüchtlingen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Zitat Bundesagentur für Arbeit:

Die aktuelle Entwicklung ist positiv. So lag nach jüngsten Angaben für den April 2019 die Arbeitslosigkeit dieses Personenkreises nur noch wenig über dem Niveau des Vorjahres (+5.000 oder +3 Prozent). Die Unterbeschäftigung, die den Einsatz von entlastenden Fördermaßnahmen berücksichtigt, lag sogar geschätzt um 37.000 oder 9 Prozent unter dem Vorjahreswert. Zugleich ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Staatsangehörigen aus den wichtigsten nichteuropäischen Asylherkunftsländern im Februar 2019 um 85.000 oder 40 Prozent gestiegen. Seit Juni 2016 wird die bisherige Berichterstattung über Staatsangehörige aus den wichtigsten Asylherkunftsländern ergänzt um die Berichterstattung über Personen im Kontext Fluchtmigration. Als solche Personen werden Asylbewerber, anerkannte Schutzberechtigte und geduldete Ausländer gezählt. Danach waren im April 2019 in Deutschland 189.000 geflüchtete Menschen in der Arbeitslosigkeit registriert. Die Unterbeschäftigung für diese Personen wird im April auf 373.000 geschätzt.

Bundesagentur für Arbeit - Arbeitsmarkt robust
Bundesagentur für Arbeit, Zentrale in Nürnberg. Foto: Kassandro CC BY-SA 3.0



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